Katzengesundheit: Ein umfassender Leitfaden zu Nervenkrankheiten und Kastration

Katzen sind beliebte Haustiere, aber wie alle Lebewesen können sie von verschiedenen Gesundheitsproblemen betroffen sein. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Nervenkrankheiten (insbesondere Ataxie) und die Kastration bei Katzen, um Katzenbesitzern zu helfen, informierte Entscheidungen zu treffen und das Wohlbefinden ihrer Katzen zu gewährleisten.

Besonderheiten bei der Haltung einer behinderten Katze

Viele Menschen zögern, einer behinderten Katze ein Zuhause zu geben, da sie unsicher sind, ob sie den besonderen Bedürfnissen gerecht werden können. Eine behinderte Katze benötigt in der Regel mehr Aufmerksamkeit, Zeit und finanzielle Mittel. Es ist wichtig, sich vor der Adoption einer behinderten Katze zu überlegen, ob man diesen Anforderungen gerecht werden kann.

Umgang mit verschiedenen Arten von Behinderungen

  • Blinde Katzen: Blinde Katzen können sich gut an ihre Umgebung anpassen, wenn die Möbel nicht ständig umgestellt werden. Sie benötigen weiterhin Kletter-, Spiel- und Schlafmöglichkeiten. Ein Mehrkatzenhaushalt kann von Vorteil sein, da sich blinde Katzen gerne an gesunden Artgenossen orientieren. Futter- und Wasserstellen, Katzentoilette, Lieblingsschlafplatz und Kratzbaum sollten immer am gleichen Ort stehen. Fenster, Türen, Balkon und Garten müssen gut gesichert sein.
  • Taube Katzen: Taube Katzen benötigen ebenfalls mehr Aufmerksamkeit, da sie isolierter leben. Es ist wichtig, eine andere Kommunikationsmethode zu finden, z. B. Rituale, Gestiken und Mimiken. Auch taube Katzen sollten in der Wohnung gehalten werden und benötigen einen gesicherten Bereich.
  • Katzen mit fehlenden Gliedmaßen: Katzen mit drei oder weniger Pfoten können ein erfülltes Leben führen. Sie benötigen möglicherweise Unterstützung bei der Fellpflege und Krallenpflege. Im Alter können Gelenk- und Wirbelsäulenprobleme auftreten, denen durch gesunde Ernährung und Training vorgebeugt werden kann. Übergewicht sollte vermieden werden. Es gibt orthopädische Hilfsmittel wie "Tierrollis" oder "Pfotenschuhe".

Ataxie bei Katzen: Ursachen, Symptome und Management

Ataxie ist ein Oberbegriff für verschiedene Koordinationsstörungen der Bewegungsabläufe. Es handelt sich um ein fehlerhaftes Zusammenspiel verschiedener Muskelgruppen bei der Ausführung von Bewegungen. Bei Katzen spricht man in der Regel von feliner Ataxie, wenn neurologische Probleme vorliegen.

Ursachen von Ataxie

Ataxie kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden, darunter:

  • Schädigungen des Zentralnervensystems (ZNS): Dies ist die häufigste Ursache und kann durch Verletzungen, Infektionen, Tumore oder Vergiftungen verursacht werden.
  • Genetische Defekte: In seltenen Fällen kann Ataxie erblich bedingt sein.
  • Infektiöse Ursachen: Infektionen während der Trächtigkeit, wie z. B. das Feline Parvovirus (FPV, Katzenseuche), können zu Ataxie bei den Kätzchen führen.
  • Stoffwechselprobleme und Mangelerscheinungen: Probleme mit dem Stoffwechsel oder Mangelernährung können ebenfalls Ataxie verursachen.
  • Gewalteinwirkungen: Unfälle oder Misshandlungen können zu Schäden am ZNS führen.
  • Degenerative ZNS-Erkrankungen: Seltene und fortschreitende Erkrankungen des ZNS können Ataxie verursachen.

