Epilepsie bei Katzen: Ursachen, Dauer und Behandlung

Jeder Katzenhalter wünscht sich ein langes und gesundes Leben für seine Samtpfote. Doch manchmal kommt es anders als erwartet, und Katzen können, wie Menschen, von verschiedenen Krankheiten betroffen sein. Epilepsie ist eine dieser Krankheiten, die zwar seltener bei Katzen als bei Hunden auftritt, aber dennoch zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen zählt. Typische Symptome sind wiederholte Krampfanfälle und Bewusstseinsveränderungen. Die Ursachen sind vielfältig, daher sind eine frühe Diagnose und Therapie wichtig, um Folgeschäden zu minimieren und der Katze trotz Epilepsie ein schönes Leben zu ermöglichen.

Was ist Epilepsie? - Blitz und Donner im Gehirn

Der Begriff Epilepsie stammt aus dem Griechischen und Lateinischen und bedeutet so viel wie Anfall oder Krampfanfall. Es handelt sich um ein Krankheitsbild, das durch das Auftreten mindestens eines krampfartigen Anfalls gekennzeichnet ist, dem kein erkennbarer Grund zugeordnet werden kann. Die Diagnose erfolgt in der Regel erst nach einem zweiten Anfall im Abstand von mindestens 24 Stunden.

Auslöser des Anfallsgeschehens ist eine plötzliche, synchrone Entladung von Nervenzellen im Gehirn, die zu ungewollten Bewegungen und Bewusstseinseintrübungen führt. Dies geschieht, wenn bestimmte Stoffe, die die Aktivität des Gehirns steuern, in ein Ungleichgewicht geraten und es zu einer zu großen Differenz zwischen Erregung und Hemmung kommt. Drei Stoffe steuern die Aktivität des Gehirns: Glutamat und Aspartat regen die Nervenzellen an, während Gamma-Aminobuttersäure (GABA) die Neuronen hemmt.

Ursachen von Epilepsie bei Katzen

Eine Epilepsie kann unterschiedliche Ursachen haben. Oft liegt eine genetische Veranlagung zugrunde, obwohl die Forschungslage bei Katzen hier noch dünn ist. Es ist jedoch bekannt, dass bestimmte Hunderassen eine stärkere genetische Disposition für Epilepsie zeigen. Auch Hirnschädigungen, die beispielsweise durch Tumore oder Traumata ausgelöst wurden, sowie unspezifische provozierende Faktoren können Epilepsien auslösen. Bei Katzen können bakterielle oder virale Infektionen wie Enzephalitis oder Meningitis, Tumorerkrankungen oder Verletzungen ursächlich für die erworbene Form der Erkrankung sein.

Man unterscheidet zwischen:

Lesen Sie auch: Ursachen und Risikofaktoren für Schlaganfälle bei Katzen

  • Idiopathische Epilepsie: Hierbei handelt es sich um eine angeborene Form, deren Ursachen bisher kaum erforscht sind. Bei der idiopathischen oder primären Epilepsie ist keine zugrundeliegende Ursache erkennbar, weshalb man von einer genetischen Veranlagung ausgeht.
  • Sekundäre Epilepsie: Diese Form wird durch andere Erkrankungen ausgelöst. Bei Katzen kann der Grund für eine Epilepsie sogar außerhalb des Gehirns liegen, dann spricht man von einer extrazerebralen Epilepsie. Erkrankungen der Niere oder der Leber sowie Diabetes mellitus oder eine Schilddrüsenüberfunktion können hier als Auslöser fungieren. Auch Vergiftungen, zum Beispiel durch Medikamente, lösen häufig Krampfanfälle aus.
  • Extrazerebrale Epilepsie: Hier liegt die Ursache außerhalb des Gehirns, beispielsweise bei Erkrankungen der Nieren, der Leber, bei Diabetes mellitus oder einer Schilddrüsenüberfunktion.

