Epileptischer Anfall und Gedächtnisverlust: Ursachen und Zusammenhänge

Epileptische Anfälle können vielfältige Auswirkungen auf die kognitiven Funktionen haben, einschließlich des Gedächtnisses. Ein seltenes, aber bedeutsames Phänomen ist die transiente epileptische Amnesie (TEA), die insbesondere bei Patient*innen mit Temporallappenepilepsie auftritt und oft fehldiagnostiziert wird. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen und Merkmale von Gedächtnisverlust im Zusammenhang mit epileptischen Anfällen, wobei der Fokus auf der TEA liegt.

Transiente Epileptische Amnesie (TEA)

Die transiente epileptische Amnesie (TEA) ist ein seltenes Phänomen bei Patientinnen mit Temporallappenepilepsie, das oft nicht als solches erkannt oder als transiente globale Amnesie (TGA) verkannt wird. Häufig wird die TEA nach dem Erwachen berichtet und dauert typischerweise über 15-60 min an. Die TEA ist durch eine gemischte anterograde und retrograde Gedächtnisstörung charakterisiert. Nicht selten werden Betroffene auch durch Stellen repetitiver Fragen auffällig. Patientinnen mit TEA sind meist im mittleren Lebensalter und haben darüber hinaus oft auch permanente Gedächtnisstörungen (v. a. akzeleriertes Vergessen, autobiografische und räumlich-topografische Gedächtnislücken), zeigen eine emotionale Labilität und sind depressiv verstimmt. Im Gegensatz zur TGA treten TEA regelhaft rezidivierend auf (durchschnittlich einmal pro Monat) und respondieren auf Antiepileptika. Klinisch lassen sich bei TEA-Patient*innen häufig auch andere Merkmale von Temporallappenanfällen eruieren und in weiterführenden Untersuchungen können typische Befunde erhoben werden (in etwa einem Drittel interiktale epileptiforme Aktivität über den Temporallappen, bei wenigen auch kernspintomographische Läsionen im Temporallappen).

Klinische und Paraklinische Merkmale der TEA

Eine retrospektive Analyse von 10 Patient*innen mit TEA, die zwischen 2014 und 2021 stationär in einer Klinik für Epileptologie behandelt wurden, zeigt folgende Charakteristika:

  • Geschlecht und Alter: Neun von zehn Patient*innen waren männlich. Das Alter bei Erstmanifestation der TEA variierte zwischen 46 und 69 Jahren (59,1 ± 6,7 Jahre), wobei die Mehrheit älter als 50 Jahre war.
  • Latenz bis zur Diagnose: Die zeitliche Latenz zwischen Erstmanifestation und Diagnosestellung betrug durchschnittlich 21,9 ± 26,3 Monate.
  • Beruf: Interessanterweise hatten 5 von 10 Patient*innen einen technischen Beruf erlernt.
  • Subjektive Beschwerden: Sieben von zehn Patient*innen berichteten über subjektive Gedächtnisstörungen, welche bei zwei Patienten zu Einschränkungen und Problemen im Alltag führten. Eine subjektive depressive Störung wurde von fünf Patienten berichtet.
  • Vorherige Diagnosen: Auswärtig wurde bei drei Patienten bereits eine Temporallappenepilepsie vermutet, bei einem Patienten wurden Vigilanzschwankungen diagnostiziert.

Fallbeispiel

Ein 47-jähriger kaufmännischer Angestellter berichtete über amnestische Episoden von ca. 30 Minuten Dauer nach dem morgendlichen Erwachen. Er konnte sich nicht an den Tag und die Tagesplanung erinnern, auch waren ihm die Ereignisse des Vortags sowie seine Handy-PIN nicht erinnerlich. Fremdanamnestisch wurden Episoden mit Areagibilität und starrem Blick beobachtet. Die Episoden traten in Abständen von ca. 3 Wochen immer morgens nach dem Aufwachen auf. Auswärtige Untersuchungen (CCT, cMRT, Ruhe-Wach-EEG) waren nicht wegweisend. Während einer Video-EEG-Ableitung in der Klinik konnten am frühen Morgen nach dem Erwachen zwei amnestische Episoden mit einem Herzfrequenzanstieg aufgezeichnet werden, wobei sich bei einer Episode ein Anfallsmuster über 40 Sekunden beginnend mit einer rhythmischen Thetaaktivität frontotemporal rechts zeigte. Der erste Anfall wurde von dem Patienten selbst nicht bemerkt und auch nicht erinnert. Beim zweiten Anfall ohne Nachweis eines Anfallsmusters schrieb der Patient seiner Ehefrau eine Kurznachricht mit der Frage „Wo er hier [sei] und was er hier [mache]?“. Erst fünf Minuten später bemerkte er, dass er einen Anfall gehabt hatte. Interiktal zeigten sich im Schlaf epilepsietypische Potenziale temporal rechts. In einer cMRT-Untersuchung war keine epileptogene Läsion nachweisbar. In der neuropsychologischen Untersuchung ergaben sich Hinweise auf eine Funktionsstörung temporal rechts. Das Depressionsinventar verwies auf eine depressiv gefärbte Stimmungslage. Die antineuronalen Antikörper waren negativ. Es wurde eine Temporallappenepilepsie rechts unklarer Ursache diagnostiziert und eine antiepileptische Therapie mit Lamotrigin eingeleitet. In einer Follow-up-Untersuchung nach 6 Monaten berichtete der Patient über durchgehende Anfallsfreiheit.

