Das Verschlucken ist ein häufiges Problem, insbesondere bei kleinen Kindern. In manchen Fällen kann es zu einer lebensbedrohlichen Situation führen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Risiken und Erste-Hilfe-Maßnahmen, die im Falle eines Verschluckens zu ergreifen sind. Dabei wird auch auf die Rolle des Vagusnervs eingegangen.
Verschlucken bei Kindern: Eine häufige Gefahr
Besonders Kinder unter fünf Jahren verschlucken sich häufiger. Das liegt daran, dass sie viel kleinere und engere Atemwege haben, die leichter verstopfen. Schon ein kleines Teil kann dazu führen, dass die Luftröhre verschlossen ist. Die Kinder können dann mitunter nicht einmal mehr richtig husten oder würgen. Ein großer Inhalt der Speiseröhre könne auch auf die Luftröhre drücken und sie abschnüren.
Ein tragischer Fall aus Bitburg verdeutlicht die Gefahr: Ein zweijähriges Kind erstickte auf einem Weihnachtsmarkt an einem Stück Bratwurst. Das Wurststück soll im Rachen stecken geblieben sein, woraufhin der Junge bewusstlos wurde.
Ursachen und Mechanismen des Verschluckens
Wenn Erwachsene sich verschlucken und keine Luft bekommen, fangen sie an zu husten und zu würgen, bis die Atemwege wieder frei sind. Bei Kindern ist das anders, weil sie noch sehr enge Atemwege haben.
Das Verschlucken kann verschiedene Ursachen haben:
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- Mechanische Verlegung der Atemwege: Ein Fremdkörper, wie eine Murmel oder eine Erdnuss, rutscht nach hinten und verstopft die Luftröhre.
- Druck auf die Luftröhre: Der Inhalt der Speiseröhre ist so groß, dass er auf die Luftröhre drückt und somit die Luftzufuhr abschnürt.
- Bolustod: Beim Verschlucken größerer und fester Nahrungsbestandteile oder Fremdkörper kann Druck auf ein Nervengeflecht im Rachen ausgeübt werden. Dabei kann der Vagusnerv mit einem Reflex reagieren und die Herztätigkeit beeinträchtigen. Kommt es zum tödlichen Herz-Kreislauf-Stillstand, spricht man von einem „Bolustod“.
Die Rolle des Vagusnervs
Im Rachenbereich verläuft der Vagusnerv. Das ist ein Teil des sogenannten unwillkürlichen Nervensystems. Es lässt sich also bewusst nicht steuern, sondern reagiert eigenständig. Verschluckt sich ein Kind nun an etwas, und das Verschluckte übt Druck auf diesen Vagus im Rachen aus, kann es zu einem Kreislaufstillstand kommen, der als Reflex ausgelöst wird.
Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Verschlucken
Wenn ein Kind sich verschluckt, ist schnelles Handeln entscheidend. Rainer Löb, Bundesarzt des Malteser Hilfsdienstes, Facharzt für Anästhesie und leitender Direktor der Barbaraklinik und des St-Josef-Krankenhauses in Hamm, rät zu folgenden Maßnahmen:
- Notruf absetzen: Rufen Sie sofort den Notruf 112. Teilen Sie mit, dass die betroffene Person keine Luft bekommt und sich verschluckt hat, und geben Sie den Standort durch.
- Atmung prüfen: Kann die Person noch husten oder sprechen, ist meist noch etwas Luft vorhanden. Fordern Sie sie aktiv zum Husten auf. Wenn keine Luft mehr kommt, müssen Sie sofort handeln.
- Heimlich-Griff anwenden: Stellen Sie sich hinter die betroffene Person, umfassen Sie deren Oberbauch mit beiden Händen, ballen Sie eine Faust oberhalb des Nabels und drücken Sie ruckartig nach innen-oben, bis zu 5 Mal.
- Rückenklopfen als Alternative: Beugen Sie den Oberkörper der Person leicht nach vorn und schlagen Sie kräftig mit der flachen Hand bis zu fünf Mal zwischen die Schulterblätter. Wechseln Sie bei Bedarf zwischen Heimlich-Griff und Rückenklopfen ab.
Besonderheiten bei Kindern und Säuglingen:
- Bei Kindern über einem Jahr kann der Heimlich-Griff vorsichtig eingesetzt werden.
- Bei Babys unter einem Jahr ist dieser jedoch tabu. Hier hilft: Das Baby bäuchlings auf den Unterarm legen, den Kopf stützen und fünf Rückenschläge geben, gefolgt von fünf Brustkorb-Kompressionen mit zwei Fingern. Notruf nicht vergessen!
Wenn die Person bewusstlos wird:
Legen Sie die Person auf den Rücken, prüfen Sie Atmung und beginnen Sie sofort mit Wiederbelebung: 30 Herzdruckmassagen und 2 Beatmungen im Wechsel, bis Hilfe eintrifft.
Auch wenn der Fremdkörper entfernt wurde, ist eine medizinische Nachsorge wichtig.
