Die Neurogenese, der Prozess der Neubildung von Nervenzellen im Gehirn, ist ein faszinierendes Forschungsgebiet mit weitreichenden Implikationen für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit unseres Gehirns. Lange Zeit ging man davon aus, dass das Gehirn nach der Geburt keine neuen Nervenzellen mehr bilden kann. Heute wissen wir, dass insbesondere im Hippocampus, einer für Lernen, Gedächtnis und Emotionen wichtigen Hirnregion, lebenslang neue Nervenzellen gebildet werden können. Dieser Artikel beleuchtet die Bedeutung der Neurogenese, die Faktoren, die sie beeinflussen, und die Möglichkeiten, sie aktiv zu fördern.
Die Bedeutung der Neurogenese für das Gehirn
Die Neurogenese spielt eine entscheidende Rolle für verschiedene Aspekte der Gehirnfunktion:
- Kognitive Funktionen: Die Neubildung von Nervenzellen unterstützt das Lernen und das Gedächtnis. Insbesondere die im Hippocampus neu gebildeten Neuronen tragen zur räumlichen Orientierung und Mustererkennung bei. Es wird vermutet, dass sie zur Aufrechterhaltung kognitiver Flexibilität beitragen, also der Integration neuer Gedächtnisinhalte mit bereits bestehenden, ohne diese zu zerstören.
- Emotionale Belastbarkeit: Studien deuten darauf hin, dass die Neurogenese eine wichtige Rolle bei der Stressbewältigung und der Reduktion von Angstzuständen spielt.
- Anpassungsfähigkeit: Die Neurogenese ermöglicht es dem Gehirn, sich an neue Herausforderungen anzupassen und neue Fähigkeiten zu erlernen.
Faktoren, die die Neurogenese beeinflussen
Die Neurogenese wird von einer Vielzahl von Faktoren beeinflusst, sowohl positiv als auch negativ:
Positive Faktoren:
- Körperliche Aktivität: Studien des Forschers Rusty Gage vom Salk-Institut konnten nachweisen, dass im Hippocampus von Mäusen, die ein Laufrad in ihrem Käfig hatten, vermehrt neue Nervenzellen gebildet wurden. Ausdauersportarten wie Joggen oder Radfahren können das Wachstum neuer Neuronen erheblich steigern.
- Geistige Anregung: Aktivitäten, die das Gehirn fordern, wie z.B. das Lösen von Kreuzworträtseln, das Erlernen einer neuen Sprache oder das Spielen eines Instruments, können die Neurogenese fördern.
- Soziale Interaktionen: Isolation kann die Neurogenese reduzieren, während soziale Aktivitäten das Wachstum neuer Nervenzellen steigern.
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung, die reich an bestimmten Nährstoffen und bioaktiven Substanzen ist, kann die Neurogenese unterstützen.
- Schlaf: Tiefschlaf ist wichtig, damit das Gehirn neu entstandene Nervenzellen verarbeiten und integrieren kann.
Negative Faktoren:
- Chronischer Stress: Langanhaltender Stress kann die Neurogenese hemmen und zu kognitivem Abbau beitragen.
- Entzündungen: Entzündungen im Körper können die Neurogenese negativ beeinflussen.
- Oxidativer Stress: Oxidativer Stress, der durch freie Radikale verursacht wird, kann die Nervenzellen schädigen und die Neurogenese reduzieren.
- Ungesunder Lebensstil: Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum und Drogenkonsum können die Neurogenese beeinträchtigen.
Möglichkeiten zur Förderung der Neurogenese
Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, die Neurogenese aktiv zu fördern und die Gesundheit des Gehirns zu unterstützen:
Ernährung
Die Ernährung spielt eine entscheidende Rolle bei der adulten Neurogenese. Bestimmte Nährstoffe und bioaktiven Substanzen können die Neubildung von Nervenzellen fördern und die Gehirnfunktion verbessern.
Lesen Sie auch: Bedeutung des Barthel-Index bei Demenzerkrankungen
- Flavonoide: Flavonoide sind sekundäre Pflanzenstoffe, die in vielen Obst- und Gemüsesorten vorkommen, z.B. in Beeren, Äpfeln, Paprika und Zwiebeln. Auch in Kakao, grünem und schwarzem Tee sind diese Stoffe enthalten. Flavonoidreiche Lebensmittel schützen die Gehirnfunktion. Eine Studie der Columbia University zeigte einen positiven Effekt von Flavonolen, einer Unterart der Flavonoide, auf die Gedächtnisleistung älterer Menschen.
- Omega-3-Fettsäuren: Fisch liefert reichlich Omega-3-Fettsäuren, insbesondere DHA und EPA. Diese Fettsäuren wirken entzündungshemmend und halten die Wände unserer Zellen geschmeidig. Davon profitieren auch die grauen Zellen, denn für Verfallsprozesse im Gehirn sind oft Entzündungen mitverantwortlich.
- B-Vitamine: Nüsse, Haferflocken, Beeren und Kichererbsen versorgen uns mit B-Vitaminen, die für die Funktion des Nervensystems unerlässlich sind.
- Antioxidantien: Obstsorten wie Beeren sind reich an Antioxidantien, die unsere grauen Zellen vor Stress schützen.
- Spermidin: Spermidin, ein natürliches Polyamin, das in Nahrungsmitteln wie Weizenkeimen, Pilzen und Sojabohnen vorkommt, zeigt vielversprechende Wirkungen auf die Gesundheit des Gehirns. Spermidin aktiviert den Prozess der Autophagie, eine zelluläre Reinigungsfunktion, die beschädigte Zellbestandteile abbaut und recycelt. Dadurch wird die Umgebung im Gehirn optimiert, was wiederum die Neurogenese fördern kann.
