Nervenentzündung im Zeh: Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze

Eine Nervenentzündung im Zeh, oft als Morton Neuralgie bekannt, ist eine schmerzhafte Erkrankung, die durch die Verdickung einer Nervenhülle im Mittelfuß verursacht wird. Diese Erkrankung betrifft häufiger Frauen und manifestiert sich meist zwischen der dritten und vierten Zehe. Die resultierenden Schmerzen entstehen durch den Druck auf den Nerv.

Anatomie und Funktion des Fußes

Um die Nervenentzündung im Zeh besser zu verstehen, ist es hilfreich, die Anatomie des Fußes zu betrachten:

  1. Der Fuß besteht aus 28 Knochen, einschließlich der Sesambeine.
  2. Der Mittelfuß besteht aus 5 Mittelfußknochen.
  3. Die Zehen werden von der großen Zehe (1.) bis zur kleinen Zehe (5.) nummeriert.
  4. Die Mittelfußnerven, auch Interdigitalnerven genannt, verlaufen zwischen den Mittelfußknochen zur Fußsohle und zu den Zehenzwischenräumen.
  5. Die Mittelfußknochenköpfchen sind durch das Ligamentum intermetatarsale verbunden.
  6. Die Fußsohle dient als Fettpolster zur Stoßdämpfung.
  7. Die Plantaraponeurose (Plantarfaszie) stabilisiert das Längsgewölbe des Fußes und ermöglicht einen sicheren Stand.
  8. Der Fußrücken ist die Oberseite des Mittelfußes.
  9. Das Längs- und Quergewölbe des Fußes werden von Sehnen, Bändern und Muskeln gebildet.

Ursachen einer Nervenentzündung im Zeh (Morton Neuralgie)

Die Morton Neuralgie, benannt nach dem Chirurgen Thomas G. Morton, entsteht durch eine permanente Reizung der Nerven, die durch Kompression verursacht wird. Zu den Hauptursachen und Risikofaktoren gehören:

  • Spreizfuß: Eine häufige Fußfehlstellung, bei der das vordere Fußgewölbe durchtritt, was zu einer Verlagerung der Mittelfußknochen führt. Diese Verlagerung erhöht den Druck auf die Nerven an der Fußsohle.
  • Überlastung: Einseitige Belastungen, die zu hohen Spannungen in Muskeln und Faszien führen können.
  • Schuhwerk: Das Tragen von Schuhen mit hohen Absätzen oder zu engen Schuhen kann die Vorfußbelastung erhöhen und die Nerven komprimieren.
  • Bindegewebsschwäche: Eine angeborene oder erworbene Schwäche des Bindegewebes kann die Entstehung eines Spreizfußes begünstigen.
  • Entzündungen und Vernarbungen: Flüssigkeitseinlagerungen oder Vernarbungen nach einer Entzündung können ebenfalls Druck auf den Nerv ausüben.

Frauen sind etwa viermal häufiger betroffen als Männer, was oft auf das häufigere Tragen ungeeigneten Schuhwerks und das Auftreten von Spreizfüßen zurückzuführen ist.

Symptome einer Nervenentzündung im Zeh

Die Symptome einer Morton Neuralgie können vielfältig sein und variieren von Patient zu Patient. Typische Anzeichen sind:

Lesen Sie auch: Ursachen und Behandlung von Hautnervenentzündungen

  • Brennende oder stechende Schmerzen: Diese treten im Mittelfuß und in den Zehen auf und können plötzlich einschießend sein.
  • Missempfindungen: Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Fremdkörpergefühle in den Zehen.
  • Belastungsschmerzen: Die Schmerzen verschlimmern sich bei Belastung des Fußes.
  • Verbreiterung des Vorfußes: Der Fuß kann vorne breiter werden.
  • Schmerzen zwischen den Zehen: Am häufigsten zwischen der dritten und vierten Zehe, seltener zwischen der zweiten und dritten Zehe.

Die Beschwerden können sich im Laufe der Zeit verschlimmern und durch das Tragen von Schuhen verstärkt werden.

