Narben sind ein natürlicher Bestandteil des Heilungsprozesses nach Verletzungen oder Operationen. Sie entstehen, wenn der Körper beschädigtes Gewebe durch neues Bindegewebe ersetzt. In vielen Fällen sind Narben unauffällig und verursachen keine Beschwerden. Es gibt jedoch Situationen, in denen Narbengewebe auf Nerven drücken und somit Schmerzen und andere unangenehme Empfindungen verursachen kann. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Behandlungsmöglichkeiten und Vorbeugungsmaßnahmen im Zusammenhang mit Narbenschmerzen.
Einführung
Narbenbildung ist ein komplexer Prozess, der von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird, darunter die Art und Schwere der Verletzung, die genetische Veranlagung und die individuelle Heilungsfähigkeit des Körpers. Während Narben in erster Linie ein kosmetisches Problem darstellen, können sie in manchen Fällen auch funktionelle Beeinträchtigungen verursachen, insbesondere wenn sie in der Nähe von Nerven entstehen.
Wie Narbengewebe auf Nerven drücken kann
Narbengewebe besteht aus Kollagenfasern, die sich in einer unregelmäßigen Struktur anordnen. Im Gegensatz zu gesundem Gewebe ist Narbengewebe weniger elastisch und kann sich zusammenziehen oder verhärten. Dieser Schrumpfungsprozess kann Druck auf umliegende Strukturen ausüben, einschließlich Nerven.
Einklemmung von Nervenfasern: Starke Beschwerden können Nervenfasern verursachen, die beispielsweise in einer Narbe eingeengt werden. Sind sensible Nervenfasern in einem narbigen Prozess involviert, so kann durch die zunehmende Festigkeit einer Narbe so stark zunehmen, dass der Druck auf den Nerven stärkste Schmerzen verursacht. Eine Narbe kann einen Nerven einschnüren bzw. fixieren, so daß dieser den Bewegungen nicht mehr folgen kann, nicht "mitgleitet". Duch den Zug am Nerven können Schmerzen entstehen.
Narbenbildung nach Operationen: Narbenbildung kann nicht vollständig verhindert werden. Durch schonende Operationstechniken - wie die Endoskopie - kann jedoch Narbenbildung verringert werden. Denn Hauptursache für Narbenbildung ist die Größe des Gewebsschadens, der durch den so genannten operativen Zugang verursacht wird. Je kleiner der Zugang desto geringer der Gewebsschaden und desto geringer die Narbenbildung.
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Druck auf Nervenwurzeln: Auch nach einer Bandscheibenoperation kann Narbengewebe entstehen und auf die Nervenwurzeln drücken, was zu anhaltenden oder wiederkehrenden Schmerzen führen kann. Einer der häufigsten Gründe dafür: Narbengewebe, das sich nach dem Eingriff bilden kann, drückt genauso stark auf die Nervenwurzel wie der ursprüngliche Bandscheibenvorfall.
Symptome von Narbenschmerzen
Narbenschmerzen können sich auf unterschiedliche Weise äußern, abhängig von der Lokalisation und Größe der Narbe sowie dem Ausmaß der Nervenkompression. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Schmerzen: Die Schmerzen können als ziehend, stechend, brennend oder dumpf beschrieben werden. Sie können konstant sein oder nur bei bestimmten Bewegungen oder Berührungen auftreten.
- Missempfindungen: Dazu gehören Kribbeln, Taubheitsgefühle oder ein Gefühl von "Ameisenlaufen" im Bereich der Narbe oder in dem von dem betroffenen Nerv versorgten Gebiet.
- Bewegungseinschränkungen: Narben können die Beweglichkeit einschränken, insbesondere wenn sie sich über Gelenke oder Muskeln erstrecken. Das festere Narbengewebe und die angrenzenden Gewebebereiche sind meist weniger flexibel als das übrige Gewebe. Dadurch schmerzt oder spannt es bei Bewegungen und kann diese einschränken.
- Überempfindlichkeit: Manche Menschen entwickeln eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Berührungen im Bereich der Narbe (Allodynie) oder eine übermäßige Schmerzreaktion auf normalerweise nicht schmerzhafte Reize (Hyperalgesie).
- Juckreiz: Juckreiz ist ein häufiges Symptom bei der Narbenheilung, kann aber auch bei älteren Narben auftreten, insbesondere wenn sie trocken oder gereizt sind.
- Psychische Belastung: Chronische Narbenschmerzen können zu Angstzuständen, Depressionen und sozialer Isolation führen.
