Rehabilitation nach Sehnerventzündung: Behandlung, Therapie und Perspektiven

Die Diagnose einer Augenerkrankung wie Glaukom, Sehnervschädigung, Makuladegeneration, Retinopathie oder Sehverlust nach einer Hirnschädigung kann zunächst beunruhigend sein. Oft konzentriert man sich auf die Augen und eine vermeintlich pessimistische Prognose. Es gibt jedoch ganzheitliche Therapieansätze, die darauf abzielen, das Sehvermögen wieder zu verbessern. Dieser Artikel beleuchtet die Möglichkeiten der Rehabilitation nach einer Sehnerventzündung und stellt verschiedene Therapieansätze vor.

Die ganzheitliche Betrachtung des Sehens

Professor Dr. Bernhard Sabel betrachtet das Sehen ganzheitlich und konzentriert seine Forschung auf Faktoren, die das Sehvermögen verbessern können. Seine Savir-Therapie zielt darauf ab, „schlummernde“ (kranke) Nervenzellen in Netzhaut, Sehnerv und Gehirn zu aktivieren.

Die Savir-Therapie: Ein umfassender Ansatz

Die Savir-Therapie, benannt nach Prof. Sabel, kombiniert individuell angepasste Mikrostromtherapie, Augentraining und Entspannungsverfahren. Dieser Ansatz verbessert die Blutversorgung, den Augeninnendruck und die Synchronisation der Gehirnaktivität. Die Therapie soll die Sehnerven und das Gehirn wieder in Schwung bringen.

Prof. Dr. Sabel betont: „Die Optimierung der Sehrestleistung ist eine ganzheitliche Ergänzung zu augenärztlichen Therapieverfahren wie Augentropfen oder Operationen. Wir machen da weiter, wo die Augenheilkunde aufhört.“

In Magdeburg werden pro Woche nur eine begrenzte Anzahl von Patienten für die zweiwöchige Savir-Therapie aufgenommen, um eine individuelle Betreuung zu gewährleisten. Die Uhrzeit der täglichen Behandlung wird mit jedem Patienten auf dessen Vorlieben abgestimmt.

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Die Bestandteile der Savir-Therapie im Detail

Die Savir-Therapie umfasst mehrere Schlüsselkomponenten:

Mikrostrom-Therapie: Aktivierung der Nervenzellen

Kern der Savir-Therapie ist die tägliche Behandlung mit einer weltweit einzigartigen und minimalen Mikrostrom-Therapie der Augen und des Gehirns. Mikroströme aktivieren Nervenzell-Netzwerke, um die Verarbeitung von Sehimpulsen im Gehirn zu verbessern und die Durchblutung im Auge anzuregen. Dies kann „schlummernde“ Nervenzellen aufwecken, da sie wieder mehr Energie (Sauerstoff, Glukose) erhalten, um Sehimpulse zu verarbeiten.

Augenübungen: Training für die Netzhaut

Das individuell angepasste Programm von wissenschaftlich bewiesenen Augenübungsmodulen dient dem Training der Nervenzellen in der Netzhaut. Es entspannt die Augenmuskeln und das Bindegewebe am Auge und fördert die Durchblutung. Dies normalisiert die für hochauflösendes Sehen wichtigen Mikrobewegungen der Augen.

Stressreduktion durch Entspannung

Die Forschung von Prof. Sabel zeigt, dass Stressreduktion den Augeninnendruck normalisieren und Entzündungsfaktoren sowie Stresshormone spürbar senken kann. Dadurch wird wiederum die Durchblutung optimiert. Daher erlernen Patienten bei Savir verschiedene Entspannungsverfahren, die den Stress deutlich reduzieren.

Umgang mit der Erkrankung und Lebensgewohnheiten

Patienten lernen bei Savir, wie sie erfolgreich mit der Erkrankung im Alltag umgehen können, um ihren Augen eine neue Gesundheitsperspektive und Lebensqualität zu geben. Auch Gespräche mit den Angehörigen haben einen festen Platz im Therapiekonzept.

