Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die weltweit Millionen von Menschen betrifft. Die Symptome, wie Muskelzittern, Muskelstarre, Gleichgewichtsstörungen und verlangsamte Bewegungen, können das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. In diesem Artikel werden die Ursachen und Auswirkungen der Parkinson-Krankheit sowie verschiedene Behandlungsansätze beleuchtet.
Ursachen der Parkinson-Krankheit
Parkinson wird durch den Zelltod von Gehirnzellen verursacht, die den Neurotransmitter Dopamin produzieren. Diese Zellen befinden sich in der Substantia Nigra, einer Gehirnregion, die für die Bewegungssteuerung verantwortlich ist. Das Fehlen von Dopamin beeinträchtigt die Nervensteuerung und führt zu den charakteristischen Symptomen der Krankheit. Die Symptome treten erst auf, wenn bereits ein erheblicher Teil dieser Zellen zerstört ist, was eine frühzeitige Intervention erschwert.
Die Entdeckung der Rolle von Dopamin bei der Bewegungssteuerung und seine Verbindung zur Parkinson-Krankheit war bahnbrechend. Arvid Carlsson zeigte in seinen Studien, dass die Blockierung von Dopamin im Gehirn zu Bewegungsstörungen führt, die durch die Gabe von Levodopa (L-Dopa), einem Dopamin-Vorläufer, behoben werden können.
Auswirkungen der Parkinson-Krankheit
Die Parkinson-Krankheit manifestiert sich durch eine Reihe von motorischen und nicht-motorischen Symptomen, die individuell variieren können. Zu den Hauptbeschwerden gehören:
- Bewegungsarmut (Akinese): Verlangsamte Bewegungen und Schwierigkeiten, Bewegungen zu initiieren.
- Muskelsteife (Rigor): Erhöhter Muskeltonus, der zu Steifigkeit und Schmerzen führt.
- Zittern (Tremor): Unwillkürliches Zittern, insbesondere in Ruhe.
- Haltungsinstabilität: Gestörte Reflexe, die zu Gleichgewichtsstörungen und Stürzen führen können.
Zusätzlich zu diesen Hauptsymptomen können weitere Krankheitsanzeichen auftreten, wie Missempfindungen, Schmerzen, Veränderungen des Gefühlslebens, Nachlassen der geistigen Fähigkeiten, Sprech- und Schluckstörungen, Hautprobleme und Schlafstörungen. Auch Veränderungen der kognitiven Fähigkeiten treten bei Parkinson-Patienten häufiger auf.
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Behandlungsansätze bei Parkinson
Obwohl es keine Heilung für die Parkinson-Krankheit gibt, stehen verschiedene Behandlungsansätze zur Verfügung, um die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
Medikamentöse Therapie
- Levodopa (L-Dopa): Ein Dopamin-Vorläufer, der im Gehirn zu Dopamin umgewandelt wird. Es hilft, die Bewegungsfähigkeit zu verbessern, aber seine Wirkung kann mit der Zeit schwächer werden.
- Monoaminooxidase-Hemmer (MAO-Hemmer): Medikamente wie Selegilin und Rasagilin erhöhen den Dopamin-Gehalt im Gehirn. Sie können allein in frühen Fällen eingesetzt werden oder in Kombination mit L-Dopa, um die Entwicklung von Dopamin-Resistenz zu verlangsamen.
- A2A-Adenosin-Antagonisten: Medikamente wie Istradefyllin, die in Japan bereits zugelassen sind, blockieren A2A-Adenosin-Rezeptoren und reduzieren Parkinson-Symptome.
Aktuelle Studiendaten zeigen, dass ein früher Therapiebeginn mit dem MAO-B-Hemmer Rasagilin die Progression der Parkinson-Krankheit verlangsamt. Die progressionsverzögernde Wirkung von Rasagilin wurde in der ADAGIO-Studie nachgewiesen, die zeigte, dass Patienten, die frühzeitig mit Rasagilin behandelt wurden, ein besseres Ergebnis erzielten als Patienten, die erst später behandelt wurden.
