Wurmerkrankungen, auch Helminthiasen genannt, entstehen durch Infektionen mit parasitischen Würmern. Diese Würmer, oft langgestreckt und segmentiert, sind in ihrer Systematik vielfältig. Besonders bedeutsam ist die Klasse der Nematoden (Fadenwürmer), zu der unter anderem Madenwürmer, Spulwürmer und die Larva migrans gehören. Aber auch Bandwürmer (Cestoden) und Saugwürmer (Trematoden) sind von Bedeutung.
Wurmerkrankungen: Eine Übersicht
Fadenwürmer (Nematoden)
Diese farblosen, unsegmentierten und getrenntgeschlechtlichen Würmer umfassen eine Vielzahl von Parasiten, darunter:
- Madenwurm (Enterobius vermicularis)
- Spulwurm (Ascaris lumbricoides)
- Larva migrans (Ankylostoma brasiliense)
- Zwergfadenwurm (Strongyloides stercoralis)
- Trichinen (Trichinella spiralis)
- Filarien (Wuchereria bancrofti)
- Guineawurm (Dracunculus medinensis)
Bandwürmer (Cestoden)
Bandwürmer sind bandförmige, septierte Hermaphroditen von wenigen Millimetern bis zu mehreren Metern Länge. Sie bewohnen als geschlechtsreife Formen das Darmlumen, während ihre Larven verschiedene Körperorgane befallen können. Ein Verdauungstrakt fehlt ihnen. Zu den wichtigsten Arten gehören:
- Rinderbandwurm (Taenia saginata)
- Schweinebandwurm (Taenia solium)
- Hundebandwürmer (Echinococcus granulosus und multilocularis)
Saugwürmer (Trematoden)
Die meisten Saugwürmer sind zungen- oder lanzettförmig dorsoventral abgeflacht. Mit Ausnahme der getrenntgeschlechtlichen Schistosomen sind sie Hermaphroditen. Sie besitzen zwei muskuläre Saugnäpfe. Für ihre Weiterentwicklung benötigen sie eine Schnecke als Zwischenwirt. Bedeutende Arten sind die Schistosomen, die Bilharziose verursachen, und die Erreger der Zerkariendermatitis.
Blutegel (Hirudinea)
Blutegel sind durch ihren Aufbau aus ringförmigen Körpersegmenten gekennzeichnet. Einige Arten sind temporäre blutsaugende Ektoparasiten des Menschen. Sie erzeugen beim Saugakt Hautwunden, die aufgrund gerinnungshemmender Speichelbestandteile lange und heftig nachbluten können.
Lesen Sie auch: Ursachen von Larva Migrans
Einflussfaktoren und Immunabwehr
Klimatische Faktoren, mangelhafte Hygiene und bestimmte Ernährungsgewohnheiten begünstigen vor allem in subtropischen und tropischen Ländern das Vorkommen zahlreicher Wurminfektionen des Menschen, die oft auch mit Hauterscheinungen einhergehen. Würmer oder deren Larven können in allen Organen einschließlich des strömenden Bluts leben. Die Mechanismen, die zur Begrenzung oder Überwindung von parasitären Infektionen führen, sind nur teilweise bekannt. Die Immunabwehr des Wirts spielt eine entscheidende Rolle im Krankheitsverlauf. Bei der Kontrolle extrazellulärer Parasiten wie der Nematoden kommt T-Zell-Zytokinen der Interleukin-4-Familie sowie den IgE-Antikörpern eine Schlüsselrolle zu. Zeichen für eine Wurminfektion können eine Bluteosinophilie und eine IgE-Erhöhung sein. Die damit einhergehende starke Aktivierung des Immunsystems kann von schädlichen Wirkungen wie allergischen Allgemeinreaktionen als Sekundärerkrankung begleitet sein.