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Erfahrungen mit der Savir-Therapie

Patienten berichten von positiven Erfahrungen mit der Savir-Therapie. Ruslan, ein Patient, berichtet: „Nachdem ich jetzt im Juni zwei Wochen bei Prof. Dr. Sabel war, kann ich sagen, dass ich sehr erfreut war, dass nach nur 2 Wochen solche positiven Effekte auftreten! Die Praxis ist durch die zentrale Lage gut erreichbar. Die Räumlichkeiten sehr gepflegt und sauber. Dazu sehr freundliches, kompetentes und hilfsbereites Personal. Mein Sichtfeld hat sich verbessert, im Spiegel sehe ich wieder mein Gesicht und nicht nur Umrisse.“

Ein anderer Patient war im Januar 2021 zur Behandlung seiner Opticus Atrophie bei Prof. Sabel und seinem Team: „Nach 10 Tagen Behandlung mit der Wechselstromtherapie konnte mein Gesichtsfeld auf beiden Augen und mein Visus im rechten Auge deutlich gesteigert werden. Unsere Erfahrungen mit dem Savir Center sind nur positiv. Wir haben eine kleine, aber sehr wichtige Verbesserung der Sehkraft erreicht.“

Weitere Rehabilitationsansätze bei Sehnerventzündung

Neben der Savir-Therapie gibt es weitere Ansätze zur Rehabilitation nach einer Sehnerventzündung:

Visuelle Rehabilitation

Die visuelle Rehabilitation ist bei Patient:innen aller Altersgruppen sinnvoll, deren Sehschärfe so stark herabgesetzt ist, dass die Bewältigung des Alltags nicht mehr mit konservativen optischen Korrekturen möglich ist. Rund 30 bis 40 % aller Patienten mit erworbenen Hirnläsionen weisen Sehstörungen verschiedenster Art auf.

Die beiden häufigsten Gründe für eine visuelle, orthoptische Rehabilitation sind zentrale Ausfälle des Gesichtsfeldes, welche die Sehschärfe herabsetzen, und flächenhafte periphere, insbesondere halbseitige Ausfälle im Gesichtsfeld, welche die Orientierung im Raum erschweren. Daneben sind durch Lähmung oder Vernarbung entstandene Störungen der Augenbewegung, Augenzittern sowie Schwindel zu nennen.

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Kompensationstraining

Ein „Kompensationstraining“ fördert die Augenbewegungen, um eine Kontrolle über das ausgefallene Gesichtsfeld wiederzuerlangen. Durch ein gezieltes Training (exploratives Sakkadentraining) lassen sich Suchstrategien, die für die Wiedereingliederung bzw. Bewältigung des Alltags erforderlich sind, nachweislich signifikant verbessern. Damit einher wird auch die Lesefähigkeit und die Orientierung im Raum deutlich gesteigert.

Neurovisuelle orthoptische Rehabilitation

Die neurovisuelle orthoptische Rehabilitation steht in Deutschland nicht durchgängig stationär und ambulant zur Verfügung. Ziel ist es, den Betroffenen das Ausmaß ihrer Einschränkung zum Bewusstsein zu bringen und ihnen zugleich helfen, mit dieser Behinderung besser umzugehen. Hierzu gehören zunächst die gründliche Diagnostik und die Prüfung der Motivation zur Behandlung. Danach richten sich die individuell geeigneten Trainingsmethoden. Die Übungen zielen darauf ab, die Sicherheit im freien Raum, die Sehqualität und Quantität und das Lesevermögen zu verbessern.

Rehabilitation bei Gesichtsfeldausfällen

Bei etwa 40 Prozent der betroffenen Schlaganfall-Patienten verbessert sich die Situation innerhalb der ersten Wochen. Wer nach sechs Monaten noch Ausfälle hat, muss damit rechnen, dass sie dauerhaft sind. Betroffene lernen, ihre Umgebung gezielt wahrzunehmen, indem sie mit suchenden Augenbewegungen (Sakkaden) den Gesichtsfeldausfall zur blinden Seite hin verschieben und die Informationen der blinden Seite nutzen. Es gibt spezialisierte Reha-Einrichtungen, in denen solche Trainingsprogramme angeboten werden.

Neurologische Rehabilitation

Die neurologische Reha dient nach dem Krankenhausaufenthalt der Anschlussheilbehandlung von Patienten mit neurologischen Erkrankungen wie zum Beispiel Schlaganfall, Hirnblutung, Schädel-Hirn-Trauma, Parkinson oder Multipler Sklerose (MS). Auch operative Eingriffe an Gehirn, Rückenmark und peripheren Nerven machen eine neurologische Reha meist unabdingbar. Die ganzheitliche, am bio-psycho-sozialen Krankheitsmodell orientierte Therapie trägt dazu bei, krankheitsbedingt verlorene physische und psychische Funktionen und Fähigkeiten sowie die allgemeine Leistungsfähigkeit wiederzugewinnen.

