Herzrhythmusstörungen und Kammerflimmern: Ein umfassender Überblick

Das Herz ist ein lebenswichtiges Organ, dessen Gesundheit unser Anliegen sein sollte. Im Folgenden werden wir uns mit der Diagnostik und Therapie von akuten und chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen befassen, insbesondere mit Herzrhythmusstörungen, einschließlich des gefährlichen Kammerflimmerns.

Diagnostik und Therapie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Unser Schwerpunkt liegt in der Diagnostik und Therapie von akuten und chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Für gefährdete Patienten stehen uns verschiedene, abgestufte Überwachungs- und Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, von der Chest Pain Unit (CPU) in der Aufnahme über die Telemetrie auf der Normalstation, bis hin zum Intermediate Care (IMC)- oder Intensiv-Bett.

Chest Pain Unit (CPU)

Die Chest Pain Unit (CPU) ist eine speziell ausgestattete Überwachungseinheit für Patienten mit unklaren Brustschmerzen. Hier kann rasch abgeklärt werden, ob ein akuter Herzinfarkt droht. Über eine 24-Stunden Rufbereitschaft steht jederzeit ein Expertenteam zur Verfügung, um im Fall eines akuten Herzinfarktes das verschlossene Herzkranzgefäß wiederzueröffnen.

Moderne Techniken zur Diagnostik

Die Katheterlabore sind mit allen modernen Techniken wie FFR zur Vermessung von Stenosen und IVUS zur Ultraschalldarstellung von Koronargefäßen ausgestattet. Bei unklaren Fällen stehen uns geeignete Stress-Teste und weitere bildgebende Techniken wie Kardio-CT und Kardio-MRT zur Verfügung, um Brustbeschwerden weiter abzuklären.

Herzmuskelerkrankungen und Herzinsuffizienz

Bei vielen Patienten ist eine Herzmuskelerkrankung/-schädigung Ursache einer Pumpschwäche des Herzens. Die Ursachen sind vielfältig. Unterschieden werden angeborene und erworbene Ursachen. Die Krankheitsverläufe können sich allmählich entwickeln, aber auch akut entstehen. Die Diagnostik basiert auf speziellen Blutuntersuchungen, in einer Herz-Bildgebung (Echokardiografie, MRT) und ggf. invasiven Techniken (Herzkatheter, Herzmuskelbiopsie). In Abhängigkeit der Ursache stehen spezielle Therapien zur Verfügung, von einer Medikation bis hin zur Blutwäsche mit Entfernung von Antikörpern gegen das Herz (Immunadsorption).

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Hypertrophe Kardiomyopathie (HCM/HOCM)

Ein besonderer Schwerpunkt der Abteilung ist die Behandlung von Patienten mit einer hypertrophen Kardiomyopathie (HCM/HOCM). Diese Erkrankung ist vererbbar, es besteht die Möglichkeit zu einer genetischen Beratung. Eine eigene Forschergruppe untersucht auf molekularer und zellulärer Ebene die Auswirkungen dieser Erkrankung zugrundeliegenden Mutationen auf die Herzmuskelfunktion.

Herzrhythmusstörungen: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien) sind Abweichungen vom normalen Herzschlag. Sie können zu schnell (Tachykardie), zu langsam (Bradykardie) oder unregelmäßig sein. Die Rhythmologie beschäftigt sich mit der Erkennung und Behandlung dieser Herzrhythmusstörungen.

Ursachen von Herzrhythmusstörungen

Herzrhythmusstörungen können verschiedene Ursachen haben, darunter:

  • Herzerkrankungen: Koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt, Herzklappenfehler, Herzmuskelerkrankungen (Kardiomyopathien)
  • Bluthochdruck: Erhöht den Druck auf das Herz und die Blutgefäße.
  • Schilddrüsenerkrankungen: Sowohl Über- als auch Unterfunktion der Schilddrüse können Herzrhythmusstörungen verursachen.
  • Elektrolytstörungen: Ungleichgewichte bei Elektrolyten wie Kalium oder Magnesium können zu Herzrhythmusstörungen führen.
  • Medikamente: Einige Medikamente können als Nebenwirkung Herzrhythmusstörungen auslösen.
  • Stress: Chronischer Stress kann zu Bluthochdruck und anderen Herzproblemen beitragen.
  • Angeborene Herzfehler: Selten, aber möglich.
  • WPW-Syndrom und Long-QT-Syndrom: Angeborene Ursachen.

