Elektromyographie (EMG) in der Parkinson-Diagnostik: Ein umfassender Überblick

Einführung

Die Elektromyographie (EMG) ist eine wichtige diagnostische Methode in der Neurologie, die zur Beurteilung des Funktionszustands von Muskeln und Nerven eingesetzt wird. Obwohl die EMG nicht direkt zur Diagnose von Parkinson eingesetzt wird, kann sie in der Differentialdiagnostik und zur Beurteilung von Begleiterscheinungen hilfreich sein. Dieser Artikel beleuchtet die Rolle der EMG im Kontext der Parkinson-Diagnostik und -Behandlung.

Grundlagen der Elektromyographie (EMG)

Was ist eine EMG?

Eine Elektromyographie (EMG) ist eine elektrophysiologische Untersuchungsmethode, bei der die elektrische Aktivität von Muskelfasern gemessen und als Elektromyogramm aufgezeichnet wird. Anhand der Art und Intensität der Aktivität kann der Arzt Rückschlüsse auf den Ursprung und das Ausmaß einer Erkrankung ziehen. Die EMG dient dazu, den Funktionszustand der Muskeln zu messen und auszuwerten.

Das periphere und zentrale Nervensystem

Um die Bedeutung der EMG zu verstehen, ist es wichtig, zwischen dem zentralen und peripheren Nervensystem zu unterscheiden. Das zentrale Nervensystem (ZNS) umfasst das Gehirn und das Rückenmark, während das periphere Nervensystem (PNS) die Nervenstrukturen außerhalb des Rückenmarks umfasst, die sich in Arme und Beine verzweigen.

NLG und EMG: Funktionsweise und Aufgaben

Schädigungen oder Störungen im Nervensystem äußern sich oft in Symptomen wie Muskelschwäche, Sensibilitätsstörungen und/oder Schmerzen. Hier kommen die Methoden NLG (Nervenleitgeschwindigkeitsmessung) und EMG (Elektromyographie) ins Spiel. Sie helfen herauszufinden, ob und wo genau der Nerv gestört wird, ob sogenannte "Lähmungspotenziale" vorliegen oder ob z.B.

Bei der NLG-Messung werden Stromimpulse über die Nerven geleitet und die jeweilige Antwort gemessen. Die EMG hingegen misst die elektrische Aktivität der Muskeln selbst.

Lesen Sie auch: Parkinson-Medikamente: Was Sie beachten müssen

Ablauf einer EMG-Untersuchung

Bei der Elektromyografie wird die elektrische Aktivität von Muskelfasern gemessen und als Elektromyogramm aufgezeichnet. Die Untersuchung selbst dauert nur wenige Minuten. Zunächst wird der Muskel in entspanntem Zustand untersucht, um eventuelle spontane Aktivitäten zu erfassen. Danach wird der Muskel leicht angespannt, um einzelne motorische Einheiten zu untersuchen. Dabei wird besonders auf die Größe und Form einzelner Einheiten geachtet.

Die Untersuchung kann mit Klebeelektroden auf der Haut oder mit Nadelelektroden im Muskel durchgeführt werden. Nur die Anwendung von Nadelelektroden liefert meist die notwendigen Informationen. Durch die Elektrode werden elektrische Signale des Muskels erfasst, die mit Hilfe des Computers ausgewertet werden. Leider ist diese Untersuchung teilweise technisch bedingt schmerzhaft. Eine einfache Betäubung ist nicht möglich, weil hierdurch das Ergebnis verfälscht wird. Die Untersuchung wird in einem ruhigen Raum im Liegen durchgeführt. Alle Untersuchungsschritte werden im Detail vorab erklärt. Die EMG-Untersuchungen können nur nach einem Vorgespräch mit eingehender Aufklärung erfolgen.

