Rückenschmerzen sind eine häufige Begleiterscheinung in der Schwangerschaft, besonders im unteren Rückenbereich. Viele werdende Mütter erleben diese Beschwerden, insbesondere im letzten Drittel der Schwangerschaft. Es ist wichtig, die Ursachen und Unterschiede zu kennen, um geeignete Maßnahmen zur Linderung zu ergreifen.
Einführung
Viele Schwangere haben Rückenschmerzen, vor allem, wenn sie schon vor der Schwangerschaft Probleme mit dem Rücken hatten. Rückenschmerzen treten meist im letzten Schwangerschaftsdrittel auf. Sie melden sich oft im unteren Lendenwirbelbereich. Manchmal strahlen sie auch in die Beine aus.
Hormonelle Veränderungen als Ursache
Die Hauptursache für Schmerzen im unteren Rücken ist die Hormonumstellung in der Schwangerschaft. Durch die Ausschüttung von Schwangerschaftshormonen werden alle Bindegewebsstrukturen wie Sehnen und Bänder elastischer. Die Wirbelsäule und Gelenke verlieren dadurch an Stabilität. Um im Körper dennoch eine gewisse Balance zu halten, müssen die Rückenmuskeln stärker arbeiten. „Durch die Ausschüttung von Schwangerschaftshormonen wird der Körper auf die Geburt vorbereitet. Dadurch werden auch die Bänder und Sehnen weicher und die Wirbelsäule und Gelenke verlieren an Stabilität“, sagt Dr. Hans-Jürgen Richter, Chefarzt für Gynäkologie Helios Klinik Jerichower Land.
Gewichtszunahme und veränderter Körperschwerpunkt
Ein weiterer Grund für Rückenschmerzen, vor allem im 3. Trimester, ist der wachsende Bauch und die damit einhergehenden Fehlhaltungen. Viele Schwangere schieben den Bauch nach vorn und gehen ins Hohlkreuz. Dieser kann helfen, dass zusätzliche Gewicht des Ungeborenen zu tragen. Die Gewichtszunahme verlagert den Körperschwerpunkt nach vorne, was die Lendenwirbelsäule zusätzlich belastet. Die Bauchmuskulatur, die normalerweise den Rücken stabilisiert, ist in ihrer Funktion eingeschränkt.
Ischias oder „Ischias“-ähnliche Schmerzen?
Von „Ischias“ sprechen wir umgangssprachlich, wenn wir Schmerzen im unteren Rücken haben. Wir vermuten dann oft, dass die Rückenbeschwerden vom Ischiasnerv ausgehen. Eine echte Ischialgie wird aber in der Schwangerschaft nur in etwa einem Prozent der Fälle diagnostiziert. Rückenschmerzen, die sich wie Ischiasschmerzen anfühlen, treten häufig zum Ende der Schwangerschaft auf. Besonders im letzten Schwangerschaftsdrittel klagen viele Frauen über Schmerzen in der unteren Lendenwirbelsäule. Oft strahlen die Schmerzen bis in die Beine aus. Das ist auch der Grund, warum sie oft mit echten Ischias-Schmerzen (Ischialgie) verwechselt werden.
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Unterscheidung zwischen Ischias und Ischialgie
Je größer der runde Babybauch wird, desto häufiger zieht es im Lendenwirbelbereich. Jede zweite Schwangere klagt gerade im dritten Trimester über stechende Rückenschmerzen. Ziehen sie über den Gesäßmuskel bis ins Bein, denken viele an einen eingeklemmten oder entzündeten Ischiasnerv - eine Ischialgie. Zum Glück ist das nur in wenigen Fällen die Ursache und die Schmerzen klingen nach der Schwangerschaft wieder ab.
Ist die Ursache tatsächlich ein eingeklemmter oder entzündeter Ischiasnerv, ist der Schmerz meistens einseitig. Er strahlt vom Rücken über das Gesäß bis ins Bein, manchmal sogar bis in den Fuß. Auslöser ist häufig ein Bandscheibenvorfall. Dann ist der Nerv zwischen zwei Wirbelkörpern eingeklemmt. Der Nerv kann aber auch aufgrund einer Infektion (Gürtelrose, Borreliose) Schmerzen verursachen. Ischiasbeschwerden werden oft von einem Taubheitsgefühl oder einem Kribbeln begleitet.
Ursachen für „Ischias“-ähnliche Schmerzen
Wieso dennoch jede zweite Frau über Ischias-Symptome klagt, kann oft nicht genau geklärt werden. Die Medizin spricht von mehreren Faktoren, die zusammenspielen und die tiefen Rückenschmerzen in der Schwangerschaft hervorrufen.
