Vagusnerv: Meditation gegen Durchfall und zur Förderung der Entspannung

Ständig unter Strom, kaum Zeit zum Abschalten - viele Menschen kennen das Gefühl, nie richtig zur Ruhe zu kommen. Stress, Sorgen oder Daueranspannung führen dazu, dass der Körper kaum noch in den Erholungsmodus wechselt. Der Vagusnerv kann hier helfen, Körper und Geist wieder herunterzufahren. Er ist ein wichtiger Teil unseres Nervensystems und sorgt dafür, dass Körper und Geist wieder runterfahren können.

Was ist der Vagusnerv?

Der Vagusnerv, auch Nervus vagus genannt, ist einer der wichtigsten Nerven im menschlichen Körper. Er ist Teil des vegetativen Nervensystems, genauer des Parasympathikus. "Vagus" stammt aus dem Lateinischen und bedeutet "herumschweifend", was seine weitreichende Verzweigung im Körper widerspiegelt. Der Hirnnerv reicht vom Stammhirn über den Kopf- und Halsbereich bis zum Magen-Darm-Trakt - damit zählt der Vagusnerv zu den wichtigsten und längsten Hirnnerven. Durch seine feinen Verästelungen ist er mit vielen Organen verbunden.

Um die Funktion des Vagusnervs zu verstehen, ist ein Blick auf den Aufbau des peripheren Nervensystems notwendig. Dieses besteht aus zwei Hauptkomponenten:

  • Sympathikus: Versetzt dich in einen Aktivitätsmodus, beispielsweise in Stresssituationen.
  • Parasympathikus: Hat eine beruhigende Funktion, kurbelt verschiedene Stoffwechselvorgänge an und hilft deinem Körper so bei der Regeneration.

Für dein Wohlbefinden ist es wichtig, dass Sympathikus und Parasympathikus im Gleichgewicht sind. Hier kommt der Vagusnerv ins Spiel. Dieser wirkt im Zusammenspiel mit dem Parasympathikus - er reguliert den Körper also zurück in einen entspannten Zustand.

Die Rolle des Vagusnervs im Körper

Als Schlüsselelement in der Darm-Hirn-Achse agiert der Vagusnerv als essentielle Brücke zwischen Kopf und Bauch und ermöglicht einen ständigen Informationsaustausch. Dieser Vagusnerv-gesteuerte Austausch ist für unsere Gesundheit von entscheidender Bedeutung und hebt die Bedeutung der Darm-Hirn-Achse hervor, in der der Vagusnerv eine Hauptrolle spielt.

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Der Vagusnerv ist weitaus mehr als nur eine Kommunikationsleitung zwischen Magen und Gehirn. Er ist ein Schlüsselkomponente in unserem Körper, der in vielerlei Hinsicht die Signale verarbeitet und interpretiert, die unser Gehirn und unser Magen-Darm-Trakt austauschen. Durch die Übermittlung von Informationen über den Zustand unseres Verdauungssystems an unser Gehirn ermöglicht der Vagusnerv eine fein abgestimmte Kontrolle unserer Nahrungsaufnahme, Verdauung und sogar unserer emotionalen Reaktionen.

Die Darm-Hirn-Achse, ein komplexes Netzwerk von Nervenverbindungen, stellt die tiefgreifende Verbindung zwischen unserem Verdauungssystem und unserem Gehirn dar. In diesem komplexen Netzwerk nimmt der Vagusnerv eine entscheidende Stellung ein. Er agiert als Informationsautobahn, die unablässig Daten zwischen diesen beiden wichtigen Organen transportiert. Durch den Vagusnerv und den Blutkreislauf - in den sogar Mikroben involviert sind - sind unser Gehirn und unser Magen-Darm-Trakt in einen fortlaufenden Austausch eingebunden. Dieser Austausch betrifft nicht nur grundlegende Bedürfnisse wie Hunger und Durst, sondern greift noch viel tiefer. Innerhalb dieser Darm-Hirn-Achse findet auch eine mehrstufige negative Feedbackschleife statt, die für die Regulierung des Hormonspiegels in unserem Blut zuständig ist. Sobald der Hormonspiegel im Blut ansteigt, reduziert das an die Drüsen übermittelte Signal die Hormonproduktion. Dieser Regelkreis ist auch ein integraler Bestandteil der Eiweißaufnahme, was die Genauigkeit und Detailgenauigkeit der Hirn-Magen-Kommunikation unterstreicht. Die Darm-Hirn-Achse und die Rolle des Vagusnervs in diesem System sind somit von grundlegender Bedeutung für unsere Gesundheit.

