Die Epilepsie-Ambulanz in Regensburg bietet ein breites Spektrum an Leistungen für Patienten mit Epilepsie. Ziel ist es, eine optimale Diagnostik, Therapie und Betreuung für Menschen mit dieser neurologischen Erkrankung sicherzustellen. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die Leistungen, Öffnungszeiten und Ansprechpartner der Ambulanz, sowie allgemeine Informationen zum Thema Epilepsie.
Sprechstunden und Terminvereinbarung
Die Epilepsie-Ambulanz bietet Sprechstunden von Montag bis Freitag an. Gesetzlich versicherte Patienten werden gebeten, eine Überweisung von ihrem behandelnden Facharzt mitzubringen. Es wird darauf hingewiesen, dass ambulante Leistungen bei gesetzlich versicherten Patienten nur im rechtlich zulässigen Rahmen erbracht werden dürfen. Für eine Terminvereinbarung wenden Sie sich bitte an die angegebenen Kontaktdaten.
- Telefon: +49 (0)941 369 2407 oder 2401
Ärztliche Leitung und Team
Seit dem 1. Juli hat Herr Dr. Tareq Haedenkamp, zertifizierter Epileptologe, die ärztliche Leitung des Schwerpunktes Epileptologie übernommen. Er ist im Rahmen einer persönlichen Ermächtigung zur ambulanten Behandlung zugelassen. PD Dr. Christian Tilz steht der Klinik übergangsweise noch bis Ende des Jahres freitags zur Verfügung. Die übrige personelle Besetzung der Epileptologie bleibt unverändert.
Leistungsspektrum der Epilepsie-Ambulanz
Die Epilepsie-Ambulanz bietet ein umfassendes Leistungsspektrum für Patienten mit Epilepsie, einschließlich:
- Diagnostik: Umfassende Anamnese, neurologische Untersuchung, Elektroenzephalographie (EEG), Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns, neuropsychologische Testung
- Therapie: Individuelle medikamentöse Einstellung, Beratung zu nicht-medikamentösen Therapien (z.B. Vagusnervstimulation, ketogene Diät), operative Therapieoptionen
- Beratung: Beratung zu sozialen Fragen (z.B. Arbeit, Führerschein, Sport, Schwerbehinderung), Informationen zu Selbsthilfegruppen und anderen Unterstützungsmöglichkeiten
- Epilepsie-Patientenschulungen: Im Rahmen des MOSES-Schulungsprogramms werden zweimal pro Jahr Epilepsie-Patientenschulungen organisiert, um Betroffene und Angehörige umfassend über medizinische und psychosoziale Fragen rund um die Krankheit Epilepsie zu informieren.
Stationärer Bereich
Der stationäre Bereich für Epilepsiepatienten ist mit Video-Langzeit-EEG-Monitoring-Betten sowie einem Video-Überwachungsbett ausgestattet. Diese Methode dient dazu, Patienten mit Anfällen rund um die Uhr sowohl mittels Videokamera als auch mittels synchroner Registrierung der Hirnstrom-Aktivität (EEG) zu überwachen. Dadurch können Aussagen zur Anfallsart, Anfallsfrequenz und Intensität getroffen werden. Ebenso dient das Video-Langzeit-EEG-Monitoring dazu, epileptische Anfälle von nichtepileptischen Anfällen (Kreislaufregulationsstörungen, Schlafstörungen, psychogenen Anfällen) abzugrenzen. Ansprechpartner des Bereichs Epileptologie innerhalb der Klinik für Neurologie ist Herr Dr. med.
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Was ist Epilepsie?
Ein epileptischer Anfall ereignet sich bei einer Funktionsstörung der Nervenzellen im Gehirn. Es liegt eine elektrische Übererregbarkeit der Nervenzellen vor. Dies kann an einer Stelle der Hirnrinde entstehen und eine ganze Anzahl von Hirnnervenzellen zu einer plötzlichen, gleichzeitigen und rhythmischen Entladung veranlassen. Je nachdem welche Nervenzellen entladen, kommt es zu unterschiedlichen Ausfällen oder Symptomen, die wir dann als Anfall wahrnehmen.