Vorbereitung auf die EMG

Da es sehr wichtig ist, die Untersuchung auf den richtigen Nerv und die richtige Stelle zu konzentrieren, werden Ihnen vor der Behandlung einige wenige gezielte Fragen gestellt. Seien Sie bitte nicht irritiert, wenn hierbei gegebenenfalls nur einzelne Aspekte Ihrer Erkrankung von Interesse sind. Sie können sich schon ein wenig vorbereiten, indem Sie sich vor dem Arztbesuch überlegen, ob Ihre Beschwerden eine Muskelschwäche oder eine Sensibilitätstörung sind, wo genau sie am Körper bestehen, ob sie sich in Ruhe, morgens oder bei bestimmten Bewegungen/Belastungen verschlimmern und seit wann genau sie bestehen.

Kontraindikationen

Die EMG-Untersuchung sollte nicht durchgeführt werden, wenn stark gerinnungshemmende Mittel eingenommen werden, wie zum Beispiel Marcumar oder andere Antikoagulanzien, um Blutungen im Muskel zu vermeiden.

EMG in der Diagnostik neurologischer Erkrankungen

Einsatzgebiete des EMG

Folgende Fragestellungen sind klassische Beispiele im Hinblick auf die EMG-Untersuchung:

Lesen Sie auch: Die Stadien der Parkinson-Krankheit erklärt

  • Nervenschäden: Mithilfe der EMG-Untersuchung lässt sich überprüfen, ob Nervenschäden vorliegen. Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, gibt die EMG ebenfalls Informationen über die Schwere der Schädigung. Diese Informationen sind elementar für die Beurteilung der nächsten Schritte. Ist eine Operation sinnvoll oder sogar notwendig? Welche Behandlungsmethode passt zu den vorliegenden Fakten? Wie sind die Heilungschancen zu beurteilen?
  • Neuropathie oder Myopathie: Häufig ist unklar, in welchem Teil die Problematik liegt. Im Falle einer Neuropathie liegt die Störung auf der Seite der Nerven, sodass es zu einer Kraftminderung kommt. Im Falle der Myopathie liegt die Ursache in den Veränderungen der Muskeln. Bei der Myopathie handelt es sich um eine Erkrankung der Muskeln. Damit der Arzt eine zuverlässige und eindeutige Diagnose stellen kann, ist die EMG als diagnostisches Verfahren unabdingbar.
  • Polyneuropathien: Polyneuropathien richten Schäden im gesamten Nervensystem an und verursachen unter anderem Taubheitsgefühl, Kribbeln und andere Missempfindungen. Auch die Polyneuropathie lässt sich über das EMG-Verfahren eindeutig diagnostizieren.
  • Einschätzung der Heilungschancen: Mithilfe der EMG lässt sich ebenfalls beurteilen, inwieweit der Nerv geschädigt oder zerstört ist. Anhand dieser Informationen lassen sich die Chancen auf eine erfolgreiche Regeneration der Nerven genau einschätzen.

EMG bei Rückenschmerzen

Bei einem Patienten mit Rückenschmerzen tritt eine Schwäche im Bein auf. Ein MRT der Lendenwirbelsäule zeigt einen leichten Bandscheibenvorfall. Nur mit dem EMG kann geklärt werden, ob die Nervenwurzel schon geschädigt ist, also sollte operiert werden, um weitere Schäden zu vermeiden. Sind schon Zeichen der Erholung erkennbar und es kann abgewartet werden mit der Operation?

Weitere Anwendungen

Auch bei erektiler Dysfunktion ("Potenzstörung") sind ebenfalls Nerven beteiligt, so dass auch mögliche neurologische Ursachen in der Abklärung und Behandlung eine Rolle spielen.

Die Rolle der EMG in der Parkinson-Diagnostik

Differentialdiagnostik

Obwohl die EMG nicht zur primären Diagnosestellung von Parkinson verwendet wird, kann sie in der Differentialdiagnostik hilfreich sein, um andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen auszuschließen. Parkinson ist eine chronische Nervenerkrankung, die nicht heilbar ist. Wichtig ist eine passgenaue Therapie, die das Augenmerk auf Ihre speziellen und aktuellen Bedürfnisse richtet.

