Die Lyme-Borreliose ist eine durch Bakterien ausgelöste Infektionskrankheit, die akut oder chronisch verlaufen kann. Das häufigste Erkennungsmerkmal ist die Wanderröte (Erythema migrans). Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Lyme-Borreliose, insbesondere im Hinblick auf das Erythema migrans.
Was ist Lyme-Borreliose?
Die Lyme-Borreliose ist eine Infektionskrankheit, die durch Bakterien des Genus Borrelia ausgelöst wird. Sie zählt zu den Zoonosen, also Erkrankungen, die von Tieren auf Menschen und von Menschen auf Tiere übertragen werden können. Erregerreservoir sind Mäuse und Vögel, aber auch Reptilien, Igel, Füchse oder Kaninchen.
Die Lyme-Borreliose wurde nach dem Ort Lyme (Connecticut, USA) benannt, wo auffällig häufig Erkrankungsfälle mit Gelenkentzündungen nach Zeckenstichen auftraten.
Verbreitung und Häufigkeit
Die Lyme-Borreliose kommt überall in den gemäßigten Breiten der nördlichen Hemisphäre vor (Nordamerika, Europa und Asien). Sie ist in Europa die mit Abstand häufigste durch Zecken übertragene Krankheit. Es ist von einer Infektionsgefährdung in allen Teilen Deutschlands auszugehen.
Epidemiologische Zahlen gibt es nur relativ wenig, da die Erkrankung in Deutschland ausschließlich in neun Bundesländern meldepflichtig ist. Dazu zählen Bayern, Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. In diesen Bundesländern mit Meldepflicht liegt die Inzidenz zwischen 25 und 50 Erkrankungen pro 100.000 Einwohnern.
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Schätzungen zufolge erkranken in Deutschland jährlich jedoch 60.000 bis 200.000 Menschen an einer klinisch feststellbaren Lyme-Borreliose. Sekundärdatenanalysen basierend auf Kodierung und Abrechnungen von Ärzten und Krankenhäusern können Einblicke in Krankheitshäufigkeiten geben. Basierend auf diesen Daten wurde in einer Studie geschätzt, dass in Deutschland von jährlich 214.000 Patienten Lyme-Borreliose-Abrechnungen erstellt werden.
Das Vorkommen von Borrelien in Zecken schwankt kleinräumig sehr stark. Bei Untersuchungen aus Deutschland und der Schweiz wurde nach einem Zeckenstich bei 2,6 bis 5,6% der Betroffenen eine Antikörperbildung gegen Borrelien (Serokonversion) nachgewiesen.
Ursachen und Übertragung
Die Ursache der Lyme-Borreliose ist eine Infektion mit Bakterien des Genus Borrelia. Dazu zählen Borrelia burgdorferi sensu stricto, Borrelia garinii, Borrelia bavariensis, Borrelia afzelii und Borrelia spielmanii. In Europa finden sich alle fünf Arten der Borrelien. Bis auf B. mayonii kommen alle humanpathogenen Spezies in Europa vor, während von den humanpathogenen Stämmen in den USA nur B. burgdorferi sensu stricto und B. mayonii nachweisbar sind. In Asien sind alle humanpathogenen Spezies außer B. burgdorferi sensu stricto und B. mayonii vorhanden. Alle Spezies können klinische Manifestationen der Haut (Erythema migrans) auslösen. B. garinii und B. bavariensis zeigen eine Assoziation mit neurologischen Manifestationen, B. afzelii mit der Entwicklung einer Acrodermatitis chronica atrophicans.
Die Übertragung erfolgt in Mitteleuropa durch den Stich der Schildzecke Ixodes (I.) ricinus. Diese kann man abhängig von der vorherrschenden Witterung das ganze Jahr über in Deutschland finden. Die größte Aktivität findet sich aber meist im Frühling und Herbst. Die wichtigsten Vektoren in Deutschland sind Schildzecken der Art Ixodes (I.) ricinus.