Wann ist eine neurologische Reha angebracht?

Eine Erkrankung des Gehirns, Rückenmarks oder peripherer Nerven kann wichtige Fähigkeiten wie Atmen, Schlucken, Sprechen, Denken, Fühlen und Bewegen beeinträchtigen. Nach operativen Eingriffen am Gehirn, Rückenmark oder an peripheren Nerven kann bei fortbestehenden neurologischen Ausfallerscheinungen wie Lähmungen, Sensibilitätsstörungen, Sprech- oder Sprachstörungen, Gangstörungen oder Sehstörungen eine Anschlussheilbehandlung (AHB) sehr sinnvoll sein.

Multiple Sklerose und Rehabilitation

Die multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung, die schubförmig oder chronisch-fortschreitend verläuft. MS ist eine der häufigsten neurologischen Krankheiten bei jungen Erwachsenen, vor allem Frauen sind betroffen. Die im Einzelfall sehr unterschiedlich verlaufende Erkrankung muss nicht zwangsläufig zu schweren Behinderungen führen. Die Mehrzahl der Patienten bleibt auch nach vielen Jahre noch mobil.

Ziele der neurologischen Rehabilitation

Oberstes Ziel der Rehabilitation ist das Erreichen einer weitest gehenden Alltagskompetenz, sodass eine möglichst selbstständige Lebensführung bzw. die Wiederaufnahme einer Erwerbstätigkeit und die Rückkehr in ein familiäres und gesellschaftliches Leben möglich wird.

Neuro-Rehakonzept: Multiprofessionelles Training für Alltag und Beruf

Zur optimalen Wiederherstellung der, durch eine neurologische Erkrankung, eingeschränkten Fähigkeiten steht ein multidisziplinäres Team aus erfahrenen Ärzten der Neurologie, Neuropsychologen, Gesundheitspflegern, Physio-, Ergo- und Sporttherapeuten, Logopäden, Sozialpädagogen und Ernährungsberatern bereit. Gemeinsam mit den Patienten werden die persönlichen Rehaziele festgelegt und ein individueller Therapieplan erstellt. Dieser erstreckt sich über einige Stunden am Tag, inklusive Erholungspausen und eines Mittagessens und wird im Rehaverlauf an die Fortschritte angepasst.

Optikusneuritis: Ursachen, Symptome und Diagnose

Die Optikusneuritis, auch bekannt als Sehnerventzündung, ist eine entzündliche Erkrankung des Sehnervs, der für die Übertragung visueller Informationen vom Auge zum Gehirn verantwortlich ist. Diese entzündliche Reaktion kann das Sehvermögen beeinträchtigen und zu einer plötzlichen Verschlechterung der Sicht führen.

Symptome der Optikusneuritis

Die Symptome der Optikusneuritis können plötzlich auftreten und sowohl einseitig als auch beidseitig auftreten. Zu den häufigsten Anzeichen gehören:

  • Verschwommenes Sehen
  • Verlust des Farbsehens
  • Zentrale Gesichtsfeldverluste
  • Sehverschlechterung beim Bewegen des Auges
  • Augenschmerzen
  • Blendungsempfindlichkeit
  • Kontrastverlust

Ursachen der Optikusneuritis

Die Ursache der Optikusneuritis liegt in der Entzündung des Sehnervs. Diese Sehnerventzündung kann durch eine Autoimmunreaktion des Körpers gegen die Schutzhüllen des Sehnervs oder durch andere entzündliche Prozesse im Körper ausgelöst werden. Häufig ist eine gestörte Immunantwort beteiligt, bei der das Immunsystem irrtümlicherweise gesunde Gewebe im Sehnerv angreift. Die Optikusneuritis tritt manchmal im Zusammenhang mit Autoimmunerkrankungen wie Multipler Sklerose (MS) auf. Infektionen, insbesondere virale Infektionen, können ebenfalls Entzündungsreaktionen im Körper auslösen, die auf den Sehnerv übergreifen können.

