Migräne bei Landeanflug: Ursachen, Vorbeugung und Behandlung

Flugreisen sind für viele Menschen ein fester Bestandteil des Urlaubs oder der Geschäftsreise. Doch die veränderten Bedingungen in der Flugzeugkabine können zu verschiedenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen, darunter auch Migräneattacken. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Migräne bei Landeanflügen, gibt Tipps zur Vorbeugung und stellt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten vor.

Ursachen von Kopfschmerzen und Migräne im Flugzeug

Verschiedene Faktoren während eines Fluges können Kopfschmerzen und Migräne auslösen oder verstärken:

  • Geringe Luftfeuchtigkeit: Die Luftfeuchtigkeit in Flugzeugkabinen ist sehr niedrig (oft nur 10-20 %), was zu einer Austrocknung der Schleimhäute führt. Dies beeinträchtigt die Funktion des mukoziliären Apparats, der normalerweise Krankheitserreger abfängt und abtransportiert.

  • Niedriger Luftdruck: Der Kabinendruck entspricht etwa dem Druck in 2.500 Metern Höhe. Dies führt zu einer erschwerten Sauerstoffversorgung des Gehirns. Der verringerte Kabinendruck führt zu einer geringeren Sauerstoffaufnahme im Blut, was Müdigkeit, Konzentrationsprobleme und Kopfschmerzen verursachen kann. Bei Personen mit Neigung zu Migräne oder Spannungskopfschmerzen kann dies anhaltende Kopfschmerzen nach dem Flug auslösen.

  • Bewegungsmangel: Langes Sitzen an Bord führt zu einer verminderten Blutzirkulation und kann den Blutdruck senken, was die Beschwerden zusätzlich verstärkt.

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  • Stress und Flugangst: Flugangst und allgemeiner Reisestress können ebenfalls Migräneattacken begünstigen.

  • Dehydration: Der Körper verliert während eines Fluges bis zu 1,5 Liter Wasser, was zu Dehydration und Kopfschmerzen führen kann.

  • Veränderungen im Geschmacksempfinden: Der niedrige Luftdruck kann das Geschmacksempfinden verändern, was zu einer erhöhten Aufnahme von Salz und Zucker führen kann, was wiederum Kopfschmerzen begünstigen kann.

  • Reisekrankheit: Ungewohnte Bewegungsreize stören den Gleichgewichtssinn und können Reisekrankheit mit Symptomen wie Kopfschmerzen, Übelkeit und Schwindelgefühl auslösen.

Die Rolle des Gehirnödems

Ein Gehirnödem ist eine Schwellung des Gehirns, die durch Flüssigkeitsansammlung verursacht wird. Obwohl selten, kann ein Gehirnödem während eines Fluges problematisch werden. Der geringere Luftdruck in der Kabine kann dazu führen, dass sich das Ödem ausdehnt und den Druck auf das Gehirn erhöht, was die Symptome verschlimmern und lebensgefährlich werden kann.

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Vorbeugung von Kopfschmerzen und Migräne im Flugzeug

Es gibt verschiedene Maßnahmen, die helfen können, Kopfschmerzen und Migräne während eines Fluges vorzubeugen:

  • Ausreichend trinken: Trinken Sie mindestens 150 Milliliter Wasser, Fruchtsäfte oder Kräutertees pro Stunde, um Dehydration vorzubeugen. Vermeiden Sie Alkohol, da er gefäßerweiternd wirkt und die Dehydration verstärken kann.

  • Bewegung: Führen Sie regelmäßig kleine Bewegungsübungen am Platz durch, um die Blutzirkulation anzuregen. Stehen Sie auf und gehen Sie im Gang umher, um Thrombosen vorzubeugen.

  • Entspannung: Praktizieren Sie Entspannungsübungen, um Stress und Anspannung abzubauen. Atemübungen oder progressive Muskelentspannung können helfen.

  • Vermeiden von Triggern: Identifizieren Sie Ihre persönlichen Migräne-Trigger und vermeiden Sie diese vor und während des Fluges. Dazu können bestimmte Nahrungsmittel, Gerüche oder Stressoren gehören.

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  • Regelmäßigkeit: Achten Sie auf einen geregelten Schlafrhythmus und regelmäßige Mahlzeiten, um Ihren Körper nicht zusätzlich zu belasten.

  • Ohrenpflege: Verwenden Sie abschwellende Nasensprays vor dem Start und der Landung, um den Druckausgleich im Ohr zu erleichtern. Führen Sie Druckausgleichsübungen wie Kauen, Gähnen oder die Valsalva-Methode durch.

  • Leichte Mahlzeiten: Nehmen Sie vor dem Flug eine leichte, fettarme Mahlzeit zu sich. Vermeiden Sie schwere, schwer verdauliche Speisen.

  • Ingwer: Ingwer kann helfen, Übelkeit und Brechreiz zu reduzieren. Kauen Sie ein Stück frische Ingwerwurzel oder trinken Sie Ingwertee.

  • Geeignete Kleidung: Tragen Sie bequeme, lockere Kleidung, um die Blutzirkulation nicht einzuschränken.

