Vitamine und Mineralstoffe sind für die Aufrechterhaltung unserer Gesundheit unerlässlich. Ein Mangel an diesen wichtigen Nährstoffen kann zu einer Vielzahl von gesundheitlichen Problemen führen, darunter Sehstörungen und Taubheitsgefühle. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von Vitamin- und Mineralstoffmängeln, um ein besseres Verständnis für diese weit verbreiteten Gesundheitsprobleme zu schaffen.
Die Bedeutung von Vitaminen und Mineralstoffen
Vitamine sind organische Verbindungen, die für viele lebenswichtige Funktionen in unserem Körper unerlässlich sind. Sie werden in wasserlösliche (z.B. Vitamin C, B-Vitamine) und fettlösliche Vitamine (z.B. Vitamin A, D, E, K) unterteilt. Da der Körper Vitamine nicht selbst herstellen kann, müssen sie hauptsächlich über die Nahrung aufgenommen werden. Mineralstoffe sind anorganische Substanzen, die ebenfalls wichtige Funktionen im Körper erfüllen, wie z.B. den Knochenaufbau (Calcium, Magnesium) und die Nervenfunktion (Magnesium, Kalium).
Ein Mangel an Vitaminen und Mineralstoffen tritt auf, wenn der Körper nicht genug von einem bestimmten Nährstoff erhält, um seine normalen physiologischen Funktionen aufrechtzuerhalten. Dies kann durch eine unzureichende Zufuhr über die Nahrung, eine gestörte Aufnahme im Darm, einen erhöhten Bedarf oder einen vermehrten Verlust des Nährstoffs im Körper verursacht werden.
Ursachen von Vitamin- und Mineralstoffmängeln
Es gibt verschiedene Faktoren, die zu einem Vitamin- und Mineralstoffmangel führen können:
- Mangelernährung: Eine unausgewogene Ernährung, die arm an Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und anderen nährstoffreichen Lebensmitteln ist, kann zu einem Mangel an wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen führen.
- Resorptionsstörungen: Bestimmte Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts, wie z.B. Morbus Crohn oder Zöliakie, können die Aufnahme von Nährstoffen beeinträchtigen.
- Erhöhter Bedarf: In bestimmten Lebensphasen, wie z.B. während der Schwangerschaft, Stillzeit oder im Wachstum, ist der Bedarf an bestimmten Vitaminen und Mineralstoffen erhöht.
- Medikamente: Einige Medikamente können die Aufnahme oder Verwertung von Vitaminen und Mineralstoffen beeinträchtigen.
- Lifestyle-Faktoren: Alkoholkonsum und Stress können die Vitaminverwertung beeinträchtigen.
- Bestimmte Ernährungsweisen: Vegetarier und Veganer müssen besonders auf eine ausreichende Zufuhr von Vitamin B12 achten, da dieses hauptsächlich in tierischen Produkten vorkommt.
Symptome von Vitamin- und Mineralstoffmängeln
Die Symptome eines Vitamin- und Mineralstoffmangels können vielfältig und unspezifisch sein. Sie reichen von Müdigkeit und Konzentrationsschwäche bis hin zu schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen. Die spezifischen Symptome hängen davon ab, welcher Nährstoffmangel vorliegt.
