Ecstasy: Wirkung und Risiken an der Synapse

Ecstasy, oft als "E"s, Pillen oder Teile bezeichnet, ist eine synthetische Droge, die in der Rave-Szene und darüber hinaus weit verbreitet ist. Der Hauptwirkstoff ist MDMA (3,4-Methylendioxy-N-methylamphetamin), ein Amphetamin-Abkömmling. Dieser Artikel beleuchtet die Wirkungsweise von Ecstasy, insbesondere im Hinblick auf die Synapse, sowie die damit verbundenen Risiken und Langzeitfolgen.

Historischer Hintergrund

Die Geschichte von MDMA reicht bis ins frühe 20. Jahrhundert zurück. Obwohl Fritz Haber bereits 1891 im Zuge seiner Doktorarbeit MDMA synthetisiert haben könnte, konnte dies nicht bestätigt werden. Der Chemiker Anton Köllisch synthetisierte die Verbindung 1912 bei der Firma Merck. Am 24. Dezember 1912 reichte die Firma Merck dazu das Patent ein, das am 16. Mai 1914 als Deutsches Reichspatent No. erhielt. MDMA war ein Zwischenprodukt auf der Suche nach einem Hydrastinin-Analogon, diese wurden damals als „Hämostatika“ (blutstillend - gefäßzusammenziehend) bezeichnet. Aus MDMA (als Synthese-Zwischenprodukt) resultierte dann das Merck-Präparat Methylhydrastinin. Die Behauptung, MDMA sei als Appetitzügler entwickelt worden, ist unzutreffend.

In den 1960er-Jahren rückte der Chemiker Alexander Shulgin MDMA in das öffentliche Interesse, indem er es aufgrund seiner empathogenen und entaktogenen Wirkung als Hilfsmittel in der Psychotherapie empfahl. Er nannte MDMA „window“ - ein Fenster zur Psyche. MDMA wurde in den nachfolgenden Jahren von einigen Psychotherapeuten in ihrer Praxis benutzt bis zum Verbot durch die Drug Enforcement Administration (DEA) im Juli 1985. Bis Mitte der 1980er-Jahre war MDMA uneingeschränkt verkehrsfähig. Die Verwendung als Rauschdroge (recreational drug) wurde zuerst in einigen trendigen Yuppiebars in Dallas beobachtet, es kam dann in die schwule Tanzszene und schließlich in die Raveclubs. Parallel zur wachsenden Popularität der Ravekultur wuchs seine Verbreitung in den 1990er-Jahren stark an und MDMA durchdrang weite Bereiche der Gesellschaft. Heutzutage gehört es neben Cannabis, Kokain und Amphetamin (inklusive Methamphetamin) zu den meistverbreiteten illegalen Drogen.

Formen und Inhaltsstoffe

Ecstasy wird üblicherweise in Tablettenform angeboten, die in der Szene oft als "E"s, Pillen, Teile, Murmeln, Runde, Dinger bezeichnet werden. Die Einnahme wird als einschmeißen, einbauen, einklinken, einwerfen oder flackn bezeichnet. Als Erkennungszeichen weisen die Tabletten unterschiedliche Farben und Prägungen auf. Je nach Abbildung werden spezifische Tabletten auch als Mitsubishi, Yin-Yang, Armani, Cherry, Herzchen, Sterne usw. bezeichnet. Unter Einfluss stehende Personen werden im Szenejargon als drauf, druff, dicht, verstrahlt, verballert, verscheppert oder verpeilt bezeichnet. Die Preise für eine Ecstasytablette liegen üblicherweise bei drei bis zehn Euro - der Konsum von Ecstasy ist meist billiger als Alkoholkonsum. Weit seltener kann reines MDMA in kristalliner Form erworben werden, wobei die Preise zwischen 20 und 50 Euro pro Gramm liegen.

