Fibromyalgie und Migräne: Ein komplexer Zusammenhang

Fibromyalgie und Migräne sind beides chronische Erkrankungen, die das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können. Interessanterweise treten diese beiden Leiden häufig gemeinsam auf, was auf einen möglichen Zusammenhang hindeutet. Dieser Artikel beleuchtet die komplexen Verbindungen zwischen Fibromyalgie und Migräne, untersucht die zugrunde liegenden Mechanismen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten.

Was ist Fibromyalgie?

Fibromyalgie, auch als Fibromyalgiesyndrom (FMS) oder Faser-Muskel-Schmerz bekannt, ist eine chronische Schmerzerkrankung, die sich durch umfassende Schmerzen in Muskeln, Sehnen und anderen Weichteilstrukturen äußert. Aufgrund der Vielzahl der unterschiedlichsten Symptome bezeichnen einige Mediziner die Krankheit auch als „Chamäleon“. Die Erkrankung betrifft schätzungsweise 3 bis 6 % der Menschen in den Industriestaaten, wobei etwa 80 % der Betroffenen Frauen sind.

Symptome der Fibromyalgie

Neben den Schmerzen klagen viele Patienten über weitere Symptome, die die Lebensqualität stark beeinträchtigen können:

  • Chronische Schmerzen: Anhaltende Schmerzen, die verschiedene Körperregionen wie Muskeln, Sehnen oder andere Weichteilstrukturen betreffen. Die Schmerzbelastung und -intensität werden oft durch Wetter, Temperatur, Tageszeit oder Stress beeinflusst.
  • Schlafstörungen und Erschöpfung (Fatigue): Schwierigkeiten beim Ein- oder Durchschlafen, was zu Müdigkeit und Abgeschlagenheit führt. Schlechter Schlaf kann sogar andere Symptome verstärken.
  • Kognitive Probleme („Fibro-Nebel“): Konzentrationsprobleme, Vergesslichkeit und Schwierigkeiten, klare Gedanken zu fassen.
  • Magen-Darm-Beschwerden: Reizdarm mit Blähungen, Völlegefühl, unklare Krämpfe, Aufstoßen, Sodbrennen, Verstopfung oder Durchfall.
  • Weitere Beschwerden: Erhöhte Schweißneigung, Veränderung der Körpertemperatur, vermehrte Infekthäufigkeit, Herzrhythmusstörungen, Herzklopfen, Atemnot, Zittern, innere Unruhe, Reizhusten, Schluckbeschwerden, Kiefergelenksschmerzen, Zahnschmerzen, Ohrgeräusche (Tinnitus), trockene Augen, unscharfes Sehen, wechselnde Sehschärfe und fehlendes sexuelles Interesse.

Ursachen der Fibromyalgie

Bis heute ist aus schulmedizinischer Sicht unklar, was die Fibromyalgie verursacht. Experten vermuten häufig eine Fehlregulation der Schmerzverarbeitung im Nervensystem als Ursache. Auch genetische Veranlagung, Stress und Traumata können eine Rolle spielen. Allgemein geht man davon aus, dass eine nicht verarbeitete oder dekompensierte chronische Stressreaktion eine wesentliche Rolle spielt. Verschiedene Ursachen wie z. B. schwere frühe Traumata, Fehlernähung, Bewegungsmangel, Darmdysbiose, Störfelder wie z. B. Narben, tote Zähne, E-Smog und/oder Umweltbelastungen führen zu einer chronischen Stressreaktion.

Diagnose der Fibromyalgie

Die Diagnosestellung ist häufig schwer, da es keine spezifische Untersuchungsmethode gibt, die Fibromyalgie sicher nachweist. Ärzte versuchen nach und nach andere Ursachen auszuschließen, um das Fibromyalgiesyndrom festzustellen. Standardisierte Fragebögen und Schmerzindizes wie der Widespread Pain Index (WPI) sollen dabei helfen, die Verbreitung der Schmerzen im Körper einzuschätzen.

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Was ist Migräne?

Migräne ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die weit über „einfache“ Kopfschmerzen hinausgeht. Sie ist durch wiederkehrende, meist einseitige Kopfschmerzen gekennzeichnet, die von weiteren Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet sein können. Ungefähr 2 bis 3% der Bevölkerung haben eine chronische Migräne.

Symptome der Migräne

Die Symptome einer Migräne können vielfältig sein und von Person zu Person variieren. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Starke Kopfschmerzen: Meist einseitig, pulsierend oder hämmernd.
  • Übelkeit und Erbrechen: Begleiten oft die Kopfschmerzen.
  • Licht- und Lärmempfindlichkeit: Verstärken die Kopfschmerzen.
  • Aura: Bei manchen Menschen treten vor den Kopfschmerzen neurologische Symptome wie Sehstörungen (z. B. Flimmern vor den Augen) auf.

