Können Faustschläge Hirnschäden verursachen?

Faustschläge können Hirnschäden verursachen. Wiederholte oder schwere Schläge auf den Kopf, wie sie beispielsweise beim Boxen oder anderen Kontaktsportarten vorkommen, können zu akuten und chronischen Hirnverletzungen führen. Diese Verletzungen können von leichten Gehirnerschütterungen bis hin zu schweren Hirnblutungen und langfristigen neurologischen Schäden reichen.

Einleitung

Das menschliche Gehirn ist ein komplexes und empfindliches Organ. Es ist durch den Schädel geschützt, aber starke Schläge auf den Kopf können dennoch zu Schäden führen. Diese Schäden können sowohl kurzfristige als auch langfristige Auswirkungen haben und in manchen Fällen sogar lebensbedrohlich sein.

Der Fall des Torwarts: Adrenalin und Schmerzunterdrückung

Ein bemerkenswertes Beispiel für die Widerstandsfähigkeit des Gehirns liefert die Geschichte des Amateur-Torwarts Dusko Krtalica. Während eines Spiels in einem Vorort von Sarajevo wurde er unbemerkt von einer Kugel getroffen. Trotzdem spielte er die 90 Minuten zu Ende, bevor er über Kopfschmerzen, Lähmungserscheinungen und Sprachstörungen klagte. Im Krankenhaus wurde eine Kugel in seinem Kopf entdeckt.

Dr. Christoph Goetz, Chefarzt der Neurochirurgie, erklärt, dass das ausgeschüttete Adrenalin eine entscheidende Rolle spielte. Adrenalin und andere Stresshormone versetzen den Körper in Alarmbereitschaft und reduzieren das Schmerzempfinden, um die Kräfte für den Überlebenskampf zu mobilisieren. Zudem sind der Kopf und das Gehirn selbst wenig schmerzempfindlich, was es Krtalica ermöglichte, trotz der Verletzung weiterzuspielen.

Wie das Gehirn Schläge abfedert

Das Gehirn ist von Hirnhäuten (Meningen) umgeben, die es schützen und stützen. Die Dura mater ist die äußerste Schicht, die direkt unter dem Schädel liegt. Die Pia mater ist die innerste Schicht, die direkt auf der Gehirnoberfläche liegt. Zwischen diesen Schichten befindet sich der Subarachnoidalraum, der mit Hirn-Rückenmarksflüssigkeit gefüllt ist. Diese Flüssigkeit polstert das Gehirn und federt Stöße ab.

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Wenn eine Kugel auf den Schädel trifft, wird sie durch Haut, Knochen und harte Hirnhaut abgebremst. Dann trifft sie auf den Hirnwasserraum und das Gehirn, wo sie eine Druckwelle erzeugt und eine Quetschung verursacht. Das Gehirn schwillt an und breitet sich in den Hirnwasserraum aus, wodurch der Druck im Schädelinneren entlastet wird. Dieser Mechanismus ermöglichte es dem Torwart, trotz der Verletzung weiterzuspielen.

Gefährliche Hirnregionen

Nicht alle Bereiche des Gehirns sind gleich empfindlich. Verletzungen in zentralen Regionen wie dem Sprachzentrum können schwerwiegende neurologische Schäden verursachen. In solchen Fällen wäre ein Weiterspielen unmöglich. Die Lage des Projektils ist entscheidend für die Art und Schwere der Verletzung.

Fallbeispiele aus der Neurochirurgie

Dr. Goetz berichtet von weiteren Fällen, die die Komplexität von Hirnverletzungen verdeutlichen:

  • Ein Patient schoss sich in Selbstmordabsicht mit einem Kleinkalibergewehr in den Kopf, überlebte aber und behielt nur geringe Schäden zurück.
  • Ein Patient versuchte, den Hydraulikmechanismus an seinem Bürostuhl zu reparieren, wobei ihm die Kartusche in die Augenhöhle bis zur Halsschlagader im Gehirn schoss. Auch er überlebte.

Diese Fälle zeigen, dass das Gehirn erstaunliche Resistenzen aufweisen kann, aber auch, dass Verletzungen in bestimmten Bereichen verheerende Folgen haben können.

Warnsignale und Erste Hilfe

Die Deutsche Hirnstiftung betont, dass bei neurologischen Symptomen wie Lähmungen oder Sprachstörungen sofort ein Arzt aufgesucht werden sollte. Diese Symptome können auf einen Schlaganfall oder eine akute Entzündung im zentralen Nervensystem hindeuten. Auch nach Kopfverletzungen sollte man auf verzögert auftretende Symptome achten.

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Knockouts und ihre Folgen

Ein Knockout (KO) im Boxen ist ein akutes stumpfes Schädel-Hirn-Trauma, das zu vorübergehender Bewusstlosigkeit führt. Die hohe Aufprallgeschwindigkeit der Faust führt zu Stauchungen, Zerrungen und funktionellen Hirnverletzungen. Wiederholte KOs können fatale Spuren im Gehirn hinterlassen. Studien zeigen, dass bis zu 20 Prozent der Profiboxer unter neuropsychiatrischen Folgeerkrankungen leiden, die von Kopfschmerzen und Tinnitus bis zu Sprachstörungen und Demenz reichen.

