Lebensmittelunverträglichkeit und Nervenschmerzen: Ursachen und Zusammenhänge

Lebensmittelunverträglichkeiten treten immer häufiger auf. Mittlerweile leidet jede vierte bis fünfte Person unter einer Intoleranz. Doch wie entstehen Unverträglichkeiten genau? Wie unterscheiden sie sich von Allergien? Und welche Lebensmittelunverträglichkeiten treten am häufigsten auf?

Was ist eine Lebensmittelunverträglichkeit?

Unverträglichkeit und Allergie werden in unserem Sprachgebrauch oft als Synonyme verwendet. Das ist aber nicht ganz richtig, denn es gibt einen großen Unterschied zwischen den Krankheitsbildern. Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem auf Lebensmittel oder Umwelteinflüsse. Bei einer Unverträglichkeit reagiert das Verdauungssystem mit verschiedenen Beschwerden. Damit zeigt es Ihnen, dass es bestimmte Nahrungsbestandteile nicht verdauen kann. Das Problem bei der Diagnose von Intoleranzen: Die Symptome und Ursachen einer Unverträglichkeit sind von Person zu Person unterschiedlich. Zusätzlich treten Beschwerden erst nach sechs bis 48 Stunden auf. Das macht es schwer nachzuvollziehen, auf welchen Nahrungsbestandteil der Körper mit den jeweiligen Beschwerden reagiert.

Unterschiede zwischen Allergie und Intoleranz

Im Alltag werden die Begriffe Nahrungsmittelallergie und Nahrungsmittelunverträglichkeit oft vermischt. Dabei handelt es sich aber um zwei unterschiedliche Erkrankungen: Im Gegensatz zu Allergien kommt es bei einer Unverträglichkeit (Intoleranz) nämlich nicht zu einer Reaktion des Immunsystems. Stattdessen sind bei einer Nahrungsmittelintoleranz körperliche Prozesse gestört, wodurch das betreffende Nahrungsmittel oder ein bestimmter Bestandteil davon nicht richtig aufgenommen oder nicht richtig verarbeitet werden kann. In der Folge treten Beschwerden wie beispielsweise Bauchschmerzen und Blähungen auf. Bekannte Nahrungsmittelintoleranzen sind Laktoseintoleranz, Fruktoseintoleranz und Histaminintoleranz. Die Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) gilt weder als Allergie noch als Nahrungsmittelintoleranz, sondern als Autoimmunerkrankung.

Ursachen von Nahrungsmittelintoleranzen

Die Ursachen einer Nahrungsmittelintoleranz können unterschiedlich sein:

  • Enzymmangel: Bei manchen Intoleranzen fehlt dem Körper ein bestimmtes Enzym, das für die Verdauung eines Nahrungsbestandteils notwendig ist (z.B. Laktase bei Laktoseintoleranz).
  • Funktionsstörung von Transportproteinen: Bestimmte Transportproteine, die für die Aufnahme von Nahrungsbestandteilen im Darm verantwortlich sind, können gestört sein (z.B. GLUT-5 bei Fruktoseintoleranz).
  • Erhöhte Histaminaufnahme oder -freisetzung: Bei einer Histaminintoleranz kann der Körper Histamin, das in bestimmten Lebensmitteln vorkommt oder freigesetzt wird, nicht ausreichend abbauen.
  • Reaktionen auf bestimmte Inhaltsstoffe: Manche Menschen reagieren empfindlich auf bestimmte Inhaltsstoffe in Lebensmitteln, wie z.B. Salicylsäure in Kartoffeln oder Polyole und Capsaicin in Paprika.

Wie äußert sich eine Unverträglichkeit?

Da eine Lebensmittelunverträglichkeit eine Störung im Verdauungssystem ist, zeigen sich dort auch die Hauptbeschwerden. Krampfartige Bauchschmerzen, Übelkeit, Verstopfung oder Durchfall treten häufig auf. Und auch andere Symptome wie Kopfschmerzen, Herzrasen, Schluckbeschwerden und Abgeschlagenheit können durch eine Intoleranz ausgelöst werden. Diese Aufzählung ist aber bei Weitem nicht komplett, denn die Beschwerden sind so individuell wie die Unverträglichkeiten selbst. Zwei Personen, die auf den gleichen Nahrungsbestandteil reagieren, können unterschiedliche Symptome haben. So kommt es vor, dass Sie eine kleine Menge des Bestandteils noch gut vertragen, während die andere Person sehr genau auf ihre Ernährung achten muss.

