Narkose bei Katzen mit Epilepsie: Ein umfassender Leitfaden

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die sowohl Menschen als auch Tiere, einschließlich Katzen, betrifft. Sie ist durch wiederholte Anfälle gekennzeichnet, die durch abnorme elektrische Aktivitäten im Gehirn verursacht werden. Die Anästhesie bei Katzen mit Epilepsie erfordert besondere Aufmerksamkeit, da einige Anästhetika und Begleitmedikationen das Risiko von Anfällen erhöhen können. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Anästhesie bei Katzen mit Epilepsie, einschließlich der Prämedikation, der Auswahl der Anästhetika, der Überwachung und der postoperativen Versorgung.

Einführung

Die Durchführung einer komplikationslosen Narkose bei Katzen mit Epilepsie erfordert ein Verständnis der spezifischen Herausforderungen, die diese Erkrankung mit sich bringt. Epileptische Anfälle treten häufig während des Übergangs vom Wachzustand zum Schlaf auf, was die Anästhesie zu einer potenziell riskanten Situation macht. Viele anästhesierelevante Medikamente wurden mit krampfartigen Ereignissen in Verbindung gebracht, was die Auswahl geeigneter Medikamente für diese Patienten erschwert.

Was ist Epilepsie bei Katzen?

Epilepsie ist eine chronische neurologische Erkrankung, die durch wiederholte Anfälle gekennzeichnet ist. Ein Anfall ist eine plötzliche, unkontrollierte elektrische Entladung im Gehirn, die zu einer Vielzahl von Symptomen führen kann, darunter:

  • Starren ins Leere
  • Verhaltensänderungen
  • Erweiterte Pupillen
  • Auskratzen der Krallen
  • Fauchen
  • Unkontrolliertes Jagen oder Verharren
  • Zuckungen einzelner Körperteile
  • Fliegenschnappen
  • Zwanghaftes im Kreis laufen
  • Generalisierte Krämpfe
  • Kieferschlagen
  • Harn- und Kotabsatz
  • Speicheln
  • Massive Zuckungen der Gliedmaßen und Muskulatur

Die Anfälle können unterschiedlich häufig auftreten, von mehrmals täglich bis zu mehreren Monaten oder Jahren.

Ursachen von Epilepsie bei Katzen

Es gibt zwei Haupttypen von Epilepsie bei Katzen:

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  • Idiopathische Epilepsie: Diese Form der Epilepsie hat keine erkennbare Ursache und wird vermutlich durch eine genetische Veranlagung verursacht. Sie tritt häufig in jungen Jahren auf.
  • Symptomatische Epilepsie: Diese Form der Epilepsie wird durch eine zugrunde liegende Erkrankung verursacht, wie z. B.:
    • Gehirntumore
    • Gehirninfektionen (z. B. FIP, Leukose)
    • Trauma
    • Stoffwechselstörungen (z. B. Lebererkrankungen, Nierenerkrankungen)
    • Vergiftungen
    • Hormonelle Imbalancen

Präanästhetische Beurteilung

Vor der Anästhesie einer Katze mit Epilepsie ist eine gründliche präanästhetische Beurteilung unerlässlich. Diese Beurteilung sollte Folgendes umfassen:

  • Anamnese: Erhebung der vollständigen Anamnese der Katze, einschließlich der Anfallsfrequenz, der Art der Anfälle, der verwendeten Medikamente und aller Begleiterkrankungen.
  • Körperliche Untersuchung: Durchführung einer gründlichen körperlichen Untersuchung, um den allgemeinen Gesundheitszustand der Katze zu beurteilen.
  • Diagnostische Tests: Durchführung geeigneter diagnostischer Tests, wie z. B. Blutuntersuchungen (einschließlich Leberfunktionstests und Ammoniakspiegel), Urinanalyse und neurologische Untersuchungen, um die Ursache der Epilepsie zu ermitteln und Begleiterkrankungen auszuschließen. In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie CT oder MRT erforderlich sein, um strukturelle Anomalien im Gehirn auszuschließen.
  • EEG (Elektroenzephalogramm): In einigen Fällen kann ein EEG durchgeführt werden, um die elektrische Aktivität im Gehirn zu überwachen und epileptiforme Muster zu identifizieren.

Auswahl der Anästhetika

Die Auswahl der Anästhetika für Katzen mit Epilepsie erfordert eine sorgfältige Abwägung der potenziellen Auswirkungen auf die Anfallsaktivität. Einige Anästhetika können das Risiko von Anfällen erhöhen, während andere als relativ sicher gelten.

Anästhetika, die vermieden werden sollten

  • Ketamin: Ketamin ist ein dissoziatives Anästhetikum, das bekanntermaßen das Risiko von Anfällen erhöht. Es sollte bei Katzen mit Epilepsie vermieden werden.
  • Acepromazin: Acepromazin ist ein Phenothiazin-Tranquilizer, der die Anfallsschwelle senken kann. Es sollte bei Katzen mit Epilepsie mit Vorsicht angewendet werden.
  • Alpha-2-Agonisten (z. B. Xylazin, Dexmedetomidin): Obwohl Alpha-2-Agonisten eine sedierende und analgetische Wirkung haben, können sie in einigen Fällen die Anfallsschwelle senken. Sie sollten bei Katzen mit Epilepsie mit Vorsicht angewendet werden.