Ausschluss symptomatischer Ursachen

Computertomographie des Schädels (Schädel-CT, craniale CT bzw. cCT) oder craniale Magnetresonanztomographie (cMRT) - sollte mindestens einmal im Rahmen der Diagnostik zum Ausschluss symptomatischer Ursachen bei der Diagnosestellung eines Parkinson-Syndrom durchgeführt werden (Expertenkonsens).

Weitere diagnostische Verfahren bei Parkinson

Zur klinisch-neurologischen Überprüfung der Diagnose und zur Therapiekontrolle soll der Patient nach drei Monaten und danach nach klinischem Bedarf, aber mindestens einmal im Jahr untersucht werden. Fakultative Medizingerätediagnostik - in Abhängigkeit von den Ergebnissen der Anamnese, körperlichen Untersuchung, Labordiagnostik und obligaten Medizingerätediagnostik - zur differentialdiagnostischen Abklärung bzw. Magnetresonanztomographie des Schädels (Schädel-MRT, craniale MRT bzw. Fluordesoxyglucose Positronen-Emissions-Tomographie (FDG-PET; Verfahren der Nuklearmedizin, mit dem die Erstellung von Schnittbildern lebender Organismen durch die Visualisierung der Verteilungsmuster schwach radioaktiver Substanzen ermöglicht wird) - kann in gut begründeten Fällen zur bestmöglichen differentialdiagnostischen Zuordnung des Parkinson-Syndroms, insbesondere zur Abgrenzung atypischer neurodegenerativer Parkinson-Syndrome, erfolgen. Daneben gibt es noch weitere spezielle Untersuchungsformen wie Sphinkter-EMG (Untersuchung der Innervation, d. h.

Lesen Sie auch: Überblick zur Dopamin-Erhöhung bei Parkinson

Abgrenzung von atypischen Parkinson-Syndromen

In gut begründeten Fällen kann eine Fluordesoxyglucose Positronen-Emissions-Tomographie (FDG-PET) zur bestmöglichen differentialdiagnostischen Zuordnung des Parkinson-Syndroms, insbesondere zur Abgrenzung atypischer neurodegenerativer Parkinson-Syndrome, erfolgen.

Bedeutung der klinischen Untersuchung

Zur klinisch-neurologischen Überprüfung der Diagnose und zur Therapiekontrolle soll der Patient nach drei Monaten und danach nach klinischem Bedarf, aber mindestens einmal im Jahr untersucht werden.

Therapie und Behandlung von Parkinson

Medikamentöse Behandlung

Die wichtigsten Medikamente zur Behandlung eines Parkinsonsyndroms sind die Dopamin-Ersatzstoffe (DOPA-Präparate, COMT-Hemmer, MAO-B-Hemmer und Dopaminagonisten). Eine durch erfahrene und spezialisierte Neurologinnen und Neurologen austarierte Einstellung kann eine spürbare Reduzierung der Symptome erreichen. Allerdings kann es im Verlauf einer langjährigen Dopamin-Einnahme zu Wirkungsschwankungen kommen, die sich zum Beispiel in überschießenden Bewegungen oder Bewegungsunfähigkeit zeigen.

Apomorphin-Pumpentherapie

Die Apomorphin-Pumpentherapie hilft, die Symptome bei fortgeschrittenem Parkinson zu mildern. Die Apomorphin-Pumpe funktioniert ähnlich wie eine Insulinpumpe für Diabetiker: Sie führt dem Körper kontinuierlich den Dopamin-Ersatzstoff Apomorphin zu. Das geschieht über eine sehr kleine Nadel, die einmal am Tag an die Haut gelegt wird. Für die Dosisfindungs- und Umstellungsphase ist ein stationärer Aufenthalt nötig.

