Ein stechender Schmerz in der Hand, der sich als Kapselriss entpuppt, kann schnell passieren. Oftmals geschieht dies im Eifer des Gefechts, beispielsweise bei Sportarten wie Basket- oder Volleyball, bei denen der Ball auf den gestreckten Finger trifft. Doch wie erkennt man, ob es sich tatsächlich um einen Kapselriss handelt, der die Schmerzen im Finger verursacht? Wie wird ein Kapselriss behandelt und welche Folgen kann er haben? Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten eines Kapselrisses im Zeigefinger.
Was ist ein Kapselriss im Finger?
Ein Kapselriss im Finger ist eine Verletzung der Gelenkkapsel (Capsula articularis) eines Fingers. In den meisten Fällen sind die Gelenkkapseln von Daumen oder Zeigefinger betroffen. Mediziner sprechen bei einem Kapselriss von einer Fingerkapseldistorison oder einem Fingerkapselriss. Dabei wird die Gelenkkapsel, die das Gelenk stabilisiert und schützt, überdehnt oder reißt. Im Volksmund spricht man häufig auch von einem verstauchten Finger.
Die Gelenkkapsel
Die Gelenkkapsel ist eine bindegewebige Hülle, die die Gelenkhöhle mit der darin enthaltenen Gelenkflüssigkeit umschließt. Sie legt sich lückenlos um die Gelenkhöhle. In der Gelenkkapsel befindet sich die Gelenkflüssigkeit (Synovialflüssigkeit). Die Flüssigkeit (Gelenkschmiere) trägt dazu bei, dass die Bestandteile des Gelenks nicht aneinander reiben. Die Gelenkkapsel besteht aus zwei Schichten:
- Innere Schicht (Membrana synovialis): Produziert die Gelenkflüssigkeit.
- Äußere Schicht (Membrana fibrosa): Stabilisiert das Gelenk und verbindet es mit den Bändern und Sehnen.
Die Finger der Hand haben 14 Gelenkkapseln: je zwei in den Daumen und je drei in den übrigen Fingern. Die Gelenkkapseln befinden sich in den:
- Fingergrundgelenken (Metacarpophalangealgelenke)
- Fingermittelgelenken (proximale Interphalangealgelenke)
- Fingerendgelenken (distale Interphalangealgelenke)
Jede dieser Gelenkkapseln kann bei entsprechend schweren Belastungen reißen oder gestaucht werden.
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Ursachen eines Kapselrisses im Zeigefinger
Kapselrisse im Finger entstehen in der Regel durch starke, akute Krafteinwirkungen. Mediziner sprechen von einem akuten Trauma. Die wohl häufigste Ursache für einen Kapselriss des Fingers ist sicherlich das akute Trauma. Vor allem Sportunfälle sind die Hauptverursacher von Kapselrissen des Fingers. Solche Kapselrisse am Finger sind gehäuft auch mit Knochenabsplitterungen kombiniert, da die Gewalt sehr hoch ist, um eine Kapselverletzung zu erzeugen.
Typisch sind beispielsweise Sportverletzungen, bei denen einer oder mehrere Finger so stark überdehnt werden, dass die Gelenkkapsel überlastet ist und reißt. Im Finger kommt es häufig bei Ballsportarten zu Kapselrissen, also zum Beispiel beim Hand-, Volley- oder Basketball.
Weitere Ursachen sind:
- Direkte Gewalteinwirkung: Plötzlicher, starker Druck oder Stoß gegen den Finger (z. B. bei Ballsportarten oder Unfällen).
- Stürze: Ein Sturz auf den ausgestreckten Finger kann ebenfalls zu einem Kapselriss führen.
- Fehlbelastungen: Falsches Heben oder Tragen kann in seltenen Fällen einen Kapselriss verursachen. Eine Überlastung des Fingers würde vor allem dann auftreten, wenn bestimmte, sehr belastende Bewegungen des Fingers immer wieder durchgeführt werden würden. Das Heben oder Tragen schwerer Lasten würde z.B dazugehören. Eine Fehlbelastung würde nur dann zu einem Kapselriss führen, wenn diese Fehlbelastungen besonders häufig durchgeführt werden, z.B. über Monate oder Jahre.