Symptome von Herzrhythmusstörungen

Typische Symptome von Herzrhythmusstörungen sind:

  • Herzrasen oder -stolpern
  • Angstgefühle
  • Leistungsschwäche
  • Brustschmerzen
  • Luftnot
  • Schwindel bis hin zur Bewusstlosigkeit

Diagnostik von Herzrhythmusstörungen

Zur Diagnose von Herzrhythmusstörungen stehen verschiedene Methoden zur Verfügung:

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  • Ruhe-EKG: Zeichnet die elektrische Aktivität des Herzens in Ruhe auf.
  • Langzeit-EKG: Überwacht die Herzaktivität über einen längeren Zeitraum (meist 24 Stunden oder länger).
  • Belastungs-EKG: Zeichnet die Herzaktivität unter körperlicher Belastung auf.
  • Ereignisrekorder: Kleine, unter die Haut implantierbare Geräte, die kontinuierlich auch über viele Monate Herzrhythmusstörungen detektieren können.
  • Elektrophysiologische Untersuchung (EPU): Eine invasive Untersuchung, bei der spezielle Katheter über die Leistenvene ins Herz eingeführt werden, um die elektrische Aktivität des Herzens genauer zu untersuchen und die Ursache der Rhythmusstörung zu finden.
  • Kipptischuntersuchung: Wird bei Synkopen (Ohnmachtsanfällen) durchgeführt, um die Reaktion des Herz-Kreislauf-Systems auf Lagewechsel zu überprüfen.
  • Genetische Untersuchungen: Können bei Verdacht auf genetisch bedingte Herzrhythmusstörungen durchgeführt werden.
  • Kardio-CT und Kardio-MRT: Bildgebende Verfahren, die detaillierte Informationen über die Struktur des Herzens liefern.

Behandlung von Herzrhythmusstörungen

Die Behandlung von Herzrhythmusstörungen richtet sich nach der Art der Rhythmusstörung, ihrer Ursache und den Beschwerden des Patienten. Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten:

  • Medikamente: Antiarrhythmika können helfen, den Herzrhythmus zu stabilisieren. Betablocker werden oft zur Behandlung von Herzrasen eingesetzt.
  • Katheterablation: Bei dieser Methode werden die Bereiche im Herzmuskel, die Ursprungsort von Herzrhythmusstörungen sind, gezielt verödet. Die Katheterablation wird über die Leistenvene oder -arterie durchgeführt.
  • Herzschrittmacher: Werden zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen eingesetzt, bei denen das Herz zu langsam schlägt oder sogar aussetzt.
  • Implantierbarer Defibrillator (ICD): Erkennt gefährliche Rhythmusstörungen aus der Herzkammer, sogenanntes Kammerflimmern, und beendet diese mittels Elektroschock.
  • Kardiale Resynchronisationstherapie (CRT): Eine spezielle Form der Schrittmachertherapie, die bei Herzinsuffizienz eingesetzt wird, um die Pumpfunktion des Herzens zu verbessern.
  • Verschluss des Vorhofohrs: Eine Kathetertechnik, die bei Patienten mit Vorhofflimmern eingesetzt wird, um das Risiko eines Schlaganfalls zu verringern.

Kammerflimmern: Eine lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung

Kammerflimmern ist eine lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung, bei der die Herzkammern unkoordiniert und sehr schnell schlagen. Dadurch kann das Herz kein Blut mehr in den Körper pumpen, was innerhalb weniger Minuten zum Tod führt.