Kutane Larva Migrans: Wenn Wurmlarven unter der Haut wandern
Die kutane Larva migrans ist eine Hauterkrankung, die durch die Wanderung von Larven verschiedener Nematodenarten durch die oberflächlichen Hautschichten verursacht wird. Die erste nachgewiesene Hautinfektion wurde durch Ancylostoma brasiliense ausgelöst. Weitere Erreger können sein:
- Hundehakenwurm (Ancylostoma caninum)
- Rinderhakenwurm (Bunostomum phlebotum)
- Strongyloidesarten
- Menschenhakenwurm (Ancylostoma duodenale und Necator americanus)
Infektionsweg und Symptome
Die Larven leben im feuchten Erdreich oder an Sandstränden und dringen nach Kontakt, beispielsweise beim Barfußlaufen, durch die intakte Epidermis ein. Dort legen sie charakteristische Wanderungen in Tunnelgängen zurück, was zu einer entzündlichen Reaktion führt. An der Eintrittsstelle entwickelt sich eine stark juckende Dermatitis mit Ödem, Papeln und Papulovesikeln. Mit Beginn der Larvenwanderung werden die typischen girlanden- oder zickzackförmigen entzündlichen Streifen sichtbar. Sekundär kann es zu impetiginisierten Ekzemen kommen.
Diagnose und Therapie
Die Diagnose erfolgt anhand der bizarr-streifigen Erythembänder und der Anamnese. Eine topische Therapie mit Thiabendazol oder eine systemische Therapie mit Albendazol kann in den meisten Fällen zur Heilung führen. Früher empfohlene kaustische Applikationen oder Kryotherapie werden aufgrund von Schmerzen, Narben und Pigmentstörungen nicht mehr empfohlen.
Weitere Wurminfektionen mit Hautbeteiligung
Madenwurmbefall (Enterobiasis)
Erreger ist der Madenwurm Oxyuris (Enterobius vermicularis). Der häufigste Infektionsweg ist die Schmierinfektion. Die Patienten sind meist Kinder mit starkem Pruritus ani. Durch Kratzen werden die Finger mit den Wurmeiern infiziert und diese wieder in die Mundhöhle übertragen. Das ständige Kratzen führt in der Analgegend zu Erosionen, Ekzematisation und möglicherweise zu Sekundärinfektionen. Die Diagnose erfolgt durch Inspektion der Aftergegend oder Nachweis von Wurmeiern mittels Klebebandabklatsch. Intern werden Pyrantelembonat, Pyrviniumembonat oder Mebendazol eingesetzt.
Lesen Sie auch: Bilharziose, Larva migrans und Co.: Was Reisende über Parasiten wissen sollten
Spulwurmbefall (Ascariasis)
Der starr-elastische Spulwurm (Ascaris lumbricoides) lebt im Dünndarm. Die Infektion erfolgt nach Aufnahme von reifen Wurmeiern, die an Frischgemüse, Obst und anderen pflanzlichen Nahrungsmitteln haften. Starker Wurmbefall kann zu immunologischen Reaktionen wie chronischer Urtikaria, Bluteosinophilie und eosinophilen Lungeninfiltraten führen. Die Wurmeier können im Stuhl nachgewiesen werden. Medikamente der Wahl sind Mebendazol oder Albendazol.
Zwergfadenwurmbefall (Strongyloidiasis)
Der Zwergfadenwurm (Strongyloides stercoralis) lebt im Darm und legt dort Eier. Ausgeschiedene Larven penetrieren die Haut, gelangen in die Blutgefäße und wandern in die Lunge. An der Haut treten schnell wandernde urtikarielle Bänder (Larva currens) auf, begleitet von unspezifischen urtikariellen Exanthemen und Juckreiz. Bei Immunsuppression kann es zu einer generalisierten Strongyloidose kommen. Die Diagnose wird durch den Larvennachweis im Stuhl oder serologische Tests gestellt. Eine systemische Behandlung mit Albendazol, Mebendazol und Ivermectin ist wirksam.
Trichinose
Die durch Trichinella spiralis verursachte Erkrankung wird meist durch den Verzehr von larvenhaltigem Schweinefleisch ausgelöst. Über eine Penetration der Darmwand wird der gesamte Organismus mit Trichinen überschwemmt, die sich hauptsächlich in der Muskulatur einnisten. Neben klinisch inapparenten Verläufen können verschiedene, schwere Allgemeinreaktionen bis hin zu Myokarditis, Enzephalitis und Sepsis auftreten. Es kommen Albendazol oder Mebendazol zum Einsatz.
Lymphatische Filariose
Die Erkrankung tritt nur in Endemiegebieten der Tropen und Subtropen auf. Die Erreger sind Wuchereria bancrofti, Brugia malayi und Brugia timori. Die Übertragung erfolgt durch Moskitoarten. Die Larven wandern entlang der Lymphgefäße und verursachen Lymphödeme und Elephantiasis.