- Falsche Technikausführung bei Sportarten: Unsachgemäße Griffe oder Wurfbewegungen.
- Chronische Überlastungen: Bei permanentem Druck und Mikrotraumata.
- Allgemein: Eine Bewegung, zu der ein Finger natürlicherweise nicht in der Lage ist.
Am häufigsten von Kapselrissen sind Zeigefinger und der Daumen betroffen, da diese am häufigsten bei alltäglichen Bewegungen eingesetzt werden.
Symptome eines Kapselrisses im Zeigefinger
Ein Kapselriss im Finger macht sich zunächst durch einen stechenden Schmerz in dem betroffenen Fingergelenk bemerkbar. Eine Kapsel reißt nicht so ohne weiteres, sondern in der Regel geht ein merkbares Trauma voraus. Danach folgen meistens akute Schmerzen im Bereich der gerissenen Kapsel, aber auch des ganzen Fingers.
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Im ersten Moment ist es ein stechender, im weiteren Verlauf pulsierender Schmerz. Das Gelenk schwillt meistens sehr schnell an. Es lässt sich nicht mehr oder nur sehr eingeschränkt und unter starken Schmerzen bewegen. Die Schwellung entsteht, weil die Gelenkflüssigkeit aus der gerissenen Gelenkkapsel ausläuft und sich im Gewebe staut. Mit dem Anschwellen des Fingergelenks verändert sich die Schmerzqualität: von stechenden zu pulsierenden Schmerzen. In aller Regel geht der Schmerz mit einer Bewegungsbeeinträchtigung sowie auch mit einer deutlichen Schwellung des Fingers einher.
Oftmals kann man zunächst einen Kapselriss nicht von einer einfachen Verstauchung des Fingers unterscheiden. Die Schmerzen werden als dumpfdrückend, ja in Ruhe sogar pochend beschrieben. In den meisten Fällen werden die Schmerzen am Finger, die durch einen Kapselriss verursacht werden, von einem Ödem begleitet. Dieses kommt dadurch zustande, dass es zu einer Entzündungsreaktion kommt, bei der entzündliche Flüssigkeit ins umliegende Gewebe des Fingers gespült wird und diesen anschwellen lässt. Meistens sind es die Schmerzen selbst und auch die Schwellung, die den Patienten daran hindern, den Finger zunächst ungehindert zu bewegen.
Weitere Symptome können sein:
- Blutergüsse (Hämatome): Das Überdehnen oder Stauchen der Gelenke verletzt oft auch kleine Blutgefäße. Je nach Größe schränken die Blutergüsse die Beweglichkeit des Fingergelenks zusätzlich ein.
- Eingeschränkte Funktion und Beweglichkeit: Dass Funktion und Beweglichkeit eingeschränkt sind, ist eine Art Schutzmechanismus. Die Kapsel umschließt das Fingergelenk und ist somit massgeblich auch an der regelmäßigen Bewegung des Fingers beteiligt.
- Fehlstellung: Wenn außer den genannten Symptomen eine Fehlstellung auftritt, ist anzunehmen, dass nicht nur ein Kapselriss, sondern auch eine Gelenkverletzung vorliegt. Beispielsweise kann das Köpfchen vom Grundglied des Fingers aus der Gelenkpfanne des Mittelgliedes gesprungen sein, das nennt man dann Luxation.
Diagnose eines Kapselrisses im Zeigefinger
Die Diagnose von Kapselrissen im Finger ist anspruchsvoll, weil sich die Symptome den Beschwerden bei zahlreichen anderen Fingerverletzungen ähneln. Dazu zählen beispielsweise Verstauchungen der Fingergelenkkapseln (Fingerkapseldistorisonen), Bänderrisse im Finger, Zerrungen oder auch Brüche (Frakturen) von Fingerknochen. Dennoch lässt sich an diesen Merkmalen nicht einwandfrei sagen, ob es sich um einen Kapselriss handelt, dazu muss ein Arzt die Hand röntgen.
Experten für Kapselrisse sind Orthopäden und Unfallchirurgen. Bei einem Kapselriss als Sportverletzung wird sich der Arzt dessen annehmen, der vor Ort ist, beispielsweise ein Mannschaftsarzt. Im Falle einer weiterführenden Verletzung, zum Beispiel von Bändern oder Knochen, kann man auch zu einem Handchirurgen geschickt werden.
