Migräne ist eine weltweit verbreitete neurologische Erkrankung, von der viele Millionen Menschen betroffen sind. Die Ursachen sind vielfältig und oft individuell, was die Suche nach den Auslösern erschwert. Ernährung spielt eine wichtige Rolle, und in diesem Zusammenhang wird Gluten als potenzieller Migräneauslöser diskutiert.
Migräne verstehen
Die genauen Ursachen der Migräne sind noch nicht vollständig erforscht. Es wird angenommen, dass das Gehirn von Migränepatienten empfindlicher auf Veränderungen reagiert. Diese Veränderungen können innere Einflüsse wie hormonelle Schwankungen oder äußere Einflüsse sein. Solche Einflüsse werden als Triggerfaktoren bezeichnet, die Migräneattacken auslösen können, aber nicht die eigentliche Ursache sind.
Individuelle Triggerfaktoren
Welche Triggerfaktoren eine Migräneattacke auslösen, ist von Person zu Person unterschiedlich. Stress, veränderte Schlaf-Wach-Rhythmen oder bestimmte Nahrungs- und Genussmittel können eine Rolle spielen. Es ist wichtig, die persönlichen Triggerfaktoren in Zusammenarbeit mit einem Arzt zu identifizieren und möglichst zu vermeiden. Ein Kopfschmerztagebuch kann dabei helfen, die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Attacken zu erkennen.
Die Rolle der Ernährung
Es ist nicht sinnvoll, generell Nahrungsmittel zu meiden, die bekanntermaßen Migräneattacken provozieren können, da Nahrungsmittel nicht bei allen Patienten eine Rolle spielen. Es gibt keine spezielle Migräne-Diät. Stattdessen sollte man die individuellen ernährungsbedingten Einflüsse mithilfe eines Kopfschmerztagebuchs herausfinden und diese gezielt vom Speiseplan streichen. Dabei ist zu beachten, dass zwischen der Aufnahme eines Nahrungsmittels und einer Attacke mehrere Stunden oder sogar ein ganzer Tag liegen können.
Gluten im Fokus
Gluten ist ein Eiweiß, das in vielen Getreidearten wie Weizen, Roggen, Gerste und Dinkel vorkommt. Es verleiht Brot und Backwaren ihre typische Textur. Bei Menschen mit Zöliakie, einer Autoimmunerkrankung, führt Gluten im Darm zu chronischen Entzündungen und kann auch Migräne auslösen.
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Zöliakie und Migräne
Menschen mit Zöliakie leiden häufiger an Migräne. Wird bei Zöliakie Gluten verzehrt, bildet das Immunsystem Antikörper, die nicht nur das Gluten, sondern auch körpereigene Strukturen angreifen. Diese Angriffe führen zu Entzündungsprozessen, die im ganzen Körper Reaktionen auslösen können, einschließlich Kopfschmerzattacken.
Nicht-Zöliakie-Glutensensitivität (NCGS)
Auch ohne Zöliakie kann Gluten ein Trigger für Migräne sein. Es gibt Menschen, die an einer Nicht-Zöliakie-Glutensensitivität (NCGS) leiden. Bei glutensensitiven Menschen kann Gluten den Trigeminusnerv aktivieren, was zur Ausschüttung von Histaminen führt. Histamine spielen eine wichtige Rolle bei der Migräneentstehung.
Trigeminusnerv und CGRP
Der Trigeminusnerv, der für das Empfinden im Gesichtsbereich zuständig ist, kann durch Gluten aktiviert werden. Dies führt zur Ausschüttung von Substanzen wie Histaminen und dem Calcitonin Gene-Related Peptid (CGRP). CGRP ist ein Eiweißstoff, der im Gehirn die Blutgefäße entspannen und erweitern kann und daher seit Jahren im Fokus der Migräneforschung steht.
Durchlässigkeit der Blutgefäße
Die Abgabe von Wasser und Proteinen aus den durchlässigen Gefässen führt zu Schwellungen und Irritationen in den Gehirnhäuten und dies wiederum zu den bekannten Migräneschmerzen. Aus diesem Grunde wurde in den USA im Jahr 2018 eine neue Klasse Migränemedikamente zugelassen. Studien zu Gluten als Migränetrigger bei Menschen mit Nicht-Zöliakie-Glutensensitivität liegen leider noch kaum vor.
Glutenunverträglichkeit verstehen
Glutenunverträglichkeit, einschließlich Zöliakie, ist eine Autoimmunreaktion, bei der der Körper Antikörper gegen Gluten bildet, die die Dünndarmschleimhaut angreifen. Dies führt zu Entzündungen und kann verschiedene Symptome verursachen.
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Symptome und Diagnose
Zöliakie kann symptomlos verlaufen, aber auch Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall, Gewichtsverlust, Müdigkeit, Menstruationsstörungen, Depressionen und Migräne verursachen. Die Diagnose erfolgt durch Bluttests und Gewebeprobenentnahme im Rahmen einer Darmspiegelung.