Typische Bewegungsmuster bei Ataxie

Typische Bewegungen bei Ataxie sind:

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  • Augenzittern (Nystagmus)
  • Kopfzittern (Tremor)
  • Schiefhaltungen des Kopfes
  • Abnormer, breiter oder steifer, tapsiger oder torkeliger (ataktischer) Gang
  • Lähmungen der Vor- oder Nachhand
  • Probleme beim Fokussieren von Gegenständen
  • Geräuschempfindlichkeit

Formen/Typen von Ataxie

Die Formen bzw. Typen von Ataxie werden je nach Lokalisation der zugrunde liegenden Erkrankung unterschieden:

  • Cerebelläre Ataxie (Kleinhirnataxie): Schäden oder Erkrankungen des Kleinhirns sind die häufigste Ursache. Betroffene Katzen zeigen einen "staksigen Gang", ruckartige, wackelige und unkoordinierte Bewegungen, Augenzittern und Kopfzittern.
  • Sensorische/Sensible Ataxie: Ursache ist ein Schaden des Rückenmarks oder der peripheren Nerven. Betroffene Katzen stehen und gehen mit weit gespreizten Beinen und sind oft sehr schwach.
  • Vestibuläre Ataxie: Ursache ist eine Schädigung des Gleichgewichtsorgans. Typisch sind eine Schiefhaltung des Kopfes, Augenzittern, Umfallen und Übelkeit.
  • Spinale Ataxie: Sie tritt aufgrund von Erkrankungen oder Schädigungen der Hinterstrangbahnen des Rückenmarks auf.

Diagnose von Ataxie

Die Diagnose umfasst eine neurologische Untersuchung, bildgebende Verfahren (Röntgen, CT, MRT) und gegebenenfalls eine Untersuchung auf Krankheitserreger.

Prognose und Management von Ataxie

Die Prognose variiert je nach Ursache. Viele Katzen mit Ataxie können jedoch ein gutes Leben führen. Es ist wichtig, eine sichere Umgebung zu schaffen, die Katze vor Gefahren zu schützen und ihr bei Bedarf zu helfen.

Umgang mit Ataxie-Katzen

Ataxiekatzen leiden bei artgerechter Haltung nicht, sie nehmen ihre Behinderung offenbar nicht als solche wahr. Nicht einfach einschläfern!

Nicht die Ataxie bringt die Katze um ihr Leben, sondern die noch weit verbreitete Unkenntnis der Menschen über diese Behinderung. Oft genug werden die scheinbar “schwerbehinderten” Katzen von ihrem vermeintlichen Leiden bereits im Kittenalter “erlöst”. Doch gerade die häufigste Form von Ataxie bei Katzen, die Cerebelläre Ataxie, verläuft als Erkrankung nicht progressiv, d. h. sie verschlechtert sich nicht. Katzen mit Ataxie nehmen ihre Behinderung nicht als solche wahr und leiden bei artgerechter Haltung nicht darunter. Ganz im Gegenteil: Eine Ataxie-Katze kann ein langes und vor allem schönes Leben mit nur wenigen Einschränkungen haben.

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Kommen keine weiteren ernst zu nehmenden Erkrankungen hinzu, kann eine Ataxiekatze lange und vor allem gut leben. Wie viele Ataxiekatzenhalter belegen, findet in dem meisten Fällen über Jahre eine Verbesserung der Symptome statt. Die betroffenen Katzen können mit der Zeit sogar ihre Einschränkungen durch Übung und Training teilweise kompensieren. Oft gibt es eine erste schnelle Verbesserung mit dem Wechsel vom Tierheim in ein liebevolles Zuhause, wo die Ataxie-Katze wesentlich individueller betreut werden kann. Häufig ist es z. B. möglich, noch funktionierende Gehirnareale zu fördern, so dass ggf. fehlende Fähigkeiten durch andere Gehirnzellen (Gehirnteile) mit übernommen werden können.

Impfprobleme

Inwieweit und wie oft Katzen geimpft werden müssen oder sollen, ist allgemein umstritten und sollte von jedem Katzenhalter individuell entschieden werden. Bei Katzen mit Ataxie kommen jedoch einige besondere Risiken hinzu, die berücksichtigt werden sollten.

Man unterscheidet im wesentlichen Lebend- und Totimpfstoffe.Ataxiekatzen haben oft eine verminderte Leukozytenzahl und daher eine gewisse Immunschwäche. Lebendimpfstoffe sind daher in der Regel ungeeignet, da diese einen Krankheitsschub verursachen können, statt den gewünschten Schutz aufzubauen.

Kastration von Katzen: Gründe, Zeitpunkt und Alternativen

Die Kastration von Katzen und Katern ist ein wichtiger Aspekt der Katzenhaltung. Sie beugt ungewolltem Nachwuchs vor, reduziert unerwünschtes Verhalten und senkt das Risiko für bestimmte Erkrankungen.

