Konrad Krauss, bekannt für seine Rolle als Arno Brandner in der ARD-Vorabendserie "Verbotene Liebe", verließ die Serie nach 17 Jahren. Sein Ausstieg markiert das Ende einer Ära, in der er als DAS Serienurgestein und Gallionsfigur der Daily Soap galt. Doch Krauss' Abschied von der "Verbotenen Liebe" ist nicht nur ein Abschied von einer Rolle, sondern auch eine Auseinandersetzung mit einem ernsten Thema: Alzheimer.
Konrad Krauss: Ein Urgestein der "Verbotenen Liebe"
Seit dem Start der "Verbotenen Liebe" am 2. Januar 1995 verkörperte Konrad Krauss die Rolle des Arno Brandner, des Familienoberhaupts des Brandner-Clans. Er hielt die Familie zusammen, verteidigte sie gegen die Von und Zus und stand den Seinen stets in allen Lebenslagen zur Seite. Dabei verkörperte er bürgerliche Werte und stellte seine eigenen Bedürfnisse meist hinten an.
Krauss' Darstellung des Arno Brandner prägte die Serie über viele Jahre. Er durchlebte mit seiner Figur Alltag, Höhen und Tiefen. Besonders in Erinnerung bleiben die schwierigen Zeiten, als sich seine getrennt aufgewachsenen Kinder, die Zwillinge Jan und Julia, begegneten und ineinander verliebten.
Im Laufe der Zeit veränderte sich jedoch die Produktion der Daily Soap. Das Tempo wurde schneller, und auch Krauss' Rolle veränderte sich. Dennoch blickt er positiv auf seine Zeit bei der "Verbotenen Liebe" zurück: "Ich habe mit dem Regisseur diskutiert und der Rolle ein Gesicht gegeben. An der Entwicklung mitgewirkt."
Der Abschied von Arno Brandner
Nach 17 Jahren entschloss sich Konrad Krauss, die "Verbotene Liebe" zu verlassen. "Nach so vielen Jahren ist die Rolle Arno Brandner zu Ende erzählt, und ich freue mich jetzt wieder auf neue Rollen", sagte der Schauspieler. Seinen letzten Auftritt als Arno Brandner hatte er in Folge 4140, die voraussichtlich am 11. September ausgestrahlt wurde.
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Für viele Fans war der Abschied von Arno Brandner unvorstellbar. Doch Krauss betonte, dass er nicht in den Ruhestand gehen wolle. "Ich liebe meinen Beruf und möchte so lange es geht weiter arbeiten", erklärte er. Damit kehrte er zu seinen Anfängen zurück, denn seine Schauspielkarriere hatte auf der Bühne begonnen.
Arno Brandners Kampf gegen Alzheimer
In den letzten Monaten seiner Zeit bei der "Verbotenen Liebe" thematisierte die Serie ein ernstes Thema: Arno Brandners Erkrankung an Alzheimer. Die Zuschauer erlebten mit, wie der einst so starke Familienvater zunehmend vergesslich wurde, Dinge verlegte und Termine vergaß.
Die Auseinandersetzung mit Alzheimer war für Konrad Krauss eine besondere Herausforderung. Er musste die Verwirrung, die Ängste und die Verletzlichkeit eines Menschen darstellen, der langsam seine Erinnerung verliert. Dabei wurde er von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft beraten, um die Krankheit so authentisch wie möglich darzustellen.
Die Geschichte um Arno Brandners Demenzerkrankung ist bereits seit April langsam in die tägliche Serie eingeführt worden: Bauunternehmer Arno Brandner verlegt Dinge, vergisst Termine und erzählt immer öfter die gleichen Geschichten. Seine beste Freundin Charlie Schneider (Gabriele Metzger) und seine Ex-Frau Elisabeth von Lahnstein (Martina Servatius) machen sich zunehmend Sorgen. Arno will sich nicht untersuchen lassen - zu sehr fürchtet er die Diagnose. Seine Nachbarin Jessica Stiehl (Jana Julie Kilka) wird zu einer guten Freundin in der Not, denn sie ahnt längst, dass Arno an Alzheimer erkrankt ist. In Folge 4095 von „Verbotene Liebe“ wird schließlich die ärztliche Diagnose gestellt.
Die "Verbotene Liebe" zeigte den Leidensdruck des Betroffenen, die Ängste und Sorgen der Familien und Freunde angesichts der Erkenntnis, dass es bei dieser Diagnose keine Heilungschance gibt. Arno Brandner wurde immer wieder ungerecht und verletzend gegenüber seinen Liebsten, um sich selbst zu schützen.
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Sensibilisierung für das Thema Demenz
Mit der Geschichte um Arno Brandner wollte die "Verbotene Liebe" das Thema Demenz in die Öffentlichkeit bringen. "Demenz ist ein Thema, das leider immer mehr Menschen in unserer Gesellschaft betrifft, direkt oder durch die Erkrankung ihrer Angehörigen", erklärte man seitens der Serie. "Eine unserer wichtigsten Aufgaben ist es, für dieses Thema zu sensibilisieren, um so eine frühzeitige Diagnose zu ermöglichen, die Forschung voranzubringen und bereits erkrankten Menschen mit Verständnis und Unterstützung entgegen kommen zu können."
Die Serie arbeitete bei der Vorbereitung des Handlungsstranges Hand in Hand mit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft. "Wir begrüßen, dass die Alzheimer-Krankheit, auch in der TV-Serie Verbotene Liebe zum Thema wird", sagte Heike von Lützau-Hohlbein, 1. Vorsitzende der Deutschen Alzheimer Gesellschaft. "In Deutschland sind 1,2 Millionen Menschen von Demenzerkrankungen betroffen, doch besonders Alzheimer ist immer noch ein Tabu. Deshalb ist es ganz wichtig aufzuklären."
Auch Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr besuchte das Set der "Verbotenen Liebe", um sich über die Thematik zu informieren. Er trug sich in das „Buch der Erinnerungen“ der Deutschen Alzheimer Gesellschaft ein und betonte die Bedeutung von Erinnerungen für die Zukunft.
Konrad Krauss' weitere Karriere
Auch nach seinem Ausstieg aus der "Verbotenen Liebe" blieb Konrad Krauss der Schauspielerei treu. Er kehrte zu seinen Wurzeln zurück und spielte wieder Theater. Außerdem war er weiterhin als Hörspiel- und Synchronsprecher tätig.
Konrad Krauss wurde in Wilhelmshaven geboren und studierte Schauspiel und Musik in Hamburg. Er spielte an fast allen bekannten deutschsprachigen Theaterbühnen. Bereits 1960 erregte er Aufsehen in der legendären "Faust"-Verfilmung von Gustav Gründgens als Erzengel Raphael. Darüber hinaus war er in zahlreichen Fernsehfilmen und -serien zu sehen, darunter "Tatort", "Peter Strohm" und "Großstadtrevier".
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