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Die Diagnose eines Kapselriss wird durch eine Kombination aus verschiedenen Untersuchungsmethoden gestellt:
- Anamnese: Der Arzt erfragt den Unfallhergang, die Art der Schmerzen, Schwellungen und Bewegungseinschränkungen sowie frühere Verletzungen am betroffenen Finger. Bei der Diagnosestellung wird der Untersucher den Patienten nach vorangegangenen Unfällen fragen, was bereits schon eine kleine Einschätzung der Schwere der Verletzung ermöglicht.
- Klinische Untersuchung: Der Arzt prüft den Finger auf Schwellungen, Blutergüsse, Beweglichkeit und Stabilität des Gelenks. Dann folgt die Untersuchung des Fingers mit Betasten sowie aktiver und passiver Bewegung. Zum Ausschluss einer Gelenkinstabilität versucht die Ärzt*in, das betroffene Fingergelenk seitlich aufzuklappen und die benachbarten Knochen gegeneinander zu verschieben. Außerdem prüft er, ob eine Stauchung des betroffenen Fingers in seiner Längsachse die Schmerzen verstärkt, was eher für einen Knochenbruch als für eine ausschließliche Weichteilverletzung spricht.
- Bildgebende Verfahren:
- Röntgenaufnahmen: Dienen dazu, einen Knochenbruch sicher auszuschließen und einen eventuellen knöchernen Kapsel- oder Bandausriss festzustellen. Im Röntgenbild kann man vor allem Knochen und Verkalkungen darstellen. Hier kann man deutlich sehen, ob eine Fraktur am Finger zu den beschriebenen Schmerzen führt. Reißt die beugeseitige Gelenkkapsel mit einem kleinen Knochenfragment an der Basis des Mittelglieds ab, kann diese auf normalen Röntgenbildern festgestellt werden.
- Ultraschall (Sonografie): Im Ultraschall kann man besonders gut weichere Strukturen und Flüssigkeit, die direkt unter der Haut liegen, darstellen. Im Falle eines Verdachtes eines Kapselriss würde der Untersucher mit dem Ultraschall dicht über den Finger fahren, um die Kapsel des Fingers darzustellen. Eine Bänderverletzung kann aber auch schon bei einem Ultraschall ausgeschlossen werden.
- MRT (Magnetresonanztomographie): In seltenen Fällen, insbesondere wenn der Verdacht auf Begleitverletzungen besteht, kann ein MRT erforderlich sein. Da die Wartezeit auf ein MRT der Hand aber lange ist und die Kosten hoch sind, würde man sich bei der Diagnose eines Kapselriss erst einmal den anderen bildgebenden Verfahren bedienen.
Behandlung eines Kapselrisses im Zeigefinger
Bei der Behandlung eines Kapselrisses im Finger kommt es auf die Diagnose des Arztes an. Bei einem Kapselriss des Fingers sollte man unverzüglich mit einer kühlenden und ruhigstellenden Therapie beginnen. Je früher ein Kapselriss im Finger behandelt wird, umso besser stehen die Chancen auf einen guten Heilungsprozess. Die schnelle Erste Hilfe nach der PECH-Regel kann die Heilungsdauer um Wochen verkürzen.
Erste Hilfe: Die PECH-Regel
Als Sofortmaßnahme wenden Sie die Schritte der PECH-Regel an, die im Notfall-Moment den Schmerz lindern und einer zu starken Schwellung vorbeugen können.
PECH steht für:
- Pause: Die Hand sollten Sie sofort ruhig stellen und auch in nächster Zeit schonen. Hand sofort ruhigstellen und schonen.
- Eis: Die betroffene Region muss gekühlt werden. Das lindert nicht nur die akuten Schmerzen, sondern kann auch eine sehr starke Schwellung des Gelenkes verhindern. Gelenk 15 bis 20 Minuten lang kühlen. Dabei dürfen Eiswürfel und Coolpacks nicht direkt, sondern nur in ein Tuch gewickelt auf die Haut kommen, da sie sonst Kälteschäden hervorrufen. Zur Kühlung kann Eisspray verwendet werden. Kühlkompressen nicht direkt auf die Haut legen, sondern in ein Tuch wickeln, damit es auf der Haut nicht zu Erfrierungen kommt. J. „Medivid Cryo hat ein breites Anwendungsspektrum. Mit der MEDIVID-Kühlung verschaffen sie ihrem Gelenk eine ebenso effektive wie schonende Kühlung.