Der Vagusnerv ist maßgeblich an der Regulation von Verdauungsprozessen beteiligt. Er beginnt in unserem Gehirn und seine zwei Äste ziehen sich über den Hals hinunter zum Herz, zur Lunge und bis hin zum Magen und Darm, wobei er sich weit verzweigt. In der Tat ist unser gesamter Verdauungstrakt von Nervenzellen des Vagusnervs durchzogen. Zusätzlich zu seiner Kommunikations- und Regulationsfunktion ist der Vagusnerv auch für eine Reihe weiterer Funktionen im Körper verantwortlich. So spielt er etwa eine entscheidende Rolle bei der Stressantwort des Körpers und bei der Regulierung des Herzrhythmus. Studien zeigen zudem eine Verbindung zwischen Vagusnervaktivität und verschiedenen Gesundheitszuständen, darunter Depressionen, Angstzustände und chronische Entzündungserkrankungen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Vagusnerv:

  • Den Körper in einen entspannten Zustand versetzt.
  • Herzschlag und Atmung verlangsamt.
  • Den Blutdruck leicht senkt.
  • Die Verdauung verbessert.
  • Stresshormone abbaut.
  • Eine wichtige Rolle in der Darm-Hirn-Achse spielt.
  • Die Stressantwort des Körpers reguliert.
  • Den Herzrhythmus reguliert.
  • Einen Einfluss auf das Immunsystem hat.

Vagusnerv-Dysfunktionen

Eine Fehlfunktion oder Reizung des Nervus Vagus kann das Gleichgewicht deines Nervensystems aus dem Gleichgewicht bringen. Die häufigste Ursache eines gestörten Vagusnervs ist, wenn dieser eingeklemmt wird. Das geschieht besonders leicht, wenn sich der obere Halswirbel verschiebt. Die Symptome, die ein eingeklemmter Vagusnerv verursachen kann, sind sehr vielfältig.

Wie du bereits erfahren hast, kann der Vagusnerv sowohl über- als auch unterstimuliert sein. Eine weitere häufige Ursache für Vagusnerv-Störungen ist chronischer Stress. Eigentlich hilft der Vagusnerv dir dabei, dass du dich nach einer Stresssituation wieder erholst. Chronischer Stress stört die Aktivität des Vagusnervs jedoch. Bei Stress arbeitet der Sympathikus auf Hochtouren, dein Parasympathikus ist gehemmt. In einigen Fällen steckt eine Entzündung des Nervus vagus hinter den Beschwerden. Diese Ursache ist jedoch eher selten.

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Erniedrigte Vagusaktivität

Erniedrigte Vagusaktivität kommt z.B. vor bei Autoimmunerkrankungen wie Colitis ulcerosa, bei erniedrigter Immunität, Malabsorption und Übergewicht. Eine hypotone vagale Aktivität mit einer normotonen Aktivität des enterischen Nervensystems kann bei Alkoholabusus und Diabetes mellitus Typ 2 auftreten. Neben Alkoholkarenz kann hier therapeutisch der N. vagus stimuliert werden (s.u.). Eine hypotone vagale Aktivität mit einer hypotonen Aktivität des enterischen Nervensystems birgt ein hohes Risiko für neurodegenerative Erkrankungsbilder. Hier sollte zunächst die niedrige Immunlage verbessert und die Viruslast vermindert [59], [60] und erst anschließend der N. vagus stimuliert werden. Zudem kann die Dünndarmregion gedehnt werden, um die myenterische Aktivität zu steigern [59], [60].

Symptome einer Unterstimulation:

  • Du kommst schwer zur Ruhe.
  • Herzrasen oder Herzstolpern.
  • Schlafstörungen.
  • Verdauungsbeschwerden.

Erhöhte Vagusaktivität

Die Vagusaktivität kann dysfunktionell nicht nur erniedrigt, sondern auch erhöht sein. Erhöhte Vagusaktivität kommt z.B. vor bei Allergien, M. Crohn und Fettleibigkeit. Bei einer hypertonen Vagusaktivität können mittels OMT das Zwerchfell, die Radix mesenterii sowie die hochzervikale Region gedehnt werden.