Ursachen der Migräne

Die genauen Ursachen der Migräne sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischen Faktoren und Umweltfaktoren eine Rolle spielt.

Der Zusammenhang zwischen Fibromyalgie und Migräne

Neue Daten zeigen, dass annähernd 35% der Migränepatienten gleichzeitig auch an einem Fibromyalgiesyndrom leiden. Dies deutet auf einen signifikanten Zusammenhang zwischen den beiden Erkrankungen hin.

Gemeinsame Mechanismen

Es gibt verschiedene Theorien, die versuchen, den Zusammenhang zwischen Fibromyalgie und Migräne zu erklären:

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  • Fehlregulation der Schmerzverarbeitung: Sowohl bei Fibromyalgie als auch bei Migräne wird eine Fehlregulation der Schmerzverarbeitung im Nervensystem vermutet. Dies könnte dazu führen, dass Betroffene Schmerzen intensiver wahrnehmen.
  • Erhöhte Sensibilität: Wahrscheinlich besteht eine erhöhte Sensibilität bzw. die allgemeine Reizschwelle ist gesenkt. Die generalisierte Senkung der Reizschwelle führt zu einer Reizüberflutung des Gehirns. Alles ist zu viel, zu schwer, zu schmerzhaft. Der Körper verinnerlicht, dass selbst kleinste Schmerzsignale als gefährlich einzustufen sind.
  • Genetische Veranlagung: Untersuchungen zeigen, dass Fibromyalgie in einigen Familien gehäuft auftritt. Dies könnte auch für Migräne gelten.
  • Stress und Traumata: Biographische Ereignisse wie physische oder emotionale Traumata sowie chronischer Stress scheinen eine Rolle bei beiden Erkrankungen zu spielen.
  • Neuroinflammation: Entzündungen im Nervensystem könnten ein weiterer, potentieller Ansatz in der Fibromyalgie-Forschung sein.

Weitere Begleiterkrankungen

Migräne kommt selten allein - häufige Begleiterkrankungen. Es gibt einige Erkrankungen, die oft zusammen mit Migräne auftreten:

  • Depression: Bei Patientinnen und Patienten mit Migräne sind Depressionen um den Faktor 2,5 häufiger als in der Gesamtbevölkerung.
  • Angststörung: Insgesamt liegt bei Migräne ein bis zu 10-fach erhöhtes Risiko für eine Angsterkrankung vor.
  • Schlafstörung: Laut Studien gibt es einen engen Zusammenhang zwischen einem schlechten Schlaf und Migräne, und zwar in beide Richtungen: Schlafstörungen können Kopfschmerzen auslösen und häufige Kopfschmerzen können einen erholsamen Schlaf verhindern.
  • Chronische Schmerzen: Migräne kann auch mit anderen chronischen Schmerzsyndromen wie Fibromyalgie oder Rückenschmerzen zusammen auftreten.
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass Migräne, insbesondere die Form mit Aura, mit einem erhöhten Risiko für Schlaganfälle und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden sein kann.
  • Magen-Darm-Erkrankungen: Laut einer Studie leiden Menschen mit Magen-Darm-Erkrankungen etwa 3,5-mal so oft an Migräne wie Menschen ohne diese Erkrankungen.

Mundgesundheit und Schmerzen

Eine schlechte Mundgesundheit ist einer neuen Studie zufolge bei Frauen mit Migräne und Schmerzen bei Fibromyalgie verbunden. Die Forschenden identifizierte auch Bakterienarten im Mund, die mit bestimmten Schmerzzuständen verbunden sind.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung von Fibromyalgie und Migräne zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Da es sich um chronische Erkrankungen handelt, ist oft ein multimodaler Ansatz erforderlich, der verschiedene Therapieformen kombiniert.

Ganzheitliche Therapieansätze

Unserer Erfahrung nach, kann der Verlauf der Krankheit von Patient zu Patient individuell sein. Um deine Migräne behandeln zu können, ist eine ganzheitliche Herangehensweise entscheidend, die sowohl die Migräne als auch begleitende Erkrankungen berücksichtigt. Deshalb ist es wichtig, dass du dir möglicher Begleiterkrankungen bewusst bist und diese offen mit deinen Ärztinnen und Ärzten besprichst. Oft ist es sinnvoll, dass verschiedene Fachleute zusammenarbeiten - zum Beispiel Internistinnen oder Internisten, Neurologinnen oder Neurologen und Psychologinnen oder Psychologen. So können sie gemeinsam einen Behandlungsplan entwickeln, der genau auf dich und deine Situation angepasst ist.

