Weihrauch bei Glioblastom: Studienlage und potenzielle Anwendung

Einführung

Die Suche nach wirksamen Behandlungsstrategien gegen Krebs, insbesondere gegen aggressive Hirntumoren wie das Glioblastom, ist ein zentrales Anliegen der modernen Medizin. Angesichts der oft belastenden Nebenwirkungen konventioneller Therapien wie Operation, Bestrahlung und Chemotherapie suchen Betroffene verstärkt nach alternativen oder ergänzenden Möglichkeiten. In diesem Zusammenhang rücken Naturstoffe und Heilpflanzen in den Fokus, darunter auch Weihrauch. Dieser Artikel beleuchtet die aktuelle Studienlage zur Wirkung von Weihrauch, insbesondere bei Glioblastomen, und diskutiert das Potenzial dieser natürlichen Substanz als unterstützende Therapie.

Was ist Weihrauch?

Weihrauch ist das Harz des Boswellia-Baumes, der in Indien, Nordafrika und im Nahen Osten vorkommt. Für medizinische Zwecke wird vor allem der indische Weihrauch (Boswellia serrata) verwendet. Afrikanischer Weihrauch (Boswellia carterii oder Boswellia sacra) findet oft bei kirchlichen Bräuchen Verwendung. Weihrauch wird seit Jahrhunderten als Heilmittel eingesetzt, beispielsweise bei entzündlichen Erkrankungen.

Weihrauch bei Hirntumoren: Aktuelle Forschungsergebnisse

Reduktion von Hirnödemen

Ein vielversprechender Ansatzpunkt für die Anwendung von Weihrauch bei Hirntumoren liegt in seiner Fähigkeit, Hirnödeme zu reduzieren. Diese Wasseransammlungen im Gehirn können durch den Tumor selbst oder als Nebenwirkung einer Strahlentherapie entstehen und Druck auf die Gehirnstrukturen ausüben.

Eine Studie der Abteilung für Strahlenheilkunde der Universität Freiburg untersuchte den Effekt von Weihrauch auf Hirnödeme bei Patienten, die aufgrund von Hirntumoren bestrahlt wurden. Die Patienten erhielten entweder parallel zur Bestrahlung ein Boswellia-serrata-Präparat (4.200 mg pro Tag) oder ein Placebo. Die Ergebnisse zeigten, dass sich die Hirnödeme in der Weihrauch-Gruppe stärker zurückbildeten als in der Placebo-Gruppe. Zudem war der Kortisonbedarf, der normalerweise zur Reduktion von Ödemen eingesetzt wird, in der Weihrauch-Gruppe geringer. Die Autoren schlussfolgerten, dass der Einsatz von Weihrauch-Präparaten sinnvoll sein könnte, um Ödeme bei Hirntumoren zu vermeiden.

Andere Wissenschaftler fanden heraus, dass die Wirkung des Weihrauchs von der Dosis abhängt. Die stärkste Reduktion der Ödeme wurde bei einer Tagesdosis von 3 x 1.200 mg beobachtet, während eine niedrigere Dosis (3 x 400 mg pro Tag) keine Veränderung des Ausmaßes der Wasseransammlung bewirkte.

Lesen Sie auch: Epileptische Anfälle bei Glioblastomen

Förderung der Apoptose bei Glioblastomzellen

Weitere Studien deuten darauf hin, dass Boswelliasäuren bei Hirntumoren, insbesondere beim Glioblastom, den programmierten Zelltod (Apoptose) fördern können. Die Apoptose ist ein natürlicher Prozess, bei dem Zellen altern, sterben und durch neue ersetzt werden. Krebszellen widersetzen sich diesem System jedoch oft. Weihrauch könnte dazu beitragen, dass Tumorzellen sich selbst zerstören.

Wirkmechanismus der Boswelliasäuren

Die im Weihrauch enthaltenen Boswelliasäuren scheinen Hirnödeme abzubauen und Krebszellen zu bekämpfen, indem sie vor allem die Produktion von Leukotrienen (LT) drosseln. Diese Enzyme werden unter anderem für die Ödembildung verantwortlich gemacht. Der wirksamste Weihrauch-Inhaltsstoff ist die 3-Acetyl-11-keto-ß-Boswelliasäure (AKBA).

Weitere Krebsarten und das Potenzial von Weihrauch

Neben Hirntumoren gibt es auch bei anderen Krebsarten Hinweise darauf, dass Weihrauch-Präparate vorbeugend oder lindernd wirken können.

Darmkrebs

Experimentelle Versuche haben gezeigt, dass Weihrauch die Apoptose von Darmkrebszellen verstärken und gleichzeitig den Wachstums- und Teilungsprozess der Zellen hemmen kann. Besonders ausgeprägt war die Wirkung, wenn AKBA mit Curcumin kombiniert wurde. In einer anderen Untersuchung schrumpfte die Geschwulst bei Mäusen, denen AKBA direkt verabreicht wurde. Darüber hinaus unterdrückte die Boswelliasäure offenbar den Prozess, bei dem der Tumor in Leber, Lunge oder Milz streut.