Erhöhte Vagusaktivität bei jungen Menschen kann zu einem Anstieg der Magensäureproduktion, verstärkter Magenentleerung und unter Umständen zu Durchfall führen. Hier sollte zusätzlich zu den manuellen Ansätzen die Mundregion gereinigt und die Pathogenbelastung reduziert werden.

Symptome einer Überstimulation:

  • Antriebslosigkeit und Müdigkeit.
  • Niedriger Blutdruck.
  • Ständiges Frieren.
  • Träges Magen-Darm-System.
  • Schwindel.

Diagnostik von Vagusnerv-Dysfunktionen

  • Mittels Geruchssinn: Ätherisches Lavendelöl unter die Nase halten: Durch Stimulation des Vagus wird die Magenentleerung gefördert. Dies ist hörbar, z.B. mit dem Stethoskop in der Region des Pylorus.
  • Mittels Schlucken: Trinken von einem Glas Wasser dient zum Test des Vagus im Ösophagus (Norm etwa 5 Sekunden; bei verminderter Aktivität und z.B. bei Parkinson-Erkrankung ist der Schluckzeitraum reduziert).
  • Mittels HRV-Messung: HRV-Messparameter geben Einblick in die autonome Funktion des Herzens und ermöglichen Einschätzungen zur Funktionsweise des autonomen Nervensystems. Der N. vagus leitet Informationen viel schneller als der Sympathikus. So ist die Vagusaktivierung der Herzfrequenz bis zu 8-fach schneller im Vergleich zur Sympathikusaktivierung, sodass Schwankungen der Herzfrequenz viel stärker durch den Vagus bestimmt werden.
  • Mittels Ruffier-Dickson-Test zur Bestimmung einer Hypotonie des N. vagus - Nach 1 Minute in Rückenlage die Pulsschläge messen (P1), Kniebeugen 30× bzw. für 45 Sekunden durchführen, dann Pulsschläge im Stand direkt danach (P2) sowie nach 1 Minute in Rückenlage nochmals messen (P3). Der Dickson-Index dient zur Beurteilung der Erholungsfähigkeit des Herzens nach einer Anstrengung. Berechnung des Dickson-Index((P2-70) + 2 (P3-P1))/10Bewertung<0 = exzellent, 0-2 = sehr gut, 2-4 = gut, 4-6 = mittel, 6-8 = schwach, 8-10 = sehr schwach, >10 = schlechte Anpassung
  • Weitere mögliche Hinweise für eine verminderte Vagusaktivität:
    • Verminderte Halsmobilität und Kieferstörungen, CMD (kraniomandibuläre Dysfunktion).
    • Viszeralfett: Hier kann eine Bauchumfangsmesssung vorgenommen werden (bei Übergewicht ist die Vagusaktivität erniedrigt, bei Fettleibigkeit dysfunktionell erhöht).
    • Kompression der Pars descendens des Duodenums mit der Gefahr eines Refluxes.
    • Positive Triggerpunkte der Nacken- und Kiefermuskulatur.
    • Spannungseinschränkungen im Bereich der Vagina carotica.
    • Positiver Gesret-Punkt: Dieser befindet sich meist interkostal unter der linken Achsel, seltener rechts. Der Test ist positiv bei Druckschmerzhaftigkeit und Palpation einer Art Fettkugel in dieser Region.
    • Virusbelastungen: durch Blutuntersuchungen.
    • Vorhandensein von Proprionibakterien im Mundbereich: Befundung mittels UV-Lampe.

Möglichkeiten zur Aktivierung des Vagusnervs

Bei den meisten Menschen ist der Vagusnerv zu wenig stimuliert, bedingt durch zu viel Stress. Es gibt jedoch viele Möglichkeiten, den Vagusnerv zu aktivieren und so Entspannung zu fördern. Regelmäßigkeit ist wichtiger als Dauer.

Atemübungen

Deine Atmung ist das wichtigste und effektivste Instrument, um den Vagusnerv zu aktivieren. Studien belegen, dass die tiefe Atmung, die beim Yoga angewendet wird, den Vagusnerv aktiviert und Entspannung hervorruft. Eine schnelle Atmung bewirkt hingegen genau das Gegenteil.