- Compression: Ein Kompressionsverband lindert das Anschwellen. Achtung, nicht zu stramm anlegen, damit Blutzu- und abfuhr gewährleistet bleiben! Ein Kompressionsverband und das Hochlagern sorgen dafür, dass Schwellungen (Ödeme) oder Blutergüsse (Hämatome) nicht unnötig groß werden.
- Hochlagern: Das Hochlagern der Hand. Damit die Durchblutung im betroffenen Bereich vereinfacht wird, sollte das Körperteil möglichst oft hochgelagert werden.
Konservative Behandlung
Ist es eine weniger schwere Form des Kapselrisses, ist meist keine Operation nötig und es wird konservativ behandelt. In den meisten Fällen von Kapselriss im Finger reicht eine konservative Behandlung mit Ruhigstellung des betroffenen Gelenks aus.
Ruhigstellung: Damit der Finger ausreichend die Möglichkeit hat zu heilen, sollte er beziehungsweise die gesamte Hand, geschont werden. Zur Ruhigstellung können Daumenorthesen, Fingerschienen (dynamische und statische) oder Kinesio-Tape verwendet werden. Für die Ruhigstellung sorgen Schienen (Orthesen).
- Daumenorthesen: Werden bei Kapselrissen in Daumengelenken eingesetzt. Die Orthesen in Form einer Manschette um Handgelenk und Daumen stellen sicher, dass der Daumen nur noch eingeschränkt bewegt werden kann. Zur Ruhigstellung des Daumens nach Operationen und bei Verletzungen im Sport oder Alltag verwenden Ärzte gerne eine Daumenorthese.
- Fingerschienen: Stellen einen oder mehrere Finger still. Es gibt Fingerschienen, die nur am betroffenen Finger befestigt werden. Andere Fingerschienen stützen mehrere Finger, indem die Finger direkt verbunden werden. Zudem gibt es Fingerschienen für einen oder mehrere Finger mit Handgelenksmanschetten. Mit einer angepassten Schiene kann eine ausreichende Ruhigstellung des betroffenen Fingers erreicht werden. Hierbei wird die Schiene an den betroffenen Finger gelegt und mittels eines Verbandes fixiert. Der Finger befindet sich dabei in einer (leicht) gestreckten Position. Die Schiene sollte 24 Stunden für maximal 1-3 Wochen getragen werden. Nach dieser Zeit kann die Schiene abgenommen und mit einem langsamen Aufbau von Bewegung und Kraft begonnen werden.
- Stack´sche-Schiene: Die Stack-Schiene wird häufig bei Verletzungen der Fingerkuppen oder bei einem Kapselriss im Endgelenk verwendet.
- Quengelschienen: Eine Schiene wird verwendet, wenn die vernarbte Gelenkkapsel gedehnt werden muss. Quengelschienen verfügen über Federdrahtbügel oder Gelenke, mit denen der Finger eingeschränkt beweglich bleibt. Eine so genannte Quengelschiene ist sehr dynamisch und übt durch integrierte Federdrahtbügel kontinuierlich Kraft auf das verletzte Gelenk aus. Das geschieht in die Richtung der eingeschränkten Bewegung, die Kraft ist dabei individuell anpassbar. Quengelschienen werden vor allem bei langwierigen Heilungsprozessen angewendet und sollen dafür sorgen, dass die Bewegungsfähigkeit des Fingers nicht unnötig verloren geht. In Kombination mit einer Verbandhülse kann das Gelenk besser geschützt werden. Wenn es jedoch um den Schutz geht, kann auch eine starre Schiene zur Ruhigstellung verwendet werden. Dennoch ersetzt dieses Vorgehen nicht die Schonung des Fingers.
