Die Kinder- und Jugendmedizin ist ein weites Feld, das sich mit der Gesundheit und Entwicklung von Kindern und Jugendlichen befasst. Innerhalb dieser Disziplin gibt es verschiedene Schwerpunkte, darunter die Neuropädiatrie. Dieser Artikel beleuchtet den Bereich der Kinderärzte mit Schwerpunkt Neurologie, insbesondere im Raum Leinfelden, und gibt einen Überblick über wichtige Aspekte wie ADHS, Diagnostik und Behandlungsmethoden.
Aufmerksamkeitsstörungen im Kindesalter: ADS und ADHS
Aufmerksamkeitsstörungen wie ADS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom) und ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) sind häufige Probleme im Kindes- und Jugendalter. Es ist wichtig, die Unterschiede zwischen diesen beiden Störungen zu verstehen.
ADS: Die unaufmerksame Variante
ADS, früher auch als hyperkinetisches Syndrom bezeichnet, zeichnet sich durch Auffälligkeiten in den Aufmerksamkeitsfunktionen und eine mangelnde Impulssteuerung aus. Im Gegensatz zu ADHS geht ADS nicht mit Hyperaktivität einher. Betroffene Kinder haben Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren, sind leicht ablenkbar und wirken oft verträumt.
ADHS: Wenn Unaufmerksamkeit auf Hyperaktivität trifft
ADHS ist eine Aufmerksamkeitsstörung, die mit Hyperaktivität verbunden ist. ADHS ist auch als Zappelphilipp-Syndrom bekannt geworden. Kinder mit ADHS zeigen neben den Symptomen der Unaufmerksamkeit auch übermäßigen Bewegungsdrang und Impulsivität.
Ursachen von ADS/ADHS
ADS/ADHS ist eine neurobiologische Störung, bei der Besonderheiten in der Informationsverarbeitung vorliegen. Eine genetische Veranlagung führt zu einem Ungleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn, insbesondere von Dopamin und Noradrenalin. Dadurch wird der Informationsaustausch zwischen den Nervenzellen beeinträchtigt, was zu einer mangelnden Selbststeuerung und beeinträchtigter Aufmerksamkeit führt.
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Symptome von ADS/ADHS
Das Gehirn von Betroffenen nimmt alle Reize der Umwelt ungefiltert auf und kann nicht zwischen wichtigen und unwichtigen Dingen unterscheiden. ADS/ADHS-Betroffene sind in ihrer Konzentrationsfähigkeit erheblich eingeschränkt, sie sind leicht ablenkbar, oft motorisch unruhig oder verträumt. Sie haben einen oberflächlichen, sprunghaften Wahrnehmungsstil und können Reizeinflüsse nicht gut sortieren und organisieren. Sie reagieren impulsiv und ecken dadurch oft mit ihrem Verhalten an.
Diese Reizüberflutung kann nicht ausreichend verarbeitet werden, wodurch sie in einigen Bereichen des Alltags beeinträchtigt sind. Teilleistungsschwächen wie Rechenschwäche oder Lese-Rechtschreibschwäche können zusätzlich dazukommen.
Charakteristische Eigenschaften:
- Unaufmerksam und ablenkbar
- Verträumt oder hyperaktiv
- Impulsiv
- Zerstreut oder chaotisch
- Schwierigkeiten, sich an Regeln zu halten
- Stimmungslabil
- Schlechtes Selbstwertgefühl
- Probleme im Sozialverhalten
Es ist wichtig zu beachten, dass nicht jedes Kind mit diesen Symptomen automatisch an ADS oder ADHS leidet. Andere Faktoren wie Entwicklungsstörungen, instabile Familiensituationen oder neurologische Erkrankungen können ebenfalls als Auslöser in Frage kommen.
Diagnostik von ADS/ADHS
Die Diagnostik von ADS ist schwierig und umfasst neben neurologischen, psychologischen und psychiatrischen Untersuchungen und Befunderhebungen auch eine umfassende Anamnese. Eine Diagnose wird vom Kinderarzt oder dem SPZ (sozial pädiatrisches Zentrum) in Zusammenarbeit mit den Eltern und/oder Erziehern/Lehrern gestellt.
