Zwiebeln als Migräneauslöser: Was steckt dahinter?

Das 21. Jahrhundert wird oft als das Zeitalter diffuser Beschwerden bezeichnet, obwohl die Medizin so weit fortgeschritten ist wie nie zuvor. Viele Menschen leiden unter unerklärlichen Verdauungsproblemen, Hautausschlägen, Migräne oder plötzlichen Lebensmittelunverträglichkeiten. Die Symptome entwickeln sich oft schleichend und bleiben dann dauerhaft. Ärzte finden keine Ursache, die Blutwerte sind normal und die Frustration wächst. Ein möglicher Faktor, der oft unterschätzt wird, ist Histamin, ein körpereigener Botenstoff, der bei vielen wichtigen Prozessen eine Rolle spielt. Ein Zuviel davon kann zu verschiedenen Symptomen führen, darunter auch Migräne. Doch auch andere Faktoren wie Stress, Ernährung und äußere Reize können eine Rolle spielen.

Migräne: Eine Volkskrankheit

Migräne ist eine quälende neurologische Erkrankung, die oft von starken Kopfschmerzen begleitet wird und das tägliche Leben erheblich beeinträchtigen kann. Rund sechs bis acht Prozent der Männer und bis zu 18 Prozent der Frauen leiden mehr oder weniger regelmäßig unter Migräneanfällen. Mediziner tun sich schwer, die Ursachen für die meist einseitigen Kopfschmerzattacken zu klären, die die Betroffenen nicht selten gleich für mehrere Tage außer Gefecht setzen. Einerseits spielen wohl genetische Faktoren eine Rolle, denn oftmals sind mehrere Mitglieder einer Familie betroffen. Daneben wird angenommen, dass eine Störung des Serotonin-Gleichgewichts ursächlich für Migräne ist. Vor allem Stress, aber auch hormonelle Veränderungen können diese Störung und damit Migräne auslösen. Eine große Anzahl von Frauen klagt etwa über Migräne in Zusammenhang mit ihrer Periode.

Mögliche Ursachen und Auslöser von Migräne

Die Ursachen von Migräne sind vielfältig und oft schwer zu identifizieren. Es ist oft nicht nur ein Trigger, der für die Attacke verantwortlich ist. Zu den häufigsten Auslösern gehören:

  • Äußere Reize: Grelles Licht, schlechte Luft (Sauerstoffmangel), Lärm, Hitze.
  • Körperliche Reize: Unregelmäßiger oder zu kurzer Schlaf, unregelmäßiges Essen, körperliche Überanstrengung, zu heißes Duschen/Baden, Sitzen und Arbeiten in falscher Körperhaltung, Jetlag, Pille.
  • Psychische Reize: Stress, Angst, Sorgen, Depression, Trauer.

Ernährung und Migräne: Ein komplexes Thema

Die Bedeutung der Ernährung in der Entstehung und Behandlung von Migräne und Kopfschmerzerkrankungen ist umstritten. Nach derzeitigem Wissensstand lassen sich jedoch keine allgemeingültigen Ernährungsempfehlungen für Migränepatienten begründen. Die aktuelle Studienlage hat eine Reihe von möglichen Mechanismen identifiziert, die die kopfschmerzauslösende Wirkung der Ernährung erklären könnten. Diese beziehen sich insbesondere auf die Auswirkung bestimmter Nahrungsbestandteile und Substanzen, auf Neuropeptide, Ionenkanäle und Rezeptoren sowie der Freisetzung von Stickstoffmonoxid, der Aktivierung des sympathischen Nervensystems, Gefäßerweiterungen und Veränderungen im zerebralen Glukosestoffwechsel. Der direkte Einfluss von Nahrungskomponenten lässt sich jedoch nur schwer abgrenzen.

Immer wieder berichten Patienten davon, dass bestimmte Lebensmittel als Auslöser ihrer Migräne infrage kommen. Vor allem Lebensmittel, die Alkohol, Koffein, Histamin und Tyramin enthalten, stehen im Verdacht, zu Migräne zu führen. Wissenschaftliche Studien sehen hingegen kaum einen Zusammenhang zwischen der Kopfschmerzerkrankung und bestimmten Nahrungsmitteln. Studien, die anzweifeln, dass bestimmte Lebensmittel Migräne auslösen können, stehen den Erfahrungen vieler Patienten gegenüber. Circa 20 Prozent der Migränekranken sind sich sicher, dass gewisse Speisen zu ihren persönlichen Triggern, also Auslösern, zählen. Diese Meinungen dürfen nicht unterschätzt werden. Dabei gilt es jedoch immer zu bedenken, dass der Körper dynamisch ist. So kann es sein, dass du an manchen Tagen das Glas Sekt gut verträgst und an anderen danach mit Kopfschmerzen zu kämpfen hast.

