Die Ernährung spielt eine entscheidende Rolle für die Gesundheit unseres Gehirns. Während die Forschung die komplexen Zusammenhänge zwischen Ernährung und neurologischen Erkrankungen wie Alzheimer weiter aufdeckt, rückt die Bedeutung spezifischer Ernährungsansätze immer mehr in den Fokus. Ein solcher Ansatz ist die glutenfreie Ernährung, die in den letzten Jahren vermehrt diskutiert wird. Dieser Artikel beleuchtet die potenziellen Auswirkungen einer glutenfreien Ernährung auf Alzheimer, basierend auf aktuellen Forschungsergebnissen und Erkenntnissen von Experten.
Was ist Gluten und wie wirkt es im Körper?
Gluten ist ein Proteinkomplex, der in bestimmten Getreidearten wie Weizen, Roggen, Gerste, Dinkel und Kamut vorkommt. Es besteht hauptsächlich aus den Proteinen Gliadin und Glutenin. Gluten verleiht Teigen ihre elastischen Eigenschaften und ist daher ein wichtiger Bestandteil vieler Backwaren und anderer Lebensmittel.
Für die meisten Menschen stellt Gluten kein Problem dar. Allerdings können manche Menschen empfindlich auf Gluten reagieren. Bei Menschen mit Zöliakie löst Gluten eine Entzündung im Dünndarm aus, die zu einer Schädigung der Darmschleimhaut führt. Auch Menschen ohne Zöliakie können eine Glutenunverträglichkeit oder -sensitivität entwickeln, die sich in verschiedenen Symptomen äußern kann.
Brain Fog: Ein Warnsignal des Körpers?
Ein häufig genanntes Symptom im Zusammenhang mit Gluten ist der sogenannte "Brain Fog" oder Gehirnnebel. Betroffene beschreiben einen Zustand geistiger Verwirrung, Konzentrationsschwierigkeiten und mangelnde Klarheit. Obwohl der Brain Fog in der Schulmedizin oft wenig Beachtung findet, deuten die Erfahrungen von Betroffenen und die Erkenntnisse von Ärzten wie Dr. med. Lawrence Wilson darauf hin, dass er ein wichtiges Warnsignal des Körpers sein kann.
Brain Fog kann als Folge einer Nahrungsmittelunverträglichkeit auftreten, bei der Gluten aufgrund seiner Schwerverdaulichkeit nicht vollständig in Aminosäuren zerlegt wird. Es entstehen Proteinbruchstücke, sogenannte Peptide, die im Gehirn Reaktionen auslösen und das sensible Gleichgewicht von Hormonen und Botenstoffen stören können.
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Gluten und seine potenziellen Auswirkungen auf das Gehirn
Die Forschung zu den Auswirkungen von Gluten auf das Gehirn steckt noch in den Anfängen, aber es gibt zunehmend Hinweise auf mögliche Zusammenhänge zwischen Glutenunverträglichkeit und neurologischen Erkrankungen wie Alzheimer.
Entzündungen im Gehirn
Gluten-Peptide können allergische Reaktionen auslösen, die sich in Schwellungen und Entzündungen äußern können. Wenn diese Entzündungen im Gehirn stattfinden, können sie schwer zu erkennen sein, da das Gehirngewebe nicht die gleichen Möglichkeiten hat, sich bemerkbar zu machen wie beispielsweise die Haut. Chronische Entzündungen im Gehirn können jedoch langfristig die Nervenzellen schädigen und das Risiko für neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer erhöhen.
Auswirkungen auf die Nährstoffaufnahme
Eine Glutenunverträglichkeit kann die Aufnahme wichtiger Nährstoffe beeinträchtigen, insbesondere Eisen. Eisenmangel kann wiederum zu Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und anderen neurologischen Symptomen führen.
Autoimmunreaktionen
Bei manchen Menschen mit Autoimmunerkrankungen, wie rheumatoider Arthritis oder Hashimoto-Thyreoiditis, kann eine glutenfreie Ernährung zu einer Besserung der Symptome führen. Es wird vermutet, dass Gluten bei diesen Erkrankungen eine Rolle bei der Auslösung oder Verstärkung von Autoimmunprozessen spielt, die auch das Gehirn betreffen können.
