Zahnersatz bei Hirntumor: Besonderheiten und Versorgung

Die Diagnose eines Hirntumors und die damit einhergehenden Behandlungen können weitreichende Auswirkungen auf die Lebensqualität der Betroffenen haben. Neben den direkten Folgen der Erkrankung selbst können auch Begleiterscheinungen der Therapie, wie beispielsweise Strahlentherapie oder Chemotherapie, die Mundgesundheit beeinträchtigen und den Bedarf an Zahnersatz notwendig machen. Dieser Artikel beleuchtet die besonderen Aspekte der zahnärztlichen Versorgung von Patienten mit Hirntumoren, insbesondere im Hinblick auf Zahnersatz.

Auswirkungen von Hirntumorbehandlungen auf die Mundgesundheit

Verschiedene Behandlungsformen von Hirntumoren können die Mundgesundheit negativ beeinflussen. Dazu gehören:

  • Strahlentherapie im Kopf-Hals-Bereich: Eine Tumorbestrahlung im Kopf-Hals-Bereich kann unerwünschte Nebenwirkungen haben. Kronen, Brücken oder Füllungen aus Metall oder Amalgam können zu einer unerwünschten Dosiserhöhung durch Streustrahlung führen und die angrenzende Mundschleimhaut belasten. Auch die Speicheldrüsen können geschädigt werden, was zu Mundtrockenheit (Xerostomie) und in der Folge zu Karies führen kann.
  • Chemotherapie: Die bei einer Chemotherapie eingesetzten Zytostatika greifen Zellen an, die sich besonders rasch teilen. Das betrifft nicht nur Krebszellen, sondern auch gesunde Körperzellen, wie die Schleimhautzellen im Mund. Bei etwa 20 bis 40 Prozent der Patienten entzünden sich die Mundschleimhaut und auch das Zahnfleisch während der Chemotherapie. Das Immunsystem ist geschwächt, wodurch Krankheitserreger leichtes Spiel haben und zu Entzündungen führen können.
  • Operationen im Mundbereich: Manchmal werden durch die Tumor-Operation im Mund größere Abschnitte des Kieferknochens entfernt. Sie können mit körpereigenem ersetzt werden oder auch durch Metall, Kunststoff oder Spenderknochen. Manche Wiederherstellungs-Schritte nimmt der Operateur bereits während der Tumor-Operation vor. Der Ersatz der Zähne dagegen kann oft erst einige Wochen oder Monate nach der OP erfolgen.

Zahnärztliche Vorsorge vor, während und nach der Tumortherapie

Um die Risiken für die Mundgesundheit zu minimieren, ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Onkologen und Zahnärzten essenziell.

Vor der Therapie

Vor Beginn einer Strahlentherapie oder Chemotherapie im Kopf-Hals-Bereich sollte eine umfassende zahnärztliche Untersuchung erfolgen. Dabei werden bestehende Entzündungen, Karies oder andere Probleme identifiziert und behandelt. Eine professionelle Zahnreinigung ist empfehlenswert, um die Mundhygiene zu optimieren. Gegebenenfalls müssen Zähne entfernt werden, die ein Risiko für Komplikationen während der Therapie darstellen könnten.

Während der Therapie

Während der Therapie ist eine besonders sorgfältige Mundhygiene wichtig. Dazu gehören regelmäßiges Zähneputzen mit einer weichen Bürste, die Verwendung von fluoridhaltigen Zahnpasten und Mundspülungen. Bei Entzündungen der Mundschleimhaut können spezielle Spüllösungen oder Salben zur Linderung eingesetzt werden. Eine Anpassung der Ernährung auf weiche, nicht reizende Speisen kann ebenfalls hilfreich sein.

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Nach der Therapie

Auch nach Abschluss der Tumortherapie sind regelmäßige zahnärztliche Kontrollen unerlässlich. Die Mundgesundheit sollte weiterhin sorgfältig gepflegt werden, um Spätfolgen wie Karies oder Entzündungen vorzubeugen. Gegebenenfalls ist eine professionelle Zahnreinigung in regelmäßigen Abständen sinnvoll.

Zahnersatz bei Hirntumorpatienten: Besondere Aspekte

Die Versorgung mit Zahnersatz bei Patienten nach einer Hirntumorbehandlung erfordert eine individuelle Planung und Berücksichtigung der spezifischen Situation des Patienten.

Individuelle Planung

Eine Zahnprothese nach Tumorbehandlung ist immer eine Einzelfallentscheidung: Anhand der Untersuchung und des Röntgenbildes beurteilt der Zahnarzt die individuelle Mundsituation. Am einfachsten ist es, wenn der Patient noch eigene Zähne hat. Narbengewebe nach der Tumor-Operation oder Gewebeübertragungen machen die Versorgung mit einer Zahnprothese nach Tumorbehandlung oft schwieriger.

Materialauswahl

Bei der Auswahl der Materialien für den Zahnersatz sollten mögliche Risiken durch Streustrahlung berücksichtigt werden. Im Falle einer Strahlentherapie können sogenannte Strahlenschutzschienen angefertigt werden, die die Streustrahlung von den Schleimhäuten fernhalten und Gewebeschäden verhindern.

Implantate

Implantate sind künstliche Zahnwurzeln, die im zahnlosen Kiefer direkt in den Kieferknochen eingebracht werden. Die Kosten für Implantate und den implantatgetragenen Zahnersatz übernimmt die gesetzliche Krankenkasse nur in besonders schweren Fällen - und nur dann, wenn Betroffene nicht mit Zahnersatz im Rahmen der Regelleistung versorgt werden können. Besonders schwere Fälle liegen bei größeren Gesichts- oder Kieferdefekten infolge einer Tumorerkrankung oder dauerhaft bestehender extremer Mundtrockenheit vor.

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Kostenübernahme

Die Kosten für Zahnersatz werden von den gesetzlichen Krankenkassen in der Regel nicht vollständig übernommen. Es gibt einen Festzuschuss, der sich nach der Regelversorgung richtet. Für Krebspatienten gelten grundsätzlich dieselben Regelungen wie für alle anderen Versicherten. Allerdings gibt es Härtefallregelungen, die unter bestimmten Umständen in Anspruch genommen werden können.

Tumortherapiefelder (TTF) als ergänzende Behandlungsmethode

Eine relativ neue Methode zur Hemmung des Tumorwachstums bei Glioblastomen ist die Behandlung mit Tumortherapiefeldern (TTF). Dabei werden lokal elektrische Wechselspannungsfelder über die Kopfhaut auf die Tumorzellen übertragen. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat beschlossen, dass diese Behandlung zukünftig unter bestimmten Voraussetzungen von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen wird. Die TTF-Behandlung kann bei Patienten mit einem neu diagnostizierten Glioblastom angewendet werden, wenn nach einer möglichst vollständigen Entfernung oder nach Biopsie des Tumors und nach Abschluss einer Radiochemotherapie keine frühe Krankheitsprogression nachweisbar ist.

Psychosoziale Aspekte

Anders als bei einem Tumor im Bein oder im Bauchraum lassen sich die sichtbaren Folgen der Erkrankung oder der Operation bei einem Tumor im Gesichtsbereich schlecht verstecken. Als Tumorpatient möchte man sich nach der Krebstherapie wieder gesund fühlen und gerne am Alltags-, Familien- und Berufsleben teilnehmen. Daher ist es wichtig, dass die zahnärztliche Behandlung nicht nur die funktionellen, sondern auch die ästhetischen Aspekte berücksichtigt.

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