- Hormonelle Veränderungen: Schwangerschaftshormone (besonders Progesteron) sorgen für eine Lockerung der Bänder und Sehnen im Becken und unteren Rücken. Vorteil: Dein Baby bekommt dadurch den Platz, den es in den kommenden Monaten braucht. Nachteil: Die Stabilität deines Körpers leidet. Es kann zu kleinen Verschiebungen der Knochen (z.B. am Iliosakralgelenk) kommen, die die „Ischias“-ähnlichen Schmerzen auslösen.
- Gewichtszunahme: Je mehr du mit Babybauch auf die Waage bringst, desto stärker verlagert sich dein Körperschwerpunkt nach vorne. Aber deine Bauchmuskulatur funktioniert gerade nicht mehr so gut als natürlicher Gegenspieler der Rückenmuskulatur. Dadurch wird besonders die untere Wirbelsäule (Lendenwirbelsäule) belastet und beginnt zu schmerzen.
- Stauung der großen Hohlvene: Besonders im Liegen drückt die Gebärmutter im letzten Trimester verstärkt auf die große Hohlvene. Im kleinen Becken kann sich dadurch venöses Blut stauen und auf den Ischiasnerv drücken.
- Wachsende Gebärmutter: Oft reicht auch der Druck, den die wachsende Gebärmutter selbst auf den Ischiasnerv ausübt, um Rückenschmerzen hervorzurufen.
Was tun bei Nervenschmerzen im unteren Rücken?
Schmerzmittel müssen nicht unbedingt sein, auch andere Maßnahmen können gegen die Rückenbeschwerden helfen. In jedem Fall ist es wichtig, die Schmerzen von deiner Ärzt:in abklären zu lassen. Viele Frauen berichten nach der Geburt von nachlassenden Rückenschmerzen. Eine konsequente Rückbildung kann dann zu einer weiteren Linderung führen.
Bewegung und Sport
Sport in der Schwangerschaft ist nicht nur erlaubt, sondern gewollt. Ihrer gewohnten sportlichen Betätigung können Sie - vor allem in der Frühschwangerschaft - wie gewohnt nachgehen. Gymnastik oder Yogaübungen nehmen Schwangere häufig als wohltuend war. Wie für jeden anderen gilt auch für Schwangere: raus an die frische Luft. Das bringt den Kreislauf in Schwung und erhöht die Stimmungslage. Schwimmen, Wassergymnastik oder Schwangerschaftsyoga helfen auf unterschiedlichen Ebenen gegen Ischias und ischiasähnliche Rückenschmerzen. Auf der einen Seite entspannen sie sanft die Muskulatur. Auf der anderen helfen sie dir, mal an etwas anderes zu denken. Das gedankliche und seelische Abschalten kann ebenfalls krampflösend wirken und den Schmerz lindern.
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Wichtig: Versuch, in Bewegung zu bleiben. Zu langes Liegen oder eine schmerzvermeidende Schonhaltung führen oft zu noch stärkeren Verkrampfungen und chronischen Schmerzen.
Körperhaltung und Alltagstipps
Um Fehlhaltungen im Alltag zu vermeiden sollten Schwangere bewusst auf eine aufrechte Körperhaltung achten. Sitzen vermeiden: Zu langes Sitzen verstärkt die Rückenschmerzen oft. Versuch, häufiger aktive Pausen einzulegen, wenn du eine sitzende Tätigkeit ausübst. Und besorg dir ein Keilkissen oder einen Sitzball, um die Wirbelsäule zu entlasten. Entspannter Schlaf: Du hast dir schon ein Stillkissen gekauft? Prima. Es eignet sich nämlich auch dazu, deinen Rücken im Schlaf zu entlasten. Klemm es dir zwischen die Beine und leg dich auf deine Lieblingsseite. Vielen Frauen hilft die Position, die Schmerzen in der Nacht zu lindern.
Wärme und Entspannung
Wärme und Wasser bringen Linderung in der Schwangerschaft. Gönnen Sie sich ein warmes, nicht zu heißes Vollbad und genießen Sie die Schwerelosigkeit im Wasser. Entspannen geht auch bei einem schönen Buch und einer guten Tasse Tee. Lösen Sie die Muskelverspannungen und Blockaden mit einer Massage. Ab der 12. Schwangerschaftswoche möchten sich manche Frauen nicht mehr auf den Bauch legen. Setzen Sie sich falsch herum auf einen Stuhl und versuchen Sie, leicht vornübergebeugt, die Arme auf der Stuhllehne abzustützen. Ihre/Ihr Partner:in kann Sie leicht mit einem Schwangerschaftsöl massieren. Aber Vorsicht: Eine Massage im Kreuzbeinbereich kann möglicherweise zu Kontraktionen der Gebärmutter führen.