Diagnose einer Nervenentzündung im Zeh

Die Diagnose einer Morton Neuralgie umfasst mehrere Schritte:

  1. Anamnese: Der Arzt befragt den Patienten ausführlich zu seinen Beschwerden.
  2. Körperliche Untersuchung: Der Arzt prüft, ob ein Druckschmerz im Bereich der Mittelfußknochen ausgelöst werden kann und führt das Mulder-Zeichen durch. Dabei werden die Mittelfußköpfchen zusammengedrückt, was bei einer Morton Neuralgie oft ein Klicken oder Knacken verursacht.
  3. Bildgebende Verfahren:
    • Ultraschalluntersuchung: Kann eine Verdickung des Nervs zeigen.
    • Kernspinuntersuchung (MRT): Hilft, die Größe der Nervenschwellung zu bestimmen und andere Ursachen für die Schmerzen auszuschließen.
  4. Lokalanästhesie: Die Betäubung des schmerzenden Bereichs mit einer Spritze kann die Diagnose bestätigen, wenn die Schmerzen dadurch verschwinden.

Es ist wichtig, andere mögliche Ursachen für die Vorfußschmerzen auszuschließen, wie z.B. Stressfrakturen, Weichteiltumore, Warzen oder stoffwechselbedingte Erkrankungen wie den diabetischen Fuß oder Polyneuropathie.

Behandlung einer Nervenentzündung im Zeh

Das Ziel der Behandlung ist es, den Druck auf die Nerven zu verringern und die Schwellung des Morton Neuroms zu reduzieren. Es gibt sowohl konservative als auch operative Behandlungsmethoden.

Konservative Behandlung

Die konservative Behandlung steht im Vordergrund und umfasst:

Lesen Sie auch: Was Sie über Gesichtsnervenentzündung wissen sollten

  • Schuheinlagen: Orthopädische Einlagen, die das Fußlängsgewölbe und das Quergewölbe unterstützen, um den Druck auf die Nerven zu entlasten.
  • Geeignetes Schuhwerk: Weite Schuhe mit ausreichend Platz für die Zehen und Vermeidung von hohen Absätzen.
  • Physiotherapie und Fußgymnastik: Gezielte Übungen zur Stärkung der Fußmuskulatur und zur Verbesserung der Abrollbewegung. Dabei sollte auch die Wadenmuskulatur einbezogen werden.
  • Manuelle Therapie: Stoffwechselfördernde, detonisierende und schmerzlindernde Techniken zur Entlastung der Nerven.
  • Faszien-Rollmassage: Die Anwendung einer Mini-Faszienkugel an der Fußsohle kann helfen, Verklebungen zu lösen und die Durchblutung zu verbessern.
  • Dehnübungen: Regelmäßiges Dehnen der Fußsohle und der Wade, um Spannungen im Gewebe abzubauen.
  • Injektionen: Injektionen mit Schmerzmitteln oder Kortison können kurzfristig die Schmerzen lindern und die Entzündung reduzieren.

Operative Behandlung

Eine Operation wird nur in seltenen Fällen in Betracht gezogen, wenn die konservativen Maßnahmen nicht ausreichend helfen. Es gibt verschiedene operative Verfahren:

  • Neurolyse/Dekompression: Bei dieser nervenerhaltenden Operation wird das Band zwischen den Mittelfußknochen (Ligamentum intermetatarsale) geweitet, um dem Nerv mehr Raum zu verschaffen. In manchen Fällen wird zusätzlich eine minimalinvasive Osteotomie (Umstellung der Zehenknochen) durchgeführt.
  • Neurektomie: Die Entfernung des verdickten Nervengewebes (Morton Neurom) über einen Schnitt am Fußrücken. Dieses Verfahren wird jedoch zunehmend vermieden, da es zu Komplikationen wie Stumpfneuromen und einem Rezidiv der Morton Neuralgie führen kann.