Ursachen von Narbenschmerzen
Die genauen Ursachen von Narbenschmerzen sind komplex und nicht vollständig verstanden. Es gibt jedoch mehrere Faktoren, die zur Entstehung von Narbenschmerzen beitragen können:
- Entzündung: Eine Entzündung im Bereich der Narbe kann Nerven reizen und Schmerzen verursachen.
- Nervenwachstum: Während der Narbenheilung können Nervenfasern in das Narbengewebe einwachsen. Dieses unkontrollierte Nervenwachstum kann zu Schmerzen und Missempfindungen führen.
- Verklebungen: Narbengewebe kann sich mit umliegenden Strukturen wie Muskeln, Sehnen oder Nerven verkleben. Diese Verklebungen können die Beweglichkeit einschränken und Schmerzen verursachen.
- Neurome: In manchen Fällen können sich an den Enden durchtrennter Nerven Neurome bilden. Neurome sind knotenartige Verdickungen, die sehr schmerzhaft sein können.
- Psychosoziale Faktoren: Psychische Faktoren wie Stress, Angst und Depressionen können die Schmerzwahrnehmung verstärken und zu chronischen Narbenschmerzen beitragen.
Diagnose von Narbenschmerzen
Die Diagnose von Narbenschmerzen basiert in der Regel auf einer gründlichen Anamnese, einer körperlichen Untersuchung und gegebenenfalls bildgebenden Verfahren.
- Anamnese: Der Arzt wird Fragen zu den Schmerzen stellen, wie z. B. wann sie begonnen haben, wo sie lokalisiert sind, wie sie sich anfühlen und welche Faktoren sie verstärken oder lindern.
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt wird die Narbe untersuchen, um festzustellen, ob sie entzündet, verhärtet oder mit umliegenden Strukturen verklebt ist. Er wird auch die Sensibilität und Beweglichkeit im Bereich der Narbe testen.
- Bildgebende Verfahren: In manchen Fällen können bildgebende Verfahren wie Ultraschall, MRT oder CT eingesetzt werden, um andere Ursachen für die Schmerzen auszuschließen oder um das Ausmaß der Narbenbildung und die Beteiligung von Nerven zu beurteilen.
Behandlung von Narbenschmerzen
Die Behandlung von Narbenschmerzen zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit zu verbessern und die Lebensqualität zu erhöhen. Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die je nach Ursache und Schweregrad der Schmerzen eingesetzt werden können:
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- Konservative Behandlung:
- Schmerzmittel: Schmerzmedikamente können helfen, die Schmerzen zu lindern. Dazu gehören rezeptfreie Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen sowie verschreibungspflichtige Schmerzmittel wie Opioide oder Antidepressiva.
- Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Beweglichkeit zu verbessern, Verklebungen zu lösen und die Muskulatur zu stärken.
- Manuelle Therapie: Manuelle Therapie umfasst verschiedene Techniken, die darauf abzielen, Muskelverspannungen zu lösen, die Gelenkbeweglichkeit zu verbessern und die Durchblutung zu fördern.
- Narbenmassage: Regelmäßige Narbenmassage kann helfen, das Narbengewebe geschmeidiger zu machen und Verklebungen zu lösen.
- Lokale Injektionen: Injektionen mit Lokalanästhetika oder Kortikosteroiden können helfen, die Schmerzen zu lindern und Entzündungen zu reduzieren.
- TENS (Transkutane Elektrische Nervenstimulation): TENS ist eine nicht-invasive Methode, bei der elektrische Impulse verwendet werden, um die Schmerzwahrnehmung zu beeinflussen.
- Operative Behandlung:
- Narbenkorrektur: In manchen Fällen kann eine operative Narbenkorrektur erforderlich sein, um das Narbengewebe zu entfernen, Verklebungen zu lösen oder Neurome zu entfernen. Je nach Lokalisation und Größe der Narbe kann die Narbe meist vollständig ausgeschnitten werden. Dr. Steiert wird unter Lupenbrillensicht und in mikrochirurgischer Technik eingeklemmte Nervenfasern aus der Narbe befreien und ggf. verlagern.
- Nervenentlastung: Wenn ein Nerv durch das Narbengewebe eingeklemmt ist, kann eine operative Nervenentlastung durchgeführt werden, um den Druck auf den Nerv zu reduzieren. Handelt es sich jedoch um einen typischen Nervenverlauf, der beispielsweise durch eine Narbe beengt sein könnte, so kann durch die chirurgische Narbenentfernung und einer mikrochirurgischen Befreiung des Nerven eine Beschwerdebesserung erzielt werden.