Prävention: Wie lässt sich das Verschlucken verhindern?
Am besten senkt man das Erstickungsrisiko, wenn man in Ruhe und im Sitzen isst, und auf hektisches „Herunterschlingen“ verzichtet. Bei Kindern müssen Eltern besonders wachsam sein und darauf achten, welches Essen in ihre Hände gelangt. So sind laut dem Universitätsklinikum Bonn (UKB) einige Nahrungsmittel für Kinder unter vier Jahren lebensgefährlich.
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Weintrauben zum Beispiel seien bei Kleinkindern beliebt, bergen aber laut UKB „aufgrund ihrer Größe und ihrer glatten Oberfläche ein hohes Risiko, die Atemwege zu verstopfen und dadurch akute Atemnot auszulösen.“ Deshalb sollten sie kleinen Kindern immer nur gevierteilt gereicht werden. Auch Nüsse - vor allem Erdnüsse - und Sonnenblumenkerne können laut UKB „für Kleinkinder unter vier Jahren eine lebensbedrohliche Gefahr darstellen“. Kleinkinder sollten zudem „generell nur unter Aufsicht, im Sitzen und in Ruhe essen“.
Weitere Ursachen für Atemnot bei Kindern
Es ist wichtig zu beachten, dass nicht jede Atemnot durch Verschlucken verursacht wird. Auch Vergiftungen können zu Atemproblemen führen. Ein Beispiel ist der Fall eines jungen Mädchens, das rote Beeren probierte. Die Mutter versuchte, durch die Reizung mit ihrem Finger einen Brechreiz auszulösen. Dabei verletzte sie aber den Rachen, so dass es zu einer Blutung kam. Außerdem wurde der Vagus-Nerv hinter der Gaumenwand durch diese mechanische Stimulation derart gereizt, dass das Kind kurz bewusstlos wurde. In diesem Fall war die Beere harmlos, aber das übereilte Handeln der Mutter führte zu Komplikationen.
Was tun bei Vergiftungen?
„Das wichtigste bei einer Vergiftung ist, wie in allen Notfällen, die Ruhe zu bewahren“, so Dr. Maren Hermanns-Clausen, Leiterin der Vergiftungs-Informationszentrale am Universitätsklinikum Freiburg. Nach dem Verschlucken einer giftigen Substanz sollte maximal ein Glas Wasser ohne Kohlensäure, verdünnter Saft oder Tee getrunken werden. Es sollte auf keinen Fall Erbrechen ausgelöst werden, denn ätzende Substanzen können die Speiseröhre dann erneut schädigen. Auch das Trinken von Milch hilft mehr dem Gift als dem eigenen Körper: Durch den Fettgehalt der Milch wird unter Umständen die Aufnahme noch verstärkt.
Schluckauf bei Kindern und Erwachsenen
Schluckauf kommt gerade bei Kleinkindern und Säuglingen häufig vor. Ein Klassiker ist, den Atem anzuhalten. Aber auch ein Glas kaltes Wasser kann helfen. In den meisten Fällen ist ein Schluckauf unbedenklich. Angst, Stress und Aufregung können ebenfalls Schluckauf hervorrufen. Wenn euer Kind durch Aufregung einen Schluckauf bekommt, solltet ihr ihm Ruhe geben und diese selbst ausstrahlen, um zu helfen. Einen Teelöffel Zucker auf der Zunge aufzulösen, kann ebenfalls helfen, den Schluckauf zu lindern. In seltenen Fällen kann chronischer Schluckauf ein Zeichen für gesundheitliche Probleme sein.
Schluckauf loswerden: Welche Tipps helfen wirklich?
Das rhythmische Hicksen stört und ist manchmal sogar schmerzhaft. Was also tun gegen akuten Schluckauf? Dadurch soll der Körper überflüssige Reaktionen wie den Schluckauf abschalten. Manchen Menschen hilft es, tief einzuatmen und die Luft für wenige Sekunden anzuhalten. Dadurch wird kurz Druck auf den Brustkorb ausgeübt. Anschließend wird er durch eine lange Ausatmung wieder entspannt. Einen Versuch ist es wert, im Sitzen oder Liegen die Knie an den Brustkorb zu ziehen, während man sich vornüberbeugt. Einige schwören darauf zu niesen, etwa durch Schnuppern an Pfeffer. Andere beißen in eine Zitrone oder nehmen etwas Essig in den Mund. Ein paar Züge in eine Papiertüte zu atmen, kann den Schluckauf ebenfalls lindern. Eiswasser trinken soll ebenfalls helfen. Auch vorsichtig an der Zunge zu ziehen kann den Schluckauf beenden. Durch das Ziehen wird der Vagusnerv gereizt, welcher für Ruhe und Erholung sorgt.
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Mediziner und Medizinerinnen empfehlen, sich bei Schluckauf abzulenken oder aktiv zu werden - und nicht auf den nächsten Hicks zu warten. Wenn sich dadurch die Atmung beruhigt und das Zwerchfell entspannt, lasse der Schluckauf meist von allein nach.
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