Fokale und generalisierte Anfälle

Bei einer Epilepsie unterscheidet man zwischen fokalen und generalisierten Anfällen:

  • Fokaler Anfall: Dieser ist zunächst innerhalb des Gehirns lokal begrenzt und beginnt in einer umschriebenen Region einer der beiden Hirnhälften. Ein einfacher fokaler Anfall äußert sich lediglich über das unkontrollierte Zucken einzelner Gliedmaßen, während ein komplexer fokaler Anfall auch immer eine Eintrübung oder Störung des Bewusstseins beinhaltet und sich als starke Verhaltensauffälligkeit zeigt.
  • Generalisierter Anfall: Hier lässt sich kein Hinweis auf eine anatomisch begrenzte Lokalisation finden, und der Anfall erstreckt sich von Beginn an auf beide Hirnhälften.

Sowohl ein fokaler als auch ein generalisierter Anfall können mit oder ohne Störungen der Bewegung und des Bewusstseins auftreten, und ein Anfall mit fokalem Beginn kann sich zu einem generalisierten Anfall ausweiten. Bei Haustieren findet man auch die weitere Klassifikation von einfachen und komplexen fokalen Anfällen mit und ohne sekundärer Generalisierung, die vereinfacht dargestellt Auskunft über die Intensität des Anfallgeschehens gibt.

Ablauf eines epileptischen Anfalls

Ein epileptischer Anfall verläuft in der Regel in drei Phasen:

  1. Prodromalphase: Einige Tage oder Stunden vor dem Anfall kann die Katze ein atypisches Verhalten zeigen und sehr nervös und unruhig wirken.

  2. Aura: Kurz vor dem Anfall kann die Katze ein verändertes Verhalten zeigen, z. B. besonders anhänglich oder scheinbar grundlos aggressiv werden. Eine Aura ist das Ergebnis einer epileptischen Aktivierung der Nervenzellen bestimmter Hirnareale, die dem eigentlichen Anfall vorangeht.

    Lesen Sie auch: Alles über Epilepsie bei Katzen

  3. Iktus (akute Phase): Während des Anfalls können folgende Symptome in unterschiedlicher Ausprägung auftreten:

    • Plötzliches Stolpern oder Stürzen
    • Tonische (angespannte) oder klonische (zuckende) Muskulatur
    • (Über-)Strecken von Gliedmaßen
    • Unkontrollierte Kaubewegungen und erhöhte Speichelproduktion (Salivation)
    • Lautes Miauen, Schwanzbeißen, willkürliches Herumrennen (oft bedingt durch Bewusstseinseintrübungen bzw. Halluzinationen)
    • Unkontrollierter Kot- und Urinabsatz
    • Glasiger Blick
    • Bewusstlosigkeit
    • Wesensveränderung
  4. Postiktale Phase: Nach dem Anfall dient diese Phase als Erholungs- bzw. Ruhephase, in der die meisten Katzen sehr müde sind und zumeist sehr viel schlafen.

Die Dauer eines epileptischen Anfalls kann sich auf einige wenige Sekunden beschränken oder über mehrere Minuten erstrecken. Die konkreten Symptome sind sehr individuell und variieren hinsichtlich ihrer Schwere von Katze zu Katze, sodass die eindeutige Identifizierung der Signale sich oft als schwierig erweist.

Wann ist ein Anfall ein Notfall?

Die meisten epileptischen Anfälle enden nach wenigen Sekunden oder Minuten und erfordern keine Nachbehandlung, oft zeigt sich das betroffene Tier in der Folge eines Anfalls jedoch erschöpft. Das bedeutet aber nicht, dass eine Epilepsie unbehandelt bleiben kann, da die Wahrscheinlichkeit, dass die Anfälle häufiger und schwerer werden, ohne entsprechende Behandlung enorm hoch ist. Zudem stellt ein akuter Anfall immer einen Notfall dar, da immer die Gefahr von Verletzungen oder Atemaussetzern besteht. Kommt es zu einer ganzen Reihe an Anfällen in kurzer Folge, ohne dass das Tier ausreichend Zeit zur Erholung hat, steigt die Gefahr irreversibler Hirnschäden und das Risiko eines tödlichen Verlaufs.

