Demenz bei Katzen: Symptome, Behandlung und die schwierige Entscheidung zur Euthanasie

Die Diagnose Demenz bei einer geliebten Katze ist für viele Tierhalter ein Schock. Diese altersbedingte Erkrankung, auch bekannt als kognitive Dysfunktion, beeinträchtigt das Verhalten, die Orientierung und die Lebensqualität der Katze erheblich. Dies führt oft zu der schwierigen Frage, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, die Katze einzuschläfern, um ihr unnötiges Leiden zu ersparen.

Was ist Demenz bei Katzen?

Demenz bei Katzen ist eine neurologische Erkrankung, die vor allem ältere Katzen betrifft. Verschiedenen Studien zufolge seien gut zwei Drittel der Hunde zwischen 15 und 16 Jahren sowie etwa jede zweite Katze über 15 dement. Die tatsächlichen Zahlen könnten noch höher liegen, weil viele Fälle wegen mangelnder Aufklärung unerkannt blieben. Sie äußert sich durch den Verlust kognitiver Fähigkeiten und führt zu Verhaltensänderungen. Im Veterinärsjargon wird die Krankheit kognitive Dysfunktion genannt. Krankheitsverlauf und Symptome ähneln dem Gedächtnisschwund beim Menschen.

Typische Symptome der Demenz

Es gibt nicht das eine charakteristische Symptom für Katzendemenz. Bei jeder Katze verläuft die Krankheit anders. Manchmal ist es vielleicht nur ein Anzeichen, das Dich aufmerksam werden lässt, mal sind es mehrere zusammenkommende Situationen:

  • Orientierungslosigkeit: Die Katze scheint verwirrt oder findet sich in gewohnter Umgebung nicht mehr zurecht. Sie steht desorientiert in Ecken oder findet die richtige Seite der Tür nicht mehr. Dein Tier streift planlos umher. Sie findet ihre Trinkschüssel und ihren Fressnapf nicht mehr, kann Ausgänge aus Räumen nicht erkennen und macht insgesamt den Eindruck, nicht zu wissen, wohin sie überhaupt unterwegs ist. Sie peilt den Stuhl für ein gemütliches Schläfchen an, setzt zum Sprung an und verfehlt ihn knapp. Auch beim Klettern kann es zu solchen Unfällen kommen. Vielleicht verzichtet Deine Katze aber auf einmal auch freiwillig auf solche Manöver, obwohl sie früher gerne gesprungen und geklettert ist.
  • Verändertes Schlafverhalten: Nächtliches Miauen, Unruhe oder Schlaf am Tag. Dein Liebling verliert sein Zeitgefühl. Oder genauer gesagt ist sein „Zirkadianer Rhythmus“, also die Fähigkeit, die Tageszeit zu bestimmen, gestört. Die Folge ist, dass Deine Katze lang gewohnte Routinen in ihrem Tagesablauf vergisst, wie etwa zur Fütterung, zum Kuscheln oder zur Pflege, weil sie die Zeit nicht mehr abschätzen kann. Nah an diesen „Zeitverlust“ gekoppelt ist eine Störung der Schlaf- und Wachphasen, die zu veränderten Schlafgewohnheiten führt. Nachtaktive Katzen sind plötzlich am Tag unterwegs, während Katzen, die sich eigentlich an die Schlafenszeiten ihrer Besitzer gewöhnt haben, in ihr altes Muster zurückfallen und mitten in der Nacht aufwachen. Auch ein erhöhter Schlafbedarf ist möglich.
  • Verlust der Stubenreinheit: Häufige Missgeschicke außerhalb der Katzentoilette. Das Katzenklo wird verfehlt und manchmal gar nicht mehr gefunden. Deine Katze läuft suchend umher und macht dann doch woanders hin. Manchmal liegt sie in ihrem eigenen Urin oder Kot.
  • Ängstlichkeit oder Aggression: Unerklärliche Stimmungsschwankungen. Deine Katze versteckt sich angsterfüllt hinter dem Sofa, wenn das Telefon klingelt, auch wenn ihr das früher nichts ausgemacht hat? Das kann ein Anzeichen von Demenz sein. Beim Umgang mit gesunden Katzen reagiert Deine Katze neuerdings unbeholfen, extrem zurückhaltend oder aggressiv.
  • Rückzug: Die Katze wird apathisch oder vermeidet sozialen Kontakt. Deine Katze zieht sich aus sozialer Interaktion und sonstigen Aktivitäten zurück, schläft noch viel mehr als sonst und bewegt sich kaum noch. Womöglich starrt sie sogar für lange Zeit ins Leere. Auch auf Deine Ansprache reagiert sie gar nicht oder nur noch selten.
  • Exzessives Miauen: „Bei Katzen ist eine weitere Besonderheit, dass sie exzessiv miauen.“ Du wirst immer öfter von durchdringenden Schreien oder hilflosem Miauen, vorzugsweise in der Nacht, aufgeschreckt. Einen Grund dafür kannst Du nicht erkennen. Oft liegt dieser Grund aber in einer durch die Demenz ausgelösten Orientierungs- und Hilflosigkeit.
  • Vergesslichkeit: Von einem Tag auf den anderen hat die Katze Angst vor Deiner Nachbarin, die doch seit Jahren immer mal wieder bei Dir hereinschaut. Du hast das Gefühl, die Katze erkennt die nette alte Dame mit dem Thunfisch-Leckerli nicht einmal. Womöglich erkennt sie aber sogar Dich oder andere Familienmitglieder nicht mehr und behandelt sie wie Fremde. Auch erlernte Kommandos oder der eigene Name werden vergessen.
  • Abnehmendes Lernvermögen: Es fällt Deiner Katze ungemein schwer, neue Dinge oder Kommandos zu lernen. Auch von Veränderungen und neuen Situationen ist sie überfordert.
  • Ruhelosigkeit: Deine Katze kommt nur schwer zur Ruhe. Sie ist unruhig und nervös und läuft ständig durch die Gegend.
  • Nachlassende Fellpflege: Deine früher so reinliche Katze kümmert sich nicht mehr um sich und putzt ihr Fell deutlich seltener.
  • Appetitlosigkeit: Deine Katze vergisst zu Essen oder hat kaum noch Interesse an Futter und beginnt abzumagern.
  • Depression: Deine Katze scheint ihre Lebensfreude ein Stück weit verloren zu haben. Sie ist schwermütig und hat keine Lust mehr sich aufzuraffen, zu spielen oder auch nur aus dem Fenster zu schauen.

