Morbus Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die vor allem ältere Menschen betrifft. Sie ist gekennzeichnet durch motorische Störungen, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können. Die Symptome lassen sich jedoch durch verschiedene Therapieansätze lindern.
Was ist Morbus Parkinson?
Morbus Parkinson ist eine chronisch-progrediente Erkrankung des zentralen Nervensystems. Sie entsteht durch das Absterben von Nervenzellen in einem bestimmten Bereich des Gehirns, der Substantia nigra. Diese Nervenzellen produzieren Dopamin, einen wichtigen Botenstoff für die Steuerung von Bewegungen. Durch den Dopaminmangel kommt es zu einem Ungleichgewicht im Gehirn, das die typischen Parkinson-Symptome verursacht. Etwa eine von 400 Personen in Deutschland leidet an Parkinson.
Ursachen von Parkinson
Die genauen Ursachen für das Absterben der Nervenzellen bei Parkinson sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass verschiedene Faktoren eine Rolle spielen, darunter:
- Genetische Veranlagung: In seltenen Fällen ist Parkinson erblich bedingt.
- Umweltfaktoren: Bestimmte Umweltgifte oder Schadstoffe könnten das Risiko für Parkinson erhöhen.
- Alterungsprozesse: Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, an Parkinson zu erkranken.
- Fehlfaltung von Proteinen: Defekte Moleküle des Eiweißes α-Synuclein sammeln sich in den betroffenen Neuronen, die daraufhin absterben.
- Braak-Hypothese: Diese Hypothese besagt, dass Parkinson in der Nasenschleimhaut und im Darm beginnt. Studien deuten darauf hin, dass der Darm an der Entstehung von Parkinson beteiligt sein könnte.
Symptome von Parkinson
Die Symptome von Parkinson sind vielfältig und können sich von Person zu Person unterschiedlich äußern. Zu den Hauptsymptomen gehören:
- Verlangsamte Bewegungen (Bradykinese): Alle Körperbewegungen laufen unnatürlich langsam ab. Betroffene gehen beispielsweise langsam und in kleinen Schritten.
- Muskelsteifheit (Rigor): Die Muskeln sind dauerhaft angespannt, auch in Ruhe. Dies kann schmerzhaft sein und die Beweglichkeit einschränken.
- Zittern in Ruhe (Tremor): Arme und Beine zittern, vor allem in Ruhe. Das Zittern tritt anfangs meist einseitig auf und kann sich bei Stress verstärken.
- Mangelnde Stabilität der aufrechten Körperhaltung (posturale Instabilität): Betroffene haben Schwierigkeiten, das Gleichgewicht zu halten und stürzen leichter.
Weitere Symptome, die bei Parkinson auftreten können, sind:
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- Sprachstörungen: Leise, monotone oder verwaschene Sprache
- Schluckstörungen: Probleme beim Schlucken von Flüssigkeiten oder fester Nahrung
- Schlafstörungen: Ein- und Durchschlafprobleme, unruhiger Schlaf
- Depressionen: Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit, Interessenverlust
- Verstopfung: Schwierigkeiten beim Stuhlgang
- Verlust des Geruchssinns: Beeinträchtigung oder Verlust der Fähigkeit, Gerüche wahrzunehmen
- REM-Schlaf-Verhaltensstörung: Betroffene sprechen, lachen oder gestikulieren im Schlaf.
- ** vegetative Störungen:** Schlafstörungen
Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Menschen mit Parkinson alle diese Symptome entwickeln. Einige Betroffene haben nur wenige Symptome, während andere stärker beeinträchtigt sind.
Diagnose von Parkinson
Die Diagnose von Parkinson kann schwierig sein, da es keinen spezifischen Test gibt, der die Erkrankung eindeutig nachweisen kann. Die Diagnose basiert in der Regel auf einer Kombination aus:
- Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte und der aktuellen Beschwerden
- Körperliche und neurologische Untersuchung: Überprüfung der motorischen Fähigkeiten, Reflexe, Sensibilität und anderer neurologischer Funktionen
- L-Dopa-Test: Gabe von L-Dopa, einem Medikament, das den Dopaminmangel im Gehirn ausgleicht. Wenn sich die Symptome nach der Einnahme von L-Dopa bessern, ist dies ein Hinweis auf Parkinson.
- Bildgebende Verfahren: Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) des Gehirns, um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen.
- SPECT (Single Photon Emission Computed Tomography): Hierbei wird eine radioaktive Substanz gespritzt. Dadurch lassen sich genau die Nervenenden im Gehirn darstellen, die sich bei Parkinson zurückbilden.
- Transkranielle Sonografie (TCS): Ultraschall-Untersuchung des Gehirns.
