Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, oft sehr starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Viele Betroffene suchen nach Möglichkeiten, die Häufigkeit und Intensität ihrer Migräneattacken zu reduzieren. In diesem Zusammenhang rückt Magnesium immer wieder in den Fokus. Dieser Artikel beleuchtet den Zusammenhang zwischen Magnesium und Migräne, geht auf Studienergebnisse ein und gibt Hinweise zur Anwendung von Magnesium zur Migräneprophylaxe.
Der Zusammenhang zwischen Migräne und Magnesium
Der genaue Zusammenhang zwischen Migräne und Magnesium ist noch nicht vollständig geklärt. Allerdings haben Studien gezeigt, dass Migränepatienten häufig eine geringere Magnesiumkonzentration im Gehirn aufweisen. Mittels Magnetresonanzspektroskopie konnte bei Migränepatienten eine verringerte Magnesiumkonzentration im Gehirn festgestellt werden. Dies deutet darauf hin, dass ein Magnesiummangel bei der Entstehung von Migräne eine Rolle spielen könnte.
Magnesium ist ein wichtiger Mineralstoff, der zahlreiche Funktionen im Körper erfüllt. So ist es unter anderem an der Erregungsweiterleitung von Nerven- auf Muskelzellen beteiligt und trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei. Nach neuesten Erkenntnissen liegt Migräneattacken eine Überaktivität von Nervenzellen im Hirnstamm zugrunde. Ein Magnesiummangel kann diese Überaktivität zwar nicht auslösen, aber verstärken.
Magnesium zur Migräneprophylaxe: Was sagen die Studien?
Die Leitlinien-Experten nennen Magnesium in einer Dosierung von zweimal täglich 300 mg als mögliche Migräneprophylaxe - allerdings mit „geringer Evidenzlage“ - sie raten jedoch nicht gänzlich von Magnesium ab. Die Leitlinienautoren stützen ihre Zurückhaltung auf zwei Studien - veröffentlicht 1996 in „Cephalagia“.
Studie mit Magnesiumaspartat
In einer multizentrischen, randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie untersuchten Wissenschaftler um Volker Pfaffenrath die vorbeugende Wirkung von zweimal täglich 10 mmol Magnesium bei Patienten mit zwei bis sechs Migräneanfällen pro Monat (ohne Aura). Die Migräneanamnese reichte mindestens zwei Jahre zurück. Sie erhielten sodann zwölf Wochen Magnesium als Magnesiumaspartat Hydrochlorid 3-Hydrat oder Placebo. Magnesiumaspartat Hydrochlorid 3-Hydrat ist beispielsweise in Magnesiocard® 10 mmol Granulat (Verla) enthalten. 10 mmol entsprechen 243 mg Magnesium (Ion). Vor Studienbeginn hatten die Patienten vier Wochen auf ihre Migräne-Arzneimittel verzichtet.
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Das Ziel war die Verringerung der Schwere und Dauer der Migräneattacken um mindestens 50 Prozent verglichen mit dem Ausgangswert. Ursprünglich sollten die Effekte bei 150 Patienten untersucht werden - die Wissenschaftler brachen die Studie nach einer Zwischenanalyse mit 69 Migränikern ab, 35 Patienten hatten Magnesium erhalten, 34 Placebo. Allerdings sprachen jeweils nur zehn Patienten auf die jeweilige Therapie an (28,6 Prozent unter Magnesium; 29,4 unter Placebo). Es zeigte sich verglichen mit Placebo kein Vorteil einer Magnesiumtherapie, hinsichtlich der Anzahl der Migränetage oder der Migräneattacken. Die Nebenwirkungsrate lag unter Magnesium höher als unter Placebo (45,7 Prozent vs. 23,5 Prozent). Überwiegend berichteten die Patienten unter Magnesium über leichte unerwünschte Ereignisse, wie weichen Stuhl und Durchfall. Die Wissenschaftler schränkten die Ergebnisse ihrer Untersuchung ein, so hätten über 50 Prozent der Teilnehmer bereits Prophylaktika (Betablocker, Calciumkanalblocker) erhalten. Möglicherweise seien also schwerpunktmäßig Migränepatienten in die Studie eingeschlossen worden, die auf keine Prophylaxe ansprächen. Zudem sei die Akutmedikation einer Attacke nicht einheitlich gewesen, da manche Patienten mit Beginn der Studie begonnen hätten, ihre Migräneanfälle mit Sumatriptan zu behandeln, was die Auswertung hinsichtlich der Dauer der Attacke beeinflusst haben könnte.