- Glukose: Unser Gehirn braucht 120 bis 140 Gramm Glukose pro Tag, um ausreichend mit Energie versorgt zu werden. Gute Energielieferanten für das Gehirn sind Haferflocken, denn sie lassen den Blutzuckerspiegel langsam steigen.
- Aminosäuren: Für den internen Informationsaustausch, also beim Lernen und Erinnern, benötigt unser Gehirn auch reichlich Aminosäuren. Die bekommt es aus Eiweiß, zum Beispiel aus Eiern oder Quark, aber auch aus pflanzlichen Quellen: Kichererbsen liefern neben Eiweiß reichlich B-Vitamine und auch Sojabohnen (zum Beispiel Sojamilch, Tofu) sind nicht nur gute Eiweißquellen, sondern enthalten auch die Vitamine B1, B2 und B6, dazu Eisen, Magnesium und Zink.
Es ist wichtig, auf eine gefäßgesunde Ernährung zu achten, um Durchblutungsstörungen im Gehirn vorzubeugen. Ungesunde Nahrungsmittel, die Herzinfarkte oder Schlaganfälle begünstigen, fördern auch Durchblutungsstörungen im Gehirn, die lange unbemerkt bleiben können. Eine mediterrane Ernährung kann sich positiv auf die Gehirngesundheit auswirken.
Lebensstil
Neben der Ernährung spielen auch andere Aspekte des Lebensstils eine wichtige Rolle für die Neurogenese:
- Körperliche Aktivität: Regelmäßige Bewegung, insbesondere Ausdauersportarten, fördert die Durchblutung des Gehirns und stimuliert die Neubildung von Nervenzellen.
- Geistige Aktivität: Fordern Sie Ihr Gehirn regelmäßig heraus, indem Sie neue Dinge lernen, Rätsel lösen oder kreativen Hobbys nachgehen.
- Stressbewältigung: Finden Sie gesunde Wege, um Stress abzubauen, z.B. durch Entspannungsübungen, Yoga oder Meditation.
- Schlaf: Achten Sie auf ausreichend Schlaf, da dieser für die Regeneration des Gehirns und die Integration neuer Nervenzellen unerlässlich ist.
- Soziale Kontakte: Pflegen Sie soziale Kontakte und verbringen Sie Zeit mit Freunden und Familie, da soziale Interaktionen die Neurogenese fördern können.
- Vermeidung von schädlichen Substanzen: Verzichten Sie auf Rauchen, übermäßigen Alkoholkonsum und Drogenkonsum, da diese die Neurogenese beeinträchtigen können.
Nahrungsergänzungsmittel
Einige Nahrungsergänzungsmittel können die Neurogenese unterstützen. NeuroPep® ist ein neues und einzigartiges Nahrungsergänzungsmittel mit Neuropepton und Zink. Zink trägt zu einer normalen kognitiven Funktion bei. In Neuropepton stecken die Nährstoffe Neuropeptide, also nervennährende Moleküle, sowie Aminosäuren, die Baumaterial für wichtige Nervenbotenstoffe sind. NeuroPep® kann die Bildung neuer Gehirnzellen, also die Neurogenese fördern und somit die geistige Leistungsfähigkeit unterstützen.
Neurogenese und altersbedingter kognitiver Abbau
Mit zunehmendem Alter nimmt die Neurogenese auf natürliche Weise ab. Dies kann zu altersbedingter Vergesslichkeit und einem langsameren Denken führen. Durch die aktive Förderung der Neurogenese können wir jedoch diesen Prozess verlangsamen und die geistige Leistungsfähigkeit bis ins hohe Alter erhalten.
Neurogenese und neurologische Erkrankungen
Die Forschung zur Neurogenese hat auch wichtige Implikationen für die Behandlung neurologischer Erkrankungen wie Alzheimer und Depressionen. Bei der Alzheimer-Erkrankung schwinden Nervenverbindungen und Nervenzellen sterben ab. Forschende untersuchen, wie die Neurogenese genutzt werden kann, um diese Schäden zu kompensieren und die kognitiven Funktionen zu verbessern. Studien haben gezeigt, dass Antidepressiva ihre Wirkung teilweise durch die Förderung der Neurogenese im Hippocampus entfalten.
Lesen Sie auch: Überblick: Karnofsky-Index und Hirntumoren
Aktuelle Forschung zur Neurogenese
Die Forschung zur Neurogenese ist ein dynamisches Feld, das ständig neue Erkenntnisse liefert. Aktuelle Studien untersuchen die Rolle spezifischer Moleküle und Signalwege bei der Regulation der Neurogenese. Ein Beispiel ist die Entdeckung des Peptids Diazepam binding inhibitor (DBI) in Nervenstammzellen durch eine Forschergruppe um Prof. Hannah Monyer. Dieses Peptid bindet sich an den GABA Rezeptor und reguliert die Teilung von Nervenstammzellen.
Forschende des DZNE Dresden untersuchen Zebrafische, die im Gegensatz zum Menschen die Fähigkeit besitzen, ihre Neuronen zu regenerieren. Sie haben herausgefunden, dass der Organismus des Zebrafisches die Produktion von Serotonin unter Alzheimer-ähnlichen Bedingungen senken kann, um die Aktivität neuraler Stammzellen zu erhöhen und damit die Bildung neuer Nervenzellen zu fördern.
Lesen Sie auch: Was Sie über den Apoplex-Index wissen sollten
tags: #index #neuronen #produktion