Die Darm-Hirn-Achse: Eine wichtige Verbindung
Die Darm-Hirn-Achse beschreibt die bidirektionale Kommunikation zwischen dem Darm und dem Gehirn. Über diese Achse können Substanzen und Signale aus dem Darm das Gehirn beeinflussen und umgekehrt. Eine gestörte Darmflora, beispielsweise durch Antibiotikaeinnahme, Stress oder ungesunde Ernährung, kann die Darm-Hirn-Achse beeinträchtigen und sich negativ auf die Gehirnfunktion auswirken.
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Gluten kann auf verschiedene Weise die Darm-Hirn-Achse beeinflussen:
Schädigung der Darmschleimhaut: Gluten kann die Darmschleimhaut schädigen und zu einem "Leaky Gut" führen, bei dem unerwünschte Substanzen in den Blutkreislauf gelangen und Entzündungen im Körper auslösen können.
Veränderung der Darmflora: Gluten kann die Zusammensetzung der Darmflora verändern und zu einem Ungleichgewicht zwischen nützlichen und schädlichen Bakterien führen.
Diese Veränderungen können sich negativ auf die Gehirnfunktion auswirken und möglicherweise das Risiko für neurologische Erkrankungen wie Alzheimer erhöhen.
Gluten als Risikofaktor für Demenz?
Neuere Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass glutenbedingte Erkrankungen, insbesondere Zöliakie, nicht nur den Darm betreffen, sondern auch neurologische Symptome hervorrufen können. Dazu gehören Gehirnnebel (Brain Fog), Gedächtnisverlust, Orientierungslosigkeit und Verwirrtheit. Auffällig ist, dass diese Symptome denen neurodegenerativer Erkrankungen wie Alzheimer ähneln. Es gibt Hinweise darauf, dass Zöliakie und Glutensensitivität indirekt mit verschiedenen Formen von Demenz wie Alzheimer, frontotemporaler Demenz und vaskulärer Demenz zusammenhängen könnten. Diese Symptome können aufgrund der Kommunikation zwischen Darm und Hirn auftreten.
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Theorie 1: Leaky-gut führt zu Leaky-brain
Mit der Nahrung aufgenommenes Gluten gelangt über Mund und Magen in den Dünndarm. Im Magen und Dünndarm spalten Verdauungsenzyme das Gluten in Glutenin und Gliadin, wobei Gliadin nicht vollständig in seine einzelnen Aminosäuren zerlegt werden kann. Das unverdaute Gliadin gelangt zum Darm, wo es insbesondere bei glutensensitiven Personen den sogenannten Leaky Gut auslösen kann. Dieses Krankheitsbild ist durch die Schädigung der Darmwand gekennzeichnet, die zur Zerstörung ihrer Barrierefunktion führen kann. Dies kann eine Daueraktivierung des Darm-assoziierten Immunsystems auslösen und somit zur chronischen Entzündung beitragen. Diese können sich auf das zentrale Nervensystem und somit auf das Gehirn ausweiten. Auch die Darmbesiedlung, das Darmmikrobiom, kann durch Gluten nachteilig verändert werden.
Unverdaute Glutenproteine, insbesondere Gliadin, binden über verschiedene Rezeptoren an die Darmzellen (Epithelzellen)., welche die Darmwand bilden. Vor allem die Bindung an den Rezeptor CXCR3 setzt eine Signalkaskade in Gang, die zur vermehrten Produktion und Freisetzung eines Proteins namens Zonulin führt. Zonulin bindet dann an spezielle Rezeptoren der Epithelzellen, wodurch die Verbindungsstellen zwischen den Epithelzellen, die sogenannten tight junctions, gelockert werden. Es entstehen dadurch regelrecht “Lücken” zwischen den Epithelzellen, wodurch die Darmwand durchlässiger wird. Durch eine durchlässige Darmbarriere können unverdaute Nahrungsbestandteile wie Gliadine, toxische Stoffwechselprodukte und Oberflächenproteine von Darmbakterien wie LPS (Lipopolysaccharide), Mikroorganismen oder Zytokine direkt in den Blutkreislauf gelangen. Das Eindringen dieser Substanzen aktiviert das Immunsystem und führt zur Freisetzung proinflammatorischer Zytokine wie IL-6, IL-1β und TNF-α. Über die Blutbahn erreichen diese Zytokine schließlich die Blut-Hirn-Schranke, die durch diese Entzündungsprozesse ebenfalls durchlässiger wird, was zum sogenannten „Leaky Brain“ führen kann. Aufgrund des „Leaky Guts“ können unverdaute Nahrungsbestandteile, Krankheitserreger und Stoffwechselprodukte des Mikrobioms vermehrt in den Blutkreislauf gelangen. Durch das „Leaky Brain“ gelangen diese Stoffe auch vermehrt ins Gehirn. Dort führen sie zu verstärkter Neuroinflammation und oxidativem Stress oder im Falle von LPS (Lipopolysaccharide) sogar zur vermehrten Bildung von Plaques, wodurch das Risiko neurologische Erkrankungen wie Demenz steigt.