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Häufige Symptome im Überblick
- Allgemeine Symptome: Müdigkeit, Schwäche, Leistungsminderung, Konzentrationsschwäche, Schlafstörungen, reduzierte Stresstoleranz, erhöhte Infektanfälligkeit
- Symptome des Nervensystems: Nervosität, Unruhe, Übererregbarkeit, Kopfschmerzen, Migräne, Schwindel, Verwirrtheit, Taubheitsgefühl in Händen oder Füßen, Kribbeln in Armen und Beinen
- Symptome des Bewegungsapparates: Muskelschwäche, Muskelzittern und -krämpfe, Muskelschmerzen, Rückenschmerzen, Störungen im Knochenstoffwechsel, erhöhtes Osteoporose-Risiko
- Symptome der Haut, Haare und Nägel: Nagelbrüchigkeit, Haut- und Haarveränderungen, trockene Haut, Akne
- Symptome des Gastrointestinaltrakts: Übelkeit, Appetitlosigkeit, Verdauungsstörungen, Darmträgheit, Verstopfung
- Augenbezogene Symptome: Augenflimmern, erschwertes Dunkelsehen, Nachtblindheit, Hornhautulcera, Keratomalazie
- Weitere Symptome: Blutungsneigung, Herz- und Kreislaufprobleme, grauer Star, Karies, Parodontose, psychische Störungen, Depressionen
Spezifische Symptome bei einzelnen Mängeln
Vitamin D-Mangel:
- Störungen im Knochenstoffwechsel, erhöhtes Osteoporose-Risiko
- Rachitis (bei Kindern)
- Osteomalazie (bei Erwachsenen)
- Muskelschwäche und -krämpfe
- Erhöhte Infektneigung
Vitamin B12-Mangel:
- Müdigkeit und Erschöpfung
- Konzentrationsstörungen
- Schlafstörungen
- Leistungs- und Gedächtnisschwäche, Verwirrtheit
- Häufige Stimmungstiefs
- Schwindel
- Taubheitsgefühl in Händen oder Füßen
- Kribbeln in Armen und Beinen
- Appetitlosigkeit
- Brennen auf der Zunge, Mundwinkelrhagaden
- Anämie
Folsäuremangel:
- Müdigkeit
- Reizbarkeit
- Kopfschmerzen
- Konzentrationsstörungen
- Verdauungsstörungen
- Erhöhtes Risiko für Neuralrohrdefekte beim Fötus während der Schwangerschaft
Eisenmangel:
- Blasse Haut und Schleimhaut
- Müdigkeit, Schwäche, Leistungseinschränkung
- Konzentrationsstörungen
- Schwindel, Kopfschmerzen
- Herzklopfen, Kurzatmigkeit, Atemnot bei körperlicher Anstrengung
- Inappetenz, Magen-Darm-Störungen
- Mundwinkelrhagaden
- Störungen der Wärmeregulation: Kältegefühl
- Erhöhte Infektanfälligkeit
Magnesiummangel:
- Muskelzuckungen und Wadenkrämpfe
- Grippeähnliche Symptome (Appetitlosigkeit, Schwindel, Übelkeit, Müdigkeit)
- Taubheitsgefühl und Kribbeln
- Kopfschmerzen und Migräne
- Herzprobleme (Herzrasen, Rhythmusstörungen)
- Nervosität und Reizbarkeit
- Psychische Veränderungen (Vergesslichkeit, Konzentrationsstörungen, Bewusstseinsstörungen)
Vitamin A-Mangel:
- Verhornung der Haut und Schleimhäute im Bereich Atemwege, Verdauungs- und Harntrakt
- Erschwertes Dunkelsehen, Nachtblindheit
- Hornhautulcera
- Keratomalazie
- Vermindertes Geruchs- und Geschmacksempfinden
- Hörstörungen
- Erhöhte Infektanfälligkeit
- Störung der Spermazellenproduktion
- Trockene Haut, Akne
- Bei Kindern Wachstumsstörungen
Vitamin E-Mangel:
- Müdigkeit, Leistungsschwäche, Konzentrationsstörungen
- Trockene, faltige Haut, schlecht heilende Wunden
- Erhöhte Infektanfälligkeit, Abwehrschwäche
- Durchblutungsstörungen in Armen/Beinen, später in Herz/Gehirn
- Tremor, beeinträchtigte Reflexe, Neuritiden
- Muskelschwäche und Muskelschmerzen
- Reizbarkeit, reduzierte Empfindsamkeit
- Geistige Retardierung, Dystrophie
- Retinopathie
- Erhöhtes Arteriosklerose-Risiko
- Vitamin-E-Mangel-Ataxie (genetisch bedingte neurodegenerative Erkrankung)
Vitamin B1-Mangel (Thiamin):
- Neurologische Symptome:
- Peripheres Nervensystem: Periphere Neuropathien mit Empfindungsstörungen (Kribbeln, Brennen und Taubheitsgefühl, vor allem an den Füßen), neuropathische Schmerzen, erhöhtes Risiko bei Diabetikern mit Entwicklung einer diabetischen Neuropathie und eines diabetischen Fußsyndroms.