Die Diagnosekriterien der MDS (Movement Disorder Society) dienen als Leitfaden im klinischen Alltag, um die Diagnose Parkinson stellen zu können. Dazu müssen die drei Kardinalsymptome langsame Bewegungen (Bradykinese), Zittern in Ruhe (Ruhetremor) und Muskelverspannungen (Rigor, besonders am Handgelenk) vorliegen.
Therapie von Parkinson
Parkinson ist derzeit nicht heilbar. Die Behandlung zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Es gibt verschiedene Therapieansätze, die einzeln oder in Kombination eingesetzt werden können:
Medikamentöse Therapie:
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- L-Dopa (Levodopa): Wird bei Patientinnen und Patienten über siebzig in Kombination mit einem Decarboxylasehemmer eingesetzt. L-Dopa ist eine Vorstufe von Dopamin, die im Gehirn in Dopamin umgewandelt wird.
- Dopaminagonisten: Ähneln Dopamin und sind in der Lage, die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden.
- MAO-B-Hemmer: Hemmen den Abbau von Dopamin im Gehirn.
- COMT-Hemmer: Verlängern die Wirkung von Dopamin.
- Anticholinergika: Können zur Termorbehandlung eingesetzt werden, weil sie den Acetylcholinüberschuss im Gehirn reduzieren.
- NMDA-Antagonisten: Hemmen die Glutamatwirkung.
Tiefe Hirnstimulation (THS): Ein chirurgischer Eingriff, bei dem Elektroden in bestimmte Bereiche des Gehirns implantiert werden, um die krankhafte Aktivität der Nervenzellen zu beeinflussen.
Physiotherapie: Übungen zur Verbesserung der Beweglichkeit, des Gleichgewichts und der Koordination
Ergotherapie: Hilft Betroffenen, ihren Alltag besser zu bewältigen und möglichst lange selbstständig zu bleiben.
Logopädie: Behandlung von Sprach- und Schluckstörungen
Bewegungstherapie: Regelmäßige körperliche Aktivität kann die Symptome verbessern und die Lebensqualität günstig beeinflussen.
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Es ist wichtig, dass die Therapie individuell auf die Bedürfnisse und Symptome des einzelnen Patienten abgestimmt wird.
Bewegung und Parkinson
Bewegung spielt eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Parkinson. Studien haben gezeigt, dass regelmäßige körperliche Aktivität die motorischen Symptome verbessern und die Lebensqualität der Betroffenen steigern kann. Dabei scheint die Art der Bewegung zweitrangig zu sein. Ob Tanzen, Wassergymnastik, Kraft- oder Ausdauertraining, Tai-Chi oder Yoga - wichtig ist, dass die Betroffenen Spaß an der Bewegung haben und motiviert sind, regelmäßig aktiv zu sein.
Parkinson-Demenz
Etwa 40 % aller Menschen mit Parkinson erkranken später an Parkinson-Demenz. Bei Parkinson-Demenz sterben Nervenzellen im Mittelhirn ab, die Bewegungsabläufe steuern. Dort entsteht ein Mangel an Dopamin, einem Botenstoff wichtiger Signalübertragung. Gleichzeitig sinkt im Verlauf auch das Acetylcholin, ein weiterer Botenstoff, der wichtig ist für Gedächtnis, Aufmerksamkeit und kognitive Verarbeitung. Die Symptome der Demenz beginnen oft unscheinbar. Wenn erste Anzeichen auftreten - Wortfindungsstörungen, verlangsamtes Denken, Gedächtnisprobleme -, sollten Sie dies ärztlich abklären lassen.
Leben mit Parkinson
Das Leben mit Parkinson kann eine Herausforderung sein. Es gibt jedoch viele Dinge, die Betroffene tun können, um ihre Lebensqualität zu verbessern:
- Offen mit der Erkrankung umgehen: Sprechen Sie mit Freunden, Familie und Kollegen über Ihre Erkrankung.
- Sich informieren: Informieren Sie sich umfassend über Parkinson und die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten.
- Unterstützung suchen: Treten Sie einer Selbsthilfegruppe bei oder suchen Sie professionelle Hilfe.
- Aktiv bleiben: Regelmäßige Bewegung und soziale Kontakte sind wichtig für das Wohlbefinden.
- Sich Ziele setzen: Konzentrieren Sie sich auf das, was Sie noch können, und setzen Sie sich realistische Ziele.
Lebenserwartung bei Parkinson
Laut Statistik hat ein optimal behandelter Mensch mit Parkinson-Syndrom heute fast die gleiche Lebenserwartung wie eine gleichaltrige gesunde Person. Die Parkinson-Krankheit selbst ist in der Regel nicht tödlich. Die gestiegene Lebenserwartung beim Parkinson-Syndrom kommt dadurch zustande, dass die modernen Medikamente die wesentlichen Beschwerden der Betroffenen weitgehend beheben.
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