Ecstasy: Auswirkungen auf das Gehirn und potenzielle Langzeitfolgen

Ecstasy, oft als "Partydroge" verharmlost, birgt erhebliche Risiken für das Gehirn und die psychische Gesundheit. Dieser Artikel beleuchtet die Wirkungsweise von Ecstasy, die potenziellen Schäden und die langfristigen Konsequenzen des Konsums.

Einführung

Stimulanzien wie Speed oder Ecstasy werden vor allem in der Partyszene konsumiert. Intensiver Konsum diese Substanzen könnte jedoch dauerhafte Hirnveränderungen nach sich ziehen. Ecstasy, chemisch verwandt mit Amphetaminen und mit dem Hauptwirkstoff MDMA (3,4-Methylendioxymethylamphetamin), ist bekannt für seine euphorisierenden und bewusstseinsverändernden Effekte. MDMA sorgt im Körper für die Ausschüttung von Serotonin, Noradrenalin und Dopamin aus den Nervenzellendigungen. Gleichzeitig blockiert es die Wiederaufnahme von Botenstoffen und reduziert die für die Wiederaufnahme wichtigen Strukturen. Es wird oft als Mittel verwendet, um nächtelang im Club zu feiern oder auf Raves zu tanzen. Die Droge täuscht über das Schlafbedürfnis hinweg und mindert die Distanz zu anderen Menschen. Die synthetische Droge „Ecstasy“ scheint einer neuen Studie zufolge eine hohe neurotoxische Wirkung zu besitzen.

Wie Ecstasy im Gehirn wirkt

MDMA, der Hauptwirkstoff von Ecstasy, durchdringt leicht die Blut-Hirn-Schranke und flutet etwa 30 Minuten nach der Einnahme ins zentrale Nervensystem. Ecstasy bewirkt, dass der Botenstoff Serotonin verstärkt ausgeschüttet wird. Das Serotonin wird dabei aus den Speichern der Nervenendigungen (Vesikel) in den so genannten präsynaptischen Spalt frei gesetzt. Nach der Signalübertragung wird Serotonin normalerweise wieder sofort in seine Speicher aufgenommen, doch Ecstasy hemmt gleichzeitig das Enzym, welches die Wiederaufnahme fördert. Es ist somit besonders viel Serotonin lange im synaptischen Spalt verfügbar. Die „Gegenstelle“, d. h. die Nervenzelle, die das Serotoninsignal empfängt, feuert besonders intensiv. MDMA setzt dort Serotonin in exzessiven Konzentrationen im synaptischen Spalt frei und hemmt dessen Wiederaufnahme. Dabei kann es lange dauern, bis die Synapsen wieder gefüllt sind. In der Zwischenzeit zerstören wahrscheinlich Metaboliten des MDMA-Abbaus die Axone serotonerger Nerven. Noch ist allerdings der Mechanismus der Neurodegeneration nicht eindeutig geklärt.

Dieser Mechanismus führt zu den kurzfristigen Wirkungen von Ecstasy:

  • Euphorie und gesteigertes Selbstvertrauen: Die erhöhte Serotoninkonzentration erzeugt ein Gefühl von Glück und Wohlbefinden.
  • Intensivierung von Emotionen: Ecstasy wirkt als Entaktogen, wodurch eigene Emotionen intensiver wahrgenommen werden.
  • Gesteigerte körperliche Leistungsfähigkeit: Noradrenalin und Dopamin tragen zu erhöhter Energie und Ausdauer bei.
  • Verminderte Wahrnehmung von Körpersignalen: Hunger, Durst, Müdigkeit und Schmerzen werden unterdrückt.

Studien zu den Auswirkungen von Ecstasy auf das Gehirn

Mehrere Studien haben die Auswirkungen von Ecstasy auf das Gehirn untersucht. Eine Studie der Universität Köln und des Max-Planck-Instituts für neurologische Forschung untersuchte die Auswirkungen des Konsums von Amphetaminen und Ecstasy auf das Hirngewebe. Hierzu wurden 62 Personen, die entweder Speed- oder Ecstasyerfahrung aufwiesen, mit Hilfe der Magnetresonanztomographie (MRT) durchleuchtet. Dabei handelt es sich um ein diagnostisches Verfahren, mit dem Volumen und Struktur des menschlichen Gehirns genau im Bild dargestellt werden können.