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Anleitung:

  1. Setze dich bequem hin oder lege dich auf den Rücken.
  2. Schließe deine Augen und atme tief durch die Nase ein und durch den Mund aus.
  3. Atme dabei deine Atmung in den Bauchraum.
  4. Beim Einatmen hebt sich dein Bauch, beim Ausatmen senkt er sich.
  5. Versuche dazu, dich ein paar Minuten pro Tag der bewussten Atmung zu widmen. Die sogenannte „4-7-8-Atemtechnik“ eignet sich besonders gut: Setze oder lege dich bequem hin und schließe die Augen, wenn du magst. Atme tief durch deine Nase ein und zähle dabei bis vier. Halte nun den Atem an und zähle bis sieben. In einem letzten Schritt atmest du langsam durch den Mund aus und zählst bis acht.

Stimulation der Halsmuskulatur

Durch leichtes Streicheln und Massieren der linken Halsseite kannst du deinen Vagusnerv aktivieren. Er verläuft in der Nähe der Halsschlagader. Beginne damit, deine Haut zwischen den Ohren und dem Schulterübergang mit sanftem Druck zu streicheln.

Der Vagusnerv ist mit deiner Kehlkopf- und Rachenmuskulatur verbunden. Durch Stimulation der Muskeln aktivierst du deinen Nervus vagus.

  • Singen oder Summen: Singe tiefere Töne oder summ ein langgezogenes „Om“ oder „Ah“ für etwa 5-10 Minuten. Konzentriere dich auf tiefe Atemzüge aus dem Zwerchfell und spüre die Vibrationen im Brust- und Halsbereich. Lieder mit vielen Vokalen wie A, E, O oder U sowie das sogenannte „Bienensummen“ massieren deinen Vagusnerv und beruhigen dein Gemüt. Die Zweige des Nervus vagus verlaufen auf beiden Seiten des Halses, entlang von Kehlkopf und Luftröhre. Die „Bienensummen“-Übung hat ihren Ursprung im Yoga, heißt „Bhramari“ und verbindet für den Vagusnerv Atmung mit Ton. Setze dich dazu am besten aufrecht hin und atme einmal tief ein. Verschließe dann deine Ohren mit den Fingern und atme in einem langen, ruhigen Summton aus. Versuche, die Ausatmung zu verlängern und den Ton gleichmäßig fließen zu lassen.
  • Gurgeln: Gurgle für 30 Sekunden bis 1 Minute mehrmals täglich mit Wasser. Verwende lauwarmes Wasser und versuche, laut zu gurgeln, um die Rachenmuskulatur intensiver zu aktivieren. Der Nervus vagus ist an der Geschmackswahrnehmung beteiligt und stimuliert die Muskulatur von Rachen und Kehlkopf. Durch das Gurgeln aktivierst du, ähnlich wie beim Summen oder Singen, eben diese Muskeln. Dies wiederum führt zu einer Art „Massieren des Vagusnervs“ und fördert Ruhe sowie Entspannung. Zusätzlich stärkt das Gurgeln dein Immunsystem.

Bewegung

Egal ob zügiges Spazierengehen, eine Radtour oder eine Joggingrunde: Jede Form von Bewegung aktiviert deinen Vagusnerv. Zudem bietet Sport einen wohltuenden Ausgleich zum stressigen Alltag. Achte dabei auf eine moderate Bewegung. Studien belegen, dass Radfahren eine erhöhte Vagusnervaktivität hervorrufen kann.

Gesunde Darmflora

Je gesünder deine Darmflora, desto besser ist deine Darmschleimhaut in der Lage, Serotonin und Dopamin zu bilden. Probiotische Lebensmittel wie Kefir und Sauerkraut helfen dir, deine Darmflora auf natürliche Weise zu stärken.

B-Vitamine

Vor allem die Vitamine B1, B6, B12 und Folsäure tragen zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei. Du kannst die B-Vitamine selbst nicht bilden und mit Ausnahme von Vitamin B12 auch nicht speichern. Eine ausgewogene und gesunde Ernährung ist die Basis für eine gute Versorgung mit B-Vitaminen.