Diese Symptome treten oft schleichend auf und können das Leben der Katze sowie ihres Halters stark belasten.

Diagnose von Demenz bei Katzen

Wenn Sie eines oder mehrere der genannten Symptome bei Ihrer Katze bemerken, sollten Sie einen Tierarzt aufsuchen. Gerade im Alter sind viele Symptome auch organischen Ursprungs. Inkontinenz bei Katzen zum Beispiel kann durch eine schmerzhafte Blasenentzündung oder andere Ursachen verursacht werden und somit organischem Versagen zugeschrieben werden. Das kann so gut es geht vom Tierarzt behandelt werden.

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Um eine Diagnose zu stellen, muss der Tierarzt einige Untersuchungen vornehmen. Um andere Erkrankungen auszuschließen, wird der Tierarzt eine eingehende Anamnese erheben und eine gründliche körperliche Untersuchung durchführen. Weitere mögliche Untersuchungen sind außerdem eine Blutuntersuchung, eine Harnkontrolle und eine Ultraschalldiagnostik. Auch eine klinische neurologische Untersuchung ist möglich.

Behandlungsmöglichkeiten bei Demenz

Leider ist Demenz bei Katzen nicht heilbar. Die Therapie zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen. Es gibt jedoch Möglichkeiten, die Lebensqualität der Katze zu verbessern und ihr den Alltag zu erleichtern.

Medikamentöse Behandlung

Es gibt Mittel, die die Symptome der Demenz lindern können, z. B. Beruhigungsmittel oder spezielle Diäten. In der Regel empfiehlt der Veterinär spezifische medikamentöse Behandlungen und gleichzeitig einen neuen Futterplan mit angereicherter Nahrung. So ist es möglich, die Lebensqualität des kranken Tieres trotz kognitiver Dysfunktion zu verbessern.

Einige Tierärzte setzen auch Medikamente ein, die die Durchblutung des Gehirns fördern oder die Nervenzellen schützen sollen. Es gibt auch die Cortison Therapie. Diese hat bei uns wirklich klasse angeschlagen und sowohl Bauchschmerzen mit Erbrechen (es war blutiges Erbrechen) und Durchfall sind komplett weg. Sprich dies doch bei deinem TA einmal an - oder - lass deinen Kater noch bei einem anderen Arzt durchchecken.