Diagnose der Optikusneuritis

Die Diagnose der Optikusneuritis erfolgt in der Regel durch eine Kombination aus klinischer Untersuchung, Anamnese des Patienten und speziellen diagnostischen Tests. Folgende diagnostische Verfahren werden in der Regel angewandt:

  • Augenuntersuchung
  • Farbseh-Test
  • Magnetresonanztomographie (MRT)
  • Optische Kohärenztomographie (OCT)
  • Lumbalpunktion (Liquoruntersuchung)

Behandlung der Optikusneuritis

Die Behandlung der Optikusneuritis zielt darauf ab, die Entzündung des Sehnervs zu reduzieren, die Symptome zu lindern und mögliche Sehverluste zu minimieren. Die Behandlung hängt von der zugrunde liegenden Ursache der Neuritis ab, kann aber folgende Ansätze umfassen:

  • Kortikosteroide
  • Plasmapherese
  • Immunsuppressiva
  • Rehabilitation

Was eine Sehnerventzündung mit Multipler Sklerose zu tun hat

Eine Sehnerventzündung beeinträchtigt das Sehvermögen meist nur vorübergehend. Sie sollte allerdings ernst genommen werden, da sie sehr häufig ein Anzeichen für Multiple Sklerose ist. Der Sehnerv erfüllt eine zentrale Aufgabe beim Prozess des Sehens. Das menschliche Auge wandelt mit seinen Sinneszellen Lichtstrahlen in Nervensignale um, die vom Auge über die Sehbahn an das Gehirn weitergeleitet werden. Das Gehirn verarbeitet die Nervenimpulse zu Bildern. Der Sehnerv ist der erste Abschnitt der Sehbahn. Er zweigt im hinteren Bereich des Augapfels von der Netzhaut (Retina) ab.

Die Sehnervenentzündung ist eine seltene Erkrankung, von der meist junge Erwachsene betroffen sind. Unter 18 und über 50 Jahren kommt die Sehnervenentzündung kaum vor. Frauen erkranken deutlich häufiger als Männer.

Ursachen einer Sehnerventzündung

Im Gegensatz zu anderen Entzündungen im Bereich des Auges wird eine Entzündung des Sehnervs nicht durch Bakterien oder Viren ausgelöst, sondern durch die Immunabwehr. Das bedeutet, dass körpereigene Abwehrzellen in einer Autoimmunreaktion eigenes Gewebe, in diesem Fall Fasern des Sehnervs, angreifen und die Entzündung auslösen. Eine Sehnervenentzündung geht häufig mit einer systemischen Autoimmunerkrankung einher, die mehrere Organe und Bereiche des Körpers betrifft. Dies kann zum Beispiel ein systemischer Lupus erythematodes sein. Sehr viel häufiger tritt eine Sehnervenentzündung jedoch im Zusammenhang mit einer Multiplen Sklerose auf.

Optikusneuritis und Multiple Sklerose

Multiple Sklerose (MS) ist eine Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems, die sehr unterschiedliche Symptome hervorrufen kann. Die Beziehung zwischen Sehnerventzündung und MS ist sehr eng: Etwa die Hälfte aller MS-Betroffenen hatte zuvor eine Sehnerventzündung und bei etwa 15 bis 20 Prozent der MS-Patienten und -Patientinnen markiert eine Sehnerventzündung den ersten MS-Schub. Während hier also die Sehnerventzündung und der Ausbruch der MS zusammenfallen, liegen bei anderen Betroffenen Jahre zwischen der Entzündung des Sehnervs und der späteren MS.

Nichtsdestotrotz besteht auch dann ein Zusammenhang, den die Statistik verdeutlicht: Die Wahrscheinlichkeit, zehn Jahre nach einer Sehnerventzündung an MS zu erkranken, liegt bei etwa 40 Prozent und 40 Jahre nach der Entzündung bei etwa 60 Prozent. Das Risiko ist abhängig davon, ob es zum Zeitpunkt der ersten Sehnerventzündung bereits weitere Auffälligkeiten gibt, die in Richtung einer MS hindeuten.

Typische Symptome: Wie macht sich eine Sehnerventzündung bemerkbar?

Meist ist eine Sehnerventzündung einseitig, das heißt, sie betrifft nur ein Auge. Das erste Anzeichen der Erkrankung sind normalerweise Schmerzen, vor allem wenn das Auge beim Wechsel der Blickrichtung bewegt wird. Diese Schmerzen treten meist plötzlich auf. Innerhalb von Stunden bis Tagen kommt es zu einer deutlichen Sehverschlechterung des betroffenen Auges. Betroffene beschreiben ihren Seheindruck dann als unscharf oder nebelartig, kontrastarm und dunkler. Außerdem werden Farben als schmutzig und blass wahrgenommen.