Studie mit Magnesiumcitrat
In einer weiteren Studie, die zeitgleich publiziert wurde, kamen die Wissenschaftler um Andreas Peikert zu einem anderen Schluss: „Hochdosiertes orales Magnesium scheint wirksam in der Prophylaxe von Migräne zu sein.“ 81 Patienten im Alter von 18 bis 65 Jahren mit Migräne und einer mittleren Attackenfrequenz von 3,6 pro Monat hatten zwölf Wochen lang (nach vier Wochen medikationsfreier Zeit vor der Studie) täglich 600 mg (24 mmol) Magnesium (Trimagnesiumdicitrat) oral oder Placebo erhalten. Eingesetzt in der Studie wurde Magnesium Diasporal® N 300 Granulat (Protina). Bereits in den Wochen 9 bis zwölf hatte unter Magnesium die Attackenhäufigkeit um 41,6 Prozent abgenommen, in der Placebogruppe um 15,8 Prozent. Auch die Anzahl der Tage mit Migräne verringerte sich unter Magnesium stärker (2,49 Tage weniger) als unter Placebo (1,16 Tage weniger), sie nahmen wie der Medikamentenverbrauch zur symptomatischen Behandlung in der Magnesiumgruppe signifikant ab. Dauer und Intensität der Attacken und der Medikamentenverbrauch pro Attacke nahmen im Vergleich zu Placebo ebenfalls tendenziell ab, waren aber nicht signifikant. Dadurch dass die Attackenhäufigkeit und die Zahl der monatlichen Migränetage sowie die gesamte Medikation zurückging, jedoch weder Medikation einer einzelnen Attacke noch die Dauer und Schwere einer Attacke, könne das „Alles-oder-nichts-Prinzip“ gelten: Einzelne Attacken können verhindert werden, doch wenn sie dennoch aufträten, seien Schwere und Dauer unverändert. Unerwünschte Ereignisse waren Durchfall (18,6 Prozent) und Magenreizungen (4,7 Prozent). Es gab den Wissenschaftlern zufolge keinen Zusammenhang zwischen Serum-Magnesiumspiegeln vor Therapiebeginn und dem Ansprechen. Während der Studie wurde der Magnesiumspiegel jedoch nicht bestimmt.
Weitere Erkenntnisse
Eine Studie, die in der Avoxa - Mediengruppe Deutscher Apotheker GmbH veröffentlicht wurde, kam zu dem Schluss, dass Magnesium eine vielversprechende Option zur Verringerung der Migränehäufigkeit, -stärke und -länge der Attacken sein könnte. Die tägliche Magnesium-Zufuhr insgesamt soll gemäß Deutscher Gesellschaft für Ernährung 300 mg für Frauen und 350 mg für Männer betragen. In der von »EviNews« zitierten Studie aus dem Jahr 2021 nahmen die Teilnehmenden im Magnesium-Arm zweimal täglich 250 mg Magnesiumoxid pro Tag über zwölf Wochen ein. Verglichen wurde mit Natriumvalproat mit und ohne Magnesium. Eine reine Placebogruppe gab es nicht. Auch in anderen Studien betrug die Dosierung zwischen 500 und 600 mg Magnesium täglich.
Migräneärzten aus Deutschland ist es gelungen, die Wirksamkeit einer 3er Kombination aus hochdosiertem Magnesium, Vitamin B2 und Coenzym Q10 bei Migräne nachzuweisen. Die international publizierte Studie* zeigt, dass die einzigartige Mikronährstoff-Kombination die Migränesymptome deutlich und signifikant reduziert, bei signifikanter Verbesserung der Lebensqualität. An der placebo-kontrollierten Doppelblindstudie nahmen 130 Patienten im Alter zwischen 18 bis 65 Jahren teil. Sie erhielten täglich über drei Monate entweder ein Scheinpräparat (Placebo) oder 2×2 Kapseln des Wirkstoffs. Lebensqualität. klinisch relevant um 4,8 Punkte zurück. Wirksamkeit: Bewertung durch Patienten gegenüber Placebo signifikant besser. Weniger Migränetage und signifikante Abnahme der Schmerzintensität. Die Studie zeigt, dass eine Behandlung mit hochdosiertem Magnesium, Riboflavin und Coenzym Q10 die Ausprägung von Migränesymptomen gegenüber Placebo deutlich und signifikant senkt und damit die Lebensqualität erhöht. Der Vorteil dieser Kombination ist neben der natürlichen Zusammensetzung die gute Verträglichkeit, Gegenanzeigen bestehen nicht. Somit ist die Wirkstoffkombination eine interessante Therapiemöglichkeit für Patienten, die primär eine natürliche Migräneprophylaxe einsetzen möchten, so das Fazit des Studienleiters Dr. med. Charly Gaul, Chefarzt der Migräne- und Kopfschmerzklinik Königstein.
Anwendung von Magnesium bei Migräne
Dosierung und Einnahme
Die empfohlene Dosierung von Magnesium zur Migräneprophylaxe liegt in der Regel bei 300 bis 600 mg pro Tag. Es ist ratsam, die Dosis auf zwei Einnahmen über den Tag verteilt einzunehmen, um die Verträglichkeit zu verbessern.
