Larva Migrans: Behandlung, Erfahrungen und Vorbeugung

Die Larva migrans, auch bekannt als "Hautmaulwurf", ist eine Reisedermatose, die durch Hakenwurmlarven verursacht wird. Diese Infektion tritt häufig in tropischen und subtropischen Regionen auf, wo Menschen barfuß mit kontaminierten Böden in Kontakt kommen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Diagnose, Behandlung und Vorbeugung der Larva migrans, um Reisenden und medizinischem Fachpersonal ein umfassendes Verständnis dieser Hauterkrankung zu vermitteln.

Einführung

Reisen in tropische und subtropische Gebiete bieten einzigartige Erlebnisse, bergen aber auch dermatologische Risiken. Die Larva migrans ist eine der häufigsten Reisedermatosen, die durch das Eindringen von Hakenwurmlarven in die Haut verursacht wird. Professor Esther von Stebut-Borschitz, Herausgeberin des Buches „Reisedermatosen“, betont die Bedeutung der Aufklärung über diese Risiken und die richtige Vorbereitung auf Reisen in gefährdete Gebiete.

Ursachen und Pathogenese

Auslöser der Larva migrans sind Larven von Hakenwürmern, meist Ancylostoma braziliense. Diese Larven dringen in die Haut ein und wandern in der Epidermis umher. Die Infektion erfolgt typischerweise durch Kontakt mit Sand oder Erde, die mit Tierkot kontaminiert ist. Die Larven können Temperaturen bis -20 °C über 5 Minuten recht gut vertragen.

Vorkommen und Verbreitung

Endemiegebiete für Larva migrans sind Regionen mit warmfeuchtem Klima, in denen barfuß laufende Menschen mit Exkrementen freilaufender Tiere in Kontakt kommen. Dazu gehören Strände in Südamerika, Afrika, der Karibik, Südostasien, den südöstlichen Staaten der USA und teilweise auch am Mittelmeer. Die asiatische Tigermücke Aedes albopictus und Sandmücken der Gattung Phlebotomus breiten sich zunehmend auch in Südeuropa bis nach Süddeutschland aus.

Klinik und Symptome

Nach dem Kontakt mit verseuchten Böden entsteht am Infestationsort eine Papel. Von hier breitet sich ein gewundener, erhabener Gang aus. Das typische subjektive Symptom ist Juckreiz. Die entzündlich infiltrierten Wanderpfade des Wurms sind zumeist an den Füßen oder am Gesäß manifestiert. Betroffene Reisende kommen fast immer aus der Karibik oder anderen warmen Ländern Mittel- und Südamerikas, gelegentlich aber auch aus Afrika oder Asien.

Lesen Sie auch: Ursachen von Larva Migrans

Unterschied zur Hakenwurmkrankheit

Im Gegensatz zur Larva migrans cutanea bleibt der Parasit bei der Hakenwurmkrankheit nicht nur in der Haut und stirbt dort auch nicht ab. Bei der Hakenwurmkrankheit verbreitet sich die Larve tiefer im Körper und lebt dort als Parasit. Verursacher der Hakenwurmkrankheit sind die Wurmarten Ancylostoma duodenale und Necator americanus.

Diagnose

Die Diagnose der kutanen Larva migrans wird in der Regel klinisch anhand der charakteristischen gewundenen Hautveränderungen und der Reiseanamnese gestellt. Eine Probebiopsie ist in der Regel nicht erforderlich.

Differentialdiagnose

Es ist wichtig, die Larva migrans cutanea von anderen Hauterkrankungen mit ähnlichen Symptomen zu unterscheiden. Dazu gehören:

  • Larva currens: Eine Reaktion auf Larven von Strongyloides stercoralis, die sich durch eine schnellere Wanderung und weniger scharf begrenzte Gänge auszeichnet.
  • "Creeping eruption": Wandernde subkutane Schwellungen mit Rötung und Urticaria, die bei Gnathostomiasis, kutaner Paragonimiasis oder Fasziolose auftreten können.
  • Myiasis: Ein Befall mit Fliegenmaden, der ähnliche wandernde Symptome verursachen kann.

Therapie

Da lokale Anthelminthika kommerziell nicht erhältlich sind, ist die Therapie der Wahl ganz klar die dreitägige perorale Behandlung mit Albendazol 800 mg. Obwohl in dieser Indikation nicht offiziell zugelassen, ist auch die orale Einzeittherapie mit Ivermectin 200 µg hervorragend wirksam.

Medikamentöse Behandlung

  • Albendazol: Eine dreitägige perorale Behandlung mit 800 mg ist oft die Therapie der Wahl.
  • Ivermectin: Eine orale Einzeittherapie mit 200 µg ist ebenfalls wirksam.

Lokale Behandlung

  • Albendazol 10% in lipophiler Grundlage: Kann dreimal täglich für 7-10 Tage aufgetragen werden, besonders bei Kindern oder Patienten mit diskretem Befund.*Begleitend empfehlen wir zur Milderung der Entzündung und des Juckreizes eine kurzzeitige (1-5 Tage) Lokaltherapie mit einer glukokortikoidhaltigen Creme (Expertenmeinung) und bei Bedarf systemische Anthistaminika zur Juckreizstillung.

Alternative Behandlungen

  • Kryotherapie: Aufgrund der Kälteempfindlichkeit der Larven und der Schwierigkeit, ihren genauen Aufenthaltsort zu bestimmen, wird diese Methode nicht empfohlen.

