Hirnhautentzündung bei Kühen: Ursachen, Symptome und Behandlung

Eine Meningitis, auch Hirnhautentzündung genannt, ist eine Entzündung der Hirnhäute, die das zentrale Nervensystem (Rückenmark) umhüllen. Sie kann verschiedene Ursachen haben und unterschiedliche Symptome hervorrufen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten der Hirnhautentzündung bei Kühen.

Ursachen der Hirnhautentzündung

Eine Meningitis wird durch Viren, Bakterien und seltener auch durch Pilze verursacht. Die Erreger gelangen über die Atemwege oder auf anderen Wegen in den Blutstrom. Durch den Blutkreislauf erreichen sie die Hirnhäute und lösen dort und im angrenzenden Nervengewebe eine Entzündung aus. Im weiteren Verlauf können die Erreger auch die Blut-Hirn-Schranke überwinden und zu einer Gehirnentzündung (Enzephalitis) und einem Druckanstieg im Schädel führen.

Bakterielle Meningitis

Bakterien sind zwar seltener die Ursache für Hirnhautentzündungen, begünstigen jedoch einen schweren Verlauf. Die häufigsten Auslöser einer bakteriellen Meningitis sind Pneumokokken, Meningokokken (Neisseria meningitidis), Haemophilus influenzae, Listerien sowie bei Neugeborenen das Darmbakterium E. coli. In diesem Fall wandern Bakterien von einem Entzündungsherd, zum Beispiel dem Nabel, zu den Hirnhäuten.

Streptokokken sind in fast allen schweinehaltenden Betrieben präsent und können Tiere als auch Menschen befallen. Klinisch erkrankte Schweine zeigen primär Anzeichen einer Meningitis.

Auch Milzbrand kann zu einer Hirnhautentzündung führen. Aus allen Formen des Milzbrands kann sich eine Milzbrand-Meningitis bilden. Dies ist eine gefürchtete Komplikation, die zur Hirnhautentzündung führt. Die Symptome setzen meist plötzlich ein und reichen von starken Kopfschmerzen und hohem Fieber über Muskelschmerzen, Zittern und Verwirrtheit bis hin zu einem rasch fortschreitenden, lebensbedrohlichen Zustand.

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Listeriose wird durch den Erreger Listeria monocytogenes verursacht, ein in der Umwelt stark verbreiteter grampositiver Erreger, der die Fähigkeit besitzt, auch bei ungünstigen Bedingungen vermehrungsfähig zu bleiben. Listerien können zu einer nichteitrigen Meningitis führen.

Virale Meningitis

Eine Hirnhautentzündung kann durch verschiedene Viren ausgelöst werden. Am bekanntesten sind wahrscheinlich die Erreger der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME-Viren), die durch Zecken übertragen werden.

Brucellose

Die Brucellose ist eine bakteriell verursachte Infektionskrankheit, die bei Menschen und Tieren gleichermaßen vorkommt (Anthropozoonose). Sie wird meist von Tieren auf den Menschen übertragen. Des Weiteren können sich bei Brucellose diverse Organe und Gewebe chronisch entzünden. Möglich sind demnach: Hirnhautentzündung (Meningitis).

Tuberkulose

Noch nach dem 2. Weltkrieg war Tuberkulose bei Mensch und Rind weit verbreitet. Inzwischen ist Deutschland amtlich tuberkulosefrei. Jährlich werden jedoch immer noch Rindertuberkulosefälle angezeigt. Speziell in Bayern und Baden-Württemberg kam es vermehrt in den letzten Jahren zu Tuberkulosefällen und teilweise auch wieder zu Überwachungsprogrammen. Die Krankheitsanzeichen können sehr variabel sein, da Tuberkulose praktisch alle Organe befallen kann. Klassischerweise ist bei Rindern häufig die Lunge befallen.

Leptospirose

Die Leptospirose ist eine klassische Zoonose und zahlreiche Wild- und Nutz­tier­arten sind für Leptospiren empfänglich und können an Leptospirose erkranken. In Deutschland zählen dazu u.a. Hunde, Haus- und Wildschweine, Rinder und Pfer­de. Die Leptospirose betrifft häufig das Zentralnervensystem. Zeichen und Symp­tome umfassen starke Kopfschmerzen, Photophobie, Nackensteife und ge­änd­erte Vigilanz und entsprechen damit dem klinischen Bild anderer viraler oder bak­te­ri­el­ler Meningitiden. Diese Symptome können bei der Leptospirose auch ohne he­pa­ti­sche, Nie­ren- oder Lungenbeteiligung auftreten. Eine aseptische Me­nin­gi­tis wird in 5 - 24% der Krankheitsfälle beobachtet.

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Weitere Ursachen

Menschen mit einem geschwächten Immunsystem haben ein erhöhtes Risiko für eine Hirnhautentzündung. Besonders anfällig sind aber auch Säuglinge, Kinder und Jugendliche. Das Immunsystem von Säuglingen und Kindern ist noch unreif und bietet daher weniger Schutz vor einer Infektion. Jugendliche hingegen haben durch ihre meist engen und vielfältigen sozialen Kontakte ein höheres Ansteckungsrisiko.

Symptome der Hirnhautentzündung

Die ersten Anzeichen einer Meningitis ähneln oft denen einer Grippe. Typisch sind starke Kopfschmerzen, Fieber und Abgeschlagenheit. Zusätzlich kommt es bei der Hirnhautentzündung häufig zu einem schmerzenden und steifen Nacken (Nackensteifigkeit). Dieses Symptom ist typisch für Erwachsene und kann bei Säuglingen und Kleinkindern fehlen.