Aktivierende Therapien

Die Parkinsonbehandlung besteht für die meisten Betroffenen aus den zwei Bausteinen medikamentöse Behandlung und aktivierende Therapien. Dazu zählen beispielsweise die Physiotherapie und die Logopädie. Hinzu kommen bei bestimmten Problemen im Langzeitverlauf, wie raschen Wirkungsschwankungen der Medikamente und überschießenden Bewegungen, geräteunterstützte Therapien, wie die tiefe Hirnstimulation („Hirnschrittmacher“), und Medikamentenpumpen für Dopaminersatzstoffe.

Therapieziele

Gemeinsam mit Ihnen und Ihren Angehörigen stimmt unser ärztliches und therapeutisches Personal zu Beginn einer Behandlung die für Sie entscheidenden und in Ihrer jeweiligen Krankheitsphase im Vordergrund stehenden Behandlungsziele ab.

Einsatz von Spielekonsolen

Spielekonsolen und Computerspiele galten bisher als reine Freizeitbeschäftigung. Dabei können sie auch als therapeutische Hilfe eingesetzt werden. Die virtuelle und vernetzte Welt kann Beeinträchtigungen, wie verminderte Schrittlänge, langsames Gehtempo, Sturzgefahr und Freezing, durch akustische und visuelle Signale regulieren. Aufmerksamkeit, Konzentration und Motivation werden durch das digitale Spiel besonders angesprochen. Nintendo Wii zum Beispiel ist bei leicht betroffenen Patientinnen und Patienten gut einsetzbar, da es nicht primär mit der Krankheit assoziiert wird. Der Lerneffekt wird durch den Spaß am Spiel noch unterstützt. Wenn jede Bewegung beschwerlicher wird, die Schritte immer kleiner werden, die Motorik nicht mehr will, dann ist es schwer, für Bewegung zu begeistern.

Weitere elektrophysiologische Untersuchungsmethoden

Elektroenzephalografie (EEG)

Bei einer Elektroenzephalografie (EEG) wird die bioelektrische Tätigkeit des Gehirns aufgezeichnet. Dies erfolgt mittels Oberflächenelektroden, die mit einer Haube auf die Kopfhaut angebracht werden. Die Messungen können in Ruhe und nach Provokationsmaßnahmen (verstärktes Atmen, nach Schlafentzug, Flackerlicht) erfolgen. Eine EEG findet unter anderem Anwendung zur Diagnostik von Funktionsstörungen des Gehirns (z. B.

Evozierte Potentiale (EP)

Bei der Ableitung von Evozierten Potentialen (EP) werden nach entsprechender Reizung der motorischen, sensiblen oder sensorischen Nerven an unterschiedlichen Ableitpunkten die entstehenden Reizantworten gemessen. Entsprechend der Reizqualität unterscheidet man visuell evozierte Potentiale (VEP), akustisch evozierte Potentiale (AEP), somatosensibel evozierte Potentiale (SEP) und motorisch evozierte Potentiale (MEP). Diese Methoden finden insbesondere Anwendung in der Diagnostik von Erkrankungen des zentralen Nervensystems, wie z. B.

Elektroneurografie (ENG)

Bei der Elektroneurografie (ENG) wird die elektrische Leitfähigkeit von sensiblen, motorischen, autonomen und gemischten Nerven bestimmt. Hierbei werden nach einer elektrischen Reizung mittels auf der Haut oder über den Muskeln aufgeklebter Elektroden verschiedene Messwerte (wie Nervenleitgeschwindigkeit, Amplituden) bestimmt. In dieser Diagnostik werden Reaktionen der sogenannten Vitalparameter (Blutdruck, Puls, Hautreaktion) unter bestimmten Bedingungen aufgezeichnet und ausgewertet. Die Untersuchung kann Auskunft über eine Mitbeteiligung des sog.

tags: #emg #bei #parkinson