Kälteanwendungen

Kälte löst im Körper einen kurzen Reiz aus, der den Parasympathikus anregt. Das erreichen Sie einfach, indem Sie sich morgens das Gesicht mit kaltem Wasser abspülen oder beim Duschen zum Schluss 10-20 Sekunden kaltes Wasser über den Nacken laufen lassen. Eine kalte Dusche am Morgen kann sich positiv auf deine Gelassenheit auswirken und deinen Vagusnerv massieren und aktivieren. Kälte mildert die Aktivität des Sympathikus. Gleichzeitig wird der Parasympathikus angeregt. Durch die kurze und erfrischende Wirkung, etwa von kaltem Wasser, kannst du die Balance deines Nervensystems beeinflussen und einen positiven Einfluss auf dein Stresslevel sowie dein allgemeines Wohlbefinden nehmen.

Weitere Übungen und Tipps

  • Achtsames Essen und Kauen: Sie üben regulierende Gewohnheiten ein. Ein inneres Umschalten ist leichter möglich.
  • Meditation und Achtsamkeit: Meditation- und Achtsamkeitspraxis können deinen Parasympathikus auf tiefgreifende Weise aktivieren und somit zur Beruhigung deines gesamten Nervensystems beitragen. Beide Praktiken fördern die Konzentration auf den gegenwärtigen Moment und ermöglichen dir, dich von stressigen Gedanken und Sorgen zu lösen. Führst du die Meditations- oder Achtsamkeitsübungen auf einer Akupressurmatte oder während du ein Akupressur-Stirnband trägst durch, fördert dies außerdem die Ausschüttung von Endorphinen, den natürlichen „Wohlfühl“-Chemikalien deines Körpers.
  • Akupressur: Lege dazu seitlich beide Handflächen an deinen Hals. Streiche zwischen deinem Ohr und Schulterübergang in sanft kreisenden Bewegungen über die Haut. Wenn du die Vorteile der Akupressur für deinen Vagusnerv nutzen möchtest, gebührt deine Aufmerksamkeit den Ohren: Der 10. Ohrpunkt in der Ohrmuschel: Du findest diesen Punkt in einer kleinen Vertiefung oberhalb des Ohrkanals. Massiere diese Stelle mit deinem Finger. Ohrpunkt im Ohrkanal: Dieser Punkt befindet sich an der Rückwand des Gehörgangs. Ohrpunkt hinter dem Ohr: Führe sanfte Auf-und-ab-Bewegungen hinter deinen Ohren aus, um den Akupressurpunkt des Vagusnervs zu massieren.
  • Augenübungen: Strecke jeweils einen Finger der rechten und einen Finger deiner linken Hand unterschiedlich weit von deinem Körper weg. In einem weiteren Schritt drehst du deinen Kopf einmal nach links und fixierst einen nahegelegenen Gegenstand mit den Augen. Anschließend drehst du deinen Kopf langsam nach rechts und stellst erneut einen Gegenstand mit deinen Augen scharf. Wiederhole diesen Vorgang einige Male, um deinen Vagusnerv zu massieren und zur Ruhe zu kommen. Diese Übungen stimulieren nicht nur den Abschnitt des Nervs, der durch deinen Hals verläuft, sondern auch die feinen Ziliarmuskeln in deinen Augen. Diese sind integraler Bestandteil deines Sehprozesses und stehen in direkter Verbindung mit dem Vagusnerv.
  • Zunge herausstrecken: Im Alltag eher verpönt, kann das bewusste Herausstrecken der Zunge dazu beitragen, deinen Vagusnerv zu stimulieren. Positioniere dich für diese Übung in der Hocke, wobei du dein Gewicht auf die Fersen verlagerst. Lege deinen Kopf nach hinten und strecke die Zunge so weit wie möglich heraus. Lasse beim Ausatmen ein Fauchen hören.
  • Lachen: Methoden wie Lachyoga und Co. zeigen, welch positiven Effekt das Lachen auf das Wohlbefinden und den Körper ausübt. Durch das Lachen atmest du intensiver und unterstützt die Stimulierung deines Nervus vagus. Darüber hinaus werden Gesichtsmuskeln beansprucht, die in einer unmittelbaren Beziehung zum Nerv stehen.