Ursachen von Kammerflimmern

Kammerflimmern kann verschiedene Ursachen haben, darunter:

  • Herzinfarkt: Eine der häufigsten Ursachen.
  • Herzmuskelerkrankungen: Kardiomyopathien
  • Elektrolytstörungen: Insbesondere Kaliummangel
  • Medikamente: Einige Medikamente können Kammerflimmern auslösen.
  • Elektrounfälle: Ein elektrischer Schlag kann Kammerflimmern verursachen.
  • Long-QT-Syndrom: Eine angeborene Erkrankung, die das Risiko für Kammerflimmern erhöht.

Symptome von Kammerflimmern

Die Symptome von Kammerflimmern sind:

  • Bewusstlosigkeit
  • Atemstillstand
  • Kein fühlbarer Puls

Behandlung von Kammerflimmern

Kammerflimmern muss sofort behandelt werden, um das Überleben des Patienten zu sichern. Die Behandlung besteht aus:

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  • Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW): Sofortige Durchführung von Brustkompressionen und Beatmungen.
  • Defibrillation: Abgabe eines elektrischen Schocks, um das Herz wieder in einen normalen Rhythmus zu bringen.

Implantierbarer Defibrillator (ICD)

Patienten mit einem hohen Risiko für Kammerflimmern erhalten oft einen implantierbaren Defibrillator (ICD). Dieser erkennt die Rhythmusstörung und gibt automatisch einen Elektroschock ab, um das Herz wieder in einen normalen Rhythmus zu bringen.

Synkopen (Ohnmachtsanfälle)

Als Synkope wird eine kurzfristige Bewusstlosigkeit definiert, die Folge einer plötzlichen Mangelversorgung des Gehirnes ist. Sie ist in der Regel innerhalb von wenigen Minuten vollständig reversibel. Die Gründe sind mannigfaltig. Mit einer Störung der Herzfunktion einhergehende Synkopen sind von großer prognostischer Bedeutung, weil deren Verkennung mit einer Verkürzung der Lebenszeit einhergehen kann. Leider können diese Störungen der Herzfunktion auch nur temporär auftreten und sind nachträglich dann nicht mehr erkennbar. Die Diagnostik erfordert häufig Geduld; unter anderem zum Einsatz kommen sogenannte Event-Rekorder, kleine unter die Haut implantierbare „Mini-EKGs“, die kontinuierlich auch über viele Monate Herzrhythmusstörungen detektieren können.

Bluthochdruck (Hypertonie)

Die Bluthochdruckerkrankung gehört zu den häufigsten Herz-Kreislaufkrankheiten. In etwa 10 Prozent der Fälle lassen sich Ursachen nachweisen, deren Korrektur die Blutdruckeinstellung vereinfacht. In einem speziellen Abklärungsprogramm („RR-Screening“) wird diesen Ursachen nachgegangen. Dieses Programm umfasst die Suche nach endokrinen Ursachen, einer Nierenarterienstenose und Schlafstörungen. Für die weitere Betreuung von medikamentös schwer einstellbaren Patienten steht eine Ambulanz zur Verfügung.

Herz-Kreislauf-Stillstand

Ein Herz-Kreislauf-Stillstand tritt auf, wenn das Herz plötzlich aufhört zu schlagen. Dies bedeutet, dass das Herz kein Blut mehr durch den Körper pumpt. Ohne diese Blutzirkulation können die Organe, einschließlich des Gehirns, keinen Sauerstoff mehr erhalten, was sehr schnell lebensbedrohlich werden kann. Wenn nicht sofort Hilfe geleistet wird, kann dies innerhalb von Minuten zum Tod führen.