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Eine Intoleranz wird meist nicht umgehend diagnostiziert. Das kann daran liegen, dass solche Lebensmittelunverträglichkeiten auch unspezifische Symptome wie Kopfschmerzen, Müdigkeit, Erschöpfung, Hautausschläge oder sogar Gelenkschmerzen verursachen können. Anders als bei einer Allergie stellen sich Durchfall oder andere Symptome bei einer Lebensmittelintoleranz meist nicht unmittelbar nach dem Essen, sondern erst nach einigen Stunden ein. Auch das führt oft dazu, dass Intoleranzen lange unentdeckt bleiben.

Mögliche Symptome von Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Nahrungsmittelunverträglichkeiten verbreiten sich mehr und mehr. Viele Patienten leiden an Symptomen wie Migräne, Magendarm Problemen, Hautausschlägen, Blutdruck-Schwankungen, Muskel- und Gelenkschmerzen und Gemütsschwankungen, ohne dass organische Ursachen dafür verantwortlich sind. Der Leidensweg ist dadurch häufig sehr groß. Da es sich bei den Unverträglichkeitsreaktionen um verzögerte Allergien (Allergie Typ III) handelt, treten die Symptome erst nach einigen Stunden oder Tagen auf.

Typische Beschwerden bei einer nicht allergischen Nahrungsmittelunverträglichkeit sind:

  • Bauchschmerzen
  • Bauchkrämpfe
  • Darmgeräusche
  • Appetitlosigkeit
  • Übelkeit
  • Druck- oder Völlegefühl
  • Blähungen
  • Durchfälle

Beschwerden bei einer allergischen Nahrungsmittelunverträglichkeit sind:

  • Juckreiz
  • Schwellung im Mund-Rachen-Bereich
  • Hautausschlag
  • Übelkeit
  • Durchfall
  • bei heftigen Reaktionen: Blutdruckabfall und Bewusstlosigkeit

Nervenschmerzen und Lebensmittelunverträglichkeiten

Es gibt Hinweise darauf, dass Lebensmittelunverträglichkeiten in manchen Fällen auch Nervenschmerzen auslösen oder verstärken können. Die genauen Mechanismen, die dahinterstecken, sind noch nicht vollständig geklärt, aber es gibt verschiedene mögliche Erklärungen:

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  • Entzündungsreaktionen: Bestimmte Nahrungsmittelunverträglichkeiten, wie z.B. Zöliakie, können chronische Entzündungen im Körper auslösen. Diese Entzündungen können auch Nervenbahnen beeinflussen und Nervenschmerzen verursachen. Die betroffenen Lebensmittel bilden Antigen-Antikörper-Komplexe, die Entzündungsreaktionen im Körper auslösen. Dieses geschieht jedes Mal, wenn das entsprechende Nahrungsmittel verzehrt wird.
  • Histaminintoleranz: Histamin ist ein Botenstoff, der nicht nur an allergischen Reaktionen beteiligt ist, sondern auch eine Rolle bei der Schmerzverarbeitung spielt. Bei einer Histaminintoleranz kann es zu einem erhöhten Histaminspiegel im Körper kommen, der Nervenschmerzen verstärken kann.
  • Darm-Hirn-Achse: Der Darm und das Gehirn sind über die sogenannte Darm-Hirn-Achse miteinander verbunden. Störungen im Darm, wie sie bei Lebensmittelunverträglichkeiten auftreten können, können sich auf das Gehirn auswirken und umgekehrt. Dies könnte dazu führen, dass Nervenschmerzen verstärkt wahrgenommen werden.
  • Nährstoffmangel: Durch eine eingeschränkte Nährstoffaufnahme aufgrund von Lebensmittelunverträglichkeiten kann es zu einem Mangel an bestimmten Vitaminen und Mineralstoffen kommen, die für die Funktion der Nerven wichtig sind. Dies könnte Nervenschmerzen begünstigen.

Die häufigsten Unverträglichkeiten

Die folgenden Intoleranzen sind Ihnen sicher schon öfter untergekommen, denn sie sind in Deutschland weit verbreitet. So weit, dass die Lebensmittelindustrie in vielen Fällen schon darauf reagiert hat und Alternativen anbietet, die den problematischen Nahrungsbestandteil nicht mehr beinhalten.