- Neurektomie: In seltenen Fällen kann eine Neurektomie (Durchtrennung eines Nervs) in Erwägung gezogen werden, um die Schmerzen zu lindern. Diese Option wird jedoch nur in Ausnahmefällen in Betracht gezogen, da sie zu einem dauerhaften Verlust der Sensibilität in dem von dem Nerv versorgten Gebiet führen kann.
- Alternative Behandlungsmethoden:
- Akupunktur: Akupunktur ist eine traditionelle chinesische Behandlungsmethode, bei der feine Nadeln in bestimmte Punkte des Körpers gestochen werden, um die Schmerzen zu lindern.
- Neuraltherapie: Neuraltherapie ist eine Behandlungsmethode, bei der Lokalanästhetika in bestimmte Punkte des Körpers gespritzt werden, um die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren.
- Medizinisches Microneedling: Positive Effekte durch Microneedling bei verschiedenen Arten von Narben wurden bereits berichtet. Bei bis zu 74 Prozent der betroffenen Patienten konnte nach den Anwendungen bereits eine Veränderung der Narbe bezüglich Unregelmäßigkeit, Dicke, Elastizität und Schmerzen festgestellt werden. „Ziel der Behandlung ist die signifikante Verringerung der Narbengewebesteifigkeit und damit einhergehender möglicher lokaler Schmerzzustände“, erklärt Rembitzki.
Vorbeugung von Narbenschmerzen
Es gibt verschiedene Maßnahmen, die ergriffen werden können, um Narbenschmerzen vorzubeugen:
- Gute Wundversorgung: Eine gute Wundversorgung ist entscheidend, um Infektionen und Entzündungen zu vermeiden, die zu Narbenbildung und Schmerzen führen können.
- Frühzeitige Mobilisierung: Eine frühzeitige Mobilisierung nach Operationen oder Verletzungen kann helfen, Verklebungen zu vermeiden und die Beweglichkeit zu erhalten. Bereits im Krankenhaus wird die Weiterbehandlung begonnen mit dem Ziel Mobilität und Belastbarkeit möglichst schnell wiederherzustzellen.
- Narbenpflege: Regelmäßige Narbenpflege mit feuchtigkeitsspendenden Cremes oder Ölen kann helfen, das Narbengewebe geschmeidig zu halten und Juckreiz zu lindern. Man sollte die Narbe also:sauber halten, damit sie sich nicht entzündet,regelmäßig eincremen und massieren, um das Gewebe geschmeidig zu halten,keiner direkten Sonneneinstrahlung aussetzen (auch Solarieneinwirkung und andere Arten und Formen von Strahlung an der Narbe vermeiden).
- Vermeidung von Zug- und Druckbelastung: Narben sollten vor übermäßiger Zug- und Druckbelastung geschützt werden, um Schmerzen zu vermeiden. Zusätzlich ist es sinnvoll, keine enge, reibende Kleidung im Bereich der Narbe zu tragen.
- Stressmanagement: Stress kann die Schmerzwahrnehmung verstärken. Daher ist es wichtig, Stress abzubauen und Entspannungstechniken zu erlernen.
Nervenschmerzen nach Bandscheiben-OP
Du hast dich vielleicht schon gefragt, warum du nach deiner Bandscheiben-OP immer noch unter Nervenschmerzen leidest. Schließlich war dieser Eingriff dazu gedacht, deine Rückenschmerzen zu lindern. Und jetzt hast du vielleicht Angst, dass diese Schmerzen nie wieder verschwinden. Tatsächlich bist du damit nicht allein. Ein Untersuchung an der University of Washington zeigte, dass 45% der Betroffenen 3 Jahre nach der Bandscheiben-OP Nervenschmerzen hatten.
Wenn die Operation erst einige Tage oder wenige Wochen her ist, kann ich dich beruhigen. Es kann mehrere Wochen dauern, bis sich dein Rücken komplett erholt hat. Bei einigen werden die Nervenschmerzen zwar direkt nach der OP besser. Bei anderen kann es aber bis zu 6 Wochen dauern, bis sie eine deutliche Linderung spüren.
