Kindliche Epilepsie: Ursachen, Diagnose und Behandlungsansätze

Epilepsie bei Kindern ist ein komplexes Thema, das viele Fragen aufwirft. Dieser Artikel soll einen umfassenden Überblick über die Ursachen, Diagnose und verschiedenen Behandlungsansätze geben.

Einführung

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte epileptische Anfälle gekennzeichnet ist. Diese Anfälle entstehen durch vorübergehende Funktionsstörungen des Gehirns, die zu übermäßigen elektrischen Entladungen in den Nervenzellen führen. Die Anfallsformen können vielfältig sein, von kaum merklichen Symptomen bis hin zu großen Anfällen, die intensivmedizinischer Behandlung bedürfen. Es ist wichtig zu betonen, dass Epilepsie im Kindesalter anders verläuft als bei Erwachsenen und daher in die Hände erfahrener Neuropädiater gehört.

Ursachen von Epilepsie bei Kindern

Die Ursachen für Epilepsie bei Kindern sind vielfältig. Sie lassen sich grob in folgende Kategorien einteilen:

  • Idiopathisch: In vielen Fällen kann keine eindeutige Ursache für die Epilepsie gefunden werden. Man spricht dann von einer idiopathischen Epilepsie.
  • Genetisch bedingt: Einige Epilepsieformen sind erblich bedingt. Das Risiko eines Kindes, an Epilepsie zu erkranken, liegt bei etwa 6 %, wenn ein Elternteil betroffen ist, und steigt auf 10 bis 12 %, wenn beide Elternteile betroffen sind.
  • Strukturelle Ursachen: Schädigungen des Gehirns, wie sie beispielsweise durch Sauerstoffmangel während der Schwangerschaft oder Geburt, Hirnverletzungen, Entzündungen oder Fehlbildungen des Gehirns entstehen können, können ebenfalls zu Epilepsie führen.
  • Metabolische Ursachen: Stoffwechselstörungen können ebenfalls Epilepsie auslösen.

Es ist wichtig zu beachten, dass zwischen dem ursächlichen Auslöser und dem Beginn der Epilepsie Monate oder sogar Jahre liegen können.

Symptome und Anfallsarten

Epileptische Anfälle können sich auf vielfältige Weise äußern, da unterschiedliche Hirnregionen betroffen sein können. Einige Beispiele für Anfallsarten sind:

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  • Generalisierte Anfälle: Bei generalisierten Anfällen sind beide Hirnhälften betroffen. Ein Beispiel ist der Grand Mal-Anfall, der mit Bewusstseinsverlust, Versteifung und rhythmischen Zuckungen der Muskulatur einhergeht.
  • Fokale Anfälle: Bei fokalen Anfällen ist nur ein umschriebener Teil einer Gehirnhälfte betroffen. Die Symptome hängen davon ab, welcher Bereich des Gehirns betroffen ist. Es gibt einfache fokale Anfälle, bei denen das Bewusstsein erhalten bleibt, und komplexe fokale Anfälle, bei denen das Bewusstsein verändert ist.
  • Absencen: Absencen sind kurze Abwesenheitszustände, die oft unbemerkt bleiben. Sie können von anderen Symptomen wie Blinzeln oder Blässe begleitet sein.
  • Myoklonische Anfälle: Myoklonische Anfälle sind kurze, unwillkürliche Muskelzuckungen.

Es ist wichtig, die Anfallsart genau zu beobachten und zu dokumentieren, da dies für die Diagnosestellung von großer Bedeutung ist.

Altersgebundene Epilepsieformen

Einige Epilepsieformen treten häufiger in bestimmten Altersstufen auf. Einige Beispiele sind:

  • West-Syndrom: Eine seltene Form der Epilepsie im Säuglingsalter, die mit plötzlichen Muskelzuckungen einhergeht.
  • Benigne infantile Partialepilepsie: Eine Epilepsieform, die sich im Säuglingsalter durch plötzliches Innehalten bei Bewegungen, Augenverdrehen und einzelne Zuckungen äußern kann.
  • Rolando-Epilepsie: Eine häufige Form der fokalen Epilepsie im Kindesalter, bei der es zu Anfällen kommt, die meist aus dem Schlaf heraus auftreten und sich in Gefühlsstörungen im Bereich des Mundes oder einer Gesichtshälfte äußern.
  • Juvenile myoklonische Epilepsie (Janz-Syndrom): Eine Epilepsieform, bei der kurz nach dem Erwachen kurze Zuckungen im Bereich der Schultern und Arme auftreten.