Neben MDMA können Ecstasy-Tabletten eine Reihe weiterer psychoaktiver Amphetamine enthalten, beispielsweise MDE, BDB, MBDB, das schwach halluzinogene MDA, das halluzinogene 2C-B oder das gefährliche PMA. Es ist wichtig, Ecstasy von "Bio-Ecstasy" oder "Herbal Ecstasy" zu unterscheiden, das zumeist aus einer Mischung aus Guarana, Koffein, Ephedra und anderen Stoffen besteht und eine legal erhältliche Droge ist (in Deutschland nur noch eingeschränkt; Ephedra ist beispielsweise seit einigen Jahren auch verboten), mit leicht aufputschender Wirkung, vergleichbar mit der von Energydrinks. Ebenfalls von MDMA deutlich zu unterscheiden ist das sogenannte Liquid Ecstasy, das auch als Fantasy bekannt ist und aus GHB (Gammahydroxybuttersäure) besteht.

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Als Grundstoff für die Synthese von MDMA dient meist Piperonal. Ein möglicher Syntheseweg ist in PIHKAL beschrieben: Piperonal wird mit Nitroethan in einer Kondensationsreaktion zu 1-(3,4-Methylendioxyphenyl)-2-nitropropen umgesetzt. Dieses wird (mittels elektrolytischem Eisen und Essigsäure) zu Piperonylmethylketon hydriert. Die Umsetzung dieser Verbindung mit Methylamin und gleichzeitiger Hydrierung (mittels amalgamiertem Aluminium und Wasser) in einem Arbeitsschritt ergibt das Endprodukt MDMA.

Wirkung von MDMA an der Synapse

MDMA, insbesondere Dextro-MDMA, wirkt im Zentralnervensystem als Releaser (Ausschütter) der endogenen Monoamin-Transmitter Serotonin und Noradrenalin, und mit etwas schwächerer Wirkung auch Dopamin, was zu einem unüblich erhöhten Spiegel dieser Botenstoffe im Gehirn führt. Diese Transmitter prägen entscheidend die Stimmungslage des Menschen.

Serotonin, Dopamin und Noradrenalin

MDMA bewirkt, dass der Neurotransmitter Serotonin verstärkt ausgeschüttet wird. Das Serotonin wird dabei aus den Speichern der Nervenendigungen (Vesikel) in den so genannten präsynaptischen Spalt freigesetzt. Nach der Signalübertragung wird Serotonin normalerweise wieder sofort in seine Speicher aufgenommen, doch Ecstasy hemmt gleichzeitig das Enzym, welches die Wiederaufnahme fördert. Es ist somit besonders viel Serotonin lange im synaptischen Spalt verfügbar. Die „Gegenstelle“, d. h. die Nervenzelle, die das Serotoninsignal empfängt, feuert besonders intensiv.

Die Freisetzung dieser Neurotransmitter führt zu den typischen Wirkungen von Ecstasy:

  • Euphorie: Erhöhtes Glücksgefühl und allgemeines Wohlbefinden.
  • Empathie und Entaktogenese: Steigerung der Fähigkeit zur ungezwungenen Kontaktaufnahme mit anderen Menschen, stärkeres Empfinden von Empathie und Liebe, sowie die Fähigkeit zum Verständnis der eigenen inneren Gefühle.
  • Gesteigertes Mitteilungsbedürfnis: Der Konsumierende verspürt das Bedürfnis, sich mitzuteilen und Kontakte zu knüpfen.
  • Energiesteigerung: Erhöhte körperliche Leistungsbereitschaft, was besonders in der Raveszene, durch die das Tanzerlebnis verstärkt wird, zur Geltung kommt.

Pharmakokinetik

MDMA durchdringt leicht die Blut-Hirn-Schranke und flutet etwa 30 Minuten nach der Einnahme ins zentrale Nervensystem. Die übliche Dosis liegt bei etwa 80 bis 150 Milligramm. Etwa 30 bis 45 Minuten nach der Einnahme von MDMA setzt die Wirkung ein.

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Toleranzentwicklung

Studien haben gezeigt, dass es bei häufigem Ecstasykonsum schnell zu einer Toleranzentwicklung kommt. Berichten zufolge erhöhen manche Konsumentinnen und Konsumenten ihre Ecstasydosis teilweise auf mehr als 20 Pillen bei einer Konsumgelegenheit.

Risiken und Nebenwirkungen

Der Konsum von MDMA ist mit einer Reihe von Risiken und Nebenwirkungen verbunden, die sowohl kurz- als auch langfristig auftreten können. "Set & Setting" - die eigene "mitgebrachte" Stimmungslage sowie die Atmosphäre der Umgebung - färben das subjektive Erleben der MDMA-Wirkung.