Üblicherweise nimmt die Sehschärfe nach dem Beginn der Sehverschlechterung noch einige Tage weiter ab und erreicht nach etwa ein bis zwei Wochen ihren Tiefpunkt. Danach bessert sich das Sehvermögen wieder. Mehr als die Hälfte der Menschen mit einer Sehnerventzündung erreicht auch ohne Behandlung nach zwei Monaten wieder eine normale Sehschärfe, nach einem halben Jahr sind es fast alle.

Es gibt Erkrankungen des Auges, die mit einer Sehverschlechterung einhergehen, und solche, die mit Schmerzen verbunden sind. Tritt beides zusammen auf, spricht das für eine Optikusneuritis. Die Kombination von einseitigen Schmerzen und einseitiger Sehverschlechterung ist typisch für eine Entzündung des Sehnervs.

Wie eine Sehnerventzündung diagnostiziert wird

Wenn Sie unter Augenschmerzen leiden und/oder eine Sehverschlechterung bemerken, sollten Sie zügig eine augenärztliche Praxis aufsuchen. Ein Augenarzt oder eine Augenärztin wird insbesondere dann eine Sehnerventzündung vermuten, wenn Sie sowohl Schmerzen als auch eine Sehverschlechterung haben. Wenn folgende Merkmale zutreffen, gilt die Diagnose einer Sehnerventzündung als wahrscheinlich:

  • Erkrankungsalter zwischen 18 und 50 Jahren
  • Einseitigkeit
  • Bewegungsschmerz
  • plötzlicher Beginn der Beschwerden und selbstständige Besserung

Ist dies nicht der Fall, kann es sich auch um eine seltene Sonderform der Sehnerventzündung handeln.

Zusatzdiagnose Multiple Sklerose

Bei der Diagnose einer Sehnerventzündung ist die Frage nach der Ursache sehr wichtig. Es besteht ein enger Zusammenhang mit der MS. Ihr Augenarzt oder Ihre Augenärztin wird es daher nicht bei dieser Diagnose belassen, sondern Sie an eine Facharztpraxis für Neurologie (Nervenheilkunde) überweisen. Dort wird untersucht, ob der Entzündung des Sehnervs eine MS zugrunde liegt oder ein erhöhtes MS-Risiko besteht. Eine wichtige Untersuchung ist die Magnetresonanztomographie (MRT). Sie kann nicht nur die Entzündung des Sehnervs direkt sichtbar machen, sondern auch typische Veränderungen im Gehirn, die auf eine bestehende MS oder ein erhöhtes MS-Risiko hinweisen. Weitere Laboruntersuchungen können sich anschließen, insbesondere bei einem erstmaligen Auftreten oder einem untypischen Krankheitsbild.

Behandlung einer Sehnerventzündung

Die Schmerzen im Auge und die Sehverschlechterung bessern sich in der Regel auch ohne Behandlung, was ja gerade ein Merkmal der Sehnerventzündung ist. Es gibt Medikamente, die die Erholung des Sehvermögens beschleunigen oder das Rückfallrisiko verringern können. Das ist ein wichtiger Aspekt, denn das Rückfallrisiko bei einer Sehnerventzündung kann hoch sein. Wie Ihr Augenarzt oder Ihre Augenärztin die Entzündung konkret behandelt, ist eine individuelle Entscheidung. Häufig wird eine kurzzeitige hochdosierte Kortisontherapie angewendet.

Weil eine Sehschwäche nur in seltenen Fällen dauerhaft bestehen bleibt, ist die Prognose für die Sehnerventzündung selbst gut. Eine grundsätzlich andere Frage sind die Behandlung einer möglichen MS beziehungsweise Vorsorgemaßnahmen. Tritt eine Sehnerventzündung im Rahmen eines MS-Schubs auf, folgt die Behandlung den Richtlinien der MS-Therapie. Hier stehen Arzneimittel zur Verfügung, die beispielsweise Veränderungen im Gehirn begrenzen, die Zahl der MS-Schübe reduzieren und damit den Krankheitsverlauf verlangsamen können.