  • Flugangst bewältigen: Wenn Sie unter Flugangst leiden, suchen Sie professionelle Hilfe oder wenden Sie Entspannungstechniken an, um Ihre Angst zu reduzieren.

Behandlung von Kopfschmerzen und Migräne im Flugzeug

Wenn trotz vorbeugender Maßnahmen Kopfschmerzen oder Migräne auftreten, gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten:

  • Akupressur: Massieren Sie die Akupressurpunkte an den Schläfen (etwa einen Fingerbreit vom Ende der Augenbraue entfernt) mit sanftem, kreisendem Druck.

  • Schmerzmittel: Bei leichten Kopfschmerzen können frei verkäufliche Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen helfen.

  • Triptane: Bei Migräne können Triptane eingenommen werden, die die Freisetzung von Nervenbotenstoffen blockieren und Entzündungsprozesse im Gehirn reduzieren. Beachten Sie, dass Triptane verschreibungspflichtig sind.

  • Reisetabletten: Bei Reisekrankheit können Reisetabletten mit dem Wirkstoff Dimenhydrinat eingenommen werden.

  • Homöopathische Mittel: Gegen Schwindelgefühl können homöopathische Mittel mit dem Wirkstoff Anamirta cocculus helfen.

  • Pflanzliche Mittel: Tabletten, Kapseln oder Tropfen mit Extrakten aus Ingwerwurzeln oder Schneebeere (Symphoricarpos) können ebenfalls Linderung verschaffen.

  • Sauerstoff: In manchen Fällen kann die Zufuhr von zusätzlichem Sauerstoff helfen, die Kopfschmerzen zu lindern. Wenden Sie sich an das Bordpersonal, um dies zu erfragen.

Sea-Level-Flug bei Gehirnödem

Für Patienten mit einem Gehirnödem kann ein Sea-Level-Flug erforderlich sein, um das Risiko einer Verschlimmerung der Symptome zu minimieren. Bei einem Sea-Level-Flug wird ein speziell ausgestattetes Flugzeug mit einer verstärkten Druckkabine verwendet, in der ein höherer Luftdruck erzeugt werden kann. Dies verhindert eine Ausdehnung des Gehirnödems. Solche Flüge werden von spezialisierten Ambulanzflugzentralen organisiert und sind mit medizinischem Personal besetzt, das den Patienten während des Fluges betreut. Es ist ratsam, vor einer Auslandsreise eine Reisekrankenversicherung abzuschließen, die auch die Kosten für eine Auslandsrückholung im Falle eines Gehirnödems abdeckt.

Reisekrankheit

Die Reisekrankheit (Kinetose) wird durch widersprüchliche Sinneseindrücke ausgelöst. Das Gleichgewichtsorgan nimmt eine andere Bewegung wahr als die Augen. Symptome sind Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen und Blässe.

Tipps gegen Reisekrankheit:

  • In Fahrtrichtung sitzen und einen festen Punkt am Horizont fixieren.
  • Im Auto neben dem Fahrer sitzen, im Bus vor die Vorderachse, im Flugzeug am Fenster über den Tragflächen, auf einem Schiff in der Mitte.
  • An die frische Luft gehen und den Bewegungen des Schiffes folgen.
  • Leichte, fettarme Mahlzeiten zu sich nehmen.
  • Kauen (Kaugummi, Äpfel, Möhren).
  • Alkohol meiden und nicht rauchen.
  • Ingwer konsumieren.
  • Für Ablenkung sorgen (Musik, Hörspiele).
  • Für frische Luft und regelmäßige Pausen sorgen.

Was beim Fliegen im Körper passiert

Flugreisen können verschiedene Auswirkungen auf den Körper haben:

  • Ohrenschmerzen: Durch den Druckunterschied können Ohrenschmerzen entstehen, besonders bei Erkältungen. Die Valsalva-Methode, abschwellende Nasensprays, Kaugummikauen und Gähnen können helfen.

  • Augentrockenheit: Die trockene Luft kann zu trockenen und schmerzenden Augen führen. Augentropfen und das Tragen einer Brille anstelle von Kontaktlinsen können Abhilfe schaffen.

  • Herz-Kreislauf-System: Sauerstoffmangel in der Kabinenluft kann Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und andere koronare Erkrankungen begünstigen.

  • Blähungen: Der abnehmende Druck im Flugzeug führt zur Ausdehnung der Gase im Bauch, was zu Blähungen führen kann.

  • Thrombose: Stundenlanges Sitzen kann das Risiko einer Thrombose erhöhen. Kompressionsstrümpfe, Bewegung und Medikamente können vorbeugend wirken.

  • Geschwächtes Immunsystem: Lange Flüge können das Immunsystem schwächen. Trockene Luft, Müdigkeit, Stresshormone und Kälte tragen dazu bei.

Klimaanlage im Flugzeug

Die Klimaanlage im Flugzeug selbst macht nicht krank. Moderne Luftfiltersysteme reduzieren sogar das Risiko einer Ansteckung. Die Ursache für Erkältungen liegt eher in einem geschwächten Immunsystem, trockenen Schleimhäuten und dem Kontakt mit Keimen.

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