Kurzfristige Risiken

  • Erhöhung von Puls und Blutdruck: Tachykardie (erhöhter Puls) und arterielle Hypertonie (erhöhter Blutdruck) sind häufige Begleiterscheinungen.
  • Hyperthermie: Die Körpertemperatur kann bis zu 42 °C ansteigen, was durch exzessive körperliche Verausgabung (Tanzen) und zu geringe Flüssigkeitszufuhr begünstigt wird.
  • Unerwünschte Nebenwirkungen: Erektions- und Orgasmusstörungen, Abschwächung des Geschmackssinns und Kitzeln unter der Haut.
  • Weitere negative Folgen: Muskelkrämpfe (insbesondere in der Kaumuskulatur), Nystagmus (Muskelzuckungen, Augenzittern), gesteigerte Sehnenreflexe, Brechreiz, Bewusstseinstrübung, depressive Phasen, innere Kälte, schwere Kreislaufstörungen, starkes Schwitzen.
  • Todesfälle: Todesfälle nach MDMA-Konsum sind bekannt.
  • Überhitzung: MDMA wirkt entwässernd und temperatursteigernd. Wildes Tanzen verstärkt dann den Effekt der Überhitzung, und der Konsument nimmt die Warnsignale des Körpers nicht richtig oder zumindest abgeschwächt wahr. Die Körpertemperatur kann auf gefährliche 40 bis 42 °C steigen, was schlimmstenfalls zu Organversagen und in Konsequenz zu Koma oder sogar Tod führen kann.

Langzeitfolgen

  • Come-Down: Die meisten Konsumenten erfahren nach dem Trip ein sogenanntes Come-Down (auch als "Feierdepris" [Depression] bekannt), das mehrere Tage anhalten kann. Dies ist vor allem auf generelle Erschöpfung und akute Entleerung der Serotoninspeicher im Gehirn zurückzuführen.
  • Schädigung der Serotonin-Neuronen: Aus Tierversuchen ist bekannt, dass chronische Gaben höherer MDMA-Dosen zu pathologischen Veränderungen an Serotonin-Neuronen führen. Die Zelldegeneration ist teilweise reversibel, es wird aber weniger Zellgewebe nachgebildet als zerstört und dessen Qualität weicht von der ursprünglichen ab.
  • Neuronale Schäden: Die degenerative Wirkung auf das Hirngewebe kann durch mehrere parallele Mechanismen verursacht sein. So können Abbauprodukte des MDMA zellgiftige Eigenschaften haben. Des Weiteren kann es durch Aufnahme von Dopamin in Serotoninzellen zur Fehlmetabolisierung des Dopamins kommen, die zur Bildung des zellgiftigen 6-Hydroxydopamin führt.
  • Defizite der Merkfähigkeit und Lernleistung: Mehrere, gezielt auf Gedächtnisleistungen fokussierende Studien deckten bei Ecstasy-Konsumenten relative Defizite der mittelfristigen Merkfähigkeit und Lernleistung in Abhängigkeit vom Ausmaß des Konsums auf.
  • Gedächtnisstörungen, Depressionen und psychotische Episoden: MDMA schädigt die Zellen, es kann zu Gedächtnisstörungen, Depressionen und psychotischen Episoden führen, durch exzessive körperliche Aktivität zu Flüssigkeits- und Elektrolytverlusten, durch letzteres zu epileptischen Anfällen und Herzrhythmusstörungen, auch mit Todesfolge.
  • Beeinträchtigung des Arbeits- und des mittelfristigen Gedächtnisses sowie der psychomotorischen Geschwindigkeit: Auch die neuropsychologischen Untersuchungen bestätigten eine Beeinträchtigung des Arbeits- und des mittelfristigen Gedächtnisses sowie der psychomotorischen Geschwindigkeit.

Risikogruppen

Menschen mit Herzschwäche, Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Epilepsie und Grünem Star sind gegenüber der Wirkung besonders disponiert.