Anfallshäufigkeit und -dauer

Die Frequenz der berichteten Anfälle variierte zwischen 4 und 36 Anfällen pro Jahr (16 ± 9,9). Die Dauer eines Anfalls lag meist zwischen 15 und 60 Minuten (56 ± 37 Minuten); bei einem Fall wurde eine TEA mit einer Dauer von 150 Minuten berichtet. Bei 5 Patientinnen kam es zum Auftreten von Anfällen am Morgen. Insgesamt berichteten 6 Patientinnen über ein Auftreten der TEA direkt nach dem Erwachen. Von einem nächtlichen Auftreten aus dem Schlaf heraus oder nach nächtlichem Erwachen wurde von keiner Patientin berichtet. Bei 9 Patientinnen ergab die Anamnese Hinweise auf weitere Anfallstypen bzw. auf weitere semiologische Elemente während des Anfalls. Drei Patient*innen erhielten bereits auswärtig die Diagnose einer Epilepsie.

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Diagnostische Befunde

  • EEG: Der Nachweis epilepsietypischer Aktivität im Routine-EEG gelang nur selten. Bei 4 Patient*innen wurde eine unspezifische Thetaaktivität über der Temporalregion nachgewiesen.
  • MRT: In kernspintomografischen Untersuchungen des Neurokraniums stellten sich bei 3 Patientinnen epileptogene Läsionen im Bereich der temporomesialen Strukturen dar, bei 2 Patientinnen links, bei 1 Patienten rechts.
  • Video-EEG: In Video-EEG-Langzeitableitungen von mindestens 24 Stunden Dauer wurde bei 6 Patientinnen eine im Schlaf aktivierte epilepsietypische Aktivität über der Temporalregion nachgewiesen, bei 4 Patientinnen über der linken Temporalregion, bei 2 Patient*innen temporal beidseits. Einmalig wurde ein Anfallsmuster temporal rechts während einer TEA nach dem Erwachen aufgezeichnet.
  • Neuropsychologie: Die ergänzende neuropsychologische Untersuchung erbrachte bei 8 Patientinnen Hinweise auf temporale Funktionsstörungen, welche bereits auch subjektiv von den meisten Patienten wahrgenommen wurden. Bei 3 Patientinnen korrelierte die neuropsychologische Seitenlokalisation mit der Seite des spezifischen Herdbefunds mit Nachweis epilepsietypischer Potenziale (2 links, 1 rechts).
  • Weitere Befunde: Hinweise auf eine depressive Störung fanden sich bei 6 Patientinnen. In einer ergänzenden Liquoranalyse war bei 3 von 10 Patientinnen eine Eiweißerhöhung nachweisbar. Bei 2 von 10 Patientinnen wurden identische Bandenmuster im Serum und Liquor als Hinweis auf eine systemische Immunreaktion nachgewiesen, davon einmalig mit Nachweis einer intrathekalen IgG-Synthese. Die ergänzende Antikörperdiagnostik ergab bei 1 von 10 Patientinnen den schwachen Nachweis von GAD65-Antikörpern. Zudem fielen bei 2 von 10 Patientinnen Bindungsmuster an Neuronen des Hippocampus sowie bei 1 weiteren Patientin Zusatzbanden im Western Blot auf. Eine ergänzende Tumorsuche wurde nur bei 4 von 10 Patientinnen durchgeführt und ergab dort jeweils keinen Hinweis auf eine Tumorerkrankung.