Ursachen und Auslöser
Im Rahmen vieler Gehirnstörungen kann es zu einem epileptischen Anfall kommen. Unter bestimmten Voraussetzungen spricht man dann von einer Epilepsie. Beispiele hierfür sind:
- Schlaganfall
- Hirnhaut- oder Gehirnentzündung
- Hirntumor
- Narbige Veränderungen nach einer Hirnverletzung
- Missbildung/Fehlanlage des Gehirns bei der Geburtsentwicklung
- Stoffwechselstörung
Von einer Epilepsie spricht man, wenn sich wiederholt unprovozierte epileptische Anfälle ereignen.
Arten von epileptischen Anfällen
Epileptische Anfälle können völlig unterschiedlich ablaufen. Einige halten nur wenige Sekunden an und bleiben oft unbemerkt. Teilweise zeigt sich ein leichtes einseitiges „Muskelzucken“, eine Missempfindung oder eine Konzentrationsstörung. Andere dauern wenige Minuten an und sind durch einen Bewusstseinsverlust gekennzeichnet. Manchmal kommt es zunächst zu einem extremen Anspannen der Muskulatur in Armen und Beinen, dann rhythmischen Zuckungen von Armen und Beinen. Letzteres wird abhängig vom Ursprung als bilateral oder generalisiert tonisch-klonischer Anfall bezeichnet.
Die Internationale Liga gegen Epilepsie (ILAE) teilt die unterschiedlichen Formen von Anfällen und Epilepsien grob ein:
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- Fokale Anfälle: Sie werden von einer Funktionsstörung an einer bestimmten Region des Gehirns ausgelöst und äußern sich klinisch zum Beispiel durch unwillkürliche Zuckungen an einem Arm bei erhaltenem Bewusstsein. Der Patient verspürt häufig ein Vorgefühl (Aura) vor dem Anfall.
- Fokale Anfälle mit Übergang zu bilateral tonisch klonischen Anfällen (früher sekundär generalisierte Anfälle): Sie treten zunächst wie fokale Anfälle auf, breiten sich aber im Verlauf auf das ganze Gehirn aus, so dass ein Bewusstseinsverlust und Zuckungen an beiden Armen und Beinen auftreten.
- Generalisierte Anfälle: Sie zeigen keinen bestimmten Ursprung und betreffen vom ersten Moment das gesamte Gehirn. Hier kommt es zu einer Bewusstseinsstörung ohne Vorgefühl.
Diagnostik von Epilepsie
Bei einem Erstereignis ist es sehr wichtig, so viele Informationen wie möglich zusammenzutragen. Die Beschreibung eines Anfallsereignisses lässt bereits Rückschlüsse auf die erkrankte Region des Gehirns zu (Semiologie). Der Ablauf eines Anfalles kann beschrieben werden als Anfallsphase (iktale Phase), unmittelbar folgende Phase (postiktale Phase) und die Zwischenanfallsphase (interiktale Phase).
Meist kann der Patient eine sogenannte Aura, also ein Vorgefühl, beschreiben. Als Aura können beispielsweise eine Sehstörung, eine Missempfindung aus der Magengegend, Geruchs- oder Geschmacksstörungen, emotionale Erregungszustände (Angst- oder Glücksgefühl) oder ein Déjà vu Erlebnis wahrgenommen werden.
Verliert er bei einem Anfall das Bewusstsein, ist eine Fremdbeobachtung des weiteren Geschehens sehr hilfreich. Oft hilft heutzutage auch eine Handy-Videoaufnahme, das Ereignis einzuordnen und einen epileptischen Anfall von anderen Arten der plötzlichen Bewusstlosigkeit abgrenzen zu können.
Zusatzdiagnostik:
- Basisuntersuchungen wie eine Blut- und auch eine Nervenwasseranalyse sind hilfreich.