Behandlung
Die Behandlung von Glutenunverträglichkeit besteht in einer lebenslangen glutenfreien Diät. Betroffene müssen auf ihre Ernährung achten und glutenhaltige Lebensmittel meiden.
Gluten in Lebensmitteln
Gluten kommt in vielen Getreidesorten vor, darunter Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste und Hafer. Es wird in der Herstellung von Nahrungsmitteln verwendet, um Brot und Backwaren ihre charakteristische Textur zu verleihen.
Zöliakie und Gluten-Sensitivität
Zöliakie ist eine autoimmune Erkrankung, die nach dem Verzehr von Gluten zu einer Entzündung und Schädigung der Dünndarmschleimhaut führt. Gluten-Sensitivität kann ähnliche Symptome verursachen, aber ohne Schädigung des Darms.
Darm-Mikrobiom und Gluten
Das Darm-Mikrobiom spielt eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung der Darmbarriere und der Regulierung der Permeabilität des Darms. Eine gestörte Darmbarriere kann dazu führen, dass größere Moleküle wie Gluten leichter in den Blutkreislauf gelangen.
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Glutengehalt in Getreideprodukten
Moderne Getreidesorten wurden oft gezielt gezüchtet, um einen höheren Glutengehalt zu haben. Auch die Art und Weise, wie Lebensmittel verarbeitet werden, hat sich verändert.
Strategien zur Entlastung des Darms
Um den Darm zu entlasten und das Darm-Mikrobiom in Balance zu bringen, ist es ratsam, hochverarbeitete Nahrungsmittel, Zusatzstoffe, Konservierungsmittel und säuernde Produkte wie Fleisch und Zucker zu meiden.
Sauerteig und gekeimtes Getreide
Sauerteig ist ein natürliches Gärungsmittel, das den Glutengehalt reduziert und die Verdaulichkeit verbessert. Gekeimtes Getreide wird oft als besser vertragen, da Enzyme während der Keimung Gluten abbauen und die Nährstoffverfügbarkeit erhöhen.
Basenfasten und basenreiche Ernährung
Basenfasten kann helfen, den Darm zu entlasten. Eine basenreiche Ernährung mit gekeimtem Getreide und traditionell hergestellten Sauerteigwaren ist empfehlenswert.
Fallbeispiele und Studien
Christy Nielson, eine Migränepatientin, fand eine Lösung für ihre Migräne in ihrer Küche. Nachdem Medikamente ihr nicht mehr halfen, konsultierte sie eine Ärztin für Naturheilverfahren, die eine Diät aus Obst, Gemüse und Fleisch vorschlug. Nach einigen Wochen waren ihre Kopfschmerzen verschwunden. Testergebnisse zeigten, dass sie stark auf Eier und Weizen reagierte.
Ernährungsumstellung und Fischöl
Eine Studie ergab, dass der Verzehr von mehr Fisch- als Pflanzenölen Menschen half, die Anzahl und die Intensität ihrer Migräneattacken zu verringern. Tanya Kamka, die an der Studie teilnahm, hatte nach wenigen Monaten keine Migräneattacken mehr.
Vegetarische Ernährung
Ein Bericht im British Medical Journal beschrieb einen Patienten, der seine Ernährung auf vegetarisch umstellte und eine bemerkenswerte Linderung seiner Migräneanfälle erfuhr.
Aktuelle Forschung
Neueste Forschungsprojekte befassen sich nicht mehr nur mit der Frage, welche Lebensmittel eine Migräne auslösen, sondern auch damit, welche Lebensmittel und welche Ernährung einer Migräne vorbeugen oder sie lindern können.
Weizen und Gluten im Detail
Viele Menschen sind davon überzeugt, dass unverträgliche Nahrungsmittel die Ursache ihrer Beschwerden sind. Weizen und Gluten werden oft als Hauptschuldige ausgemacht.
Zöliakie und Weizenallergie
Der Einfluss von Weizen, genauer des Glutens, auf die Zöliakie ist unbestritten. Zöliakie ist eine chronische Erkrankung des Dünndarms, die auf einer lebenslangen Unverträglichkeit von Gluten beruht. Das zweite klar definierte und diagnostizierbare Krankheitsbild ist die Weizenallergie.
Nicht-Zöliakie-Weizensensitivität (NCWS)
In jüngerer Zeit häufen sich die Hinweise auf ein neues Krankheitsbild, die sogenannte Nicht-Zöliakie-Weizensensitivität (NCWS), deren klinische Symptomatik sich teilweise mit dem Reizdarmsyndrom überschneidet.
Was ist Gluten?
Gluten fasst die Gliadine und Glutenine des Weizens in einem Begriff zusammen. Glutene sind Speicherproteine in den Getreidearten Weizen, Roggen und Gerste und sind aufgrund ihrer Klebereigenschaften wesentlich für die Backfähigkeit von Getreidemehl. Sie sind die zentralen auslösenden Umweltfaktoren der Zöliakie.
Pathogenese der Zöliakie
Die Pathogenese der Zöliakie ist multifaktoriell, wobei Umweltfaktoren (Gluten), immunologische Faktoren sowie eine genetische Prädisposition von Bedeutung sind.