  • Laktoseintoleranz: Menschen, die an dieser Unverträglichkeit leiden, fehlt das Enzym Laktase, das die Verdauung von Milchzucker anregt.
  • Fructoseintoleranz: Bei dieser Intoleranz wird die Fructose aus der Nahrung im Darm nicht ausreichend oder gar nicht aufgenommen.
  • Histaminintoleranz: Histamin ist ein Hormon und Botenstoff, das sowohl im Körper als auch in Lebensmitteln vorkommt. Betroffene reagieren oft mit verschiedensten Symptomen.
  • Glutenintoleranz: Bei einer Glutenintoleranz oder Zöliakie kann der Körper das Klebereiweiß Gluten nicht abbauen. Das löst bei den Betroffenen Entzündungen im Darm aus.
  • Kaffee-Unverträglichkeit: Kaffee enthält verschiedene Stoffe, die Beschwerden im Körper auslösen können. Es kann zum Beispiel eine Histaminunverträglichkeit sein, die Ihnen den Cappuccino am Morgen verdirbt. Weiterhin ist es möglich, dass das Koffein oder die Säure im Kaffee Symptome auslösen.
  • Soja-Unverträglichkeit: Einer Soja-Unverträglichkeit kann ebenfalls eine Histaminintoleranz zugrunde liegen. Und das nicht nur für vegetarisch oder vegan lebende Menschen. Soja oder Sojalecithin sind in vielen Lebensmitteln enthalten und nur ein genauer Blick auf die Inhaltsstoffe gibt Ihnen da Aufschluss.
  • Knoblauch-Unverträglichkeit: Diese Unverträglichkeit ist noch nicht voll erforscht. Wie bei anderen Unverträglichkeiten, zeigen sich die Symptome im Darm mit Blähungen und Bauchschmerzen. Zusätzlich fühlen sich Betroffene nach dem Essen oft müde. Es wird vermutet, dass der Körper auf die schwefelhaltigen Inhaltsstoffe von Knoblauch reagiert.
  • Ei-Unverträglichkeit: Eine Ei-Unverträglichkeit kann viele Ursachen haben. Das Verdauungssystem reagiert auf das Eiweiß, das Eigelb oder beide Bestandteile. Und auch die Qualität des Eis hat Einfluss darauf, wie gut es verdaut werden kann.
  • Paprika-Unverträglichkeit: Mit Paprika haben viele Menschen Probleme. Das bedeutet aber nicht unbedingt, dass Sie eine Allergie oder eine Unverträglichkeit haben. Der Grund ist die Haut der Paprika. Sie ist schwer verdaulich und führt, vor allem wenn Sie das Gemüse roh essen, zu Gasbildung im Magen.
  • Zwiebel-Unverträglichkeit: Bei dieser Unverträglichkeit reagiert der Körper nicht nur auf Zwiebeln, sondern auch auf viele verwandte Pflanzen wie Knoblauch, Lauch und Schnittlauch. Die Symptome sind ähnlich wie bei einer Knoblauch-Unverträglichkeit.
  • Hafer-Unverträglichkeit: Eine Unverträglichkeit gegen Hafer kann verschiedene Gründe haben. Zum einen kann es sein, dass Ihr Darm bestimmte Eiweiße in dem Getreide nicht verdauen kann.
  • Bier-Unverträglichkeit: Bier wird im Darm zu Zucker abgebaut. Dieser Zucker wird wiederum von Bakterien in Gase umgewandelt - diese Gase und die Kohlensäure im Bier können Blähungen auslösen.
  • Kartoffel-Unverträglichkeit: Kartoffeln, sowie viele andere Gemüse- und Obstsorten, enthalten Salicylsäure. Auf diese Säure kann der Körper mit Unverträglichkeit reagieren.
  • Avocado-Unverträglichkeit: Avocados enthalten viel Histamin und sollten deshalb von Menschen mit dieser Unverträglichkeit mit Vorsicht genossen werden. Eine direkte Unverträglichkeit gegen Avocado ist allerdings noch nicht erwiesen.
  • Käse-Unverträglichkeit: Käse kann aus verschiedenen Gründen ein Problem in der Verdauung auslösen. Je frischer der Käse, desto mehr Laktose enthält er. Gereifte Käse haben einen geringeren Laktosegehalt, dafür können sie aber Histamin enthalten.
  • Reis-Unverträglichkeit: Unverträglichkeiten gegenüber Reis sind bisher nicht bekannt. Und Allergien sind sehr selten. Deshalb wird Reis als hypoallergen eingestuft.
  • Dinkel-Unverträglichkeit: Unsere einheimischen Getreidesorten enthalten fast alle Gluten. Ob Roggen, Hafer, Weizen oder Dinkel. Dinkel hat dabei sogar einen höheren Anteil an dem Klebereiweiß als Weizen.
  • Zucchini-Unverträglichkeit: Zucchini kann aus zwei verschiedenen Gründen dazu führen, dass Sie Verdauungsbeschwerden haben. Zum einen enthält Zucchini, wie viele andere Gemüsesorten, Salicylsäure.
  • Joghurt-Unverträglichkeit: Bei Joghurt, vielen anderen Milchprodukten und frischer Milch reagiert der Körper auf die enthaltene Laktose.