Das Darmmikrobiom (Gesamtheit aller Bakterien im Darm) kann bei Menschen mit Zöliakie durch eine Gluten-haltige Ernährung oder durch Gluten-induzierte Entzündungen verändert werden, wodurch es zu einem Ungleichgewicht zwischen den physiologischen und pathogenen Bakterien im Darm kommt (Dysbiose). Unsere physiologischen Darmbakterien produzieren wichtige Stoffwechselprodukte wie kurzkettige Fettsäuren (SCFA), oder Neurotransmitter (z.B. das Glückshormon Serotonin oder GABA). Ein Ungleichgewicht unseres Mikrobioms zu Gunsten der pathogenen Keime kann zu einer vermehrten Produktion von Lipopolysacchariden (LPS) führen, die Entzündungen auslösen und damit auch die Blut-Hirn-Schranke beeinträchtigen können. Auch können toxische Stoffwechselprodukte dieser pathogenen Bakterien über den Darm in die Blutbahn und potenziell auch ins Gehirn gelangen. Darüber hinaus führt eine Dysbiose zu einer reduzierten Anzahl der säurebildenden Flora und somit zu einer verminderten Synthese von kurzkettigen Fettsäuren (SCFAs), die entzündungshemmend wirken. Weiterhin kann auch die Produktion von Neurotransmittern wie GABA und Serotonin beeinträchtigt sein. Eine verminderte Produktion dieser Neurotransmitter kann sich negativ auf die kognitiven Funktionen und die Stimmungsregulation auswirken. Ein verändertes Darmmikrobiom sowie Veränderungen in den Stoffwechselprodukten wurden auch bei Alzheimer-Patienten nachgewiesen. Diese Befunde stammen überwiegend aus Tier- und In-vitro-Studien, und es ist noch weitere Forschung erforderlich, um die genauen Zusammenhänge besser zu verstehen.
Theorie 2: der Molekulare Mimikry und Kreuzreaktivität
Bei Patienten, die unter Zöliakie oder Glutensensitivität leiden, erkennt das Immunsystem Gluten-Peptide wie Gliadin fälschlicherweise als schädlich an. Als Reaktion darauf bildet das Immunsystem im Darm, welches als essenzielle immunologische Barriere für den Körper fungiert, spezielle Antikörper gegen die Gluten-Proteine. Studien zeigen, dass Gluten-Proteine Ähnlichkeiten in ihrer Aminosäuresequenz mit bestimmten Proteinen im Gehirn aufweisen. Diese Ähnlichkeit kann dazu führen, dass die Gluten-Antikörper gleichermaßen auch Gehirnproteine angreifen - man spricht von Kreuzreaktivität. Solche Angriffe können zu Entzündungsreaktionen oder Funktionsstörungen im Gehirn führen. Der Mechanismus dieser Kreuzreaktionen ist jedoch noch nicht vollständig bewiesen und bleibt überwiegend hypothetisch. Weitere Forschung ist notwendig, um die genauen Zusammenhänge und Auswirkungen besser zu verstehen.
Man nimmt an, dass nachstehende Gehirnproteine von dieser Kreuzreaktivität betroffen sein können:
Transglutaminase 6 (TG6): TG6 ist ein Enzym, das in bestimmten Nervenzellen vorkommt, insbesondere in der Hirnrinde und im Kleinhirn. Es hilft bei der Vernetzung von Proteinen, unterstützt die Entwicklung von Nervenzellen und reguliert die Produktion von Botenstoffen wie GABA, die für die Kommunikation zwischen den Nervenzellen notwendig sind. Wird TG6 von Antikörpern angegriffen, kommt es zur Entzündung der Nervenzellen und zu Nervenschäden. Solche Antikörper treten häufig bei Menschen mit gluten-bedingten neurologischen Erkrankungen wie Gluten-Ataxie oder gluten-bedingten Nervenschäden auf. Eine gestörte Funktion von TG6 wird auch mit der Alzheimer-Krankheit in Verbindung gebracht.