Anpassung der Lebensumgebung

  • Klare Routinen: Feste Fütterungszeiten, Spielzeiten und Schlafenszeiten geben der Katze Sicherheit und Orientierung. Katzen mit Demenz benötigen feste tägliche Abläufe, um sich wohlzufühlen. Routine und regelmäßige Rituale sind das A und O. Etwa morgens vor der Arbeit Fummelbrettzeit, abends vor dem Schlafengehen Kuschelzeit und natürlich feste Fütterungszeiten. Auf diese Weise gibst Du Deiner dementen Katze Halt und überforderst sie nicht. Im Gegensatz zum Tagesablauf darf das Futter durchaus abwechslungsreich sein. Auf diese Weise führst Du dem Gehirn Deiner Katze weitere neue Reize zu.
  • Zusätzliche Katzentoiletten: Stellen Sie mehrere Katzentoiletten an gut erreichbaren Orten auf, um Unsauberkeit zu vermeiden. Stelle flache, gut zugängliche Katzenklos auf.
  • Ruhige Rückzugsorte: Bieten Sie der Katze einen sicheren und ruhigen Ort, an dem sie sich entspannen kann.
  • Seniorengerechte Anpassungen: Stelle flache, gut zugängliche Katzenklos auf. Auch die Liege- und Kuschelplätze sollten leicht erreichbar sein. Der hohe Einstieg ins Katzenklo kann durch niedrigere Modelle verbessert werden. Gleiches gilt für Schlafplätze, die mit einer guten Erreichbarkeit punkten sollten.
  • Beschränkung des Bewegungsradius: Je stärker die Symptome der Katze sind, desto gefährlicher kann die freie Raumeinteilung sein. Beschränkt ihren Bewegungsradius auf einen festen Raum, falls sich die Katze nicht mehr orientieren kann. Das Zimmer muss alle Elemente beinhalten, die die Katze im Alltag braucht (Kratzobjekte, Spielzeug, Schlafplatz, Wasser, Futter, Klo).
  • Sicherheit im Freien: Da bei einer dementen Katze akute Verletzungs- und Verlustgefahr besteht, sollte sie nun auch nicht mehr allein im Freien sein. Sichert euch durch die Kennzeichnung der Katze (beispielsweise durch einen Mikrochip) und die Registrierung auf einen Haustierportal (zum Beispiel TASSO oder FINDEFIX) gegen das Abhandenkommen ab.
  • Bewegungslichter: Stattet die Räumlichkeiten mit Bewegungslichtern aus.

Ernährung und Nahrungsergänzungsmittel

  • Spezielle Diäten: Es gibt spezielle Futtersorten für ältere Katzen, die die Gehirnfunktion unterstützen können.
  • Nahrungsergänzungsmittel: Einige Nahrungsergänzungsmittel, wie z. B. Omega-3-Fettsäuren oder Antioxidantien, können die Gehirnfunktion verbessern. Gib Deiner Katze Futter mit einem hohen Fettsäuregehalt. Dieser trägt zu einem gesunden Gehirn bei. Verabreiche ihr außerdem Nahrungsergänzungsmittel mit Antioxidantien und Omega-3-Fettsäuren. Diese erhalten das Hirn fit und können den Alterungsprozess verlangsamen.

Geistige und körperliche Stimulation

  • Gehirnjogging: Auch wenn Deine Katze spiel faul ist, versuche sie aus der Reserve zu locken. Besorge ihr ein leichtes Fummelbrett oder anderes, nicht zu anspruchsvolles Intelligenzspielzeug für Katzen. Auch Clickertraining kann zu super Ergebnissen führen. Rätsel sind einfach ein tolles Gehirntraining. Und Du kannst der Demenz, die den Geist langsam verkümmern lässt, etwas entgegensetzen.
  • Körperliche Aktivität: Sorgen Sie für regelmäßige, moderate Bewegung, um die Durchblutung des Gehirns zu fördern. Um Ihre Katze zu körperlicher Aktivität zu motivieren, können Sie sie zu kurzen Spieleinheiten motivieren. Alle Kratz-, Schlaf- und Kletterelemente sollten am oder knapp oberhalb des Bodens sein.

Homöopathie

Produkte aus der Homöopathie können bei Demenz bei Katzen unterstützend eingesetzt werden. Einige Nahrungsergänzungsmittel sind beispielsweise dazu im Stande, die Gehirnzellen zu schützen. Das heilt die Vergesslichkeit nicht! Es trägt aber dazu bei, dass die Krankheit weniger schnell voranschreitet.