Diagnostik

Die Diagnostik von Epilepsie umfasst in der Regel folgende Schritte:

  • Ausführliche Anamnese: Die Krankengeschichte des Kindes und die Beschreibung der Anfälle sind von großer Bedeutung.
  • EEG (Elektroenzephalogramm): Das EEG misst die Hirnströme und kann epileptische Aktivität nachweisen. Es wird in der Regel sowohl im Wachzustand als auch im Schlaf durchgeführt.
  • Bildgebung: In einigen Fällen sind bildgebende Verfahren wie MRT (Magnetresonanztomographie) notwendig, um strukturelle Ursachen der Epilepsie auszuschließen.
  • Blutuntersuchungen: Blutuntersuchungen können helfen, Stoffwechselstörungen oder andere Erkrankungen als Ursache der Epilepsie zu identifizieren.

Therapie

Die Therapie der Epilepsie zielt darauf ab, Anfallsfreiheit zu erreichen und die Lebensqualität des Kindes zu verbessern. Die wichtigsten Therapieansätze sind:

  • Medikamentöse Therapie: Antiepileptika sind Medikamente, die die Erregbarkeit der Nervenzellen im Gehirn reduzieren und so Anfälle verhindern können. Es gibt verschiedene Antiepileptika, und die Wahl des geeigneten Medikaments hängt von der Anfallsart, dem Alter des Kindes und anderen Faktoren ab.
  • Ketogene Diät: Die ketogene Diät ist eine spezielle Form der Ernährung, bei der der Körper hauptsächlich Fette und wenig Kohlenhydrate zu sich nimmt. Diese Diät kann bei einigen Epilepsieformen, insbesondere bei Kindern, die auf Medikamente nicht ausreichend ansprechen, die Anfallshäufigkeit reduzieren.
  • Vagusnervstimulation: Die Vagusnervstimulation ist ein Verfahren, bei dem der Vagusnerv, ein wichtiger Nerv im Körper, elektrisch stimuliert wird. Dies kann bei einigen Epilepsieformen die Anfallshäufigkeit reduzieren.
  • Chirurgische Therapie: In seltenen Fällen kann eine Operation notwendig sein, um die Ursache der Epilepsie zu beseitigen oder die Anfallsherde im Gehirn zu entfernen.

Neben der spezifischen Therapie ist es wichtig, allgemeine Maßnahmen zu beachten, wie ausreichend Schlaf, eine geregelte Lebensführung und die Vermeidung von Faktoren, die die Krampfschwelle senken können (z.B. Alkohol, Drogen, Schlafmangel).

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Was tun bei einem Anfall?

Wenn ein Kind einen epileptischen Anfall hat, ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und folgende Maßnahmen zu ergreifen:

  • Sorgen Sie für eine sichere Umgebung. Entfernen Sie Gegenstände, an denen sich das Kind verletzen könnte.
  • Lösen Sie beengende Kleidungsstücke am Hals.
  • Polstern Sie den Kopf des Kindes ab.
  • Versuchen Sie nicht, die Verkrampfungen zu unterdrücken oder den Kiefer zu öffnen.
  • Schütteln oder schlagen Sie das Kind nicht.
  • Bringen Sie das Kind nach dem Anfall in die stabile Seitenlage, damit Speichel abfließen kann.
  • Bleiben Sie bei dem Kind, bis es wieder vollständig wach ist.
  • Notieren Sie die Dauer des Anfalls.
  • Rufen Sie den Notarzt, wenn der Anfall länger als 5 Minuten dauert oder wenn das Kind sich verletzt hat.

Leben mit Epilepsie

Die Diagnose Epilepsie kann für Kinder und ihre Familien eine große Herausforderung darstellen. Es ist wichtig, sich umfassend über die Erkrankung zu informieren und sich Unterstützung zu suchen. Es gibt zahlreiche Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen, die Betroffenen und ihren Familien zur Seite stehen.

Mit der richtigen Therapie und Unterstützung können die meisten Kinder mit Epilepsie ein normales Leben führen.

Affektkrämpfe

Affektkrämpfe sind gutartige, vorübergehende Anfälle, die häufig bei Kleinkindern auftreten. Sie werden durch Wut, Schmerz oder Angst ausgelöst und führen zu Schreien, Atemaussetzern und kurzzeitiger Bewusstlosigkeit. Affektkrämpfe sind in der Regel harmlos und verschwinden von selbst, können aber für die Eltern sehr beängstigend sein.

Neonatale Anfälle

Anfälle bei Neugeborenen sind ein besonderes Problem, da sie oft schwer zu erkennen sind und verschiedene Ursachen haben können. Eine rasche Diagnose und Behandlung sind wichtig, um mögliche Schäden zu verhindern.

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