Synapsin I: Das Protein Synapsin I kommt in vielen Nervenenden im Gehirn vor und umhüllt synaptische Vesikel. Dort reguliert es z.B. die Freisetzung von Botenstoffen (Neurotransmittern) und beeinflusst weitere Funktionen auf präsynaptischer Ebene. Veränderung des Synapsin I, oder seine Zerstörung durch Antikörper, würde die Neurotransmitterfreisetzung, synaptische Funktion und neuronale Kommunikation beeinträchtigen und wird mit Alzheimer in Verbindung gebracht.
Alpha-Synuclein: Alpha-Synuclein ist ein Protein, das in Nervenzellen vorkommt. Dort steuert es die Aktivität an den Verbindungsstellen zwischen den Nervenzellen (Synapsen) und reguliert die Freisetzung von Botenstoffen (Neurotransmittern). Unter bestimmten krankhaften Bedingungen, beispielsweise durch den Angriff von Antikörpern, kann sich Alpha-Synuclein zusammenlagern und verklumpen. Diese Verklumpungen werden Lewy-Körperchen genannt. Sie reichern sich in den Nervenzellen an und können zu deren Absterben führen. Die Bildung von Lewy-Körpern steht in direktem Zusammenhang mit der sogenannten Lewy-Körper-Demenz.
Amyloid-beta Precursor Protein (APP) und Amyloid Beta A4: APP ist ein wichtiges Protein im Gehirn, das die Entwicklung und Funktion von Nervenzellen unterstützt. Wenn APP in kleinere Fragmente aufgespalten wird, entsteht unter anderem das Amyloid-Beta (Aβ). Bei Alzheimerpatienten verklumpt dieses Aβ zu sogenannten Amyloid-Plaques, die sich zwischen den Nervenzellen ablagern und deren Funktion stören. Wenn nun Antikörper mit APP kreuzreagieren, kann dies die normale Funktion und Verarbeitung von APP beeinträchtigen. Dadurch könnten entweder mehr Aβ entstehen oder der Abbau von Aβ gestört werden. Diese Veränderungen erhöhen das Risiko, dass sich schädliche Amyloid-Plaques bilden, die besonders bei Alzheimer im höheren Alter (nach dem 65. Lebensjahr) eine Rolle spielen.
Microtubule-Associated Protein Tau: Das Tau-Protein ist wichtig für die Stabilität der Mikrotubuli in Nervenzellen. Mikrotubuli sind wie winzige Schienen, die den Zellen helfen, Nährstoffe und Signale zu transportieren. Bei der Alzheimer-Krankheit verklumpen die Tau-Proteine, was zur Instabilität der Mikrotubuli und zum Absterben der Nervenzellen führt. Die Kreuzreaktivität mit Antikörpern mit diesen Strukturen könnte diesen Mechanismus begünstigen.
Cerebellar-Degeneration-Related Antigen 1 (CDR1): Das Protein CDR1 kommt vor allem im Kleinhirn vor und spielt eine zentrale Rolle bei der Steuerung und Koordination von Bewegungen spielt. Werden CDR1-Proteine von Antikörpern angegriffen, kann dies zum Abbau von Zellen im Kleinhirn führen. Dadurch kann es zu Störungen der Bewegungskoordination kommen, was symptomatisch auch bei Alzheimer-Patienten beobachtet wird.
Wie sieht eine glutenfreie Ernährung aus?
Eine glutenfreie Ernährung bedeutet den Verzicht auf alle Lebensmittel, die Gluten enthalten. Dazu gehören in erster Linie:
- Getreide: Weizen, Roggen, Gerste, Dinkel, Grünkern, Kamut, Triticale
- Backwaren: Brot, Brötchen, Kuchen, Kekse, Gebäck aus glutenhaltigem Mehl
- Teigwaren: Nudeln, Spätzle, Knödel aus glutenhaltigem Mehl
- Fertigprodukte: Viele Fertigprodukte enthalten Gluten als Bindemittel oder Zutat. Achten Sie auf die Inhaltsstoffe und wählen Sie glutenfreie Alternativen.