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Umgang mit der Katze

  • Nähe und Geborgenheit: Sei für Deine Katze da. Ist Dein Tier dement, kann es sein, dass es sich immer weniger in ihrem Alltag zurechtfindet und damit in alltäglichen Situationen plötzlich unsicher ist. Das kann einem Katzentier natürlich große Angst machen. Versuche sie als ihre erste Bezugsperson zu beruhigen, lasse sie Deine Nähe spüren. Dann kann Dein Tier einen Weg aus seiner Angst finden. Schenkt der Katze Liebe, Verständnis und Gelassenheit.
  • Geduld und Verständnis: Seien Sie geduldig und verständnisvoll mit Ihrer Katze. Schimpfen Sie nicht mit ihr, wenn sie unsauber ist oder andere Verhaltensprobleme zeigt. Es ist ganz wichtig, dass Haustierbesitzer der kranken Samtpfote ein großes Plus an Verständnis einräumen. Ein verwirrtes und vergessliches Haustier sollte außerdem mit ganz viel Sicherheit und Geborgenheit umsorgt werden.
  • Grenzen akzeptieren: So wichtig es ist, Deine Katze nicht aufzugeben und sie geistig fit zu halten, so darfst Du sie auch nicht überfordern und unter Stress setzen. Akzeptiere es, wenn sie nicht toben und keine Streifzüge durch die Nachbarschaft mehr unternehmen will und gönne ihr auch Abstand und Schlaf, wenn sie ihn braucht.

Wann ist der Zeitpunkt für die Euthanasie gekommen?

Die Entscheidung, eine Katze mit Demenz einzuschläfern, ist eine der schwierigsten, die ein Tierhalter treffen muss. Es gibt keine einfache Antwort auf die Frage, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Es ist wichtig, die Lebensqualität der Katze sorgfältig zu beurteilen und die eigenen Grenzen zu berücksichtigen.

Kriterien zur Beurteilung der Lebensqualität

Der sogenannte HHHHHMM-Score kann helfen, die Situation zu beurteilen. Er bewertet:

  • Hunger
  • Hydration (Flüssigkeitsaufnahme)
  • Hygiene
  • Happiness (Glück)
  • Mobility (Beweglichkeit)
  • More Good Days than Bad Days (Mehr gute als schlechte Tage)

Erzielt die Katze in mehreren dieser Bereiche niedrige Werte, könnte das Einschläfern eine humane Option sein.

Tierärztlicher Rat

Ein erfahrener Tierarzt kann Ihnen helfen, den Zustand der Katze objektiv einzuschätzen. Besprechen Sie mit Ihrem Tierarzt, wie krank Ihre Katze ist, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt und wie die Aussichten einer Therapie sind. Überwiegen die Leiden beim Tier und gibt es keine sinnvolle therapeutische Option mehr, um Schmerzen und Beschwerden zu lindern?

Persönliche Überlegungen

Bei der Entscheidung für oder gegen die Euthanasie sollten Sie auch Ihre eigenen Möglichkeiten und Grenzen berücksichtigen. Können Sie die Katze weiterhin angemessen pflegen und versorgen? Sind Sie bereit, die emotionalen und finanziellen Belastungen zu tragen, die mit der Pflege einer dementen Katze verbunden sind? Immer wieder entzünden sich Diskussionen daran, ob finanzielle Gründe ein vernünftiger Grund für eine Euthanasie sein können.

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Der Ablauf der Euthanasie

Wenn der Entschluss zum Einschläfern gefasst ist, sollten Halter sich auf den Ablauf vorbereiten:

  • Besprechung mit dem Tierarzt: Klären Sie alle Fragen und teilen Sie Ihre Wünsche mit.
  • Vertraute Umgebung: Einige Tierärzte bieten an, die Katze zu Hause einzuschläfern, um ihr Stress zu ersparen. Das Tier darf in seiner gewohnten Umgebung einschlafen, wobei das „Eindringen“ des Tierarztes in das Territorium der Katze für sie mit Stress verbunden sein kann.
  • Abschied nehmen: Nutzen Sie die Zeit vor dem Termin, um sich emotional von Ihrer Katze zu verabschieden.

Das Einschläfern erfolgt in der Regel schmerzlos. Zunächst erhält die Katze eine Narkose, wie sie auch für Operationen verabreicht wird. Diese Narkose schaltet das Bewusstsein und das Schmerzempfinden aus. Sie wirkt schon nach sehr kurzer Zeit. Danach geben wir ein zweites Medikament, das sie sanft einschlafen lässt.

Was passiert nach dem Tod der Katze?

Tierhalter haben verschiedene Möglichkeiten, den Abschied von ihrem Liebling zu gestalten. Sie können Ihre Katze im eigenen Garten begraben oder die Katze nach dem Einschläfern beim Tierarzt lassen. Dort wird sie dann von der Tierkörperbeseitigung abgeholt und mit anderen toten Tieren und Schlachtabfällen entsorgt und weiterverarbeitet. Viele Tierärzte arbeiten aber auch mit einer Tierbestattung zusammen. Diese Bestattungsunternehmen holen verstorbene Tiere aus der Praxis ab und überführen sie in ein Tierkrematorium. Dort werden sie eingeäschert.

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