Neurologische Erkrankungen können sich auf vielfältige Weise äußern, auch in Form von Fußproblemen bei Kindern. Diese können durch Störungen des Gehirns, des Nervensystems oder der Muskulatur verursacht werden. Eine frühzeitige Diagnose und eine individuell abgestimmte Behandlung sind entscheidend, um die Mobilität und Lebensqualität der betroffenen Kinder zu verbessern.
Die Rolle des Neurologen in der Pädiatrie
Die Neuropädiatrie ist ein Spezialgebiet der Medizin, das sich mit Erkrankungen des Nervensystems im Kindes- und Jugendalter befasst. Dazu gehören Erkrankungen des Gehirns, des Rückenmarks, der peripheren Nerven und der Muskulatur. Kinderärzte überweisen ihre Patienten an Neuropädiater, wenn Symptome auf eine neurologische Erkrankung hindeuten.
Neurologische Erkrankungen im Kindesalter können sich durch eine Vielzahl von Symptomen äußern, die ebenso vielfältige Ursachen haben können. Fehlbildungen, genetische Defekte, Entzündungen, Unfälle oder Tumore können neurologische Probleme verursachen. Um diese Erkrankungen einordnen zu können, benötigen Neuropädiater detaillierte Kenntnisse über die altersgemäße Entwicklung von Kindern.
Ursachen für neurologische Fußprobleme
Neurogene Fußfehlstellungen entstehen durch Störungen der Nerven, die für die Steuerung der Fuß- und Beinmuskulatur zuständig sind. Die Auswirkungen können von leichten funktionellen Einschränkungen bis hin zu schwerwiegenden Deformationen reichen.
Ein Beispiel für eine neurologisch bedingte Fußerkrankung ist das Kamerad-Schnürschuh-Syndrom, ein Engpasssyndrom, bei dem Druck auf periphere Nerven im Fuß ausgeübt wird. Dies kann durch zu enge Schuhe, wie Pumps, Stiefel oder Skischuhe, verursacht werden.
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Eine weitere mögliche Ursache für Fußprobleme bei Kindern ist die Polyneuropathie, eine Erkrankung der peripheren Nerven, die Empfindungen, Muskelbewegung und das vegetative Nervensystem steuert. Häufige Ursachen für Polyneuropathie sind Diabetes mellitus und übermäßiger Alkoholkonsum.
Symptome neurologischer Fußprobleme
Die Symptome neurologischer Fußprobleme können vielfältig sein und hängen von der zugrunde liegenden Ursache ab. Einige häufige Symptome sind:
- Taubheit in den Fingern
- Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen
- Schwindelgefühle
- Sehbeeinträchtigungen
- Lähmungszeichen im Gesicht (z.B. herabgezogener Mundwinkel)
- Plötzliche Kopfschmerzen und extreme Müdigkeit
- Empfindungsstörungen in den Extremitäten (Kribbeln, Taubheit, Einschnürungsgefühl)
- Gangunsicherheit
- Schmerzen oder Missempfindungen in den Füßen (Brennen, Stechen)
- Zehenspitzenlaufen
- Watschelnder Gang
- Ständiges Abstützen beim Aufstehen
- Unfähigkeit, sich aus der Hocke aufzurichten
Diagnose neurologischer Fußprobleme
Die Diagnose neurologischer Fußprobleme erfordert eine sorgfältige Anamnese, eine körperliche Untersuchung und gegebenenfalls weitere diagnostische Maßnahmen.
Im Anamnesegespräch erfragt der Arzt die genauen Symptome, die Krankengeschichte des Kindes und eventuelle Risikofaktoren. Bei der körperlichen Untersuchung werden die Funktion der Nerven, die Muskelkraft, die Reflexe und die Sensibilität überprüft.
Weitere diagnostische Maßnahmen können sein:
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- Elektrophysiologische Funktionsdiagnostik (EEG, NLG, EMG): Diese Untersuchungen messen die elektrische Aktivität der Nerven und Muskeln und können helfen, Schädigungen oder Funktionsstörungen zu erkennen.