Klinische Manifestationen der Zöliakie
Die klinischen Manifestationen der Zöliakie können sehr unterschiedlich sein und reichen von völliger Symptomfreiheit über ein breites Spektrum intestinaler Symptome bis hin zu atypischen Symptomen wie neurologische Manifestationen, Reproduktionsstörungen und orale/kutane Erkrankungen.
Diagnostik der Zöliakie
Für die Diagnose der Zöliakie gibt es keinen einzelnen beweisenden Test. Grundlage der Diagnostik sind die serologische Bestimmung spezifischer Antikörper, die histologische Aufarbeitung von Biopsaten aus dem Zwölffingerdarm und ggf. HLA-Typisierung.
Therapie der Zöliakie
Seit der Beschreibung von Gluten als Auslöser der Erkrankung gilt die lebenslange strikte glutenfreie Diät als therapeutischer Eckpfeiler.
IgE- und nicht-IgE-vermittelte Weizenallergien
In Weizen sind zahlreiche wasser-/salzlösliche und wasserunlösliche Proteine beschrieben, die allergisch relevant sein können.
Weitere Ernährungsempfehlungen bei Migräne
Die Bedeutung der Ernährung in der Entstehung und Behandlung von Migräne und Kopfschmerzerkrankungen ist umstritten. Nach derzeitigem Wissensstand lassen sich jedoch keine allgemeingültigen Ernährungsempfehlungen für Migränepatienten begründen.
Mögliche Mechanismen
Die aktuelle Studienlage hat eine Reihe von möglichen Mechanismen identifiziert, die die kopfschmerzauslösende Wirkung der Ernährung erklären könnten. Diese beziehen sich insbesondere auf die Auswirkung bestimmter Nahrungsbestandteile und Substanzen, auf Neuropeptide, Ionenkanäle und Rezeptoren sowie der Freisetzung von Stickstoffmonoxid, der Aktivierung des sympathischen Nervensystems, Gefäßerweiterungen und Veränderungen im zerebralen Glukosestoffwechsel.
Fastenperioden
Migräne-Attacken können durch Fastenperioden ausgelöst oder auch verstärkt werden.
Ketogene Diät
Die ketogene Diät (KD) wird bereits seit den 1930er Jahren intensiv erforscht und stellt eine etablierte Maßnahme in der Therapie der Epilepsie bei Kindern dar. Klinische Daten weisen darauf hin, dass die fettreiche und extrem kohlenhydratreduzierte Ernährungsform sich in vielerlei Hinsicht positiv auf das Krankheitsgeschehen der Migräne auswirkt.
Oligoantigene Diät
Die oligoantigene Diät hat sich in einigen Studien als hilfreicher Behandlungsansatz in der Therapie von Migräne, ADHS und Epilepsie erwiesen.
Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren
Eine Ernährungsumstellung mit erhöhter Zufuhr an Omega-3-Fettsäuren und reduzierter Zufuhr an Omega-6-Fettsäuren kann die Häufigkeit und Intensität von Kopfschmerzen reduzieren.
Mikronährstoffe
Migränepatienten weisen häufig verminderte Konzentrationen der Mikronährstoffe Riboflavin (Vitamin B2), Magnesium und Coenzym Q10 auf.
Glutamat
Der in zahlreichen Fertigprodukten, Fertigsaucen und -dressings sowie Gewürzsalzen und Konserven zum Einsatz kommende Geschmacksverstärker Glutamat gilt als möglicher Auslöser für Kopfschmerzen.
Alkohol
Zahlreiche Publikationen belegen, dass Alkohol den bedeutendsten alimentären Kopfschmerztrigger darstellt.
Fettarme Diät
Die Wirksamkeit einer fettarmen Diät in der Behandlung einer Migräne wurde bisher jedoch nicht durch doppelblinde kontrollierte Studien überprüft.
Hunger
Eine in den 1970er Jahren publizierte Studie zeigte, dass Migränepatienten, die insbesondere infolge von Hunger Kopfschmerzen entwickelten, im Rahmen eines 5-stündigen Glukosetoleranztests eine Hypoglykämie aufwiesen.
Nahrungsmittelallergien und -intoleranzen
Durch Nahrungsmittel ausgelöste Unverträglichkeiten können auf einer allergischen Überempfindlichkeit (Immunoglobin E-vermittelte Nahrungsmittelallergie) oder einer nicht allergischen Überempfindlichkeit (z.B. Nahrungsmittelintoleranz) beruhen.
Aspartam
Die Studienlage zu Aspartam und Migräne ist nicht eindeutig.
Nitrate und Nitrite
Nitrate und Nitrite kommen als Konservierungsmittel vor allem in verarbeiteten Fleischwaren zum Einsatz und können Kopfschmerzen auslösen.
Koffein
Koffein wird vor allem über Kaffee, Tee und koffeinhaltige Limonaden aufgenommen. Eine unregelmäßige Koffeinzufuhr kann Kopfschmerzen verursachen.