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Gewisse Wechselwirkungen mit Medikamenten stellen ein besonderes hohes Gesundheitsrisiko dar. Patienten, die den Protease-Inhibitor Ritonavir (Handelsname Norvir®) verordnet bekommen haben, müssen eindringlich vor dem Gebrauch von MDMA und anderen Amphetaminderivaten wie MDE und MBDB gewarnt werden. Das Gleiche gilt für Patienten, die den Reverse-Transcriptase-Inhibitor Delavirdin (Handelsname Rescriptor®) einnehmen müssen. MDMA wird im Körper über das Enzym Monoaminooxidase (MAO) abgebaut. Einige psychotherapeutische Medikamente enthalten sogenannte MAO-Hemmer. Starke Schmerzmittel wie Tramadol (Opioid-Analgetika) wirken ebenfalls auf den Haushalt von Serotonin und Noradrenalin.

Verunreinigungen und Fälschungen

Unabhängig von Fälschungen ist auch bei Tabletten, die MDMA enthalten, die genaue Zusammensetzung und damit auch Dosierung meist nur dem Hersteller selbst bekannt. Oftmals werden den Tabletten Amphetamine zur vermeintlichen Verstärkung der Wirkung zugesetzt. Eine mögliche, lebensgefährliche Beimischung ist dabei PMA. Auch Strychnin wurde in ganz seltenen Fällen Mitte der 1990er Jahre in Ecstasytabletten nachgewiesen. In jüngerer Zeit tauchte meta-Chlorphenylpiperazin (m-CPP) auf, ein 5-HT2C-Agonist, der unangenehme Wirkungen wie zB. Angstgefühle hervorruft.

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Abhängigkeitspotenzial

MDMA hat ein gewisses psychisches Abhängigkeitspotenzial. Allerdings entwickelt sich im Unterschied zu Alkohol, Cannabis, Kokain oder Opiaten in solchen Fällen nur äußerst selten ein täglicher Konsum der Droge, was mit dem Wirkspektrum der Droge in Verbindung gebracht werden kann. Häufiger entwickelt sich eine Abhängigkeit in direktem Zusammenhang mit dem üblichen Setting, in dem die Droge genommen wird - also Technoparty-Umfelder - etwa, wenn die Wochenenden bereits donnerstags beginnen und erst montags wieder enden und sich die Person in dieser Zeit im Partyambiente "fallenlässt" bzw. Bei regelmäßigem wochenendlichen Konsum "vegetiert" der Konsument oftmals nur noch über die Woche hin, erledigt seine Arbeit und blüht erst am Wochenende unter Ecstasykonsum wieder auf. Die Zeit zwischen den Konsumen ist von Antriebslosigkeit, Lustlosigkeit und oft auch depressiven Phasen gekennzeichnet. In aller Regel werden dabei auch andere Drogen konsumiert, vor allem Amphetamine, Cannabis und Alkohol.

Prävention und Hilfsangebote

Um den Umlauf von Ecstasy-Fälschungen einzudämmen werden in verschiedenen Ländern, jedoch derzeit nicht in Deutschland, Drug-Checking-Programme durchgeführt und Pillenwarnungen herausgegeben. Solche Pillenwarnungen werden in Deutschland vor allem von Szeneorganisationen im Internet veröffentlicht. Als Gegenmittel bei Angstzuständen und Krämpfen hilft Diazepam (Markenname Valium®) in niedriger Dosierung, bei Herzrasen darf keine Gabe von Sympathomimetika oder Betablocker erfolgen. Ansonsten sollten zuerst die "Hausmittel" ausgeschöpft werden: Die betroffene Person an die frische Luft bringen, viel Flüssigkeit verabreichen, wenn möglich Elektrolyte, (Trauben-)Zucker, Vitamin-B-Komplexe (Bierhefe) geben sowie eine Beruhigung durch persönliche Zuwendung erreichen.

Vor allem Haus- sowie Kinder- und Jugendärzte seien bei Diagnostik und Prävention gefragt. Sie sollten Eltern und Kinder über die möglichen Gefahren von Ecstasy informieren und Konsumenten gegebenenfalls zu einem Psychotherapeuten überweisen. „Dringend notwendig sind spezielle Hilfsangebote für Ecstasy-Konsumenten“, betont Thomasius. Denn mit Junkies wollen sie nicht verglichen werden. Deshalb nehmen sie auch deren Hilfsangebote nicht an.

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