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Formen von Magnesium
Nahrungsergänzungsmittel, die Patienten bei Migräne einnehmen können, um sich das benötigte Magnesium zuzuführen, enthalten entweder Magnesiumoxid und Magnesiumcarbonat oder Magnesiumcitrat. Welches Magnesium du nun genau bei Migräne anwenden kannst, hängt von deiner individuellen Situation und Verträglichkeit ab: Bei Magnesiumoxid erfolgt der Einsatz meist zur Prävention von Migräne-Attacken, Magnesiumcitrat findet Verwendung bei akuten Beschwerden. Möglicherweise speichert der Körper Magnesiumoxid besser im Körper - Citrat nimmt er hingegen schneller auf. Die Magnesium-Art nimmt keinen Einfluss auf die Wirksamkeit von Präparaten - Unterschiede gibt es nur in der Zeit, die der Körper benötigt, um es aufzunehmen. Oral eingenommene Substanzen lösen sich zunächst im Magen auf, anschließend gelangen sie zum Dünndarm und in die Blutbahn, wo sie ihre Wirkung im Körper entfalten. Für die Einnahme von Magnesium bei Migräne kannst du auf verschiedene Darreichungsformen zurückgreifen: Tabletten, Granulate, Kapseln oder Kaudragees.
Mögliche Nebenwirkungen
Bei einer zu hohen Dosis Magnesium kann es zu Nebenwirkungen wie Durchfall, Übelkeit und Magenkrämpfen kommen. In der Regel werden überschüssige Mengen Magnesium jedoch problemlos über die Nieren ausgeschieden.
Wann ist eine Magnesium-Prophylaxe sinnvoll?
Eine Magnesium-Prophylaxe kann für verschiedene Migräniker in Frage kommen. Das gilt vor allem, wenn die Patienten besonders stark unter den Kopfschmerzen leiden und die Lebensqualität erheblich verringert wird. Auch die Gefahr eines Übergebrauchs von Schmerzmitteln oder Triptanen kann ein guter Grund sein.
Laut der aktuellen Leitlinie sollten Betroffene über eine solche Migräneprophylaxe nachdenken, wenn die Anfälle länger als 72 Stunden anhalten, pro Monat mindestens drei schwere Anfälle auftreten, die Häufigkeit der Anfälle zunehmen, von Auren begleitet sind und/oder eine Akuttherapie mit Triptane oder Analgetika nicht wirksam bzw. verträglich ist.
Weitere Maßnahmen
Neben der Einnahme von Magnesium können auch andere Maßnahmen helfen, Migräneattacken vorzubeugen. Dazu gehören:
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- Eine gesunde Lebensweise mit ausreichend Schlaf und regelmäßiger Bewegung
- Eine ausgewogene Ernährung
- Stressmanagement
- Das Führen eines Migränetagebuchs, um Triggerfaktoren zu identifizieren
Magnesium bei speziellen Personengruppen
Kinder
Auch bei Kindern ist Magnesium in der Migräne-Prophylaxe weit verbreitet.
Schwangere
Während einer Schwangerschaft kannst du bei Migräne auf Magnesium zur Prophylaxe zurückgreifen. Hierzu empfehlen wir dir Rücksprache mit deinem behandelnden Arzt zu halten.
Zusätzliche Informationen und Perspektiven
Prof. Classen zu Magnesium und Migräne
Prof. Classen erklärt den Zusammenhang zwischen Magnesium und Migräne folgendermaßen: Magnesium ist ein wichtiger Biofaktor und Mineralstoff, der neben weiteren Aufgaben auch für die Funktion der Nerven erforderlich ist. Als zentraler Mechanismus gilt die Modulation der NMDA-Rezeptoren im Nervensystem. Diese sind unter anderem für die Schmerzübertragung zuständig. Eine übermäßige Aktivierung der NMDA-Rezeptoren kann die neuronale Erregbarkeit erhöhen und die Schmerzwahrnehmung verstärken, was zu chronischen Schmerzen wie beispielsweise Migräne führen kann. Magnesium blockiert die NMDA-Rezeptoren und dämpft so die Schmerzwahrnehmung. Darüber hinaus reduziert Magnesium die Freisetzung proinflammatorischer Substanzen, die bei der Schmerzentstehung eine Rolle spielen.
Prof. Classen empfiehlt beim akuten Migräneanfall eine intravenöse Magnesiumtherapie von ein bis zwei Gramm Magnesiumsulfat, je nach Schwere der Symptomatik. Die orale Magnesiumsupplementierung hat sich vor allem in der Migräneprophylaxe bewährt. Durch Tagesdosen von bis zu zweimal 300 mg traten in verschiedenen Studien im Vergleich zu Placebo weniger Anfälle auf, die zudem auch in der Schmerzintensität abgenommen haben und zu einer signifikanten Verbesserung der Lebensqualität führten. Kurz gesagt: durch oral substituiertes Magnesium kann eine signifikante Reduktion der Migränetage und Migräneattacken erreicht werden.
Synergismus zwischen Magnesium und Vitamin D
Prof. Classen weist auch auf den Synergismus zwischen Magnesium und Vitamin D hin. Magnesium wird benötigt, um Vitamin D in seinen aktiven Metaboliten, das Calcitriol, umzuwandeln. Ohne ausreichend Magnesium kann diese Umwandlung gestört sein, so dass weniger Calcitriol für den Stoffwechsel zur Verfügung steht. Umgekehrt fördert Vitamin D die intestinale Magnesiumresorption.