Vagusnervstimulation (VNS)

Die Stimulation des Vagusnervs während einer Expositionstherapie beseitigt Angst, Hypervigilanz, Vermeidungsverhalten und asoziales Verhalten in Tierversuchen zu postraumatischer Belastungsstörung (PTBS). VNS verstärkte im Versuch an Ratten die Löschung konditionierter Angst, ohne [82], [85] und mit PTBS [55], [98]. VNS kann außerdem Angst-Löschungsstörungen entgegenwirken, angstähnliches Verhalten reduzieren, andere PTBS Symptome verbessern [32] sowie konditionierte Furchtreaktionen erleichtern [86]. Es konnte zudem gezeigt werden, dass die Anzahl der Schlüsselmoleküle, die die synaptische Plastizität fördern, durch VNS erhöht werden kann, z.B. Acetylcholin [81], Serotonin [75], Noradrenalin [93], Fibroblasten-Wachstumsfaktor-1 (FGF-1) und der Wachstumsfaktor BDNF (Brain-derived neurotrophic Factor) [28], Neurogenese [89], Fos (ein Kernprotein, das unter Bedingungen hoher neuronaler Aktivität exprimiert wird) [80], Tropomyosinrezeptorkinase B (TrkB) [31], Neurexin, Cadherin und Kalziumkanäle [2], NMDA-Rezeptoren (NMDA = N-Methyl-D-Aspartat) [2], [3]. Die transkutane elektrische Vagusnervstimulation zeigt gleichzeitig eine Verbesserung der neuronalen Plastizität, insbesondere in Kombination mit Training [42], [43], z.B. im Locus coeruleus [41], [46] und der Gedächtniskonsolidierung [17], [18], [85]. Die Kombination von VNS mit sensorischen oder motorischen Ereignissen ist in der Lage, den sensorischen oder motorischen Kortex zu reorganisieren [11]. Die Kombination von VNS und Exposition gegenüber unverstärkten konditionierten Signalen konnte im Tierversuch die Löschung infralimbischer präfrontaler Kortex - basolateraler Amygdala-Signalwege verbessern [3], [86].

Hinweise bestehen, dass VNS zur Löschung der konditionierten Angst in Kombination mit expositionsbasierten Ansätzen angewendet werden sollte und ihre isolierte Applikation nicht ausreicht [78].

Eine autonome vagovagale Schleife erreicht viszerale Impulse in den Ncl. tractus solitarii (NTS), der Efferenzen zum Ncl. dorsalis nervi vagi (DMN) zur rostralen ventrolateralen Medulla (RVLM) und zur intermediären lateralen Medulla (ILM) weiterleitet, mit dem Ziel, ein Gleichgewicht zwischen den sympathischen und parasympathischen Antworten auf verschiedene körperliche Zustände zu erreichen. Der Vagus agiert dabei nicht isoliert. Modulationen der vagovagalen Schleife werden durch eine autonome Vorderhirnschleife möglich, über Wechselwirkungen zwischen dem NTS und anderen Gehirnbereichen wie Hypothalamus, Amygdala, zingulärer Kortex, Inselkortex, präfrontaler Kortex, die ebenso an neuroendokrinen, emotionalen und kognitiven Verhaltenskontrollen beteiligt sind (s. Abb. Abb. IndikationReorganisation des sensorischen oder motorischen Kortex [11], posttraumatische Belastungsstörung und Angststörungen [13], [34], [58], [78], [82] sowie chronische niederschwellige Entzündungen, zur Entzündungshemmung, z.B. bei rheumatoider Arthritis; Anti-Tumornekrosefaktor α (Anti-TNF-α), d.h. antientzündliche Wirkung, gastroduodenale Entleerungsstörungen, evtl. medikamentenresistente Epilepsie, Depression [9].