In der nüchternen Zecke befinden sich die Borrelien im Darm. Nach Beginn des Saugaktes wandern die Borrelien in die Speicheldrüsen, von wo sie mit dem Zeckenspeichel auf den Gestochenen übertragen werden. Die Zecke muss daher eine längere Zeit (zumindest mehrere Stunden) gesaugt haben, damit Borrelien übertragen werden können. Je nach klinischer Symptomatik der Erstmanifestation kann die Inkubationszeit nach dem Zeckenstich stark variieren: Die Inkubationszeit des Erythema migrans beträgt 3 bis 30 Tage (Median 7 bis 10 Tage). Die Inkubationszeit der frühen Neuroborreliose ist im Mittel nur unwesentlich länger. Späte Hautmanifestationen (Acrodermatitis chronica atrophicans), Lyme-Arthritis und die späte Neuroborreliose können sich auch nach Monaten und Jahren entwickeln.
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Sticht eine mit Borrelien infizierte Zecke einen Menschen, können die Erreger auf den Menschen übertragen werden. Dafür wandern sie aus dem Verdauungstrakt der Zecke in ihre Speicheldrüsen und werden von da in die Haut des Menschen übertragen. Wird die Zecke schnell entfernt, ist eine Übertragung weitestgehend ausgeschlossen. Die Übertragungswahrscheinlichkeit steigt jedoch stark an, wurde die Zecke nach 24 Stunden immer noch nicht entfernt.
Nachdem die Borrelien in die Haut eingedrungen sind, breiten sie sich konzentrisch um den Stich aus. Das Immunsystem erkennt vor allem die Oberflächen-Proteine, die sogenannten Osp-Lipoproteine, der Borrelien. Dadurch werden Komplement-System, Makrophagen und dendritische Zellen aktiviert und inflammatorische Zytokine freigesetzt. Später bildet sich eine spezifische Immunantwort mit Borrelien-spezifische Antikörper aus. Wie gut das Immunsystem auf den Erreger reagieren kann, hängt auch von den Evasionsstrategien ab, mit denen sich die Borrelien dem Immunsystem entziehen. Sie können zum Beispiel ihre Zelloberfläche maskieren und je nach Umgebung anpassen.
Risikofaktoren
Das Infektionsrisiko ist stark von den Witterungsbedingungen abhängig. Zecken werden ab einer Temperatur von etwa 6°C aktiv. Das Infektionsrisiko ist deshalb in den Monaten von April bis Ende September am höchsten. Gemessen an der Häufigkeit von Erythema migrans treten besonders im Juni und Juli Borrelioseinfektionen auf. Die Neuroborreliose hat ihre Hochzeit im Juli und August.
Risikopersonen sind Menschen, die sich beruflich (z.B. Förster, Forstarbeiter, Gärtner) oder in ihrer Freizeit oft im Garten oder in der Natur aufhalten.
Symptome der Lyme-Borreliose
Die Lyme-Borreliose hat viele Gesichter. Bis sich erste Symptome zeigen, können nach dem Zeckenstich Wochen bis Jahre vergehen. Die meisten Infektionen mit B. burgdorferi führen nicht zu Krankheitssymptomen. Falls sich eine Erkrankung entwickelt, können folgende Organsysteme involviert sein: Haut (Erythema mirgans, Borrelien-Lymphozytom, Acrodermatitis chronica athrophicans), Nervengewebe (frühe und späte Neuroborreliose), Gelenke (Lyme-Arthritis) oder Herz (Lyme-Karditis).
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In einer großen prospektiven, populationsbasierten Studie, die in den 1990er Jahren den Raum Würzburg mit etwa 279.000 Einwohnern umfasste, fanden sich für die verschiedenen Manifestationen folgende Häufigkeiten: Erythema migrans als einziges Symptom bei 89% der Erkrankten, frühe Neuroborreliose bei 3%, Lymphozytom bei 2%, kardiale Beteiligung bei < 1%, Lyme-Arthritis bei 5% und Acrodermatitis bei 1%.