Es handelt sich um einen Notfall, der sofort in der Klinik vorgestellt werden muss, wenn:

Lesen Sie auch: Epilepsie bei Katzen verstehen: Ein umfassender Leitfaden

  • der Krampfanfall länger als 5 Minuten andauert (Status epilepticus)
  • mehr als 2 Anfälle innerhalb von 24 Stunden auftreten (Cluster/Serienanfälle)

Treten mehr als zwei Anfälle innerhalb von 24 Stunden auf, spricht man von einem Cluster- oder Serienanfall. Dieser kann dann schnell zu einem Status epilepticus werden, einem Anfall mit einer Dauer von mehr als fünf Minuten, der immer einen medizinischen Notfall darstellt.

Diagnose von Epilepsie bei Katzen

Die Diagnose einer Epilepsie wird ein Tierarzt erst stellen können, wenn auf den ersten Anfall ein zweiter folgt - vorher spricht man von einem Gelegenheitsanfall. Tatsächlich kann es bei einer Katze genauso wie beim Menschen passieren, dass ein epileptischer Anfall bzw. ein Gelegenheitsanfall ein isoliertes Ereignis bleibt und sich nie im Leben wiederholt.

Häufiger kommt es allerdings leider vor, dass ein Anfall kein singuläres Ereignis bleibt und sich weitere Anfälle anschließen. Die Diagnose und Behandlung einer Epilepsie ist u. a. wichtig, da das Gehirn sich nach und nach an die vermehrte Aktivität der Nervenzellen während eines Anfalls gewöhnt und die Anfälle in der Folge immer heftiger und länger werden können.

Besteht bei Ihrer Katze also der Verdacht auf eine Epilepsie, gilt es zuerst herauszufinden, ob eine vorhandene Grunderkrankung inner- oder außerhalb des Gehirns als Auslöser vorliegt. Dafür ist natürlich eine umfassende Untersuchung Ihrer Samtpfote notwendig. So kann z. B. eine Blutuntersuchung Aufschluss über eine Schilddrüsenüberfunktion oder eine Erkrankung der Leber oder der Nieren geben. Um Infektionen nachweisen bzw. ausschließen zu können, kann Flüssigkeit aus dem Rückenmark entnommen werden und bildgebende Verfahren wie z. B. ein Röntgenbild oder eine CT können helfen, Tumoren oder innere Verletzungen aufzuspüren. Erst im Anschluss kann festgestellt werden, ob Ihre Katze unter einer idiopathischen, sekundären oder extrazerebralen Epilepsie leidet und welche Therapie durchgeführt werden kann.

Für Ihren Tierarzt kann es übrigens für die Diagnose außerordentlich hilfreich sein, wenn Sie Ihre Katze während eines akuten Anfallgeschehens filmen!

Folgende Informationen sind hierbei wichtig für den Tierarzt:

  • An welchem Tag und zu welcher Uhrzeit kam es zum epileptischen Anfall?
  • Wie lange dauerten die Zuckungen bei der Katze?
  • Welche Symptome wurden während des Anfalls beobachtet?
  • Wie hat sich die Katze vor dem Krampfanfall verhalten?

Therapie - ist Epilepsie heilbar?

Eine idiopathische, also angeborene Epilepsie ist leider nicht heilbar! Eine entsprechende Medikamentengabe erhöht die Lebensqualität und in der Regel die Lebenserwartung Ihrer Samtpfote jedoch immens. Allerdings müssen die Medikamente ein Leben lang korrekt verabreicht werden und deren Dosierung durch eine regelmäßige Kontrolle beim Tierarzt immer wieder überprüft werden. Ziel ist es hierbei, das erneute Auftreten eines Anfalls zu verhindern oder zumindest deren Frequenz und Intensität deutlich zu reduzieren. Als Medikament wird oft Phenobarbital verordnet, das als Beruhigungs- und Schlafmittel gegen Krampfanfälle wirkt. Gerade zu Beginn der Therapie kann es sein, dass Ihre Katze sehr müde sein wird und viel schlafen wird. Bei Freigängerkatzen ist es im Übrigen empfehlenswert, der Fellnase in dieser Phase Stubenarrest zu erteilen und sie erst wieder in die Freiheit zu entlassen, wenn sie sich an das Medikament gewöhnt hat und sich die erwünschte Wirkung eingestellt hat.

Bei einer sekundären oder extrazerebralen Epilepsie korrespondieren die Heilungschancen der Epilepsie selbst mit denen der zugrunde liegenden Erkrankung bzw. Verletzung. Kann diese gut behandelt oder sogar komplett auskuriert werden, gilt das auch für die Epilepsie.