Wie lässt sich eine Nahrungsmittelunverträglichkeit feststellen?

Wenn Sie den Verdacht haben, dass Sie auf einen oder mehrere Lebensmittelbestandteile reagieren, ist die erste Person, mit der Sie sprechen sollten, Ihre hausärztliche Fachperson. In einem persönlichen Gespräch werden dann Ihre Symptome, Ihr Lebensstil und Ihre Familiengeschichte besprochen. Eventuell bittet man Sie dann darum, ein Ernährungstagebuch zu führen. Mit diesen Informationen erleichtern Sie es ihr oder ihm, die Ursache für Ihre Symptome zu definieren.

Wenn es nötig ist, überweist Sie Ihre Hausarztpraxis an eine Fachperson aus der Inneren Medizin, der Gastroenterologie oder der Allergiediagnostik. Dort wird dann mit verschiedenen Tests genau herausgefunden, was Ihren Körper belastet.

  • Atemtest: Ein H2-Atemtest oder Wasserstoffatemtest wird durchgeführt, wenn bei Ihnen ein Verdacht auf eine Fructose- oder Laktoseintoleranz vorliegt. Bei dem Test trinken Sie eine Flüssigkeit, die Laktose oder Fructose enthält. Danach atmen Sie in ein Gerät, dass den Wasserstoffgehalt der Atemluft misst. Ist er erhöht, heißt das, dass Sie an einer Intoleranz leiden.
  • Bluttest: Bluttests können sowohl bei der Diagnose einer Gluten- als auch bei einer Laktoseintoleranz helfen. Bei Verdacht auf Zöliakie wird Ihr Blut auf Antikörper getestet, die bei einer Gluten-Unverträglichkeit typisch sind. Ein klassischer Blutzuckertest kann dabei helfen, eine Laktoseintoleranz zu diagnostizieren.
  • Nahrungsmittelunverträglichkeitstest: Mit Hilfe einer Blutuntersuchung, dem sogenannten Nahrungsmittelunverträglichkeitstest, kann die Stärke der jeweiligen Unverträglichkeit festgestellt werden.

Zur Diagnose einer Histaminintoleranz gibt es bisher keinen aussagekräftigen Test. Bei einem Verdacht nutzt das medizinische Fachpersonal verschiedene Tests, um zu einer Diagnose zu kommen. So werden Ihr Blut und Urin untersucht und Ihre Reaktionen auf histaminhaltige Lebensmittel beobachtet.

Tests zur Diagnose einer Pseudoallergie

Die bei Allergien üblichen diagnostischen Methoden wie Hauttest oder Bestimmung spezifischer IgE-Antikörper im Blut helfen in der Regel nicht weiter. Allenfalls ein Provokationstest kann Aufschluss geben. Oft sind aufwändige Detektivarbeit und verschiedene diagnostische Methoden notwendig, um die eigentlichen Ursachen zu ergründen.

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Was tun bei Beschwerden nach dem Essen?

Wenn Sie den Verdacht haben, dass Sie auf einen oder mehrere Lebensmittelbestandteile reagieren, ist die erste Person, mit der Sie sprechen sollten, Ihre hausärztliche Fachperson. In einem persönlichen Gespräch werden dann Ihre Symptome, Ihr Lebensstil und Ihre Familiengeschichte besprochen. Eventuell bittet man Sie dann darum, ein Ernährungstagebuch zu führen. Mit diesen Informationen erleichtern Sie es ihr oder ihm, die Ursache für Ihre Symptome zu definieren.

Ernährungsumstellung

Die wichtigste Maßnahme bei einer diagnostizierten Lebensmittelunverträglichkeit ist die Anpassung der Ernährung. Das bedeutet, dass Sie die Lebensmittel, die Sie nicht vertragen, meiden oder zumindest reduzieren sollten. Eine Ernährungsberatung kann Ihnen dabei helfen, eine ausgewogene Ernährung sicherzustellen und Mangelerscheinungen vorzubeugen.

Behandlung von Nervenschmerzen

Wenn Lebensmittelunverträglichkeiten Nervenschmerzen verursachen oder verstärken, ist es wichtig, sowohl die Unverträglichkeit als auch die Schmerzen zu behandeln. Neben der Ernährungsumstellung können auch schmerzlindernde Medikamente, Entspannungstechniken und Physiotherapie hilfreich sein.

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