Übungen für den Rücken
Stellen Sie sich mit Oberkörper gerade hin, Ihre Füße auf festen Untergrund in Hüftbreite. Die Beine sind leicht gebeugt. Die Hände in die Taille oder in Schulterhöhe anwinkeln. Das ist eine schöne und einfache Übung aus dem Yoga: Die Schwangere geht in den Vierfüßlerstand. Jetzt formt sie einen Rundrücken, während der Blick zum Boden gerichtet ist. Danach kehrt sie in die Ausgangsposition zurück. Zum Abschluss der Übungen ist etwas Entspannung für den Körper wichtig. Legen Sie sich auf den Rücken und lagern Sie die Waden entweder auf einem Gymnastikball ab oder ziehen Sie sie sanft an den Oberkörper heran.
Physiotherapie, Massage und Akupunktur
- Physiotherapie: Dein Therapeut kann dir Übungen zeigen, die du auch zu Hause machen kannst. Sie können den Schmerz lindern und helfen, die wirbelsäulennahe Muskulatur zu stärken. Außerdem beugen sie erneut auftretenden Rückenproblemen vor. Zusätzlich wird die Physiotherapeutin dir Tipps geben, wie du den Rücken im Alltag besser schonen kannst. Zum Beispiel beim Heben und Tragen von Lasten.
- Massagen: In der Physiotherapie können neben Übungen auch Massagen angewendet werden. Lass dir die Griffe erklären und frag, welche Stellen bei einer Massage in der Schwangerschaft ausgespart werden sollten. Dann kann dein Partner dich vielleicht auch zu Hause sanft durchkneten.
- Akupunktur: Auch Akupunktur kann eine sinnvolle alternative Schmerztherapie sein. Bitte sprich mit deiner Hebamme oder Gynäkolog:in, bevor du dir einen Termin geben lässt.
Beckengurt
In einigen Fällen verschreibt dein Arzt dir einen Bauchgurt in der Schwangerschaft. Er entlastet Babybauch und Lendenwirbelsäule bei längeren Einkaufstouren oder wenn du mit dem älteren Geschwisterkind unterwegs bist.
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Wann zum Arzt?
Auch wenn Rückenschmerzen während der Schwangerschaft völlig normal sind, können in einigen Fällen ernstere Gründe dahinter liegen. Bei anhaltenden Rückenschmerzen sollte auf alle Fälle der Hausarzt oder Gynäkologe aufgesucht werden. Sprich offen mit deiner Ärzt:in über deine Schmerzen. Sie wird dich eingehend untersuchen und dabei auch ausschließen, dass deine Rückenschmerzen nicht auf eine gynäkologische Erkrankung zurückzuführen sind.
Rückenschmerzen im 1. Trimester können auf eine Eileiterschwangerschaft hindeuten. Im zweiten und dritten Trimester der Schwangerschaft sind Rückenschmerzen besorgniserregend, wenn sie nicht dauerhaft, sondern wehenartig auftreten. Kommende und gehende Rückenschmerzen können auf eine Nierenbeckenentzündung hindeuten. Gerade im 3. Trimester besteht das Risiko eines sogenannten Nierenstaus. Die wachsende Gebärmutter kann auf die ableitenden Harnwege drücken. Die Folge kann sein, dass Urin nicht mehr von der Niere in die Harnblase gelangen kann. Hiervon können entweder eine oder beide Nieren betroffen sein. Die Folge sind ziehende bis hin zu starken Rückenschmerzen, die oft rechtsseitig auftreten. Während ein leichter Harnstau noch unbedenklich ist, kann ein komplett verschlossener Harnabfluss zu einem gefährlichen Nierenstau werden.
Vorbeugung
Deine Schwangerschaft wird in jedem Fall eine orthopädische Belastung für deinen Rücken. Wenn ihr also gerade versucht, schwanger zu werden, ist die beste Vorbeugung gegen Ischiasschmerzen in der Schwangerschaft, schon jetzt aktiv zu werden und deine Rückenmuskulatur aufzubauen. Treib Sport, melde dich zum Yoga an oder nutz eine App für zu Hause. Geh mit deinem Partner zusammen an der frischen Luft spazieren oder joggen und überleg, wie du ein paar Rückenübungen in deinen Tagesablauf integrieren kannst. So bist du am besten gegen Ischias-Symptome in der Schwangerschaft gerüstet. Wer plant, schwanger zu werden, sollte sich im Idealfall, schon bevor die Schwangerschaft eintritt, gesund und ausgewogen ernähren sowie körperlich aktiv sein. Je früher man Sport treibt, desto besser ist die Muskulatur auf die Schwangerschaft vorbereitet. Auch das Gewicht entscheidet maßgeblich darüber, ob Rückenschmerzen auftreten oder nicht.
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