- Bildgebende Verfahren (MRT, Röntgen): Diese Verfahren können helfen, strukturelle Veränderungen im Gehirn, Rückenmark oder in den Füßen zu erkennen.
- Genetische Untersuchungen: Diese Untersuchungen können helfen, genetische Ursachen für neurologische Erkrankungen zu identifizieren.
- Stoffwechseldiagnostik: Diese Untersuchungen können helfen, Stoffwechselstörungen als Ursache für neurologische Probleme zu erkennen.
Beim Verdacht auf ein Kamerad-Schnürschuh-Syndrom kann das Beklopfen des Nervs mit dem Finger durch den Arzt ein elektrisierendes Gefühl auslösen. Auffälligkeiten in Bezug auf die Sensibilität können den Verdacht auf ein Kompressionssyndrom erhärten.
Behandlung neurologischer Fußprobleme
Die Behandlung neurologischer Fußprobleme richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache und dem Schweregrad der Erkrankung. Ziel der Behandlung ist es, Schmerzen zu lindern, die Fußfunktion zu verbessern und die Mobilität sowie Lebensqualität des Kindes zu steigern.
Konservative Behandlungsmethoden können sein:
- Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Muskelkraft, die Koordination und die Beweglichkeit zu verbessern.
- Ergotherapie: Ergotherapie kann helfen, die Selbstständigkeit im Alltag zu fördern und die sensorische Wahrnehmung zu verbessern.
- Logopädie: Logopädie kann helfen, Sprach- und Schluckstörungen zu behandeln.
- Orthopädische Hilfsmittel: Spezielle Schuhe, Einlagen oder Orthesen können helfen, die Fußfunktion zu unterstützen und Fehlstellungen zu korrigieren.
- Schmerztherapie: Schmerzmittel können helfen, Schmerzen zu lindern.
- Anpassung des Schuhwerks: Weiche, bequeme und nicht drückende Schuhe ohne harten Schaft können das Risiko eines Kamerad-Schnürschuh-Syndroms reduzieren.
In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um die Fehlstellung zu korrigieren oder die Funktion des Fußes zu verbessern. Mögliche operative Eingriffe sind:
- Weichteiloperationen: Sehnenverlängerungen oder Sehnentransfers zur Wiederherstellung des muskulären Gleichgewichts.
- Knöcherne Korrekturen (Osteotomien): Durchtrennung und Neupositionierung von Knochen, um die Fehlstellung dauerhaft zu beheben.
- Gelenkversteifungen (Arthrodesen): Bei ausgeprägter Instabilität oder schweren Fällen kann eine Versteifung betroffener Fuß- oder Sprunggelenke sinnvoll sein.
- Korrektur von Zehendeformitäten: Begleitende Krallen- oder Hammerzehen können ebenfalls operativ behandelt werden.
Bei Kindern mit Polyneuropathie ist eine optimale Blutzuckereinstellung bei Diabetes mellitus entscheidend, um der Entwicklung oder einem raschen Fortschreiten der Erkrankung entgegenzuwirken. Patienten mit einem Alkoholproblem müssen dieses behandeln, um dann die Folgeschäden therapieren zu können.
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Zehenspitzenlaufen: Wann ist ein Arztbesuch ratsam?
Viele Kinder laufen zeitweise auf Zehenspitzen. In den meisten Fällen ist dies harmlos undNormalerweise verschwindet das von selbst wieder. Wenn das Zehenspitzenlaufen jedoch dauerhaft auftritt oder mit anderen Symptomen wie Muskelsteifheit, Koordinationsstörungen oder Entwicklungsverzögerungen einhergeht, sollte ein Arzt aufgesucht werden.
Interdisziplinäre Betreuung
Die Behandlung neurologischer Fußprobleme erfordert oft eine interdisziplinäre Betreuung durch verschiedene Fachärzte und Therapeuten. Dazu gehören:
- Neuropädiater
- Orthopäden
- Physiotherapeuten
- Ergotherapeuten
- Logopäden
- Orthopädietechniker
- Schmerztherapeuten
- Psychologen
- Sozialarbeiter
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