Die Lyme-Borreliose wird in verschiedene Stadien unterteilt:
Frühmanifestation (Lokalisierte Infektion)
In der Frühmanifestation, der lokalisierten Infektion, tritt vor allem das charakteristische Erythema migrans an der Haut auf. Es tritt bei 89% der Lyme-Borreliosen auf. Dabei handelt es sich um eine konzentrische Hautrötung von mindestens fünf Zentimetern im Durchmesser mit zentraler Abblassung. Die Einstichstelle liegt meist zentral im Erythema.
Hautmanifestationen: Das Erythema migrans tritt in den meisten Fällen als typische solitäre Form auf und ist dann ein randbetontes, nicht erhabenes Erythem mit mindestens 5 cm Durchmesser. Es breitet sich zunehmend zentrifugal aus. Im Zentrum des Erythems ist häufig eine sichtbare Zeckeneinstichstelle. Es besteht ein symptomfreies Zeitintervall von mindestens 3 Tagen zwischen Zeckenstich und Beginn des Erythems. Diese ansonsten sehr charakteristischen Eigenschaften können bei atypischen Verlaufsformen des Erythema migrans fehlen. Wegen der starken Variabilität des klinischen Erscheinungsbildes bei atypischen Verlaufsformen ist bei Verdacht empfohlen, eine dermatologische Expertise mit einzubeziehen.
In den meisten Fällen heilt das Erythem auch unbehandelt innerhalb von Wochen wieder aus. Dennoch ist bei Auftreten des Erythema migrans eine antibiotische Therapie nötig, da es sonst zur disseminierten Erkrankung kommt. Es können jedoch schon im Frühstadium Fieber, Mylagien, Athralgien und Lymphknotenschwellungen parallel auftreten. Auch ein Borrelien-Lymphozytom kann in diesem Stadium auftreten, das sich durch bläulich-rötliche Knoten vor allem an Ohrläppchen, Brustwarze und Hodensack äußert.
Früh Disseminiertes Stadium
Bei ca. 10% der Patienten geht die Frühmanifestation nach zwei bis zwölf Wochen in ein früh disseminiertes Stadium über. An der Haut manifestiert sich die Lyme-Borreliose als multiple Erythema migrantia und Borrelien-Lymphozytome. Disseminiert die Borreliose frühzeitig, können multiple Erythemata migrantia auftreten. Diese sind häufig ovale Rötungen unterschiedlicher Größenausprägung, bei Kindern auch ähnlich den Ringelröteln symmetrisch auf den Wangen. Insbesondere bei diesen Erkrankungen können begleitend unspezifische Symptome wie Fieber, Myalgien, Arthralgien und Lymphknotenschwellungen auftreten.
Zusätzlich können grippeartige Symptome mit Muskel- und Gelenkschmerzen, Fieber, Müdigkeit, Lymphknotenschwellungen, Leistungsminderung und Kopfschmerzen auftreten, wenn die Borreliose sich auf weitere Organe ausbreitet. Ist das Nervensystem befallen, entsteht eine Neuroborreliose, die sich auch als lymphozytäre Meningitis, Meningoradikulitis Bannwarth, Hirnnervenparesen oder Myelitis bemerkbar macht. Auch Ophthalmoborreliosen, Myositiden, akute Karditis mit AV-Block und akute intermittierende Lyme-Arthritis werden in diesem Stadium berichtet. Die allermeisten (vermutlich über 98%) der neurologischen Fälle manifestieren sich als frühe Neuroborreliose. Hier tritt die Symptomatik wenige Wochen bis einige Monate nach dem Zeckenstich auf. Sie äußert sich als meist nachts betonte, brennend schmerzhafte Meningoradikulitis einzelner Rückenmarksnerven (spinaler Nerven). Diese stehen häufig in Verbindung mit einer ein- oder beidseitigen Gesichtslähmung (Fazialisparese) (Garin-Bujadoux-Bannwarth-Syndrom). Die Schmerzen strahlen in das Versorgungsgebiet des jeweiligen Nervs aus (radikuläre Schmerzen).