Therapie und Anfallskontrolle

Bei 9 Patient*innen wurde Lamotrigin zur antiepileptischen Therapie eingesetzt. Dies verbesserte die Anfallskontrolle bei 5 Patienten. Eine Patientin profitierte nicht von der Lamotrigingabe. Ein weiterer Patient erreichte mit dem Einsatz von Levetiracetam eine gute Anfallskontrolle. Die Anfallskontrolle eines Patienten stabilisierte sich schon zuvor unter Durchführung einer immunsuppressiven Therapie mit Kortison, Immunadsorption und Therapie mit Azathioprin. Die antiepileptische Therapie war danach überlappend von Levetiracetam auf Lamotrigin umgestellt worden, worunter schließlich Anfallsfreiheit erreicht wurde.

Ursachen und Mechanismen von Gedächtnisverlust bei Epilepsie

Die Mechanismen, die zur TEA führen, sind nicht abschließend geklärt, aber es gibt Hinweise sowohl auf eine unmittelbare iktale Störung der Gedächtnisleistung als auch Hinweise auf ein postiktales Symptom als Ausdruck einer den Anfall überdauernden passageren Funktionsstörung gedächtnisrelevanter Netzwerke. Zumindest weist das Ansprechen auf Antiepileptika darauf hin, dass epileptische Anfälle ursächlich beteiligt sind.

Inzidenz und Prävalenz

Die Datenlage zur Inzidenz der TEA ist spärlich, mutmaßlich auch wegen der geringen Bekanntheit des Phänomens. Eine prospektive Studie aus einem Zentrum für Demenzerkrankung erbrachte eine Prävalenzrate von 4 % unter den Erkrankten. Eine retrospektive Analyse identifizierte 4 von 827 Patientinnen mit einer TEA durch die Schlagwortsuche im Jahr 2020. Eine ergänzende Stichprobenerhebung ergab, dass die TEA-Kriterien bei 2 weiteren Patientinnen von 260 konsekutiven Fällen im Zeitraum von Januar bis einschließlich März 2020 zutrafen, was etwa 0,8 % der erhobenen Stichprobe in einem spezialisierten Epilepsiezentrum entspricht.

Demografische Faktoren

Das Durchschnittsalter bei Erstmanifestation liegt bei 59 Jahren und bei Diagnosestellung bei 61 Jahren. Neun von zehn Patient*innen sind männlichen Geschlechts. Der relativ hohe Anteil an Komorbiditäten (Gedächtnisstörungen, Depressionen) ist durch die zugrunde liegende chronische Erkrankung des Temporallappens zu erklären.

Anfallsmerkmale

In der Fallserie traten zwischen 4 und 36 Episoden mit TEA pro Jahr auf. Im Gegensatz zur TGA ist die Dauer der TEA kürzer und hält häufig maximal 1 Stunde an. Ein gehäuftes Auftreten am Morgen und nach dem Erwachen wurde als typisches Merkmal beschrieben, was auch in der Fallserie nachvollzogen werden konnte. Eine Aktivierung des Anfallsgenerators im Schlaf erscheint eine naheliegende Ursache zu sein. In dem Kollektiv konnte schlafaktivierte epilepsietypische Aktivität bei allen Patientinnen mit Nachweis epilepsietypischer Aktivität beobachtet werden. Bei nahezu allen Patientinnen ergab eine gezielte epileptologische Anamnese Hinweise auf weitere Anfallstypen.

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Differenzialdiagnose

Die klinische Differenzierung zur TGA oder zu „Verwirrtheitsepisoden“ bei älteren Menschen ist unter anderem deswegen erschwert, weil bei bis zu einem Viertel der TEA-Patient*innen die transiente Amnesie das einzige Symptom der zugrunde liegenden Temporallappenepilepsie sein kann. Eine klinische Abgrenzung zu der in der Bevölkerung häufiger, jedoch selten rezidivierend auftretenden TGA ist anhand semiologischer Aspekte bei Erstmanifestation schwierig, was die hohe zeitliche Latenz zwischen Erstmanifestation und Diagnosestellung erklärt. Begleitend können Übelkeit, Schwindel und Kopfschmerzen in leichter bis mäßiger Ausprägung auftreten. Zusatzuntersuchungen wie eine cMRT- und EEG-Untersuchung können im Einzelfall zur unterstützenden Differenzialdiagnostik sinnvoll sein. Komorbiditäten wie Depressionen oder chronische Gedächtnisstörungen sind bei der TGA nicht beschrieben.