Das Risiko einer Blutvergiftung (Sepsis)
Obwohl Wurminfektionen selten direkt zu einer Blutvergiftung führen, können sie das Risiko indirekt erhöhen. Dies geschieht hauptsächlich durch:
Lesen Sie auch: Larva Migrans Vorbeugung
- Sekundärinfektionen: Durch das Kratzen bei juckenden Hautveränderungen (z.B. bei Madenwurmbefall oder kutaner Larva migrans) können Bakterien in die Haut eindringen und zu lokalen Infektionen führen, die sich im schlimmsten Fall zu einer Sepsis entwickeln können.
- Generalisierte Infektionen bei Immunsuppression: Bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem können Wurminfektionen schwerwiegender verlaufen und sich im Körper ausbreiten. Dies kann zu Organschäden und einer erhöhten Anfälligkeit für bakterielle Superinfektionen führen, die eine Sepsis auslösen können.
- Direkte Beteiligung des Blutes: In seltenen Fällen können Wurmlarven direkt in den Blutkreislauf gelangen und dort eine Entzündungsreaktion auslösen, die eine Sepsis begünstigt.
Weitere Reise-assoziierte Hauterkrankungen und deren Komplikationen
Neben Wurminfektionen gibt es eine Vielzahl anderer Reise-assoziierter Hauterkrankungen, die ebenfalls Komplikationen verursachen können:
Leishmaniose
Die Leishmaniose wird durch den Stich der Sandmücke übertragen. Unbehandelt führt die Infektion erst zu kirschgroßen Knoten und dann zu Geschwüren in der Haut, die nur sehr schwer abheilen.
Superinfektion von Mückenstichen
Mückenstiche können sich mit Staphylokokken oder Streptokokken infizieren und zu Erysipel, Vasculitis allergica oder rheumatischem Fieber führen.
Hautmykosen
Hautmykosen in den Tropen zeigen wegen des oft späten Erkennens meist eine subkutane Beteiligung. Profunde Dermatomykosen sind von Beginn an systemisch zu behandeln.
Myiasis
Bei einer Wundmyiasis finden sich in einer präexistenten Wunde bewegliche Larven. Die furunkulöse Myiasis wird durch furunkelähnliche Knoten manifest. Befallen die Larven Wunden, besteht die Gefahr einer Sepsis.
Tungiasis
Sandflöhe dringen vor allem in die Haut der Füße ein, legen dort Eier ab und sterben dann. Es bilden sich langsam wachsende Knoten, die jucken und sich entzünden können.
Aquariumgranulom
Eine Infektion mit Mycobacterium marinum kann über kleine Verletzungen in die Haut eindringen und zu erythematösen Plaques und Knoten führen, die zu Hyperkeratose, Verkrustung und oberflächlichen Ulzerationen neigen.
Milzbrand
Ohne Antibiotika kann aus einem Hautmilzbrand eine lebensbedrohliche Blutvergiftung entstehen.
Prävention und Schutzmaßnahmen
Um sich vor Wurminfektionen und anderen Reise-assoziierten Hauterkrankungen zu schützen, sind folgende Maßnahmen ratsam:
- Hygiene: Achten Sie auf sorgfältige Hygiene, insbesondere vor dem Essen und nach dem Toilettengang.
- Lebensmittelhygiene: Waschen Sie Obst und Gemüse gründlich und erhitzen Sie Fleisch ausreichend.
- Vermeidung von Barfußlaufen: Vermeiden Sie Barfußlaufen in tropischen und subtropischen Gebieten, insbesondere an Stränden und in Grünanlagen.
- Insektenschutz: Schützen Sie sich vor Insektenstichen durchRepellents, Moskitonetze undSchutzkleidung.
- Impfungen: Überprüfen Sie Ihren Impfstatus vor Reisen in Risikogebiete.
- Reiseapotheke: Packen Sie eine Reiseapotheke mit Sonnenschutzmitteln, Insektenschutzmitteln und gegebenenfalls Anthelminthika ein.
- Ärztliche Beratung: Suchen Sie bei unklaren Hautveränderungen nach einer Reise einen Arzt auf.
tags: #larva #migrans #blutvergiftung