Die Forderung nach einem Boxverbot

Die British Medical Association (BMA) fordert ein Verbot von Amateur- und Profi-Boxen sowie von Mixed Martial Arts (MMA). Sie argumentiert, dass Boxen schwere Hirnschäden, heftige Blutungen im Gehirn und den Augen sowie Ohren- und Nasenverletzungen verursacht. Auch chronische Gehirnverletzungen und Schädigungen der Gehirnzellen sind Folgen des Boxens.

Die Suche nach dem Verständnis des Gehirns

Seit Jahrtausenden versucht die Wissenschaft, das menschliche Gehirn zu verstehen. Die Hirnforschung hat zwar große Fortschritte gemacht, aber viele Fragen sind noch offen. Wie entstehen Gefühle? Wie wirkt der Geist auf die Materie? Die Geschichte der Hirnforschung ist reich an Metaphern, die sich ihren Gegenstand zu erklären suchen.

Historische Perspektiven auf das Gehirn

Schon in der Steinzeit wurden Trepanationen durchgeführt, bei denen Schädel absichtlich geöffnet wurden. Im antiken Griechenland gab es Debatten über den Stellenwert des Gehirns. Aristoteles verortete die Seele im Herzen, während Platon sie im Gehirn sah. Der römische Arzt Galen vermutete Luft in den Hirnventrikeln und sah die Nerven als Kanalsystem für den Lebensgeist.

Im 17. Jahrhundert entwickelte René Descartes die Vorstellung, dass es im Gehirn eine bestimmte Struktur gibt, die Zirbeldrüse, die als Hauptinteraktionsort zwischen Leib und Seele dient. Im 19. Jahrhundert entwickelte Franz Joseph Gall die Phrenologie, die alle Fähigkeiten des Menschen in streng umrissenen Schädelbereichen verortete.

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Moderne Hirnforschung

Die moderne Hirnforschung nutzt bildgebende Verfahren wie Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT), um die Struktur und Funktion des Gehirns zu untersuchen. Diese Verfahren ermöglichen es, Verletzungen, Veränderungen und Aktivitätsmuster im Gehirn sichtbar zu machen.

Epilepsie: Ein "Gewitter im Gehirn"

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch übermäßige elektrische Entladungen von Nervenzellen im Gehirn verursacht wird. Diese Entladungen können zu unterschiedlichen Symptomen führen, von Muskelkrämpfen und Bewusstlosigkeit bis hin zu subtileren Anfallsformen wie Absencen. Die Ursachen für Epilepsie sind vielfältig und können Stoffwechselstörungen, genetische Faktoren, Kopfverletzungen, Tumore oder Schlaganfälle umfassen.

Es gibt verschiedene Formen von Epilepsie, die sich in ihren Symptomen, Abläufen und Häufigkeiten unterscheiden. Fokale Anfälle gehen von einem bestimmten Bereich des Gehirns aus, während generalisierte Anfälle das gesamte Gehirn betreffen. Die Diagnose und Behandlung von Epilepsie erfordert eine sorgfältige Untersuchung und individuelle Therapieplanung.

Gehirnerschütterungen im Sport

Im Sport, insbesondere bei Kontaktsportarten wie Fußball, American Football und Boxen, treten häufig Kopfverletzungen auf. Eine Gehirnerschütterung kann zu einem postkommotionellen Syndrom führen, das mit physischen, psychischen, kognitiven und emotionalen Beeinträchtigungen einhergeht. Wiederholte Gehirnerschütterungen können zu chronisch-traumatischer Enzephalopathie (CTE) führen, einer neurodegenerativen Erkrankung, die zu Demenz und Persönlichkeitsänderungen führt.

Forscher untersuchen die im Gehirn ablaufenden Prozesse, die zu neurodegenerativen Erkrankungen führen. Eine neue Studie deutet auf einen Zusammenhang zwischen dem Herpes-Simplex-Virus 1 (HSV-1) und Alzheimer-Symptomen nach Gehirnerschütterungen hin.

Schutzmaßnahmen und Prävention

Um das Risiko von Hirnschäden durch Faustschläge und andere Kopfverletzungen zu minimieren, sind Schutzmaßnahmen und Prävention von entscheidender Bedeutung. Dazu gehören:

  • Verbesserte Schutzausrüstung im Sport
  • Angepasste Trainingsmethoden, insbesondere für Kopfbälle im Fußball
  • Ruhe nach einem Schädel-Hirn-Trauma
  • Concussion Protocols, die Athleten nach einer Gehirnerschütterung schützen
  • Aufklärungsarbeit für Spieler, Trainer und Eltern, insbesondere in unteren Ligen und im Jugendbereich

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