Altersepilepsie und Gedächtnisstörungen

Epileptische Anfälle sind im Grunde Krampfanfälle, die durch vorübergehende Funktionsstörungen von Nervenzellen im Gehirn ausgelöst werden. In Deutschland erkranken jährlich 10.000 Menschen an Altersepilepsie. Anders als bei epileptischen Anfällen ist bei der Altersepilepsie meist nur ein bestimmter Bereich des Gehirns betroffen. Symptome wie kurz auftretende Abwesenheitszustände, Verwirrtheit oder einfach nur Sprachunfähigkeit sind charakteristisch, aber leider nicht sehr spezifisch.

Diagnostische Herausforderungen

Die Symptome der Altersepilepsie sind nicht spezifisch und werden gerade im höheren Alter oftmals durch andere Erkrankungen, wie beispielsweise Demenz, überdeckt. Das erschwert die Diagnosestellung. Auch bei Frank R. wurde wegen gleichzeitig erfasster Herzrhythmusstörungen nicht sofort an eine Altersepilepsie gedacht.

Therapie der Altersepilepsie

Die Altersepilepsie ist unter Berücksichtigung altersbedingter Besonderheiten mit modernen Antiepileptika gut behandelbar. Die Einstellung auf ein bestimmtes Medikament ist manchmal etwas schwieriger als bei jungen Patienten. Die Medikamente beeinflussen den Gehirnstoffwechsel, haben aber kaum Nebenwirkungen und werden daher von den meisten Patient*innen sehr gut vertragen.

Transiente Globale Amnesie (TGA)

Die transiente globale Amnesie (TGA) ist eine vorübergehende Störung der Merkfähigkeit, die zwar harmlos ist, aber für Betroffene und Angehörige sehr beunruhigend sein kann. Patient*innen mit TGA sind im Akutstadium bezüglich Zeit, Ort und Situation desorientiert und fragen immer wieder nach, was gerade passiert ist oder nach dem aktuellen Datum. Eine akute Therapie gibt es nicht. Bei einer TGA erleben Betroffene vor allem eine antero- und weniger stark auch eine retrograde Amnesie. Das bedeutet, dass das Gehirn in dieser Phase keine neuen Informationen abspeichern kann und sie deshalb immer wieder dieselben Fragen stellen. Gleichzeitig haben sie Schwierigkeiten, vorhandene Erinnerungen abzurufen - vor allem aus der jüngeren Vergangenheit. Andere kognitive Fähigkeiten bleiben davon unberührt.

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Differenzialdiagnostische Aspekte

Es ist wichtig, andere mögliche Ursachen für Gedächtnisverlust auszuschließen, wie zum Beispiel Schlaganfälle oder epileptische Anfälle. Die genaue Anamnese und eine sorgfältige neurologische Untersuchung mit speziellen Amnesie-Tests sind entscheidend für die Diagnose einer TGA.

Auslöser und Verlauf

Am Häufigsten sind Menschen zwischen 50 und 70 Jahren betroffen. Bei rund 75 Prozent der Patient*innen unterstützen mögliche Auslöser der TGA die Diagnosestellung: Emotionaler Stress, ausgeprägte körperliche Anstrengungen, Geschlechtsverkehr oder ein Sprung ins kalte Wasser. In der Regel bilden sich die Symptome langsam nach vier bis fünf Stunden zurück, maximal halten sie 24 Stunden an. Lediglich die Zeit während der Akutphase der TGA hinterlässt bei den Betroffenen eine Erinnerungslücke.

Epilepsie: Ursachen, Symptome und Verhalten im Anfall

Bei einem epileptischen Anfall ist die Funktion des Gehirns kurzzeitig gestört. Epilepsien umfassen eine Vielzahl von chronischen Erkrankungen des zentralen Nervensystems, die aufgrund einer Überaktivität der Nervenzellen im Gehirn auftreten. Wenn Nervenzellen übermäßig aktiv sind, können sie anfallsartige Funktionsstörungen auslösen. Diese reichen von kaum merklichen geistigen Abwesenheiten über Wahrnehmungsstörungen bis hin zu schweren Krampfanfällen mit Bewusstseinsverlust.

Klassifikation epileptischer Anfälle

Es gibt generalisierte Anfälle (Grand Mal), bei denen das gesamte Gehirn beteiligt ist und fokale Anfälle (Petit Mal), die nur in einem Teil des Gehirns entstehen. Epileptische Anfälle sind in der Regel sehr kurz. Meistens dauern sie nicht länger als 2 Minuten. Wenn ein Anfall länger als 5 Minuten anhält, handelt es sich um einem Status epilepticus.