Wichtige Hinweise

  • In der Schwangerschaft dürfen weder Ivermectin noch Albendazol eingenommen werden.
  • Unter einer wirksamen Behandlung sollte der Juckreiz nach 3, die Dermatitis nach 7 Tagen deutlich rückläufig sein.

Vorbeugung

Die beste Vorbeugung gegen Larva migrans ist die Vermeidung des Kontakts mit potenziell kontaminierten Böden. Hier sind einige Tipps:

Lesen Sie auch: Bilharziose, Larva migrans und Co.: Was Reisende über Parasiten wissen sollten

  • Tragen Sie auf möglicherweise befallenen Stränden und Böden Schuhwerk mit festen Sohlen (zum Beispiel Sandalen).
  • Benutzen Sie am Badestrand Matratzen oder Liegen, anstatt sich direkt auf den Sand oder auf Handtücher zu legen.
  • Bevorzugen Sie Strandareale, die regelmäßig von den Gezeiten gespült werden.
  • Nutzen Sie Strände, an denen sich weder Katzen noch Hunde aufhalten.
  • Es ist ratsam, dort nicht barfuß zu gehen, wenn die Gefahr besteht, dass der Erdboden oder Strand mit Kot verunreinigt ist.*Meiden Sie Liegen oder Unterlagen an Badestränden, die möglicherweise durch menschliche Fäkalien sowie Hunde- und/oder Katzenkot verunreinigt sind.*Versuchen Sie, Spielplätze und Sandkästen vor Verunreinigungen durch Hunde- und Katzenkot zu schützen.

Erfahrungen und Fallbeispiele

Ein Fallbericht schildert eine Patientin, die sich in Dresden mit Hakenwurmlarven infizierte, nachdem ihr Hund sich in Kotresten gewälzt hatte. Die Patientin putzte das kontaminierte Fell ihres Hundes zwar penibel, aber mit bloßen Händen. Nach Kryotherapie und lokalem Glukokortikoid erhielt die Patientin aufgrund neugebildeter blutunterlaufener Gänge im Abstand von einer Woche jeweils eine systemische Stoßtherapie mit zweimal sechs Milligramm Ivermectin.

Komplikationen

Obwohl die kutane Larva migrans in der Regel selbstlimitierend ist, können Komplikationen auftreten, insbesondere wenn die Haut aufgekratzt wird und sich eine bakterielle Superinfektion entwickelt.

Impfstatus und Reiseapotheke

Vor der Reise sollte unbedingt der Impfstatus überprüft werden. In die Reiseapotheke gehören dann zum einen Sonnencremes mit ausreichendem UV-Schutz, da eine durch Sonnenbrand gereizte Haut sowieso schon stark angegriffen ist. Das ist besonders wichtig bei immunsupprimierten Patienten, bei denen es zu schlimmen Infektionsverläufen kommen kann.

Superinfektion von Mückenstichen

Bei Urlaubern kommt es häufig zu Superinfektionen von Mückenstichen, die etwa durch Ekthymata auffällig werden. Es besteht die Gefahr von Superinfektionen mit Staphylokokken (beispielsweise als Auslöser eines Erysipels) und Streptokokken. Pusteln, gelbliche Krusten, periläsionale Rötungen und Schwellungen weisen auf eine Superinfektion hin.

Weitere Reiseerkrankungen

Neben der Larva migrans gibt es weitere Reiseerkrankungen, die die Urlaubsfreude trüben können. Dazu gehören Leishmaniose, Hautmykosen, Myiasis, Tungiasis und Skabies.

Lesen Sie auch: Alles über Borrelien-Erythem

Leishmaniose

Die Leishmaniose wird durch den Stich der Sandmücke übertragen. Der Verlauf unterscheidet sich je nach Wirtsimmunität und auslösender Subspezies. Mehrere Wochen bis zu drei Monate nach dem Stich bildet sich eine erythematöse Papel an der Inokulationsstelle. Im Verlauf zeigt sich ein Größenwachstum, der Patient bemerkt eine Plaque, die ulzerieren kann.

Hautmykosen

Hautmykosen in den Tropen zeigen wegen des oft späten Erkennens meist eine subkutane Beteiligung. Scharf begrenzte, chronische Hautläsionen an Händen und Füßen sind suspekt. Profunde Dermatomykosen sind von Beginn an systemisch zu behandeln.

Myiasis

Bei einer Wundmyiasis finden sich in einer präexistenten Wunde bewegliche Larven. Die furunkulöse Myiasis wird Tage bis Wochen nach der Heimkehr durch einen oder mehrere furunkelähnliche Knoten manifest.

Tungiasis

Die Infestation mit dem Sandfloh Tunga penetrans breitet sich von ursprünglich Brasilien über ganz Südamerika, die Karibik und Afrika und mittlerweile - durch den Klimawandel begünstigt - bis in die Mittelmeerregion aus. Die Flöhe können bis zu 10 mm anschwellen, und nach 2-3 Tagen entwickelt sich eine heftige schmerzhafte Entzündung mit Fremdkörpergefühl. Zudem kann es zu bakterieller Superinfektion bis hin zu Tetanus kommen.

Skabies

Die Renaissance der Skabies lässt einen klaren zeitlichen Zusammenhang mit der Zunahme der Flüchtlingsströme nach Europa erkennen, und tatsächlich leisten reduzierte und problematische sozioökonomische Umstände der Parasitose Vorschub. Die bevorzugte Beteiligung der Genitalregion ist ein deutlicher Hinweis auf eine sexuell erworbene Infektion, denn die Ansteckung setzt einen engen körperlichen Kontakt mit Infizierten voraus.

tags: #larva #migrans #erfahrungen