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Lebensmittel, die im Verdacht stehen, Migräne auszulösen:

  • Alkohol (vor allem Rotwein)
  • Schokolade
  • Gereifter Käse
  • Zitrusfrüchte
  • Kaffee
  • Nüsse
  • Fleisch (gepökelt)
  • Geschmacksverstärker (Glutamat)

Es ist wichtig zu beachten, dass jeder Mensch unterschiedlich auf bestimmte Lebensmittel reagiert. Daher ist es ratsam, ein Migränetagebuch zu führen, um die persönlichen Trigger zu identifizieren.

Histamin und Migräne

Was hierbei eine tragende Rolle spielt, jedoch nach wie vor oft unterschätzt wird, ist Histamin, ein körpereigener Botenstoff, der bei vielen wichtigen Prozessen eine Rolle spielt und für uns sogar überlebensnotwendig ist. Ist jedoch zu viel davon im Umlauf oder arbeiten die sogenannten Mastzellen (sie speichern und schütten Histamin aus) über, kann das zu ganz verschiedenen Symptomen führen. Oft dauert es lange, bis Betroffene die Ursache erkennen; dabei kann eine sogenannte Histaminintoleranz oder eine Mastzellaktivierung hinter den Beschwerden stecken. Besonders stressige Lebensphasen oder eine angeschlagene Darmgesundheit können das System zusätzlich belasten.

Folgende Beschwerden können beispielsweise auf einen zu hohen Histaminspiegel oder ein Problem mit den Mastzellen hindeuten:

  • Häufige, einseitige Kopfschmerzen oder Migräne
  • Blähbauch, Völlegefühl, Durchfall oder Verstopfung
  • Hautausschläge, Rötungen, Juckreiz, Nesselsucht
  • Hitzewallungen, Herzrasen, Schwindel
  • Schlafstörungen, Erschöpfung, Reizbarkeit
  • Zyklusunregelmäßigkeiten, PMS
  • Unverträglichkeiten gegenüber Wein, Käse oder Tomaten

Strategien zur Senkung des Histaminspiegels:

  • DAO-Enzym: Nahrungsergänzungsmittel mit DAO (Diaminoxidase) können helfen, Histamin im Darm abzubauen.
  • Probiotika: Histaminarme Probiotika mit den Stämmen Bifidobacterium infantis oder Lactobacillus plantarum können die Darmbarriere stärken und die Mastzellen beruhigen.
  • Histaminsenker in der Ernährung: Vitamin C und Quercetin wirken als natürliche Histaminabbauer und Mastzell-Stabilisatoren. OPC aus Traubenkernen sind starke Antioxidantien, die Histaminreaktionen dämpfen. Omega-3-Fettsäuren wirken entzündungshemmend und unterstützen die Stabilität der Mastzellmembranen.
  • Histaminreiche Lebensmittel meiden: Testweise für ein bis zwei Wochen auf Histaminbomben wie gereiften Käse, Rotwein, Sauerkraut, Tomaten, Auberginen oder Schokolade verzichten.
  • Stressreduktion: Achtsamkeitsrituale, Spaziergänge, Atempausen oder Yoga können helfen, das Nervensystem zu regulieren und das Histaminsystem zu entlasten.
  • Trigger erkennen und meiden: Auch andere Unverträglichkeiten (z. B. Gluten, Laktose oder Duftstoffe) können die Mastzellen triggern.

Zwiebeln und Migräne: Was sagt die Wissenschaft?

Kader Loth, ein Reality-TV-Star, klagte im Dschungelcamp über Migräne und vermutete Zwiebeln als Auslöser. „Weil ich Zwiebel gegessen habe. Zwiebel löst Migräne aus. Aber ich habe gestern einfach nicht daran gedacht, weil ich Hunger hatte“, sagte sie.

Dr. Stefanie Förderreuther, Präsidentin der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft, hält den Einfluss von bestimmten Nahrungsmitteln auf Migräneanfälle jedoch für überbewertet. Sie sieht den Verzehr bestimmter Lebensmittel nicht als Auslöser, sondern vielmehr als Symptom des beginnenden Anfalls: „Bei einer Migräneattacke kann es vor Einsetzen der Kopfschmerzen zu Essensgelüsten kommen, im Rahmen derer dann bestimmte Speisen gegessen werden.“ Sie ist sich sicher: „Nahrungsmittel als Auslöser für Migräne werden weit überschätzt.“

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Obwohl Zwiebeln nicht als typischer Migräneauslöser gelten, können sie bei manchen Menschen aufgrund ihres Gehalts an bestimmten Inhaltsstoffen, wie z.B. Schwefelverbindungen, möglicherweise eine Reaktion auslösen. Es ist daher wichtig, die eigenen individuellen Trigger zu identifizieren und gegebenenfalls zu meiden.

Ernährungsempfehlungen aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)

In der TCM wird die Ernährungsempfehlung bei Kopfschmerzen und Migräne individuell auf die Lokalisation, den Schmerzcharakter und den Anlass abgestimmt.