Spätstadium
Im Spätstadium kommt es an der Einstichstelle zu einer Acrodermatitis chronica mit Ödemen, zunehmender Atrophie aller Hautschichten und Hautanhangsgebilde der betroffenen Stelle. 40-60% der betroffenen Patienten entwickeln zusätzlich eine periphere Neuropathie mit Taubheitsgefühl, Kribbelparästhesien, Brennen und gesteigertem Schmerzempfinden. Betroffen sind vorrangig ältere Frauen. Die Acrodermatitis chronica atrophicans ist durch ein initial anschwellendes (ödematös-infiltratives) Stadium, meistens an Armen und Beinen, gekennzeichnet. Dies führt nachfolgend zu einem atrophen Stadium, das durch Verlust von Binde- und Fettgewebe und der Körperbehaarung gekennzeichnet ist. Die Blutgefäße treten hervor und nachfolgend können sich neben einem Gelenk liegende (juxtaartikuläre) fibroide Knoten bilden. In ungefähr der Hälfte der Erkrankungen sind Gelenke und Nervengewebe in den betroffenen Extremitäten beteiligt.
Manifestiert sich die Erkrankung in anderen Organen als der Haut, treten rheumatologische Symptome auf und die Lyme-Arthritis. Meist ist das dem Erythema migrans benachbarte Gelenk betroffen. Die Lyme-Arthritis ist eine schubweise oder chronisch verlaufende mono- oder oligoartikuläre Arthritis. Am häufigsten sind die Kniegelenke betroffen, seltener andere große Gelenke, v. a. Sprung- und Ellenbogengelenke. Eine späte Neuroborreliose zeigt sich in sehr seltenen Fällen. Die neurologische Symptomatik entwickelt sich schleichend über Monate bis Jahre. Relativ selten kommt es zu einer Manifestation am Herzen meist in Form von Reizleitungsstörungen (AV-Block wechselnden Grades) oder einer Perimyokarditis.
Diagnose
Eine erste klinische Verdachtsdiagnose kann symptomatisch gestellt werden. Spezifische Krankheitssymptome wie das Erythema migrans sind dabei ausschlaggebend. Die Lyme-Borreliose ist primär eine klinische Verdachtsdiagnose, die durch die Ergebnisse der Labordiagnostik gestützt wird. Abgesehen vom typischen Erythema migrans, welches rein klinisch diagnostiziert wird, ist bei Verdacht auf Lyme-Borreliose der Nachweis borrelienspezifischer Antikörper im Serum ggf. auch im Liquor ein entscheidender Baustein für die Diagnosefindung.
Die endgültige Diagnose wird anhand der Labordiagnostik gestellt. Mittels Blutprobe können die Borreliose-Erreger nachgewiesen werden. Bei einer Neuroborreliose ist eine Liquorprobe notwendig. Mit dem Serum der Blutprobe bzw. mit dem Liquor wird eine Stufendiagnostik durchgeführt. Da es den optimalen Einzeltest für den Antikörpernachweis nicht gibt, sollte bei der Serodiagnostik nach dem Prinzip der Stufendiagnostik verfahren werden:
- Stufe: ELISA oder vergleichbare Methoden.
- Stufe: Immunoblot (falls der Test der 1. Stufe positiv oder grenzwertig ist).
Für die Diagnose einer Neuroborreliose ist der Nachweis intrathekal (im Nervenwasser) gebildeter Antikörper gegen Borrelien in Liquor/Serum-Paaren vom gleichen Tag erforderlich. Die Bestimmung des Liquor/Serum-Index ermöglicht den Nachweis der borrelienspezifischen intrathekalen Antikörperbildung (= positiver borrelienspezifischer Antikörperindex [AI]). Letzterer ist 6 bis 8 Wochen nach Erkrankungsbeginn bei der weitaus überwiegenden Anzahl der Patienten nachweisbar. Typischerweise sind auch entzündliche Veränderungen des Nervenwassers vorhanden.