- Unter einer Elektroencephalographie (EEG) versteht man landläufig eine Hirnstrommessung, die Veränderungen in der Funktion der Hirnrinde aufdecken kann.
Therapie von Epilepsie
Anfallsunterdrückende Medikamente (Anfallssuppressiva) werden spätestens dann von Ihrem Arzt verordnet, wenn mindestens zwei Anfälle unprovoziert auftreten. In Einzelfällen muss bereits nach dem ersten Anfall eine medikamentöse Behandlung vorgenommen werden. Eine regelmäßige Betreuung durch einen Neurologen, manchmal auch lebenslang, ist für einen guten Behandlungserfolg erforderlich. Ebenso wichtig ist das Führen eines sogenannten Anfallskalenders durch den Patienten. Hierdurch können Auslöser für Anfälle ausgemacht, deren Gefahren erkannt und die Häufigkeit ihres Auftretens besser abgeschätzt werden.
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Die Medikamenteneinstellung kann durch ein einzelnes Präparat oder durch Kombinationen erfolgen. Ist durch die medikamentöse Therapie keine ausreichende Anfallskontrolle zu erreichen, so kann auch eine epilepsiechirurgischer Eingriff oder ein elektrisches Stimulationsverfahren (Vagusstimulator) zur Anfallsfreiheit oder Anfallsreduktion führen.
Komplikationen bei epileptischen Anfällen
Die Mehrzahl der epileptischen Anfälle hält wenige Sekunden bis ein oder zwei Minuten an und klingt folgenlos ab. Bei Bewusstseinsverlust kann es jedoch durch einen Sturz oder heftige Entäußerungen zu Verletzungen kommen. Manche Muskelanspannungen können so heftig sein, dass es zu Knochenbrüchen kommt. Bei einem bewusstlosen Patienten im Anfall sollte nicht versucht werden Gegenstände in den Mundraum einzubringen. Ein Freihalten der Atemwege ist wichtig. Gegenstände jedoch können zu Zahnverletzungen und Verschlucken oder gar Ersticken am Material führen.
Gefahrenstellen müssen mit jedem Patienten individuell durchgegangen werden, beispielsweise an der Arbeitsstelle (Arbeiten in großer Höhe, zum Beispiel auf einem Gerüst, mit spitzen Gegenständen, mit Kreissägen oder Hantieren mit Gefahrenstoffen).
Status epilepticus
Selten sind Anfälle von längerer Dauer und verlaufen nicht selbstlimitierend. Dieser Zustand kann lebensgefährlich sein und wird Status epilepticus genannt. Das Gehirn kann bei längerer Dauer eines Anfalles Schaden nehmen. Die Situation muss so schnell wie möglich mit Medikamenten durchbrochen werden.
Fallbeispiele
Die folgenden Fallbeispiele verdeutlichen die Vielfalt der Epilepsie-Erkrankungen:
- Fallbeispiel 1: Der 43-jährige Brauereimeister Klaus stellt sich beim Neurologen vor, da er vier Mal im letzten Monat Zuckungen an seinem rechten Arm bemerkt hatte. Das Zucken würde immer zunächst an der Hand beginnen und sich dann auf den kompletten Arm ausbreiten. Er könne dies überhaupt nicht kontrollieren. Die „Anfälle“ dauerten meist wenige Sekunden. Heute hätte er dies aber über zwei Minuten beobachtet und im Anschluss eine Kraftlosigkeit im Arm festgestellt, so dass er nicht mehr arbeitsfähig gewesen sei.
- Fallbeispiel 2: Der 22-jährige Fabian wird vom Notarzt in die Klinik gebracht. Eine Epilepsie ist seit dem 12. Lebensjahr bekannt. Auch Schwester und Onkel leiden an Epilepsie. Er hatte heute bereits vier Anfälle. Sonst hat er nur einen Anfall alle drei Monate. In der Notaufnahme schreit er plötzlich auf, atmet schwer und verliert das Bewusstsein. Es kommt zu einer starken Muskelanspannung an Armen und Beinen, bevor diese rhythmisch zu zucken beginnen. Die Augen sind geöffnet, die Pupillen erweitert und reagieren nicht auf Licht.