Vagusstimulation im Bereich der kraniozervikalen Region nach Liem

  • Handhaltung:
    • Daumen im Bereich der Cavum conchae (Ramus auricularis nervi vagi)
    • Zeigefinger an den Anguli mastoideae.
    • Mittelfinger auf den Mastoiden.
    • Ringfinger und kleiner Finger im Bereich des Atlantookzipitalgelenks (s. Abb. 2)
  • Ausführung:
    • Manuell werden mittels der Daumen die Haut im Bereich beider Concha auricularis [44] und mittels der Mittelfinger die aurikulären Äste am Proc. mastoideus sanft stimuliert.
    • Die Zeigefinger anteriorisieren den Unterkiefer. Ringfinger und kleiner Finger üben eine subokzipitale Inhibition bzw. Dekompression im Bereich der subokzipitalen Region und nahe des Foramen jugulare aus. Hier konnte bereits nicht nur eine vagusstimulierende Wirkung, sondern auch eine zerebrale Durchblutungsverbesserung nachgewiesen werden [24], [88], [91].
  • Hinweis:
    • Der N. vagus verläuft durch den mittleren Teil des Foramen jugulare, kaudal des N. glossopharyngeus und oberflächlich der V. jugularis interna.
    • Eine Stimulierung kann auch durch Elektrostimulation im Ohrenbereich in Anlehnung an Bonaz bzw. auf den Mastoid und unterhalb des Zwerchfells erfolgen [9]. Der Vagus kann am Mastoid und Zwerchfell mit einem TENS-Gerät mit 10 Hertz stimuliert werden. Auch Nadelung ist möglich [44]

Vagusstimulation im Bereich der Vagina carotica

Auch im Bereich der Vagina carotica kann der N. vagus sanft stimuliert werden. Die Mittelfinger beider Hände werden etwa 1 cm voneinander entfernt, medial des M. sternocleidomastoideus positioniert - zwischen der A. carotis communis und der V. jugularis interna, unmittelbar unterhalb der Cartilago thyroidea. Die Stimulierung in der Region des Verlaufs des N. vagus erfolgt mittels kraniokaudaler sanfter Mobilisierung.

Vagusstimulation im Bereich des Zwerchfells

Medial die tiefe Zwerchfellregion im Bereich des Ösophagus (Truncus vagalis anterior und posterior) entspannen. Dafür die Daumen beidseitig am Xiphoid in die Tiefe einsinken lassen und im Bereich des Ösophagus Mikrobewegungen folgen während die übrigen Finger den unteren Interkostalräumen aufliegen. Gleichzeitig verlangsamt der Patient die Atmung um etwa die Hälfte. Im zweiten Schritt das Ganglion coeliacum, etwa mittig zwischen Bauchnabel und Xiphoid, entspannen (s. auch Fulford-Technik [62], S. 520).

Reorganisation des sensorischen oder motorischen Kortex

Dadurch können Sinnesreize oder motorische Reize, Bewegungen, Körperhaltungen und funktionelle OMT mit VNS kombiniert werden. Außerdem wird die VNS auch im Rahmen der multimodalen bifokalen Integration nach Liem angewendet.

Natürliche Helfer zur Förderung der Entspannung

Einige natürliche Helfer können den Entspannungsprozess zusätzlich fördern. Diese Produkte unterstützen das vegetative Nervensystem und können die Übungen angenehm ergänzen.

  • Lavendel: Ätherisches Lavendelöl hilft in stressigen Zeiten abzuschalten. In Ihrer Apotheke gibt es beispielsweise Lavendelöl in Kapseln zum Einnehmen oder ölige Lavendellösung zum Einreiben. Dafür einige Tropfen auf die Handgelenke oder auf die Brust auftragen und einatmen. Bei innerer Unruhe und Nervosität können Passionsblume, Lavendel und Melisse wohltuen.
  • Baldrian und Hopfen: Bei Schlafstörungen eignet sich eine Kombination aus Baldrian, Hopfen und Hafer.
  • Melatonin: Auch Melatonin kann eine gute Empfehlung bei Einschlafschwierigkeiten sein.

Achtsamkeit und Ernährung

Achtsamkeit und Essen:Seit einem halben Jahr praktiziere ich Achtsamkeit und bemerke die Auswirkungen auf viele Lebensbereiche.

  • Psychobiotische Ernährung: Wie du oben gelesen hast, gibt es einige Bakterienspezies, die einen besonderen Einfluss auf unsere Gefühlswelt und Psyche nehmen. Dieses sogenannte “Mood Food” kommt allerdings nicht ohne die Grundlage der prä- und probiotischen Ernährung aus. “Essen macht glücklich” - dafür ist vor allem unser “Glückshormon” Serotonin zuständig. Damit unsere Darmbakterien Serotonin herstellen können, benötigen wir ausreichend die Aminosäure Tryptophan, Vitamin C, Magnesium, Mangan, Omega-3-Fettsäuren und auch Zink.

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