Drei bis sechs Wochen nach Krankheitsbeginn sind bereits spezifische IgM-Antikörper nachweisbar, Wochen bis Monate nach Krankheitsbeginn auch IgG-Antikörper. Ein positiver Borrelien-spezifischer Antikörperwert muss jedoch nicht immer auf eine aktive Erkrankung hinweisen: Niedrige Werte können auch Zeichen einer bereits früher überstandenen Infektion sein und auf eine Seronarbe hinweisen (Cave: Reinfektion möglich!).
Grundsätzlich gilt auch hier, dass ein positiver Antikörperbefund nur in Verbindung mit entsprechenden klinischen Symptomen und weiteren Liquorbefunden für eine Lyme-Borreliose spricht. Der Nachweis des Chemokins CXCL13 im Liquor korreliert mit dem Auftreten von Symptomen der Neuroborreliose und kann bei der Diagnose unterstützend sein.
Eine serologische Diagnostik soll nur bei ausreichendem klinischen Verdacht angefordert werden. Bei der Bewertung der serologischen Untersuchung ist zu beachten, dass bei einem Teil der Patienten aufgrund vorheriger, aber erfolgreich überwundener Infektionen ein positiver Antikörpertest vorhanden ist. Dieser Anteil (Vortestwahrscheinlichkeit) ist bei Kindern niedrig, beträgt in einigen Bevölkerungsgruppen aber >20%. Diese positiven Testergebnisse stehen daher nicht zwingend mit einer zum Zeitpunkt der Blutentnahme bestehenden Erkrankung in Zusammenhang. Auf der anderen Seite treten Antikörper im Blut zeitversetzt zum Infektionsbeginn auf. Erst kürzlich erworbene Infektionen sind häufig in der Serologie negativ (diagnostische Lücke). Ein solches Ergebnis im Frühstadium einer Erkrankung schließt eine Lyme-Borreliose nicht aus.
In der Serologie besteht die Möglichkeit des Auftretens falsch-positiver Reaktionen unter anderem auch in Bezug zu anderen Krankheiten (Autoimmunerkrankungen, bakteriell bedingte Erkrankungen wie Syphilis und viral bedingte Krankheiten wie Epstein-Barr- und andere Herpes-Virus-Infektionen). Da die serologischen Verfahren nicht standardisiert sind, muss mit diskrepanten Befunden verschiedener Untersuchungslabore gerechnet werden.
Obwohl Anzucht und PCR entscheidend zur Aufklärung der Lyme-Borreliose beigetragen haben, sind sie im diagnostischen Prozedere lediglich der Serologie nachgeschaltete, hilfreiche Zusatzverfahren. Die Kultivierung von Borrelien aus Patientenmaterial ist diagnostisch beweisend. Es handelt sich jedoch um ein zeit- und arbeitsaufwendiges Verfahren, das nur in wenigen Speziallaboratorien durchgeführt wird. Häufig lassen sich die Erreger erst nach mehrwöchiger Bebrütung und mehrfacher Blindpassage nachweisen. Für die Anzucht geeignete Untersuchungsmaterialien sind Liquor und Biopsiematerial (vor allem Hautbiopsien). Die besten Ergebnisse erhält man, wenn das Untersuchungsmaterial sofort nach der Entnahme in das Medium verimpft wird. Die Sensitivität der PCR entspricht etwa der der Kultur. Eine wichtige Spezialindikation für die PCR ist die Untersuchung von Gelenkpunktaten (besser noch Synoviabiopsien).
Aufgrund der komplexen Eigenschaften von B. burgdorferi - u.a. viele verschiedene Genotypen, schwierige Anzucht, nur geringe Erregermengen - war es bisher nicht möglich, einen einzelnen labordiagnostischen Test zu entwickeln, der die Lyme-Borreliose eindeutig nachweist oder ausschließt.
Therapie
Therapie der Wahl bei kutaner Lyme-Borreliose ist die Behandlung mit Antibiotika. Das Antibiotikum richtet sich dabei nach dem Stadium der Erkrankung. Patienten, die im Frühstadium der Lyme-Borreliose mit geeigneten Antibiotika behandelt werden, erholen sich in der Regel rasch und vollständig. So werden schwere Krankheitsverläufe und Spätmanifestationen verhindert.