Epilepsie-Ambulanzen und -Zentren in Deutschland
Die Deutsche Gesellschaft für Epileptologie (DGfE) hat eine Liste von zertifizierten Epilepsiezentren und Schwerpunktpraxen in Deutschland erstellt. Diese Zentren und Praxen bieten eine spezialisierte Versorgung für Patienten mit Epilepsie.
- Zur Zeit gibt es in Deutschland 58 Schwerpunktpraxen Epileptologie.
- Zur Zeit gibt es in Deutschland 50 Epilepsie-Ambulanzen für Jugendliche und Erwachsene.
- Zur Zeit gibt es in Deutschland 97 Epilepsie-Ambulanzen für Kinder und Jugendliche.
- Zur Zeit gibt es in Deutschland 57 Epilepsiezentren.
- Zur Zeit gibt es in Deutschland 23 Epilepsie-Beratungsstellen.
(Stand der Angaben: Unterschiedliche Zeitpunkte in der Vergangenheit)
Eine Auswahl von Epilepsie-Ambulanzen und -Zentren in Deutschland (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):
- Baden-Württemberg:
- Univ.-Kliniken Tübingen, Abt. Neuropädiatrie u.
- Epilepsiezentrum Ambulanz der Séguin-Klinik
- Bayern:
- Epilepsie-Ambulanz Regensburg (siehe oben)
- Kinderkrankenhaus St. Marien
- Berlin:
- Vivantes Klinikum Neukölln Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Abt. f. Neuropädiatrie Städt.
- Brandenburg:
- HELIOS Klinikum Emil von Behring Klinik für Kinder- und Jugendmedizin
- Hamburg:
- Norddt. Epilepsiezentrum Hamburg Evang. Stiftung Alsterdorf
- Hessen:
- Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizinder Justus-Liebig-Universität, Abt. Neuropädiatrie u.
- Mecklenburg-Vorpommern:
- Kinder und Jugendklinik, Universitätsmedizin Greifswald, Abt. Neuropädiatrie u.
- Niedersachsen:
- Neuropädiatrische Ambulanz, Medizinische Hochschule Hannover Klinik für päd.
- Nordrhein-Westfalen:
- Universitätsklinikum Bonn AöR, Abtlg. Neuropädiatrie und Sozialpäd.
- Epilepsieklinik Mara, Epilepsiezentrum Bethel Krankenhaus Mara gGmbH, Epilepsie-Ambulanz für Jugendliche u.
- Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke, Zentrum für Neuromedizin, Abtlg. Neuropädiatrie
- Universitätsklinikum Münster Klinik u. Poliklinik für Kinder- u.
- Rheinland-Pfalz:
- Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin, Univ. Mainz, Abt. Neuropädiatrie
- Sachsen:
- Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der TU Dresden Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin Abt. Neuropädiatrie
- Sächsisches Epilepsiezentrum Kleinwachau Epilepsiesprechstunde für Kinder u.
Unterstützung und Beratung
Neben der medizinischen Versorgung ist auch die Beratung und Unterstützung von Patienten und ihren Angehörigen von großer Bedeutung. Die Epilepsie-Ambulanz Regensburg bietet auch die ambulante Beratung sozialer Fragen rund um das Thema Epilepsie (z.B. Arbeit, Führerschein, Sport, Schwerbehinderung). Gemeinsam mit dem Sozialdienst der Klinik werden zweimal pro Jahr im Rahmen des MOSES-Schulungsprogramms Epilepsie-Patientenschulungen organisiert mit dem Ziel, Betroffene und Angehörige umfassend über medizinische und psychosoziale Fragen rund um die Krankheit Epilepsie zu informieren.
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