Ursachen für einen Herz-Kreislauf-Stillstand

  • Herzinfarkt: Eine der häufigsten Ursachen.
  • Herzrhythmusstörungen: Abnormale Herzrhythmen, wie Kammerflimmern oder Kammertachykardie.
  • Herzschwäche: Wenn das Herz aufgrund von Erkrankungen, wie einer Kardiomyopathie oder schweren Herzklappenerkrankungen, nicht mehr in der Lage ist, ausreichend Blut zu pumpen.
  • Atemstillstand: Probleme mit der Atmung, wie Erstickung, schwere Asthma-Anfälle oder eine Blockierung der Atemwege.
  • Elektrounfälle: Ein elektrischer Schlag kann das Herz aus dem Takt bringen und einen Herzstillstand verursachen.
  • Trauma: Schwere Verletzungen, insbesondere am Brustkorb, können das Herz direkt schädigen.
  • Ertrinken: Ein Sauerstoffmangel aufgrund von Ertrinken kann zu einem Herz-Kreislauf-Stillstand führen.
  • Drogenüberdosierung: Bestimmte Drogen, insbesondere solche, die das Herz oder die Atmung beeinflussen, können einen Herzstillstand auslösen.
  • Schwere Infektionen: Sepsis kann zu einem Versagen mehrerer Organe, einschließlich des Herzens, führen.
  • Schwere Blutungen: Ein großer Blutverlust kann dazu führen, dass das Herz nicht mehr genügend Blut zum Pumpen hat.

Risikofaktoren für einen Herz-Kreislauf-Stillstand

  • Vorerkrankungen des Herzens (koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt in der Vorgeschichte, Herzrhythmusstörungen, Herzinsuffizienz, Herzklappenerkrankungen)
  • Familiäre Vorbelastung
  • Bluthochdruck
  • Hoher Cholesterinspiegel
  • Diabetes
  • Rauchen
  • Fettleibigkeit
  • Bewegungsmangel
  • Ungesunde Ernährung
  • Alkohol- und Drogenmissbrauch
  • Stress
  • Alter
  • Geschlecht (Männer haben ein höheres Risiko)
  • Elektrolytstörungen

Maßnahmen bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand

  1. Absichern und Notruf absetzen: Sofort den Notruf wählen und professionelle Hilfe anfordern.
  2. Erste Hilfe leisten: Unmittelbare Durchführung von Brustkompressionen und Beatmungen.
  3. Rettungsdienst übernimmt: Fortsetzung der Herz-Lungen-Wiederbelebung durch professionelle Rettungskräfte.
  4. Krankenhausbehandlung: Erweiterte medizinische Diagnostik und Therapie im Krankenhaus.

Erweiterte Reanimationsmaßnahmen (ECPR)

Bei einem refraktären Herz-Kreislauf-Stillstand, bei dem Standardmaßnahmen der Wiederbelebung nicht erfolgreich sind, kann eine extrakorporale Wiederbelebung (ECPR) in Betracht gezogen werden. Hierbei wird ein extrakorporales Membranoxygenierungsgerät (ECMO) eingesetzt, das temporär die Funktionen von Herz und Lunge übernimmt.

Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Viele Herz-Kreislauf-Erkrankungen können durch einen gesunden Lebensstil vermieden oder verzögert werden. Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören:

  • Gesunde Ernährung: Reich an Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und magerem Eiweiß.
  • Regelmäßige Bewegung: Mindestens 150 Minuten moderate oder 75 Minuten intensive körperliche Aktivität pro Woche.
  • Nichtrauchen: Rauchen schädigt die Blutgefäße und erhöht das Risiko für Herzkrankheiten.
  • Gesundes Gewicht: Übergewicht und Fettleibigkeit erhöhen das Risiko für Herzkrankheiten, Bluthochdruck und Diabetes.
  • Stressmanagement: Techniken zur Stressbewältigung wie Yoga, Meditation oder Entspannungsübungen können helfen, den Blutdruck zu senken und das Herz zu schützen.
  • Regelmäßige ärztliche Untersuchungen: Zur Früherkennung und Behandlung von Risikofaktoren wie Bluthochdruck, hohem Cholesterinspiegel und Diabetes.

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