Übungen zur Stärkung der Fußmuskulatur

Es gibt verschiedene Übungen, die helfen können, die Fußmuskulatur zu stärken und das Quergewölbe aufzurichten:

  • Zehenstand: Im Sitzen den Fuß auf den Außenrand kippen und mit einem Gymnastikband unter der Ferse fixieren. Den Fuß gegen den Widerstand des Bandes zum Boden drücken und wieder in die Ausgangsposition bringen.
  • Quergewölbe-Mobilisation: Im Sitzen oder auf einem Stuhl einen sanften Druck in der Mitte der Fußsohle ausüben.
  • Zehenballen-Übung: Im Sitzen oder Stehen den Groß- und Kleinzehenballen sanft um einen Ball modellieren, um das Quergewölbe aufzurichten.
  • Greifübung: Im Stand den betroffenen Fuß weit hinten platzieren und versuchen, einen kleinen Gegenstand vom Boden mit den Zehen aufzunehmen.

Diese Übungen sollten regelmäßig durchgeführt werden, um die Fußmuskulatur zu stärken und die Stabilität des Fußes zu verbessern.

Polyneuropathie als mögliche Ursache von Nervenschmerzen im Zeh

Es ist wichtig zu erwähnen, dass Nervenschmerzen im Zeh auch durch eine Polyneuropathie verursacht werden können. Die Polyneuropathie ist eine Erkrankung, bei der mehrere periphere Nerven geschädigt sind. Typische Symptome sind Kribbeln, Brennen und Taubheit, die anfangs an beiden Füßen und Beinen auftreten.

Ursachen und Diagnose der Polyneuropathie

Die Ursachen der Polyneuropathie können vielfältig sein, darunter:

Lesen Sie auch: Symptome und Diagnose

  • Diabetes mellitus: Schleichend über viele Jahre angegriffene Nerven durch erhöhte Blutzuckerwerte.
  • Alkoholmissbrauch: Chronischer Alkoholkonsum kann zu Nervenschäden führen.
  • Medikamente: Einige Medikamente können als Nebenwirkung eine Polyneuropathie verursachen.
  • Vitaminmangel: Insbesondere ein Mangel an Vitamin B12 kann Nervenschäden verursachen.
  • Weitere Erkrankungen: Nierenerkrankungen, Schilddrüsenerkrankungen, Autoimmunerkrankungen und Infektionen können ebenfalls eine Polyneuropathie auslösen.

Zur Diagnose der Polyneuropathie werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt:

  • Messung der Nervenleitgeschwindigkeit: Strom wird durch die Nervenbahnen geschickt, um die Funktion der Nerven zu überprüfen.
  • Vibrationsempfinden: Der Neurologe prüft das Vibrationsempfinden mit einer Stimmgabel.
  • Quantitative Sensorische Testung (QST): Durch verschiedene Gefühlstests an der Haut werden 13 Werte ermittelt, um zu erkennen, welche Nervenfasern geschädigt sind und wie stark die Schädigung fortgeschritten ist.
  • Thermode: Computergesteuerte Temperaturreize werden eingesetzt, um das Temperaturempfinden exakt zu messen.
  • Nerven-Muskel-Biopsie: Eine Gewebeprobe aus dem Schienbein wird entnommen und feingeweblich untersucht, um die Ursache der Polyneuropathie zu finden.
  • Hautbiopsie: Bei Verdacht auf eine Small-Fiber-Neuropathie wird eine Gewebeprobe aus der Haut unter dem Mikroskop untersucht.

Behandlung der Polyneuropathie

Die Behandlung der Polyneuropathie richtet sich nach der Ursache der Erkrankung:

  • Diabetes mellitus: Optimierung der Blutzuckerwerte, wobei eine sanfte Senkung des HbA1c-Wertes angestrebt wird.
  • Alkoholmissbrauch: Abstinenz.
  • Medikamente: Wechsel der Präparate.
  • Schmerzbekämpfung: Antidepressiva, Antikonvulsiva (Medikamente gegen Krampfanfälle) und Capsaicin-Pflaster können zur Schmerzlinderung eingesetzt werden.
  • Elektrotherapie (TENS): Stimulation der Nerven durch Impulse, um Schmerzen zu reduzieren.
  • Gleichgewichtstraining: Physiotherapie zur Verbesserung der Gangsicherheit.
  • Akupunktur: Gezielte Reize zur Belebung der Nerven.

Es ist wichtig, die Therapien dauerhaft durchzuführen, da eine Pause den Behandlungserfolg beeinträchtigen kann.

tags: #nervenentzundung #zeh #symptome