Sichere Anästhetika

  • Propofol: Propofol ist ein intravenöses Anästhetikum, das als relativ sicher für Katzen mit Epilepsie gilt. Es hat eine kurze Wirkdauer und ermöglicht eine schnelle Erholung. Studien haben gezeigt, dass Propofol die EEG-Aktivität unterdrücken kann und keine paroxysmale Aktivität hervorruft.
  • Inhalationsanästhetika (z. B. Isofluran, Sevofluran): Inhalationsanästhetika gelten ebenfalls als relativ sicher für Katzen mit Epilepsie. Sie ermöglichen eine gute Kontrolle der Anästhesietiefe und werden schnell aus dem Körper ausgeschieden.
  • Opioide (z. B. Buprenorphin, Methadon): Opioide sind Analgetika, die in Kombination mit anderen Anästhetika verwendet werden können. Sie haben keine direkten Auswirkungen auf die Anfallsschwelle und gelten als sicher für Katzen mit Epilepsie.
  • Benzodiazepine (z. B. Diazepam, Midazolam): Benzodiazepine sind Antikonvulsiva, die zur Behandlung von akuten Anfällen eingesetzt werden können. Sie können auch als Prämedikation verwendet werden, um das Risiko von Anfällen während der Anästhesie zu verringern.

Prämedikation

Die Prämedikation bei Katzen mit Epilepsie sollte darauf abzielen, Angstzustände zu reduzieren, die Anfallsschwelle zu erhöhen und eine reibungslose Einleitung der Anästhesie zu ermöglichen. Geeignete Prämedikationen können Folgendes umfassen:

  • Benzodiazepine (z. B. Diazepam, Midazolam): Benzodiazepine haben eine antikonvulsive Wirkung und können helfen, das Risiko von Anfällen während der Anästhesie zu verringern.
  • Phenobarbital: Phenobarbital ist ein Barbiturat, das häufig zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt wird. Es kann auch als Prämedikation verwendet werden, um die Anfallsschwelle zu erhöhen.
  • Gabapentin: Gabapentin ist ein Antikonvulsivum, das auch zur Behandlung von neuropathischen Schmerzen eingesetzt wird. Es kann als Prämedikation verwendet werden, um Angstzustände zu reduzieren und die Anfallsschwelle zu erhöhen.

Anästhesieeinleitung und -erhaltung

Die Anästhesieeinleitung sollte sanft und stressfrei erfolgen. Propofol ist ein geeignetes Medikament zur Anästhesieeinleitung bei Katzen mit Epilepsie. Die Anästhesie kann mit Inhalationsanästhetika wie Isofluran oder Sevofluran aufrechterhalten werden.

Überwachung

Während der Anästhesie ist eine kontinuierliche Überwachung der Katze unerlässlich. Zu den wichtigen Überwachungsparametern gehören:

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  • EKG: Überwachung der Herzfrequenz und des Herzrhythmus.
  • Blutdruck: Überwachung des Blutdrucks, um eine ausreichende Gewebeperfusion sicherzustellen.
  • Sauerstoffsättigung: Überwachung der Sauerstoffsättigung, um eine ausreichende Sauerstoffversorgung sicherzustellen.
  • Kapnographie: Überwachung des Kohlendioxidgehalts in der Ausatemluft, um die Beatmung zu beurteilen.
  • Körpertemperatur: Überwachung der Körpertemperatur, um Hypothermie oder Hyperthermie zu vermeiden.
  • EEG (Elektroenzephalogramm): In einigen Fällen kann ein EEG durchgeführt werden, um die elektrische Aktivität im Gehirn während der Anästhesie zu überwachen.

Postoperative Versorgung

Nach der Operation ist eine sorgfältige postoperative Versorgung unerlässlich. Die Katze sollte engmaschig auf Anzeichen von Anfällen überwacht werden. Schmerzmittel sollten nach Bedarf verabreicht werden. Die Medikamente gegen Epilepsie sollten wie gewohnt weiter verabreicht werden.

Homöopathische und alternative Therapien

Einige Tierbesitzer ziehen homöopathische oder alternative Therapien zur Behandlung von Epilepsie bei Katzen in Betracht. Es ist wichtig zu beachten, dass die Wirksamkeit dieser Therapien nicht wissenschaftlich belegt ist. Wenn Sie homöopathische oder alternative Therapien in Betracht ziehen, sollten Sie dies mit Ihrem Tierarzt besprechen. Einige häufig verwendete homöopathische Mittel sind:

  • Carduus Marianus D6 und Lycopodium D6: Zur Unterstützung der Stoffwechselfunktion des Gehirns und der Leber.
  • Causticum D30: Für sensible Tiere.

Es ist wichtig, laute Geräusche, Lichtblitze und grelles Licht zu vermeiden, da diese Anfälle verstärken können.

Fallbeispiel

Eine 9-jährige Britisch-Kurzhaar-Katze namens Peterle leidet seit einem Jahr an Anfällen. Die Anamnese ergab, dass Peterle in der Vergangenheit mit minderwertigen Fischprodukten gefüttert wurde, was zu einem Thiaminmangel geführt haben könnte. Die Behandlung umfasste eine Futterumstellung, die Verabreichung von Schüssler-Salzen und eine homöopathische Therapie. Nach der Behandlung zeigte Peterle eine deutliche Verbesserung seines Zustands, einschließlich einer Zunahme der Aktivität und des Appetits.

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