- Taping: Ein Taping stellt eine Alternative zur Schienenbehandlung dar. Dabei wird ein selbstklebendes Band auf den Finger so aufgebracht, dass der entstehende Zug und Druck den Finger sehr deutlich in der Bewegung einschränkt, sodass dieser ebenfalls in einer Streckstellung verbleibt. Auch das Tape sollte 24 h getragen und erst frühestens nach einer Tragezeit von 1-3 Wochen wieder abgenommen werden. Tapen allein reicht nicht aus, um Finger nach einem Kapselriss ausreichend zu stabilisieren. Professionelle Stützverbände mit Kinesiotape können aber die Erste Hilfe nach der PECH-Regel ergänzen und sind zudem für die Stabilisierung in einem fortgeschrittenen Heilungsstadium sowie zur Vorbeugung geeignet. Kinesio-Tape wie dem Chatt-Tape können präventiv eingesetzt werden.
Schmerzmittel: Sollten die Schmerzen sehr stark sein, kann ein Schmerzmittel verabreicht werden. Gegen Schmerzen und Schwellungen helfen entzündungshemmende Medikamente aus der Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen, Naproxen oder Diclofenac. Ibuprofen und Naproxen sind in der Regel besser geeignet, weil sie den Magen nicht so stark reizen wie Diclofenac. Bei starken Schmerzen kann der Arzt auch andere Schmerzmittel wie Metamizol verschreiben. Bei starken Schmerzen helfen entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen (z. B. Dolgit® oder Ibuprofen AbZ). Weiterhin stehen einige pflanzliche oder homöopathische Salben zur Verfügungen, die ebenfalls eine entzündungshemmende und schmerzlindernde Wirkung entfalten können.
Physiotherapie: Um eine Versteifung des Gelenkes zu verhindern ist eine frühe und aktivierende Bewegung wichtig. Dabei liegt bei den einzelnen Fingern die vollständige Streckfähigkeit im Fokus. Im Falle eines Kapselrisses empfehlen Ärzte manchmal die gezielte Bewegung der Gelenke. Bewegungstraining beim Physiotherapeuten ist eine gute Unterstützung für den Heilungsprozess eines Kapselriss im Finger. Die Physiotherapie sollte immer in Abstimmung mit den behandelnden Ärzten erfolgen. Zunächst sollte der betroffene Finger ganz einfach und ganz leicht gebeugt werden. Diese gebeugte Position sollte einige Sekunden gehalten und der Finger dann wieder entspannt werden. Als dritte Übung sollte man leicht kreisende Bewegungen mit dem Finger durchführen. Die Übungen sollte man ca. Leider können wir Ihnen an dieser Stelle keine pauschalen Übungen für Ihren Finger empfehlen.
Operative Behandlung
Komplizierte Kapselrisse im Finger müssen mitunter durch einen operativen Eingriff versorgt werden. Weiterhin kommt eine Operation zum Einsatz, wenn die Kapsel so stark verletzt ist, dass sich anschließende Areale und eventuell sogar Knochenteile im Finger mit verletzt wurden. Häufig gilt die Operation nicht nur dem Kapselriss, sondern begleitenden Verletzungen wie Brüchen, Knochenabsplitterungen, Bänderrissen oder beschädigten Blutgefäßen. Die Operationen erfolgen in der Regel unter Vollnarkose und erfordern daher die stationäre Aufnahme in einem Krankenhaus.
Je nach Verletzung richtet die Chirurg*in Verrenkungen offen ein, näht zerrissene Kapselanteile oder befestigt ausgerissene Knochenstücke mit Draht oder kleinen Schrauben. Bei auch nach Wochen noch deutlich eingeschränkter Beweglichkeite der Finger sollte eine Operation mit einer Kapaselnaht im Finger in Betracht gezogen werden. Bei diesem Eingriff würden dann Verwachsungen im Bereich der einstig gerissenen Kapsel gelöst und neu zusammengenäht werden.
Wichtige Hinweise für die Heilung
- Sportpause: Bis zur Heilung des Kapselrisses sollte also kein Sport gemacht werden. In jedem Fall ist eine Sport-Pause dringend einzuhalten.