Glücklicherweise gibt es viele glutenfreie Alternativen, die eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung ermöglichen:
- Glutenfreie Getreide: Reis, Mais, Hirse, Buchweizen, Amaranth, Quinoa, Teff
- Mehle: Mehle aus glutenfreien Getreiden, Kartoffelmehl, Tapiokamehl, Mandelmehl, Kokosmehl
- Teigwaren: Glutenfreie Nudeln aus Reis, Mais, Buchweizen oder Hülsenfrüchten
- Brot und Backwaren: Glutenfreie Brote und Backwaren sind im Handel erhältlich oder können selbst gebacken werden.
Beim Einkauf sollten Sie auf das Symbol für Glutenfreiheit achten, eine durchgestrichene Getreideähre.
Ist eine glutenfreie Ernährung für jeden geeignet?
Für Menschen mit Zöliakie oder einer diagnostizierten Glutenunverträglichkeit ist eine glutenfreie Ernährung unerlässlich. Ob eine glutenfreie Ernährung auch für Menschen ohne diese Erkrankungen sinnvoll ist, ist umstritten.
Einige Experten vermuten, dass eine glutenfreie Ernährung präventiv vor neurologischen Erkrankungen wie Alzheimer schützen könnte, da sie Entzündungen im Körper reduziert und die Darmgesundheit fördert. Allerdings gibt es hierzu noch keine eindeutigen wissenschaftlichen Beweise.
Es ist wichtig zu beachten, dass eine glutenfreie Ernährung nicht automatisch gesund ist. Viele glutenfreie Fertigprodukte sind stark verarbeitet und enthalten viel Zucker, Fett und Zusatzstoffe. Eine ausgewogene glutenfreie Ernährung sollte daher auf natürlichen, unverarbeiteten Lebensmitteln basieren.
Fazit
Es gibt Hinweise auf eine mögliche Verbindung zwischen Gluten bei Menschen mit Zöliakie und Glutensensitivität und einem erhöhten Risiko einer Demenz. Dabei gibt es unterschiedliche Hypothesen und erste Forschungen, die vor allem eine Barrierestörung des Darms (Leaky Gut Syndrom) und die Kreuzreaktivität von Antikörpern mit bestimmten Gehirnproteinen mit neurodegenerativen Symptombildern und neurologischen Erkrankungen wie Demenz in Verbindung bringen.
Für die allgemeine Bevölkerung, die nicht unter Zöliakie und Glutensensitivität leiden, gibt es derzeit keine eindeutigen Beweise für einen Zusammenhang zwischen Gluten-Konsum und einem erhöhten Demenzrisiko. Viele der Erkenntnisse basieren auf in vitro- und Tierstudien. Um einen kausalen Zusammenhang zu bestätigen, sind weitere kontrollierte Studien am Menschen erforderlich.
Wenn Sie an Zöliakie, Glutensensitivität oder einer Weizenallergie leiden, ist es sehr wichtig, Gluten vollständig oder teilweise zu vermeiden. Holen Sie sich dazu professionelle Beratung. Für gesunde Menschen hingegen ist Gluten in normalen Mengen unproblematisch und kann Teil einer ausgewogenen Ernährung sein. Dennoch ist zu beachten, dass in der westlichen Ernährung Lebensmittel wie Brot, Nudeln oder Mehlspeisen - und damit glutenhaltige Produkte - oft in großen Mengen konsumiert werden. Auch kommt es auf die Auswahl der Weizenart an: Während vor allem Weizen ein stärker allergenes Risiko aufgrund des höheren Anteiles an besonders entzündlichen Omega-5-Gliadin hat, scheinen ursprünglichere Weizensorten wie Einkorn, Emmer und Dinkel eher empfehlenswerte Alternativen. In jedem Fall ist sicher auch ratsam, Abwechslung in die Ernährung zu bringen, indem man auch andere Kohlenhydratquellen wie Hülsenfrüchte, Kartoffeln oder Vollkornalternativen integriert, um eine ausgewogene Ernährung sicherzustellen.