- Zentralnervensystem: Toxische Kleinhirnzellschädigung > Ataxie, toxische Mittelhirnschädigung > Wernicke-Enzephalopathie (Delir, Ataxie, Ophthalmoplegie), Neurotransmitterstörung > Korsakow-Psychose (Amnesie, Konfabulationen, Adynamie), Schädigung kortikaler und limbischer Neurone > (Alzheimer-) Demenz, zerebrale Störungen (Schwindel, Gangunsicherheit, Bewusstseinsstörungen)
- Kardiovaskuläre Störungen: Herzrhythmusstörungen, Herzinsuffizienz
- Magen-Darm-Störungen: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
- Muskelschmerzen, Muskelkrämpfe
- Wernicke-Korsakow-Syndrom unter Alkoholabusus: Pupillenstörungen, Nystagmus, Augenmuskellähmung, zerebelläre Ataxie, Bewusstseinseintrübung, Koma
Vitamin B2-Mangel (Riboflavin):
- Cheilosis und Glossitis (entzündliche Veränderungen der Lippen und Zunge)
- Hauteinrisse, Mundwinkelrhagaden
- Hautrötungen, schuppende Ekzeme
- Nervenentzündungen an Händen und Füßen
- Lichtscheue, Augenbrennen, erhöhtes Risiko für grauen Star
- Anämie
Vitamin B6-Mangel (Pyridoxin):
- Leichter Vitamin-B6-Mangel: Unspezifische Symptome (Schlaflosigkeit, Müdigkeit, Reizbarkeit, Traurigkeit, Ängste), Akne, Lichtempfindlichkeit, Magen-Darm-Störungen (Inappetenz, Diarrhoe und Erbrechen), Cheilosis und Glossitis, Infektanfälligkeit, Wachstumsstörungen, bei Frauen verstärkte Menstruationsbeschwerden
- Chronischer Vitamin-B6-Mangel: Schuppende Hautausschläge und Hautzentzündungen in Gesicht und Kopfhaut, Funktionsstörungen der Leber, mikrozytäre, hypochrome Anämie, neurologische Störungen (Taubheit in den Gliedmaßen, Verwirrtheit, Degeneration der peripheren Nerven mit Paralyse und afferenter Ataxie), bei Säuglingen: Zittern und Krämpfe, Verwertungsstörungen von Magnesium, Calcium und Eisen
Diagnose von Vitamin- und Mineralstoffmängeln
Die Diagnose eines Vitamin- und Mineralstoffmangels erfolgt in der Regel durch eine Blutuntersuchung. Der Arzt kann spezifische Bluttests anordnen, um den Spiegel bestimmter Vitamine und Mineralstoffe zu bestimmen. Es ist wichtig, die Symptome genau zu dokumentieren. Ein Symptomtagebuch kann Aufschluss über auslösende Faktoren geben. Neben spezialisierten Testkits können Sie auch beim Hausarzt einen Bluttest durchführen lassen, der einen Vitamin- und Mineralstoffmangel untersucht. Die Tests bieten Ihnen die Möglichkeit, bequem von zu Hause aus eine gründliche Analyse Ihres Nährstoffhaushalts durchzuführen: Der Vitaminmangeltest gibt Ihnen einen Überblick über Ihren Status an wichtigen Vitaminen wie Vitamin D, B12 und Folsäure.
Behandlung von Vitamin- und Mineralstoffmängeln
Die Behandlung eines Vitamin- und Mineralstoffmangels richtet sich nach der zugrundeliegenden Ursache und dem Schweregrad des Mangels. In den meisten Fällen kann ein Mangel durch eine Ernährungsumstellung und/oder die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln behoben werden.
- Ernährungsumstellung: Eine ausgewogene Ernährung mit einer Vielzahl an nährstoffreichen Lebensmitteln ist essentiell, um Vitamin- und Mineralstoffmangel vorzubeugen. Achten Sie auf eine ausreichende Zufuhr von Obst, Gemüse, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen und Samen.
- Nahrungsergänzungsmittel: In bestimmten Fällen kann die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln erforderlich sein, um einen Mangel auszugleichen. Dies gilt insbesondere für Personen mit Resorptionsstörungen, erhöhtem Bedarf oder bestimmten Ernährungsweisen (z.B. Veganer). Es ist wichtig, die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit einem Arzt oder Ernährungsberater zu besprechen, um eine Überdosierung zu vermeiden.
- Behandlung der Grunderkrankung: Wenn der Mangel durch eine Grunderkrankung verursacht wird, muss diese behandelt werden, um die Nährstoffaufnahme zu verbessern.
Spezielle Betrachtungen: Augenflimmern, Taubheitsgefühle und Hörstörungen
Augenflimmern
Augenflimmern ist ein häufiges Symptom, das verschiedene Ursachen haben kann. Es äußert sich durch unkontrollierte, rhythmische Zuckungen der Augenlider oder als flimmernde Wahrnehmung im Sichtfeld. Gelegentliches Augenflimmern ist meist harmlos und durch Stress, Müdigkeit oder Überanstrengung bedingt. Anhaltende oder häufig wiederkehrende Beschwerden sollten jedoch ärztlich abgeklärt werden.