- Frühzeitige Bewegung: Bei dieser Frage ergibt sich eine gewisse Schwierigkeit: Zwar ist eine frühe aktive Bewegung des Gelenkes wichtig, um eine Gelenksteife zu verhindern, andererseits kann jede zu frühe Belastung des Fingers dauerhafte Einschränkungen zur Folgen haben. Um Funktionsverlusten vorzubeugen, ist die begleitende physiotherapeutische Behandlung von Fingerkapselrissen sinnvoll.
- Massagen: Leichte Massagen nach Abnahme der Fingerschiene den Bereich über dem betroffen Gelenk mit sanften (schmerzfreien!) kreisförmigen Bewegungen.
- Bewegungsübungen: Greifübungen mit einem weichen Bällchen oder einer leeren Plastikflasche bereiten den Finger nach der Ruhigstellung auf das tägliche Leben vor. Zwischendurch lässt sich auch immer wieder eine kleine sanfte Fingergymnastik mit Beugen, Strecken oder Faustschluss einlegen. Nach der Schienen-Therapie lässt sich der Finger besonders gut im warmen Wasserbad mobilisieren. Empfohlen werden 5-mal täglich etwa fünfminütige Bäder in angenehm handwarmem Wasser.
Dauer der Heilung
Zu sagen bleibt, dass es etwa sechs Wochen dauert bis der Kapselriss vollkommen verheilt ist. Die Heilungsdauer richtet sich ganz nach der Schwere der Kapselverletzungen. Durch Medikamente und Kühlen der Verletzung kann der Heilungsprozess jedoch beschleunigt werden. Einfache Fingerkapselrisse verheilen bei konservativer Behandlung durch Ruhigstellung mit Orthesen oder Schienen in den meisten Fällen innerhalb von vier bis acht Wochen. Die Erste Hilfe nach der PECH-Regel kann die Heilung um mehrere Wochen verkürzen.
Bei schweren Kapselverletzungen kann es sogar zu einer Erkrankungszeit von 6-8 Wochen kommen, in der eine regelmäßige Behandlung notwendig ist und bis ein normaler Einsatz des Fingers wieder möglich ist. Die Heilungszeit eines Kapselrisses im Daumen ist besonders lang. Prinzipiell kann man sagen, dass je leichter die Verletzung ist und je schneller mit einer adäquaten Behandlung begonnen wird, desto schneller heilt der Finger ab.
Prognose
In der Regel bleibt nichts von einem Kapselriss zurück, vorausgesetzt er ist vollständig geheilt. Unkomplizierte Kapselrisse in Fingern hinterlassen in der Regel keine bleibenden Schäden. Die Finger bleiben voll beweglich. Allerdings reagieren einmal verletzte Gelenkkapseln nicht selten empfindlich mit Schmerzen auf nicht alltägliche Belastungen. Die Aussicht auf vollständige Heilung nach operativen Eingriffen ist ebenfalls sehr groß. Eine individuelle Prognose ist aber nicht möglich, da der Heilungserfolg insbesondere von der Schwere der Verletzungen abhängt.
Manchmal passiert es jedoch, dass eine gewisse Einschränkung des Fingers weiterhin spürbar. Verläuft die Heilung nicht wie geplant, ist eventuell eine Operation notwendig. Dadurch soll eine frühzeitige Arthrose verhindert werden, die aufgrund eines größeren verschobenen, knöchernen Kapselbandausrisses entstehen könnte. Eine narbige Verkürzung der beugeseitigen Gelenkkapsel kann entstehen, wenn die Mobilisation des Gelenkes zu spät beginnt. Das äußert sich darin, dass es nicht mehr möglich ist, den betroffenen Finger aktiv vollständig auszustrecken.
Kapselrisse, die nicht zeitgerecht behandelt werden, können auch so schlecht verheilen, dass es zu einer deutlichen Bewegungsbeeinträchtigung des betroffenen Finger über längere Zeit kommt. Gerade sehr lange zurückliegende Kapselrisse können dazu beitragen, dass der Finger in seiner Mobilität so stark eingeschränkt ist und es sogar auch zu einer Verkrümmung des Fingers kommen kann.
Komplikationen und Spätfolgen
Eine Kapselriss am Finger sollte grundsätzlich immer durch einen Arzt oder einem sehr guten Orthopäden behandelt werden. Unbehandelte Kapselrisse können die Beweglichkeit des betroffenen Gelenks erheblich einschränken. Kapselrisse sollten grundsätzlich behandelt werden.