Nicht-medikamentöse Therapien

  • Bewegung und physikalische Therapie: Regelmäßige, maßvolle Bewegung wie Ausdauertraining (z. B. leichtes Joggen, Schwimmen oder Radfahren) kann helfen, Schmerzen zu lindern und die körperliche Fitness zu verbessern.
  • Kognitive Verhaltenstherapie (CBT): CBT kann helfen, mit den psychischen Belastungen der Erkrankung umzugehen. Damit kannst du Denk- sowie Verhaltensmuster verändern, die einen Einfluss auf die Schmerzempfindung haben.
  • Entspannungstechniken: Praktiken wie Meditation, Achtsamkeit oder tiefe Atemübungen helfen dir dabei, dein Wohlbefinden zu verbessern.
  • Selbsthilfe und Eigenübungen: Viele Menschen mit FMS vermeiden zunächst schmerzhafte Bewegungen - dabei sind die richtige Bewegung und Muskelentspannung essentiell. Nicht von ungefähr erhalten körperliche Übungen als einzige Therapievariante das Prädikat „stark empfohlen“ in den Leitlinien der Europäischen Rheumatologen (European League Against Rheumatism, EULAR).
  • Akupunktur: Studien zeigen, dass Akupunktur an individuell gewählten Punkten die Beschwerden von Fibromyalgie-Betroffenen verringern können.
  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung, die reich an Omega-3-Fettsäuren (z. B.

Medikamentöse Therapien

  • Antidepressiva: Ärztinnen und Ärzte setzen oft Medikamente gegen Depressionen (Antidepressiva) zur Behandlung einer Fibromyalgie ein. Als Mittel der Wahl gelten in der Regel sogenannte trizyklische Antidepressiva wie Amitriptylin. Sie sollen die Wiederaufnahme von Serotonin und/oder Noradrenalin blockieren. Das Ziel dabei ist, die Konzentrationsfähigkeit zu erhöhen und Konzentrationsstörungen zu verringern.
  • Antikonvulsiva: Zudem werden krampflösende Mittel (Antikonvulsiva) verschrieben, wenn Ärztinnen und Ärzte eine medikamentöse Therapie in Betracht ziehen.
  • Schmerzmittel: Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Aspirin oder Ibuprofen zählen zu den am häufigsten verordneten Arzneimitteln in Deutschland. Sie wirken schmerzlindernd, entzündungshemmend und fiebersenkend. Da die Schmerzen des Fibromyalgie-Syndroms aber nicht auf Entzündungen zurückzuführen sind, sind solche Medikamente laut aktueller Leitlinien nicht zur Therapie empfohlen. Sie zeigen jedoch eine Schmerzlinderung bei vielen anderen Schmerzursachen.

Ganzheitsmedizinische Therapie bei Fibromyalgie

Unsere ganzheitsmedizinische Therapie bei Fibromyalgie umfasst die Behandlung von Störfeldern, eine Entgiftung, Entsäuerung, die Behandlung einer gestörten Darmflora, orthomolekulare Ergänzung von wichtigen Mineralien, Spurenelementen und Vitaminen, gezielte Neuraltherapie, Elektroneuraltherapie („Wiederaufladen der Batterie“), Akupunktur, Eigenblutbehandlung und eine Anweisung zur gesunden Ernährung, z. B. Auch durch eine psychotherapeutische Unterstützung ist eine deutliche Verbesserung erreichbar. Die Reizschwelle steigt wieder in Richtung normal, die Anpassungsfähigkeit des Körpers an verschiedene Belastungen bessert sich.

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Selbsthilfe und Eigenverantwortung

Selbsthilfe und Eigenübungen können dich bei deinem Ziel unterstützen, die FMS-Symptome zu reduzieren. Viele Menschen mit FMS vermeiden zunächst schmerzhafte Bewegungen - dabei sind die richtige Bewegung und Muskelentspannung essentiell.

Liebscher & Bracht Übungen

Hier können unsere gezielten Liebscher & Bracht Übungen sinnvoll sein, um Spannungen in Muskeln sowie Faszien zu normalisieren und die Beweglichkeit beziehungsweise Flexibilisierung zu fördern. Unsere Übungen verfolgen das Ziel, muskuläre Dysbalancen auszugleichen und Alltagsbelastungen zu verringern. Wie bei jeder Maßnahme ist es wichtig, die Übungen individuell anzupassen und sie im Rahmen eines gesamtheitlichen Behandlungsansatzes zu betrachten.

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