Tiefe Hirnstimulation (THS)
Die tiefe Hirnstimulation ist ein neurochirurgisches Verfahren, bei dem Elektroden in bestimmte Bereiche des Gehirns implantiert werden, um elektrische Impulse abzugeben. Dies kann helfen, die Aktivität der Basalganglien zu modulieren und die Symptome der Parkinson-Krankheit zu lindern. Die THS hat sich bei vielen Patienten als wirksam erwiesen und wurde von der US-amerikanischen Bundesbehörde zur Überwachung von Nahrungs- und Arzneimitteln zugelassen.
Rückenmarkstimulation
Die Rückenmarkstimulation ist eine weniger invasive Technik, bei der Nervenstränge im Rückenmark stimuliert werden, um die Auswirkungen der tiefen Hirnstimulation nachzuahmen. Studien haben gezeigt, dass diese Technik die motorischen Symptome, den Gang und die Haltung von Parkinson-Patienten verbessern kann.
Gentherapie
Die Gentherapie ist ein vielversprechender Ansatz zur Behandlung der Parkinson-Krankheit. Dabei werden Gene in Zellen eingeschleust, um deren Funktion wiederherzustellen oder zu verbessern. Es gibt zwei Hauptansätze:
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- Einführung von Genen, die die Produktion von Dopamin oder GABA ankurbeln.
- Reparatur beschädigter Zellen oder Verhinderung weiterer Zellschäden.
Der am weitesten fortgeschrittene Ansatz ist die Einführung des GAD-Gens, das die GABA-Produktion ankurbelt. Ein alternativer Ansatz ist die Einführung von Genen, die die Dopamin-Produktion erhöhen, wie das AADC-Gen.
Stammzelltherapie
Stammzellen haben das Potenzial, sich zu verschiedenen Zelltypen zu entwickeln und könnten verwendet werden, um die verlorenen Dopamin-produzierenden Zellen bei Parkinson-Patienten zu ersetzen. Die Forschung konzentriert sich auf die Verwendung embryonaler Stammzellen und induzierter pluripotenter Stammzellen (iPS-Zellen). iPS-Zellen haben den Vorteil, dass sie aus den Zellen des Patienten gewonnen werden können, wodurch das ethische Problem der Verwendung embryonaler Stammzellen vermieden wird.
Prävention und Früherkennung
Da die Parkinson-Krankheit schwer zu behandeln ist, liegt ein Schwerpunkt auf der Prävention und Früherkennung. Epidemiologische Studien deuten darauf hin, dass der Konsum von Koffein das Risiko, an Parkinson zu erkranken, reduzieren kann. Auch eine Ernährung, der Folsäure fehlt, könnte das Risiko erhöhen.
Eine frühe Diagnose ist essenziell für den Erfolg einer progressionsverzögernden Therapie. Zu den ersten Symptomen der Parkinson-Krankheit gehören Riechstörungen. Durch einen olfaktorischen Funktionstest können Veränderungen in der Riechschwelle, der Diskriminierung und Identifikation von Gerüchen gemessen werden. Ein weiteres kostengünstiges und effektives Verfahren ist die transkranielle Sonographie, bei der bei Parkinson-Patienten schon in sehr frühen Krankheitsstadien ein hyperechogenes Signal in der Substantia nigra gefunden werden kann.
Kognitive Defizite und Demenz
Veränderungen der kognitiven Fähigkeiten treten bei Parkinson-Patienten häufiger auf als bei der restlichen Bevölkerung. Es ist wichtig, kognitive Einschränkungen frühzeitig zu erkennen, um Therapiemaßnahmen gezielt auswählen und einsetzen zu können. Regelmäßige körperliche, geistige und soziale Aktivität, eine gesunde und ausgewogene Ernährung und der Verzicht auf Nikotin oder schädliche Mengen Alkohol können das Risiko reduzieren, kognitive Störungen oder eine Demenz zu entwickeln.
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Umgang mit Parkinson im Alltag
Der Umgang mit Parkinson erfordert ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit und Unterstützung. Es ist wichtig, dass Betroffene und ihr soziales Umfeld miteinander im Gespräch bleiben und einen respektvollen Umgang pflegen. Auch die Gesundheit und Lebensqualität pflegender Angehöriger muss einen ausreichenden Raum im Alltag haben.