Was passiert, wenn man den Kapselriss im Finger unbehandelt lässt? Ein unbehandelter Kapselriss beinhaltet das Risiko das die Funktion des Fingers nach der Ausheilung nicht vollständig wiederhergestellt werden kann. In vielen Fällen kommt es zu einer Einsteifung des Gelenks, dass sich besonders in der Beugung (Beugehemmung) zeigt.
Mögliche Spätfolgen eines Kapselrisses im Finger sind:
- Bewegungseinschränkung: Wenn die Heilung nicht optimal verläuft oder die Rehabilitation nicht ausreichend ist, kann es zu einer dauerhaften Einschränkung der Beweglichkeit als Spätfolge im betroffenen Gelenk kommen.
- Arthrose: Dadurch soll eine frühzeitige Arthrose verhindert werden, die aufgrund eines größeren verschobenen, knöchernen Kapselbandausrisses entstehen könnte. Auch langfristige Folgen wie Gelenkarthrose (Gelenkverschleiß) sind möglich. Im schlimmsten Fall kann der Finger versteifen.
Krankschreibung
Die Krankmeldung richtet sich nicht nur nach der Schwere der Verletzung, sondern nach der beruflichen Tätigkeit der man nachgeht. Die Dauer der Krankschreibung lässt sich für den Einzelfall nicht vorhersagen. Die Länge der Arbeitsunfähigkeit liegt zwischen 0 Tagen und mehreren Monaten. Man sollte aber in jedem Fall mit einer Krankmeldung von 1-8 Wochen rechnen. In dieser Zeit sollte entweder der Finger komplett immobil gehalten werden oder bereits mit einem Kraft- und Muskelaufbau begonnen werden.
Wie lange Ärzte im Einzelfall krankschreiben, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Dazu gehört vor allem die Schwere des Kapselrisses (ein oder mehrere Finger, Komplikationen wie Bänderrisse oder Knochenverletzungen). Auch der Heilungsverlauf und die ausgeübte Berufstätigkeit haben einen erheblichen Einfluss auf die Dauer der Arbeitsunfähigkeit. Wer körperlich mit den Händen arbeitet, wird in der Regel länger krankgeschrieben als Arbeitnehmende, die ihre Hände bei der Arbeit schonend einsetzen können.
Beispiele für die Dauer der Krankschreibung je nach beruflicher Tätigkeit:
- Büroarbeit: 0 - 14 Tage
- mäßige körperliche Arbeit: 14 - 42 Tage
- körperlich schwer arbeitende Menschen: 4 Wochen bis mehrere Monate
Auch der Weg zur Arbeit muss berücksichtigt werden. Muss der Betroffene auf dem Weg zur Arbeit autofahren?
Schwellung
Die Schwellung, die sich in der Regel kurz nach dem Kapselriss ausbildet, verschwindet spätestens nach einer Woche fast vollständig. Massgeblich hierfür ist aber, dass mit einer adäquaten Behandlung begonnen wird. Werden kühlende und ruhigstellende Massnahmen erst zu spät begonnen oder aber nicht konsequent durchgeführt, kann es zu einer sichtbaren Schwellung des Fingers über Wochen kommen. Diese Schwellung würde dann weiterhin den Bewegungsradius des Fingers deutlich einschränken und auch zu langanhaltenden Schmerzen führen.
Vorbeugung
Kapselrissen in den Fingern lassen sich nicht mit Sicherheit vermeiden. Im Sport haben sich Tapes bewährt, um die Fingergelenke zu schonen. Das gilt insbesondere für Sportarten, in den die Finger besonders belastet werden. Turner, Handballer oder Volleyballer oder Torwarte sind besonders gefährdet. Vor allem beim Sport lassen sich Unfälle vermeiden, wenn man die Technik gut beherrscht. Um zukünftigen Verletzungen vorzubeugen, stärke die Muskeln und Bänder deiner Finger durch gezielte Übungen. Trage bei sportlichen Aktivitäten, die die Finger stark beanspruchen, geeignete Schutzmaßnahmen wie Fingerorthesen oder Schutzhandschuhe.
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