Behandlungsmethoden und Ziele
Es gibt verschiedene Behandlungsmethoden für ADS/ADHS, die darauf abzielen, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
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Mögliche Behandlungsmethoden:
- Verhaltenstherapeutische Maßnahmen
- Verbesserung der Körperwahrnehmung und der Sensorischen Integration
- Regeln und Konfliktbewältigung in einer Kleingruppe
- Training von Ausdauer der Aufmerksamkeit und Konzentration (Marburger Konzentrationstraining)
- Regulation der Impulskontrolle
- Erlernen von Selbststrukturierung und Handlungsplanung
- Gespräche mit Erziehern und Lehrern
- Beratung und Anleitung der Eltern im häuslichen Bereich
- Aufbauen von Selbstvertrauen und Verbesserung von Selbstbewusstsein
Das Ziel der Behandlung ist es, das Verhalten des Kindes in vernünftige Bahnen zu lenken und dem Betroffenen zu helfen, angemessen mit seinen Gefühlen umzugehen. Kleine Erfolge können das Selbstbewusstsein des Kindes stärken.
Stärken von Menschen mit ADS/ADHS
Gerade bei Menschen mit ADS/ADHS finden sich häufig unkonventionelle, mutige und streiterfahrene Querdenker und Erfinder. Sie zeichnen sich oft durch folgende Stärken aus:
- Besondere Sensibilität/Feinfühligkeit
- Besondere Empathie und Hilfsbereitschaft
- Besonderen Gerechtigkeitssinn
- Besondere Begeisterungsfähigkeit
- Besondere Kreativität und Phantasie
- Begeisterung für Leistungssport
Medikamentöse Behandlung
Die medikamentöse Behandlung von ADS-Kindern wird kontrovers diskutiert, insbesondere angesichts des deutlichen Anstiegs der verordneten Medikamente. Medikamente wie Ritalin, Medikinet oder Amphetaminsaft können in schwerwiegenden Fällen sinnvoll und notwendig sein. Eine sorgfältige Überprüfung ist aber wegen möglicher Nebenwirkungen sehr wichtig. Diese schwierige Entscheidung müssen Eltern in Abstimmung mit dem Arzt treffen. Für Therapeuten ist es wichtig, alle nicht medikamentösen Therapien auszuschöpfen.
Neuropädiatrie: Spezialisierte Versorgung für Kinder mit neurologischen Erkrankungen
Die Neuropädiatrie ist ein spezialisierter Bereich der Kinder- und Jugendmedizin, der sich mit der Diagnose und Behandlung von neurologischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter befasst. Dazu gehören beispielsweise Epilepsie, Kopfschmerzen, Entwicklungsstörungen, Muskelerkrankungen und Zerebralparesen.
Neuropädiatrische Sprechstunde: Ein umfassendes Angebot
In einer neuropädiatrischen Sprechstunde wird ein umfassendes kinderneurologisches Behandlungsspektrum angeboten. Dieses umfasst die Abklärung neurologischer Symptome, neuromuskuläre Erkrankungen, angeborene Fehlbildungen und Entwicklungsneurologie. Schwerpunkte sind zudem Diagnostik und Therapie von Krampfanfällen und Epilepsie sowie die EEG-Diagnostik.
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Diagnostische Verfahren in der Neuropädiatrie
Zur Funktionsdiagnostik des Nervensystems, der Muskulatur und der Schmerzwahrnehmung stehen verschiedene Untersuchungsverfahren zur Verfügung:
- Elektroenzephalographie (EEG): Misst die Gehirnströme und ist die wichtigste Untersuchung bei Anfällen, Epilepsien und Bewusstseinsstörungen.
- Elektroneurographie (NLG): Misst die Nervenleitung und ist die wichtigste Untersuchung bei peripheren Nervenerkrankungen.
- Elektromyographie (EMG): Misst die Muskelfaserfunktion und ist eine der wichtigsten Untersuchungen bei Muskel- und peripheren Nervenerkrankungen.