  • Stirnkopfschmerz: Weist eine Beziehung zur Funktion des Magens und der Milz auf. Bei einem Mi-Qi/Yang-Mangel sollte die Ernährung wärmend und stärkend sein, z.B. durch gekochte Speisen, volles Getreide und Congee (Wasserreis).
  • Kopfschmerz vom Nacken aufsteigend: Kann verschiedene Ursachen haben, z.B. Ni-Qi-Mangel oder Blut- und Yin-Mangel. Wärmende Zutaten wie chinesischer Lauch und Huhn können bei Ni-Yang-Mangel helfen.
  • Seitlicher Kopfschmerz: Hat seine Beziehung zur Gallenblase, der Schläfenkopfschmerz des Weiteren zum San Jiao und der „Deckel abhebende“ Kopfschmerz den Bezug zum aufsteigenden Leber-Yang.

Lebensmittel, die in der TCM bei Kopfschmerzen empfohlen werden:

  • Stangensellerie: Wirkt Hitze kühlend und die Aktivität des Funktionskreises Leber besänftigend.
  • Kumquat: Reguliert das Qi, kann Stasen auflösen und Schleim umwandeln.
  • Karotte/Möhre: Kräftigt die Milz, sollte bei Milz-Qi/Yang-Mangel nur gedünstet gegessen werden.
  • Lauch: Erwärmt die Mitte, stützt das Nieren-Yang.
  • Azukibohne: Hilft bei der Elimination von Feuchtigkeit.
  • Algen (Kelp, Hiziki, Wakame): Leiten Hitze und Toxine aus, vermögen Schleimhitze auszuleiten.
  • Gerste: Kühlend, eliminiert Wind, Hitze, Feuchtigkeit und Toxine, baut Blut, Yin und Qi auf.
  • Rettich: Für Hitze-Kopfschmerzen roh zu verwenden.
  • Spinat: Wirkt Blut erhaltend, das Yin zusammenhaltend, Trockenheit befeuchtend, die Därme befeuchtend und glättend, Hitze kühlend.
  • Kolbenhirse und Walnuss: Vermehren sowohl das Yin als auch das Yang der Niere.
  • Sesam: Leber und Niere ergänzend, Blut und Jing stützend.
  • Weintraube: Leber und Niere ergänzend, Qi und Blut stützend, Säfte hervorbringend, diuretisch.

Weitere Ernährungstipps für Migräniker

Neben den oben genannten Empfehlungen gibt es noch weitere Ernährungsstrategien, die bei Migräne hilfreich sein können:

  • Regelmäßige Mahlzeiten: Migräne-Attacken können durch Fastenperioden ausgelöst oder auch verstärkt werden. Regelmäßiges Essen hilft, den Blutzuckerspiegel stabil zu halten.
  • Ausreichend trinken: Dehydration kann Kopfschmerzen auslösen. Daher ist es wichtig, ausreichend zu trinken, mindestens 1,5 Liter pro Tag.
  • Ketogene Diät: Klinische Daten weisen darauf hin, dass die fettreiche und extrem kohlenhydratreduzierte Ernährungsform sich in vielerlei Hinsicht positiv auf das Krankheitsgeschehen der Migräne auswirkt.
  • Oligoantigene Diät: In einigen Studien hat sich die oligoantigene Diät als hilfreicher Behandlungsansatz in der Therapie von Migräne erwiesen.
  • Omega-3-Fettsäuren: Eine erhöhte Zufuhr an Omega-3-Fettsäuren (z. B. Leinöl, Lachs) und eine reduzierte Zufuhr an Omega-6-Fettsäuren (z. B. Schweinefleisch, tierische Fette, Innereien, Soja-/Maiskeimöl) kann die Häufigkeit und Intensität von Kopfschmerzen reduzieren.
  • Folat, Vitamin B12 und B6: Eine Supplementierung mit diesen Vitaminen kann die Schwere der Kopfschmerzen bei Personen mit Migräne mit Aura deutlich verringern.
  • Riboflavin (Vitamin B2), Magnesium und Coenzym Q10: Migränepatienten weisen häufig verminderte Konzentrationen dieser Mikronährstoffe auf. Eine Supplementierung kann hilfreich sein.

Lebensmittel für Migräniker:

  • Frisches Obst und Gemüse: Bevorzuge eine Ernährung, die reich an frischem Obst und Gemüse ist, besonders solchen mit hohem Gehalt an Magnesium, wie Spinat, Avocado, Bananen und Süßkartoffeln.
  • Fettreiche Fische: Lachs, Makrele und Sardinen sind hervorragende Quellen für Omega-3-Fettsäuren.
  • Vollkornprodukte: Entscheide dich für Vollkornprodukte wie braunen Reis, Haferflocken und Vollkornbrot, die reich an Ballaststoffen sind.
  • Nüsse und Samen: Mandeln, Walnüsse und Leinsamen sind gute Quellen für Vitamin E und Magnesium.
  • Ingwer: Ingwer hat entzündungshemmende und schmerzlindernde Eigenschaften.

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