Ursachen:
- Harmlose Ursachen: Stress, Müdigkeit, Schlafmangel, übermäßiger Koffein- oder Alkoholkonsum
- Neurologische Erkrankungen: Multiple Sklerose, Blepharospasmus, Durchblutungsstörungen im Gehirn
- Medikamentennebenwirkungen: Insbesondere von Psychopharmaka oder Blutdruckmitteln
Behandlung:
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Bei stressbedingten Formen helfen Entspannungsmaßnahmen und Stressmanagement. Bei Magnesiummangel kann die Einnahme von Magnesiumpräparaten hilfreich sein. Bei neurologischen Ursachen können Medikamente wie Botulinum-Toxin-Injektionen oder Antikonvulsiva eingesetzt werden.
Taubheitsgefühle
Taubheitsgefühle und Kribbeln in Händen und Füßen können auf eine mangelhafte Nervenfunktion hinweisen. Eine schlechte Versorgung mit Magnesium, Vitamin B12 oder anderen Nährstoffen kann eine Rolle spielen.
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Mögliche Ursachen:
- Karpaltunnelsyndrom: Einengung des Medianusnervs im Handgelenk
- RSI-Syndrom (Mausarm): Überlastung der Hand- und Armmuskulatur durch repetitive Bewegungen
- Restless Legs Syndrom: Unruhige Beine, oft in der Nacht
- Polyneuropathie: Erkrankung der peripheren Nerven, z.B. durch Diabetes oder Alkoholmissbrauch
- Bandscheibenvorfall: Druck auf Nervenwurzeln
- Infektionskrankheiten: Borreliose, Gürtelrose, HIV
- Niereninsuffizienz: Ansammlung von Giftstoffen im Körper
- Medikamente: Chemotherapie, Herzmedikamente, Antidepressiva
- Schilddrüsenerkrankungen: Unterfunktion oder Überfunktion
- Giftstoffe: Schwermetalle, Alkohol
- Multiple Sklerose: Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems
- Durchblutungsstörungen: Arteriosklerose, Thrombose
- Schlaganfall: Notfall, der sofortige ärztliche Hilfe erfordert
Behandlung:
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Bei einem Karpaltunnelsyndrom kann eine Operation erforderlich sein. Beim RSI-Syndrom helfen Übungen, Entspannungstechniken und eine Optimierung des Arbeitsplatzes. Beim Restless Legs Syndrom können Medikamente und eine Eisensupplementierung helfen. Bei einer Polyneuropathie muss die Grunderkrankung behandelt werden.
Hörstörungen
Hörstörungen können verschiedene Ursachen haben und sich unterschiedlich äußern. Je nachdem, von welchem Ohranteil die Hörstörung ausgeht, unterscheidet man zwischen Schallleitungs- und Schallempfindungsschwerhörigkeit.
Schallleitungsschwerhörigkeit: Störungen im Außen- oder Mittelohr behindern die Weiterleitung der Schallwellen.
Ursachen:
- Außenohr: Ohrschmalzpfropf, Fremdkörper, Gehörgangsentzündungen
- Mittelohr: Trommelfellschäden, Mittelohrentzündungen, Otosklerose
Schallempfindungsschwerhörigkeit: Schädigung des Hörorganes im Innenohr oder des Hörnervs.
Ursachen:
- Innenohr: Hörsturz, Lärmschwerhörigkeit, Altersschwerhörigkeit, Infektionen, Menière-Krankheit
- Hörnerv: Akustikusneurinom, Entzündungen
Behandlung:
Die Therapie richtet sich nach der Ursache. Bei einem Ohrschmalzpfropf kann der Arzt den Gehörgang reinigen. Bei Mittelohrentzündungen werden Antibiotika eingesetzt. Bei chronischen Hörproblemen können Hörgeräte die Beeinträchtigung ausgleichen. In manchen Fällen können Implantate die Hörfunktion teilweise ersetzen.
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Prävention von Vitamin- und Mineralstoffmängeln
Eine ausgewogene Ernährung, ein gesunder Lebensstil und regelmäßige ärztliche Kontrollen können dazu beitragen, Vitamin- und Mineralstoffmängeln vorzubeugen.
- Ernährung: Achten Sie auf eine abwechslungsreiche Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und gesunden Fetten.
- Lifestyle: Vermeiden Sie übermäßigen Alkoholkonsum und Stress.
- Ärztliche Kontrollen: Lassen Sie regelmäßig Ihren Vitamin- und Mineralstoffstatus überprüfen, insbesondere wenn Sie Risikofaktoren aufweisen.
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