Die kutane Frühmanifestation wird für 10 bis 21 Tage mit Doxycyclin oder Amoxicillin als erste Wahl behandelt. Die Dauer der Therapie richtet sich nach der Schwere der klinischen Symptome. Die Einnahme erfolgt oral. Während der Einnahme sollte auf Milchprodukte verzichtet und der Patient über mögliche phototoxische Hautreaktionen aufgeklärt werden. Eine weitere Option ist das Cephalosporin Cefuroxim. Als Alternative wird Azithromycin empfohlen, in einer randomisierten offenen Vergleichsstudie hat sich auch Clarithromycin bewährt.
Die kutane Spätmanifestation kann ebenfalls oral mit Doxycyclin oder Amoxicillin behandelt werden, solange keine neurologischen Symptome beobachtet werden. Die Therapie sollte jedoch über 30 Tage durchgeführt werden. Ist es bereits zu neurologischer Beteiligung - der Neuroborreliose - gekommen, wird Penicillin G, Ceftriaxon oder Cefotaxim intravenös verabreicht.
Von den Behandlungsoptionen wird während einer Schwangerschaft oder Stillzeit die orale Therapie mit Amoxicillin empfohlen. Alternativ können intravenös Penicillin G und Ceftriaxon angewendet werden. Besteht eine Penicillinallergie stehen Azithromycin oder Cefuroximaxetil nach strenger Risiko-Nutzen-Abwägung zur Verfügung. Intravenös kann im klinischen Setting unter Überwachung auch Ceftriaxon intravenös gegeben werden.
Kinder ab dem neunten Lebensjahr werden ebenfalls mit Doxycyclin behandelt, jüngere mit Amoxicillin. Sowohl die lokalisierte als auch disseminierte Frühmanifestation einer Lyme-Borreliose an der Haut ist mit den klassischen Behandlungsschemata gut behandelbar. In 95 bis 100% der Fälle verschwinden die krankheitsspezifischen Symptome vollständig nach erfolgreicher Therapie. Ein Therapieversagen wurde bisher nur selten beobachtet. Auch Antibiotikaresistenzen sind wenig bekannt.
Üblicherweise zur oralen Behandlung eingesetzte Antibiotika umfassen Doxycyclin oder Amoxicillin als Therapie der Wahl; Therapiealternativen sind Cefuroximaxetil oder Azithromycin. Zur intravenösen Therapie werden Ceftriaxon, Cefotaxim oder Penicillin G eingesetzt. Die empfohlene Therapiedauer bewegt sich in Abhängigkeit von Art, Dauer und Schwere der Manifestation sowie eingesetztem Antibiotikum zwischen 10 und 30 Tagen.
Prävention
Unbehandelte Spätmanifestationen haben ein höheres Risiko, dauerhafte Schäden an Haut, Gelenken und Nervensystem zu verursachen. Die derzeit einzig wirksame Prophylaxe gegen Lyme-Borreliose ist, bedeckende Kleidung zu tragen, wenn man sich im Freien aufhält. Anschließend sollte der Körper sorgfältig nach Zecken untersucht werden und diese frühzeitig entfernt werden. Bisher wurde selten beobachtet, dass Borrelien in den ersten zwölf Stunden nach einem Zeckenstich übertragen wurden.
Entfernt werden sollten die Zecken mit einer Zeckenpinzette oder Zeckenkarte. Wichtig dabei ist, die voll gesaugten Nymphen oder erwachsene Zecken beim Entfernen nicht zu quetschen. Bleiben Kopf oder Stechapparat dabei in der Haut, ist dies bezüglich einer Borrelienübertragung unbedenklich. Über die kommenden sechs Wochen sollte der Patient die Einstichstelle noch beobachten.
Eine prophylaktische Therapie nach Zeckenstich wird nicht empfohlen. Da das Risiko einer Infektion vergleichsweise gering ist, lohnen sich weder lokale noch systemische Antibiotikatherapien. Auch die entfernten Zecken untersuchen zu lassen wird nicht empfohlen, da ein positiver Nachweis von Borrelien in der Zecke keine Infektion und ein negatives Ergebnis nicht zwangsläufig Entwarnung bedeuten.