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Die Ergebnisse der MRT-Untersuchung zeigten, dass Versuchspersonen mit ausgiebiger Konsumerfahrung an bestimmten Stellen der vorderen Hirnrinde, dem so genannten präfrontalen Kortex, deutlich weniger graue Substanz aufwiesen als Mitglieder der beiden anderen Versuchsgruppen. Graue Substanz besteht hauptsächlich aus Nervenzellen und spielt daher im Gehirn eine zentrale Rolle. Keine Unterschiede zeigten sich dagegen zwischen den niedrig Konsumierenden und den Versuchspersonen ohne Drogenerfahrung.

Eine weitere Studie unter der Leitung von Privatdozent Dr. Rainer Thomasius aus der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) untersuchte 107 "Ecstasy"-Konsumenten und 52 Probanden in zwei Kontrollgruppen über einen Zeitraum von 21 Monaten. Die Arbeitsgruppe um Thomasius untersuchte hingegen über einen Zeitraum von 21 Monaten 107 polytoxikomane Ecstasykonsumenten und 52 Kontrollgruppenprobanden, von denen 41 ein polytoxikomanes Konsumverhalten zeigten, ohne jedoch Ecstasy zu nehmen. Angesprochen hatten die Untersucher die Teilnehmer direkt auf Techno-Veranstaltungen und in Diskotheken. Die Ergebnisse zeigten, dass das Ausmaß an drogeninduzierten psychischen Störungen bei Ecstasykonsumenten außerordentlich hoch ist.

Mögliche Schäden und Langzeitfolgen

Nach dem gegenwärtigen Stand der Forschung schädigt Ecstasy langfristig genau diese Struktur, über die es akut wirkt. Die beobachteten Schäden am präfrontalen Kortex haben womöglich auch konkrete Auswirkungen auf das alltägliche Leben. In ihrem Fachartikel weisen Daumann und sein Team daraufhin, dass der präfrontale Kortex eine besondere Rolle bei der Steuerung von Handlungen und in der Entscheidungsfindung spielt. Frühere Studien hätten bereits zeigen können, dass Konsumentinnen und Konsumenten in Labortests oftmals schlechtere Entscheidungen fällten als abstinente Personen. Zudem würden sie Probleme bei der Impulskontrolle haben: Konsumentinnen und Konsumenten reagieren impulsiver und haben deutlich stärkere Probleme, ihre unmittelbaren Wünsche zurückzustecken, auch wenn deren Erfüllung mit negativen Konsequenzen verbunden sind.

Zu den potenziellen Langzeitfolgen des Ecstasy-Konsums gehören:

  • Psychische Störungen: Mehr als ein Viertel der "Ecstasy"-Konsumenten wies in den vergangenen zwölf Monaten mindestens eine durch so genannte psychotrope Substanzen bedingte psychotische Störung auf. Drogeninduzierte Restzustände, wie kognitive Störungen, affektive Zustandsbilder, Nachhallzustände sowie Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen, diagnostizierten die Wissenschaftler bei 68 Prozent der Ecstasykonsumenten.
  • Gedächtnisprobleme: Ein amnestisches Syndrom, gekennzeichnet durch Kurzzeitgedächtnisstörungen, diagnostizierte Thomasius bei 37 Prozent der Ecstasy-Konsumenten (100 bis 499 Tabletten). In der Gruppe der exzessiven Konsumenten (500 bis 2 500 Tabletten) waren sogar 60 Prozent davon betroffen, hingegen nur acht Prozent der Drogenkonsumenten, die kein Ecstasy nehmen. Auch die neuropsychologischen Untersuchungen bestätigten eine Beeinträchtigung des Arbeits- und des mittelfristigen Gedächtnisses sowie der psychomotorischen Geschwindigkeit. Eine Studie hat beispielsweise aufgezeigt, dass Ecstasykonsumierende beim Einkaufen einer zuvor festgelegten Liste von Produkten schlechter abschneiden als Nicht-Konsumierende: Beim Erreichen des Geschäfts hatten sie ein Viertel mehr Dinge vergessen als die Probanden der Kontrollgruppe.
  • Depressionen und Angststörungen: Wegen der gesteigerten Offenheit und Sensibilität unter der Wirkung von MDMA wurde es kurzfristig psychotherapeutisch verwendet; in der Schweiz bis 1994. MDMA kann psychisch abhängig machen. Die Gefahr einer körperlichen Abhängigkeit ist dagegen vergleichsweise gering, wohl auch, weil es nur selten täglich eingenommen wird. Lässt die Wirkung nach, folgen eine allgemeine Erschöpfung und bisweilen auch depressive Phasen von mehreren Tagen Dauer - der so genannte Ecstasy-​Kater. Ursache hierfür sind die entleerten Serotoninspeicher im Gehirn.
  • Persönlichkeitsveränderungen: Thomasius fand zudem signifikante persönlichkeitsstrukturelle Entwicklungs- und Identitätsstörungen bei schweren Ecstasy-Konsumenten. Dabei seien Paranoidität, Mangel an Selbstwahrnehmung sowie an Freundschaften und sozialer Unterstützung besonders häufig gewesen.

Körperliche Risiken und Gefahren

Neben den Auswirkungen auf das Gehirn birgt Ecstasy auch erhebliche körperliche Risiken:

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  • Überhitzung (Hyperthermie): MDMA kann die Körpertemperatur auch im Ruhezustand stark erhöhen, was zu einem Hitzschlag und Organversagen führen kann.
  • Flüssigkeitsmangel und Elektrolytstörungen: Ecstasy dämpft die Wahrnehmung von Durst und erhöht gleichzeitig den Flüssigkeitsbedarf, was zu Dehydration und gefährlichen Elektrolytverschiebungen führen kann.
  • Herz-Kreislauf-Probleme: Herzfrequenz und Blutdruck steigen unter Ecstasy-Einfluss, was besonders für Menschen mit Vorerkrankungen gefährlich sein kann.
  • Leber- und Nierenschäden: In seltenen Fällen kann Ecstasy zu akutem Leberversagen oder Nierenversagen führen.
  • Verfälschungen: Oft werden Ecstasy-Pillen mit günstigen Zusatzstoffen gestreckt, die bisweilen giftig sein können. Die Zusammensetzung der Wirkstoffe in einer Tablette kann stark schwanken. Meist enthält Ecstasy zusätzlich Koffein, Speed oder Ephedrin. Auch Ketamin und Metaamphetamine fanden Forscherinnen und Forscher bereits in der Droge.

Prävention und Hilfe

Angesichts der erheblichen Risiken ist Prävention von entscheidender Bedeutung. Vor allem Haus- sowie Kinder- und Jugendärzte seien bei Diagnostik und Prävention gefragt. Sie sollten Eltern und Kinder über die möglichen Gefahren von Ecstasy informieren und Konsumenten gegebenenfalls zu einem Psychotherapeuten überweisen. „Dringend notwendig sind spezielle Hilfsangebote für Ecstasy-Konsumenten“, betont Thomasius. Denn mit Junkies wollen sie nicht verglichen werden. Deshalb nehmen sie auch deren Hilfsangebote nicht an. Bedarf besteht: Die Bundesregierung geht davon aus, dass es in Deutschland etwa 500 000 Konsumenten gibt.

Für Betroffene und Angehörige gibt es verschiedene Anlaufstellen:

  • Suchtberatungsstellen: Hier erhalten Konsumenten und Angehörige Informationen über Therapiemöglichkeiten und können offen über ihre Probleme sprechen.
  • Psychotherapeuten: Eine kognitive Verhaltenstherapie kann helfen, mit Suchtdruck und inneren Konflikten umzugehen.
  • Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen kann eine wertvolle Unterstützung sein.
  • Sucht- und Drogen-Hotline: Unter der Telefonnummer (01805) 313 031 ist rund um die Uhr eine telefonische Beratung möglich.

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