Bei Kindern unter zwei Jahren können die Symptome sehr unspezifisch sein. Die typische Nackensteifigkeit tritt bei ihnen seltener auf als bei Erwachsenen. Zu beobachten ist häufig ein schrilles Schreien oder Wimmern in Verbindung mit allgemeiner Schwäche, Appetitlosigkeit, Berührungsempfindlichkeit und starker Schläfrigkeit. Die Fontanelle, die bei Säuglingen noch nicht fest geschlossene Lücke zwischen den Schädelplatten, kann gewölbt oder hart sein.

Bei Schweinen mit Streptokokkeninfektionen kommt es zu Koordinationsstörungen und starken Gelenksentzündungen. Bei einer Hirnhautentzündung kommt es zum Festliegen. Typisch dafür ist auch die sogenannte "Sternguckerhaltung".

Diagnose der Hirnhautentzündung

Eine bakterielle Gehirnhautentzündung lässt sich vom Laien nicht von einer viralen unterscheiden. Dort findet eine körperliche Untersuchung sowie ein Anamnesegespräch statt, in dem es unter anderem um den aktuellen Impfstatus, die Frage nach engem Kontakt zu Menschen und eine mögliche Immunschwäche geht. Mithilfe einer Blutabnahme können Entzündungswerte und (bei Bakterien) die Erregerart bestimmt werden. Entzündungszeichen und Erreger können mit einer Liquor-Probe aus dem Rückenmark (Lumbalpunktion) untersucht werden. Bei Bewusstseinsstörungen kommen zudem eine Computertomografie sowie eine Kernspintomografie infrage.

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Die Diagnose der Brucellose ist schwierig, da die Symptome sehr unterschiedlich ausfallen oder ganz fehlen können. Zudem müssen zuerst andere Erkrankungen, welche die gleichen unspezifischen Entzündungsanzeichen hervorrufen, ausgeschlossen werden. Im ersten Schritt erhebt der Arzt die Krankengeschichte (Anamnese). Dazu befragt er den Patienten unter anderem zu seinen Symptomen und zu eventuellen Kontakt mit Tieren.

Behandlung der Hirnhautentzündung

Da Hirnhautentzündungen durch unterschiedliche Erreger ausgelöst werden können, wird mit einer gezielten Therapie begonnen, sobald der Erreger bekannt ist. Liegt eine bakterielle Meningitis vor, ist dies ein absoluter Notfall. Je schneller die Krankheit erkannt wird, umso besser lassen sich lebensbedrohliche Komplikationen wie eine Blutvergiftung (Sepsis) vermeiden. Solche Patienten und Patientinnen sollten immer im Krankenhaus behandelt werden. Dort verabreicht der Arzt oder die Ärztin bei begründetem Verdacht auf eine bakterielle Hirnhautentzündung sofort eine kombinierte Antibiotika-Therapie. Die Wirkung tritt in der Regel innerhalb von 24 Stunden ein; so lange werden die Patientinnen und Patienten isoliert. Innerhalb dieses Zeitraums muss die Infektion auch dem zuständigen Gesundheitsamt gemeldet werden.

Eine durch Viren verursachte Meningitis heilt normalerweise innerhalb von zwei Wochen von allein aus. Bei einigen Viren (zum Beispiel Herpesviren) können antivirale Medikamente sinnvoll sein. Damit lässt sich die Vermehrung der Viren eindämmen. Greift die viral bedingte Hirnhautentzündung auf das Gehirn über (Enzephalitis), kann dies lebensbedrohlich werden und muss sofort im Krankenhaus behandelt werden.

Bei der Behandlung von Brucellose wird in aller Regel Brucellose mit einer Kombination aus verschiedenen Antibiotika behandelt. Bei Gabe eines einzigen Antibiotikums (Monotherapie) ist nämlich die Rückfallquote hoch.

Vorbeugung

Verschiedene Impfungen können Infektionen verhindern, die eine Meningitis auslösen können. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt, dass Babys innerhalb der ersten 14 Lebensmonate die Impfungen gegen Haemophilus influenzae sowie gegen Pneumokokken erhalten. Ab zwölf Monaten empfiehlt die Stiko eine Immunisierung gegen Meningokokken. Es gibt verschiedene Meningokokken-Typen (Serogruppen). In Deutschland sind die Typen B und C am häufigsten. Die Ständige Impfkommission empfiehlt eine Impfung für alle Kinder im Alter von zwölf bis 23 Monaten gegen die Meningokokken Typ C (Serogruppe C). Eine fehlende Impfung sollte bis zum 18. Lebensjahr nachgeholt werden. Meningokokken B sind vor allem für Babys und Kleinkinder gefährlich.

Eine Impfung gegen Brucellose ist für Menschen noch nicht verfügbar. Im Vordergrund steht daher die Bekämpfung des Erregers bei den Tieren. In Deutschland sind alle Tiere nach der sogenannten Brucellose-Verordnung amtlich brucellosefrei. Für viele andere Länder gilt dies nicht.

Vermeiden Sie deshalb in Ländern, in denen der Erreger noch weit verbreitet ist (endemische Gebiete), unbedingt den Verzehr von rohem Fleisch. Trinken Sie nur abgekochte Milch und essen Sie nur Käse und andere Milchprodukte aus pasteurisierter Milch.

Meiden Sie zudem in Endemiegebieten unbedingt den Kontakt zu Tieren.

Mögliche Folgen einer Meningitis

Mögliche Folgeschäden einer Meningitis sind schwere Beeinträchtigungen der Hirnleistung, wie das apallische Syndrom (Syndrom reaktionsloser Wachheit) oder die retrograde Amnesie, bei der die Betroffenen nicht mehr in der Lage sind, sich an Ereignisse zu erinnern, die vor der Erkrankung lagen.

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