Sehnervenentzündung: Untersuchungen und Diagnose

Um die Diagnose "Sehnerventzündung" stellen zu können, befragt Ihr Arzt Sie zunächst ausführlich zur Krankheitsgeschichte (Anamnese). Dabei stellt er Ihnen unter anderem folgende Fragen:

  • Wann hat sich Ihr Sehen verschlechtert?
  • Bereiten Ihnen Augenbewegungen Schmerzen?
  • Ist das Sehen auf einer Seite schlechter als auf der anderen?
  • Waren Sie in der letzten Zeit erkältet oder hatten Sie Fieber?
  • Hatte ein Familienmitglied von Ihnen bereits ähnliche Symptome?
  • Leiden Sie an einer Grunderkrankung (z.B. Multipler Sklerose, Lupus erythematodes)?
  • Ist in Ihrer Familie ein Fall von Multipler Sklerose bekannt?
  • Ist Ihnen schwindelig oder haben Sie Schwächen Ihrer Muskulatur bemerkt?
  • Rauchen Sie, trinken Sie Alkohol oder nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein?
  • Sind die Beschwerden bei Wärme stärker (zum Beispiel,wenn Sie ein Bad nehmen, in der Sauna sitzen oder Sport machen)?
  • Nehmen Sie Lichtblitze wahr?

Untersuchungen bei Sehnerventzündung

Anschließend folgen verschiedene Augenuntersuchungen:

  • Bestimmung der Sehschärfe
  • Test der Pupillenreaktion
  • Prüfung der Augenbeweglichkeit
  • Bestimmung des Gesichtsfeldes
  • Untersuchung des Augenhintergrundes
  • Prüfung der Farbwahrnehmung
  • Test der Sehnervleitung

Sehnerventzündung: Weiterführende Diagnostik

Wenn Ihr Arzt ermittelt hat, ob es sich um eine typische oder atypische Sehnerventzündung handelt, werden weitere Untersuchungen durchgeführt. Mit deren Hilfe will man die Ursache der Neuritis nervi optici herauszufinden.

Bei einer erstmals aufgetretenen typischen Sehnerventzündung entwickelt der Patient im Verlauf der nächsten fünf Jahre in etwa 30 Prozent der Fälle eine Multiple Sklerose (MS). Um sie zu diagnostizieren, werden eine Kernspintomografie (Magnetresonanztomografie, MRT) des Kopfes und der Wirbelsäule gemacht. Außerdem ist eine Liquorpunktion notwendig: Dabei wird über eine dünnen Hohlnadel eine Probe der Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) aus der Lendenwirbelsäule entnommen und auf Entzündungszeichen hin untersucht, die für eine MS sprechen können.

Bei einer atypischen Sehnerventzündung können andere Krankheiten ursächlich sein. Deshalb wird häufig Blut abgenommen, um es auf verschiedene Krankheitserreger oder Antikörper hin zu untersuchen.

Sehnerventzündung: Abgrenzung zu anderen Krankheiten

Der Arzt muss auch untersuchen, ob nicht eine andere Erkrankung vorliegt, die ähnliche Symptome wie eine Sehnerventzündung hervorrufen. Zu diesen Differenzialdiagnosen zählt unter anderem die Stauungspapille. Sie entsteht, wenn der Hirndruck ansteigt und verursacht ähnliche Krankheitszeichen, schränkt in der Regel aber das Sehen nicht im gleichen Maße ein wie eine Optikusneuritis. Auch Vergiftungen etwa mit Alkohol kann sich wie eine Sehnerventzündung darstellen.

Rehabilitation: Ein persönlicher Erfahrungsbericht

Ein persönlicher Erfahrungsbericht schildert die Eindrücke und Erfahrungen einer Rehabilitation. Die beschriebene Reha-Einrichtung hatte den Schwerpunkt Neurologie, war aber keine komplett auf Multiple Sklerose ausgerichtete Klinik.

Die Reha umfasste mehrere Anwendungen:

  • Ergotherapie (Fokus auf Gleichgewicht und Sensibilisierung der Hände)
  • Paraffinbad (für die Hände)
  • MTT (medizinisches Trainingstherapie) im Fitnessstudio
  • Therapeutisches Klettern
  • Hydrojet-Massage
  • Schulungen und Vorträge (Stressmanagement, Sport, gesunde Ernährung)
  • Neuropsychologie (kognitive Auswirkungen der MS)
  • Ernährungsberatung

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