Ursachen für Nervenschmerzen nach Bandscheiben-OP:
- Erneuter Bandscheibenvorfall: Eine Operation an den Bandscheiben kann eine gute Option sein. Besonders wenn Taubheit, Kraftverluste und andere neurologische Ausfälle auftreten. Insgesamt sind die Erfolgschancen mit der OP sehr hoch. Jedoch erleben 10 bis 15% der Betroffenen einen Rückfall nach der OP. Das kann diverse Gründe haben wie eine falsche Diagnose, Nervenschädigung uvm. Besonders ärgerlich sind erneute Schmerzen, wenn es direkt nach der OP einen schmerzfreien Zeitraum gab. Dann steht die Frage im Raum: Hattest du vielleicht einen erneuten Bandscheibenvorfall?
- Psychosoziale Faktoren: Mittlerweile ist die Menge der Studien überwältigend, die zeigen, dass ein Gewebeschaden nicht direkt mit Schmerzen zusammenhängt. Immer wieder zeigen Untersuchungen, welchen großen Einfluss psychosoziale Faktoren wie z.B. Katastrophisieren, Stress, Depression usw. auf langanhaltende Schmerzen haben. Auch bei ausstrahlenden Schmerzen sind Katastrophisieren und Bewegungsängste entscheidende Faktoren für anhaltende Beschwerden. Eine Untersuchung an der University of Washington wollte es nun genauer wissen und fragte: Wer wird nach einer Bandscheiben-OP Nervenschmerzen entwickeln? Und welche Faktoren sind dafür verantwortlich? Die Forscher konnten dabei drei Faktoren identifizieren, die erneute Beschwerden wahrscheinlicher machen. Dabei bedingten vor allem zwei Faktoren erneute Nervenschmerzen im Bein. Den größten Einfluss hatten Rauchen und Depression. Ein weiterer Faktoren bedingte vor allem erneute Rückenschmerzen. So führten Gelenkschmerzen an anderen Gelenken am häufigsten zu erneuten Rückenschmerzen. Auch diese Untersuchung zeigt: Den größten Einfluss auf erneute Beschwerden hat nicht etwa ein Gewebeschaden. Sondern psychische Faktoren - also wie du mit den Beschwerden umgehst - und der Lebensstil haben viel größeren Einfluss auf die Symptome.
Was kannst du gegen Nervenschmerzen nach Bandscheiben-OP tun?
Abschließend bleibt nur eine Frage offen: Was fängst du nun mit diesen Informationen an? Dafür findest du in diesem Abschnitt wertvolle Informationen. Zunächst darfst du verstehen: Bettruhe und Schonen wird dir nicht helfen. Tatsächlich konnte eine Untersuchung an der Lebanese University in Beirut zeigen, dass längere Bettruhe das Risiko für anhaltende Nervenschmerzen deutlich erhöht. Eine andere Untersuchung stimmt damit überein. Das norwegische Forscherteam teilte die Patienten nach einer Bandscheiben-OP in zwei Gruppen. Die eine führte ab der 4. Wochen nach der OP ein strenges, 8-wöchiges Trainingsprogramm durch. Die andere Gruppe pausierte nach der OP für 2 Monate und bekamen dann ein gemütliches Programm für Zuhause. Die Ergebnisse sind eindeutig: Die Gruppe, die früher und energischer trainierte, hatte deutlich weniger Schmerzen und Einschränkungen nach der OP. Denn ein frühzeitiges Training hilft nicht nur dabei, den Rücken zu kräftigen. Es unterstützt dich auch dabei, wieder Vertrauen in den Rücken zu gewinnen und Bewegungsängste zu verlieren. Zusätzlich kann es eine gute Idee sein, den Lebensstil zu bedenken. So kann eine Ernährungsumstellung die Genesung unterstützen. Ebenso kann es eine gute Idee sein, mit dem Rauchen aufzuhören und den Alkoholkonsum zu reduzieren. Vielleicht ist die OP bei dir nun schon länger als 4 Wochen her und du fragst dich: Okay, ist es für mich jetzt zu spät? Nein, natürlich nicht! Es ist nie zu spät noch etwas zu ändern und wieder einen starken und belastbaren Rücken zu bekommen.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Es ist ratsam, einen Arzt aufzusuchen, wenn:
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- Narbenschmerzen neu auftreten oder sich verschlimmern.
- Die Schmerzen die Lebensqualität beeinträchtigen.
- Zusätzlich zu den Schmerzen andere Symptome wie Taubheitsgefühle, Kribbeln oder Bewegungseinschränkungen auftreten.
- Anzeichen einer Infektion wie Rötung, Schwellung oder Eiterbildung vorhanden sind.