- Evozierte Potentiale: Messen die Weiterleitung von akustischen (AEP), visuellen (VEP) und sensiblen (SSEP) Sinnesreizen in den Hör-, Seh- und Tastnerven vom Ohr, Auge und der Haut zum Gehirn und sind eine der wichtigsten Untersuchungen bei Hör-, Seh- und Taststörungen.
- Polysomnographie: Misst gleichzeitig die Hirnströme, die Herzfrequenz, die Atembewegungen, den Luftstrom vor Mund und Nase, die Sauerstoffsättigung, den Sauerstoff- und Kohlendioxidpartialdruck und ist die wichtigste Untersuchung bei Schlafstörungen und nächtlichen Atemstörungen.
- Quantitative Sensorische Testung (QST): Misst die Schmerz-, Temperatur und Tastwahrnehmung und erfasst damit die Funktion der unterschiedlichen peripheren Nervenfasern und zentralen Nervenbahnen zum Gehirn.
Bildgebende Verfahren wie Kernspintomographie und Angiographie werden in Kooperation mit der Kinder- und Neuroradiologie durchgeführt.
Multiprofessionelle Behandlung
Patienten werden individuell und ganzheitlich nach höchsten Qualitätsstandards und mit modernster technischer Ausstattung durch ein multiprofessionelles Team aus erfahrenen Kinderneurologen, Psychologen, Logopäden, Ergo- und Physiotherapeuten sowie Kinderkrankenschwestern behandelt.
Für Patienten mit komplexen neurologischen Erkrankungen wird die bestmögliche Behandlungsqualität durch eine enge Zusammenarbeit mit dem SPZ, der pädiatrischen Neurochirurgie, Neuroonkologie, Intensivmedizin, Radiologie sowie der Neuroradiologie, Stroke-Unit der Neurologie, Augen-, HNO-Heilkunde, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie im Kinder-Kopfzentrum Stuttgart (KiKoS) gewährleistet.
Bei chronischen Erkrankungen wird durch multimodale Komplextherapien versucht, die bestmögliche Lebensqualität für jeden Patienten und die Familie zu erreichen. Bei psychischen und sozialen Folgen einer neurologischen Erkrankung wird die Unterstützung durch Psychologen, Sozialpädagogen und Lehrer angeboten. Für Eltern bestehen Hilfen und Beratungsangebote über sozialrechtliche Vergünstigungen (sog. Nachteilsausgleiche).
Kinder mit drohenden oder eingetretenen Entwicklungsstörungen und Behinderungen werden ambulant in einer Anlaufstelle zusammen mit dem Sozialpädiatrischen Zentrum betreut. Für jedes Kind wird ein ganzheitlicher Förder- und Behandlungsplan erstellt, um die Entwicklung vom Säuglings- bis zum Jugendalter umfassend zu fördern.
Patienten, die eine Operation am Nervensystem benötigen oder hinter sich haben, werden in der neuropädiatrischen-neurochirurgischen Sprechstunde gemeinsam mit einem pädiatrischen Neurochirurgen der Klinik für Neurochirurgie betreut. Patienten, die wegen einer neurologischen Erkrankung (z. B. Zerebralparesen) eine orthopädische Behandlung oder ein Hilfsmittel benötigen, werden in der orthopädisch-neuropädiatrischen Sprechstunde gemeinsam mit einem pädiatrischen Orthopäden der Klinik für Kinderorthopädie und einem Orthopädietechniker betreut.
Kinderärzte und Spezialisten in Leinfelden und Umgebung
Im Raum Leinfelden und Umgebung gibt es verschiedene Kinderärzte und Spezialisten, die sich auf Neuropädiatrie und verwandte Bereiche spezialisiert haben.
Einige relevante Namen und Informationen:
- Dr. Alfred Kuttruf: Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin mit Schwerpunkt Neuropädiatrie. Zusatzqualifikationen in Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie sowie in der Epileptologie. Zuletzt lange Jahre als niedergelassener Kinderarzt mit Praxis in Leinfelden-Echterdingen tätig.
- Natalie Schwarzenberger: Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin mit den Schwerpunkten Neuropädiatrie und Neonatologie.
- MVZ der ALB FILS KLINIKEN: Bietet eine Kinder-Kopf-Sprechstunde an der Klinik am Eichert in Göppingen an.
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