Bauchspeicheldrüsenkrebs

Krebs in der Bauchspeicheldrüse hat normalerweise eine sehr schlechte Prognose. Die üblichen Behandlungen wie Operationen, Chemo- und Strahlentherapie schlagen oft nicht an bzw. sind gar nicht erst möglich. Studien deuten darauf hin, dass die Kombination von Weihrauch und dem Antidiabetikum Metformin ein vielversprechender Ansatz sein könnte, um gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs vorzugehen. Ähnlich wie bei Hirntumoren fördert Weihrauch auch hier die Apoptose von Krebszellen und schränkt deren Lebensfähigkeit ein.

Lesen Sie auch: Epileptische Anfälle bei Glioblastom behandeln

Brustkrebs

Wissenschaftlern zufolge hemmen Boswelliasäuren Entzündungen und schützen das Brustgewebe.

Akute myeloische Leukämie (AML)

Antitumoröse Effekte wurden auch bei Patienten mit akuter myeloischer Leukämie (AML) beobachtet: Die sogenannten HL-60-Zellen wurden daran gehindert, zu wachsen und sich zu vermehren.

Blasenkrebs

In einer Untersuchung wurden Blasenkrebszellen durch Weihrauch unterdrückt, während normale Zellen unbeeinträchtigt blieben.

Herausforderungen und Einschränkungen der aktuellen Studienlage

Obwohl die bisherigen Forschungsergebnisse vielversprechend sind, gibt es auch einige Herausforderungen und Einschränkungen zu berücksichtigen:

  • Vorklinische Forschung dominiert: Bislang konzentriert sich die Forschung zu Weihrauch vor allem auf vorklinische Experimente an Zellkulturen oder Mäusen.
  • Wenige klinische Studien: Klinische Studien zur Wirksamkeit von Weihrauch bei Patienten mit Hirntumoren oder einer anderen Krebserkrankung liegen derzeit nur wenige vor.
  • Unvollständig geklärtes Wirkprinzip: Das Wirkprinzip der Weihrauchpräparate ist trotz umfangreicher Forschung noch nicht vollständig geklärt.
  • Geringe Aussagekraft der Studien: Insgesamt liegen zu Weihrauch als unterstützende Therapie bei Krebs keine hochwertigen Daten vor. Die Aussagekraft der bisherigen Studien ist gering.
  • Keine Empfehlung von Fachgruppen: Die Fachleute der S3-Leitlinie Komplementärmedizin sprechen weder eine Empfehlung für noch gegen Boswellia zur Behandlung von Hirnödemen bei Patienten mit Hirntumoren aus.
  • Keine Erwähnung in Gliom-Leitlinien: Weihrauch findet keine Erwähnung in den aktuellen Gliom-Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der European Association of Neuro-Oncology (EANO).

Nebenwirkungen und Wechselwirkungen

Im Allgemeinen sind Boswellia-Extrakte gut verträglich. Bislang gibt es lediglich einzelne Fallberichte zu unerwünschten Wirkungen, beispielsweise einer allergischen Kontaktdermatitis nach der Anwendung einer boswelliahaltigen Creme. In einer Studie mit Patienten mit Reizdarmsyndrom, die ein bestimmtes Produkt aus Boswellia serrata erhielten, war eine leichte Verstopfung der einzige unerwünschte Effekt. Toxische Wirkungen sind in der Literatur bislang nicht beschrieben.

Lesen Sie auch: Deutsche Hirntumorhilfe: Hoffnung bei Glioblastom

Pharmakokinetische Studien deuten auf hemmende Wirkungen von Boswelliasäuren auf Cytochrom-P450-Enzyme und P-Glykoprotein hin. Das Risiko von Arzneimittelwechselwirkungen beim Menschen kann aufgrund fehlender Daten aber bisher nicht bewertet werden.

Fazit

Die Forschung zur Wirkung von Weihrauch bei Glioblastomen und anderen Krebsarten ist vielversprechend, aber noch nicht abschließend. Es gibt Hinweise darauf, dass Boswellia-Extrakte therapiebedingte Hirnödeme bei Patienten mit Hirntumoren verkleinern könnten und die Apoptose von Krebszellen fördern können. Allerdings sind weitere hochwertige klinische Studien erforderlich, um die Wirksamkeit und Sicherheit von Weihrauch als unterstützende Therapie bei Krebs zu bestätigen.

Es ist wichtig zu beachten, dass Weihrauch in der Europäischen Union (EU) nicht als Arzneimittel zugelassen ist und boswelliahaltige Produkte nur in Form freiverkäuflicher Nahrungsergänzungsmittel erhältlich sind. Die Lebensmittelbehörden kontrollieren diese Produkte nur stichprobenartig, sodass Verunreinigungen und unerlaubte Beimischungen nicht ausgeschlossen werden können.

Betroffene sollten sich vor der Anwendung von Weihrauch-Präparaten unbedingt von ihrem Arzt oder Apotheker beraten lassen, um mögliche Risiken und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten abzuklären.

tags: #hirntumorforum #glioblastom #weihrauch