Gründe für die Kastration weiblicher Katzen

  • Verhinderung ungewollter Trächtigkeit: Katzen können bereits mit 4 Monaten geschlechtsreif werden und bis zu 3 Würfe pro Jahr haben.
  • Tierschutz: Ungewollte Kätzchen werden oft nicht ausreichend versorgt und sterben an vermeidbaren Infektionskrankheiten.
  • Gesundheitliche Vorteile: Unkastrierte Katzen leiden häufig unter Gebärmuttervereiterung (Pyometra) oder Gesäugetumoren.
  • Verhaltensänderungen: Katzen in der Rolligkeit schreien verstärkt und ziehen Kater an, die in der Nähe markieren, kämpfen und maunzen.

Gründe für die Kastration männlicher Katzen

  • Verhinderung ungewollter Fortpflanzung: Kater können sich schneller und öfter fortpflanzen als Katzen.
  • Reduktion von Streunern: Unkastrierte Kater streunen über große Distanzen und sind einem höheren Risiko für Verkehrsunfälle ausgesetzt.
  • Verhaltensänderungen: Unkastrierte Kater kämpfen vermehrt, markieren ihr Territorium (auch im Haus) und sind oft aggressiver gegenüber Menschen.
  • Gesundheitliche Vorteile: Durch Kämpfe können sich Kater mit Infektionskrankheiten wie FIV oder FeLV anstecken.

Zeitpunkt der Kastration

Wissenschaftliche Studien zeigen viele Vorteile einer Kastration vor dem Erreichen der Geschlechtsreife (also vor dem 5. Lebensmonat). Die Operationszeit ist kürzer, junge Katzen erholen sich schneller und haben weniger Schmerzen.

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Ablauf der Kastration

Bei weiblichen Katzen werden die Eierstöcke und gegebenenfalls die Gebärmutter entfernt. Bei männlichen Katzen werden beide Hoden durch einen kleinen Schnitt im Hodensack entfernt.

Kosten der Kastration

Die Kastrationskosten für eine weibliche Katze liegen meist zwischen 150-200€, für einen Kater zwischen 80-120€.

Alternativen zur Kastration

  • Weibliche Katzen: Die Rolligkeit kann mit Hormonen unterdrückt werden, was jedoch starke Nebenwirkungen hat.
  • Männliche Katzen: Ein Kastrationschip kann implantiert werden, der jedoch nicht immer zu einer dauerhaften Unfruchtbarkeit führt.

Nachteile der Kastration

Durch den Wegfall der Geschlechtshormone steigt der Appetit der Katze, während der Energieverbrauch sinkt. Übergewicht und Fettleibigkeit sind häufige Folgen. Bei Siamkatzen kann rasiertes Fell dunkel nachwachsen.

Schmerzerkennung und -behandlung bei Katzen

Katzen zeigen Schmerzen oft nicht deutlich. Gut informierte und aufmerksame Besitzer sind entscheidend für eine adäquate Behandlung. Die kostenlose App „Feline Grimace Scale“ kann helfen, Schmerzzustände besser einzuschätzen. Nach einer Operation oder bei chronischen Erkrankungen ist eine gute Schmerztherapie oft das Mittel der Wahl.

Umgang mit Komplikationen nach der Kastration

Nach einer Kastration können Komplikationen wie Entzündungen oder Schmerzen auftreten. Es ist wichtig, die Operationswunde regelmäßig zu kontrollieren und bei Anzeichen von Problemen einen Tierarzt aufzusuchen. Ein Body kann verhindern, dass die Katze an der Wunde leckt.

Ernährung nach der Kastration

Nach der Kastration neigen Katzen zu Übergewicht. Es ist wichtig, die Futtermenge anzupassen und auf eine ausgewogene Ernährung zu achten.

Verhalten nach der Kastration

Die Kastration kann das Verhalten der Katze beeinflussen. Unkastrierte Kater streunen über eine große Distanz und markieren ihr Territorium. Ihr Urin riecht stärker als der von kastrierten Katern. Je weiter ein Kater läuft, desto wahrscheinlicher ist es, dass er nicht mehr nach Hause findet. Abgesehen davon besteht ein großes Risiko Opfer eines Verkehrsunfalls zu werden.

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