Verhalten bei einem epileptischen Anfall

Wenn man Zeug*in eines epileptischen Anfalls bei einer anderen Person wird, ist es sehr wichtig, ruhig und besonnen zu bleiben. Vor allem sollte man überlegen, wie man die Person vor Verletzungen schützt. Alles andere hängt von der Stärke und der Art der Anfälle ab.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen der Epilepsie sind noch nicht vollständig geklärt. In vielen Fällen ist eine Form der Epilepsie schon früher in der Familie aufgetreten, was für eine erbliche Veranlagung spricht. In einigen Fällen kann man Veränderungen im Erbmaterial (Genmutation) erkennen. Manche Anfälle können sich in Folge von Unfällen (posttraumatisch) oder als Reflexantwort ereignen. Bei anderen Anfällen können Veränderungen in der Gehirnstruktur ursächlich sein.

Auslöser (Trigger) von epileptischen Anfällen

Epileptische Anfälle können aus heiterem Himmel auftreten. In vielen Fällen sind aber auch bestimmte Trigger eines Anfalls bekannt. Die Auslöser können sich im individuellen Fall unterscheiden. Zu den häufigsten Triggern von epileptischen Anfällen gehören unter anderem: Schlafmangel, unregelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus, starke körperliche oder seelische Belastung (Stress), hohes Fieber, Alkohol und Alkoholentzug, Drogen oder Schlafmittelentzug, eher selten flackerndes Licht.

Verlauf und Prognose

Epilepsien können unterschiedlich verlaufen. Es gibt Menschen, die nur wenige Anfälle in ihrem Leben erleiden. Die Krankheit hat in diesen Fällen kaum Einfluss auf die Lebensplanung und -qualität der Betroffenen. Etwa 30-40 Prozent der Patient*innen werden durch die medikamentöse Therapie nicht vollständig anfallsfrei.

Dissoziative Anfälle

Typische Anzeichen sind plötzliche Bewegungsstörungen oder Bewusstseinsveränderungen ohne eine organische Ursache im Gehirn. Dissoziative Anfälle zählen daher zu den sogenannten funktionellen Störungen. Bei Dissoziativen Anfällen verlieren Betroffene vorübergehend die Kontrolle über ihren Körper - mit Zuckungen, Ohnmachtsanfällen oder Verkrampfungen. Anders als bei Epilepsie fehlt jedoch eine krankhafte elektrische Entladung im Gehirn. Die Anfälle entstehen ohne erkennbare körperliche Ursache und dauern oft mehrere Minuten.

Gedächtnisstörungen bei Epilepsie: Forschungsergebnisse

Menschen mit Epilepsie haben oft Probleme mit dem Gedächtnis. Unter anderem fällt es ihnen schwer, Bekanntes von Unbekanntem zu unterscheiden. Forscher haben aufgedeckt, welche Mechanismen möglicherweise dahinterstecken könnten. Demnach sind bei Epilepsie bestimmte Zellen im Gehirn zu leicht erregbar, sodass sie unspezifisch sowohl auf bekannte als auch auf unbekannte Reize reagieren.

Rolle des Hippocampus

Ein Team um Nicola Masala von der Universität Bonn hat erforscht, wie die Verarbeitung von Reizen und Erinnerung im Gehirn von Mäusen funktioniert, bei denen das Team künstlich Epilepsie erzeugt hatte. Dabei fokussierten sie sich auf den Hippocampus, eine Region im Gehirn, die eine zentrale Rolle für das Gedächtnis spielt, darunter auch für die räumliche Erinnerung.

Dendritische Integration

Bei Mäusen mit Epilepsie ist der Vorgang der dendritischen Integration gestört. Bei ihnen entstehen die Spikes schon, wenn nur wenige Synapsen gereizt werden. Das Ergebnis: Während Mäuse aus der Kontrollgruppe die Petrischale im Vergleich zum blauen Deckel länger erkundeten, machten die Epilepsie-Mäuse keinen Unterschied zwischen den beiden Gegenständen.

Natrium-Ionen-Kanäle

Masala und ihre Kollegen fest, dass ein bestimmter Typ von Natrium-Ionen-Kanal im Gehirn der Epilepsie-Mäuse deutlich häufiger vorhanden war als normal. An einer Gruppe von Epilepsie-Mäusen erprobten die Forscher auch bereits, wie sich die Gedächtnisprobleme womöglich medikamentös behandeln lassen könnten. Dazu verabreichten sie den Tieren einen Hemmstoff, der gezielt den betroffenen Kanaltyp blockiert. Dadurch normalisierte sich bei ihnen das Feuerverhalten der Dendriten. Außerdem konnten sie sich wieder besser an Orte erinnern, die sie besucht hatten.

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