Repellents sind zur Zeckenabwehr eingeschränkt wirksam. Ihre Wirkdauer ist jedoch relativ kurz. Eine Impfung gibt es jedoch derzeit für den Menschen nicht. Auch eine einmal durchgemachte Borrelieninfektion bietet keinen dauerhaften Schutz.
Zusammenfassend lässt sich sagen:
- Tragen Sie bei einem Aufenthalt im Wald oder auf Wiesen geschlossene Schuhe, langärmlige Hemden und lange Hosen. Ziehen Sie die Strümpfe über die Hosenbeine.
- Wählen Sie am besten helle Kleidung, dann lassen sich die winzigen dunklen Zecken leichter erkennen und entfernen.
- Wenn Sie vor dem Aufenthalt in Wäldern oder Wiesen Zecken-abweisende Mittel auf die Haut auftragen, beachten Sie genau die Herstellerangaben. Wichtig: Die Wirkung der Mittel ist zeitlich begrenzt und bietet keinen vollständigen Schutz.
- Suchen Sie trotz Vorbeugung nach dem Aufenthalt in der Natur den Körper gründlich nach Zecken ab. Zecken mögen warme weiche Hautstellen. Suchen Sie deshalb besonders in den Kniekehlen, in den Leisten, unter den Achseln, hinter den Ohren sowie am Kopf und Haaransatz.
- Zecken sollten immer schnellstmöglich entfernt werden. Wird eine Zecke in den ersten Stunden nach dem Stich entfernt, ist das Risiko, an einer Borreliose zu erkranken, nur sehr gering.
- Greifen Sie die Zecke an ihrem Kopfbereich möglichst nah der Haut und ziehen Sie diese langsam und gerade heraus. Verwenden Sie am besten eine Pinzette, eine Zeckenkarte oder ein spezielles Instrument zur Zeckenentfernung.
- Verzichten Sie auf Manipulationen an der Zecke zum Beispiel mit Öl, Cremes oder durch Zerquetschen, weil dadurch möglicherweise vermehrt Erreger freigesetzt werden.
- Desinfizieren Sie die Stichstelle im Anschluss sorgfältig.
Post-Lyme-Syndrom (PLS)
Es handelt sich um ein Syndrom, das nach z. T. mehrfach antibiotisch behandelter Borreliose persistiert. Pathogenetisch werden eine protrahierte (auto)immunologische Aktivierung und eine Borreliose-induzierte Vaskulitis diskutiert. PLS oder chronische Borreliose? Antibiotische Behandlung ja oder nein? Diese Fragen sind in der Fachwelt äußerst umstritten. Mit den bisher vorhandenen labordiagnostischen Möglichkeiten konnte dieser Streitpunkt bis jetzt nicht gelöst werden.
Die häufigsten Symptome sind: Müdigkeit, Erschöpfung, kognitive Defizite und Schlafstörungen, Neuropathien, Schmerzsyndrome. Diagnostisch hilfreich sind: Anamnese (bekannte Borreliose?) und serologische Untersuchungen (Nachweis von Antikörpern gegen Borrelia burgdorferi im Screeningtest, Immunoblot oder Borrelien recomBead Test). Zur differentialdiagnostischen Abgrenzung (v.a. zur Fibromyalgie oder unspezifischen Gelenks- und Systemerkrankungen) wird auch die HLA-DR-Subtypisierung berücksichtigt. Ein zusätzlich möglicher Test zur Differenzierung ist der Lymphozytentransformationstest (LTT- Borrelien). Dieser fällt negativ aus, wenn keine aktive Borrelieninfektion vorliegt. Bei einem positiven LTT-Borrelien besteht der Verdacht, dass eine persistierende Borrelieninfektion besteht. Bisher gibt es keine allgemein anerkannten Daten, die unbedingt für eine Langzeit-Antibiotika-Therapie über mehrere Monate sprechen.