Zur Verfügung stehen in Deutschland Medikamente mit Wirkstoffen wie Phenobarbital und Diazepam, deren Dosierung individuell eingestellt werden muss.

Was tun während eines akuten Anfalls?

Zeuge eines epileptischen Anfalls zu sein, ist kein schönes Erlebnis! Zusätzlich sind Ihnen die Hände gebunden, da Sie eigentlich nichts tun können, um Ihrem tierischen Begleiter in dieser Situation wirklich zu helfen. Damit Sie nicht zu absoluter Untätigkeit gezwungen sind, haben wir Ihnen hier einige Tipps zusammengestellt, die es während der akuten Phase eines epileptischen Anfalls zu beachten gilt:

  • Ruhe bewahren: Auch wenn es Ihnen schwerfällt, es hilft Ihrer Katze nicht, wenn Sie nun in Panik verfallen. Bleiben Sie ruhig und behalten Sie die Uhr im Blick. Endet der Anfall nach wenigen Sekunden oder Minuten und wirkt Ihr Kätzchen danach wieder stabil, besteht vorerst kein Grund zur Sorge. Vereinbaren Sie einen Termin bei Ihrem Tierarzt, um der Ursache des Anfalls genauer auf den Grund zu gehen.
  • Dauert der Anfall länger als fünf Minuten, spricht man von einem Status epilepticus. Die Situation ist nun besorgniserregend. Bringe die Katze umgehend zum (Notfall-)Tierarzt. Dieser verabreicht als Akutmaßnahme in der Regel ein muskelentspannendes Mittel, gegebenenfalls eine Zuckerlösung und kontrolliert die Blutparameter.
  • Sichere Umgebung schaffen: Während eines akuten Anfalls gibt es leider nichts, was Sie für Ihre Samtpfote tun können - versuche nicht, sie anzufassen oder anders zu beruhigen, sondern sorge dafür, ihr ein möglichst verletzungsfreies Umfeld zu schaffen. Besteht z. B. die Gefahr eines Sturzes, hüllen Sie Ihre Katze vorsichtig in eine Decke und bringen Sie sie an einen sicheren Ort. Fassen Sie Ihre Samtpfote während eines Anfalls an, besteht die Möglichkeit, dass Sie sich selbst in Gefahr bringen, da Ihre Katze in dieser Situation keine Kontrolle über ihre Krallen hat. Aber auch Ihr Kätzchen kann sich verletzen, wenn Sie versuchen, sie festzuhalten.
  • Abstand halten: Die Katze kann ihre Bewegungen während des Anfalls nicht koordinieren. Es besteht das Risiko, dass sie beißt oder kratzt.
  • Äußere Reize reduzieren: Lärm und grelle Beleuchtung können zusätzlichen Stress beim Tier auslösen.
  • Dokumentieren: Um dem Tierarzt oder der Tierärztin möglichst konkret Auskunft über Dauer und Verlauf geben zu können, sollte der epileptische Anfall dokumentiert werden.

Leben mit Epilepsie

Das Leben mit einer Katze mit Epilepsie kann eine Herausforderung sein, da es sich um eine unheilbare Erkrankung handelt, die lebenslang therapiert werden muss. Zudem ist es für Patient und Besitzer jedes Mal eine Stresssituation, wenn Anfälle auftreten. Auch wenn es schwer fällt - bleiben Sie ruhig. Ihr Tier bekommt i. d. R. nichts von dem Anfall mit, da es nicht bei Bewusstsein ist.

Es ist am besten, Katzen mit Epilepsie nicht über längere Zeiträume ohne Aufsicht zu lassen.

Vorbeugung von Epilepsie bei Katzen

Wirklich verhindern lässt sich Epilepsie bei Katzen leider nicht. Ein Anfall kann, wie oben bereits erwähnt, auch "idiopathisch" sein. Was genetische Prädispositionen betrifft, so sollte man bei der Zucht und Anschaffung von Katzen darauf achten, dass die Elterntiere gesund und nicht durch Epilepsie belastet sind.

tags: #katze #epileptischer #anfall #30 #minuten