Migräne und Leistungsfähigkeit: Eine umfassende Betrachtung

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte, episodische Kopfschmerzen gekennzeichnet ist und mit sensorischen Störungen einhergehen kann. Fast 15 Prozent der Deutschen leiden an Migräne. Obwohl so viele Menschen ein Leben lang daran schwer erkrankt sind, ist das Bewusstsein für die Bedeutung der Migräne insgesamt noch gering. Erfreulicherweise ist in den letzten Jahren eine deutliche Besserung eingetreten.

Die Neurologisch-Verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel als Anlaufstelle

Die Neurologisch-Verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel unter der Leitung von Prof. Dr. med. Dipl. Psych. Hartmut Göbel bietet spezielle Therapien für Migräne mit und ohne Aura, Migräne-Komplikationen und andere Kopfschmerzarten an. Die Klinik behandelt auch chronische Spannungskopfschmerzen, Kopfschmerzen bei Medikamentenübergebrauch, Clusterkopfschmerz, Nervenschmerzen (neuropathischer Schmerz), Rückenschmerzen und andere Formen chronischer Schmerzerkrankungen.

Für die Planung eines Aufnahmetermins sind folgende Schritte erforderlich:

  1. Eine Verordnung von Krankenhausbehandlung durch den behandelnden Arzt.
  2. Das Ausfüllen der Aufnahme-Checkliste durch den Arzt.
  3. Das Ausfüllen des Schmerzkalenders und des Schmerzfragebogens.
  4. Das Senden aller Unterlagen und Kopien relevanter Arztbriefe, Röntgenbilder etc. an die angegebene Anschrift.

Zahlreiche Krankenkassen haben eine integrierte Versorgung ihrer Versicherten mit dem Behandlungsnetz der Klinik vertraglich geregelt.

Migräne: Eine weit verbreitete Erkrankung

Migräne gehört zu den häufigsten Erkrankungen in Deutschland. Professor Hartmut Göbel, Gründer der Schmerzklinik in Kiel, hat einen Studiengang zur Migräne an der Universität Kiel ins Leben gerufen. Studien zeigen, dass Kopfschmerzen in den letzten Jahrzehnten häufiger geworden sind, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen.

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Ursachen und Risikofaktoren

Stress, Unregelmäßigkeit im Alltag und familiäre Belastungen können Kopfschmerzen verstärken. Bei Kindern spielen häufige Umzüge der Familien und die berufliche Belastung der Eltern eine Rolle. Der Konsum von Medien, insbesondere digitale Anwendungen, kann das kindliche Nervensystem stark beanspruchen und Kopfschmerzen häufiger werden lassen.

Symptome und Diagnose

Die Migräne beginnt häufig mit der Einschulung, wenn das Gehirn reif genug ist, schnell zu lernen und zu agieren. Bei einem Teil der Patienten treten neurologische Ausfälle wie Zickzacklinien mit Flimmersehen vor dem Auge, Sprachstörungen, Schwindel, Kribbelmissempfindungen oder Lähmungen einleitend auf. Anschließend kommen die Kopfschmerzen, die vier bis 72 Stunden dauern können. Die Schmerzen können einseitig auftreten und pulsierend oder pochend sein. Körperliche Tätigkeit kann die Schmerzen verstärken, so dass die Patienten Bettruhe einhalten müssen.

Die Kopfschmerzdiagnostik besteht aus mehreren Schritten:

  1. Erfassung und Analyse des Ablaufs der Kopfschmerzen.
  2. Sorgfältige neurologische und allgemeine ärztliche Untersuchung.

Kopfschmerzfragebögen, Kopfschmerzkalender und die Migräne-App können wertvolle Hilfe leisten.

Behandlungsmöglichkeiten

Jede Kopfschmerzbehandlung sollte mit Information und Aufklärung über die Diagnose und das Krankheitskonzept beginnen. Es schließen sich Verhaltensmaßnahmen an, um Kopfschmerzen durch die Lebensführung, Ernährung, Entspannung, Sport oder Regelung des Tagesablaufes zu therapieren. Bei in Anfällen auftretenden Kopfschmerzen ist die Attackentherapie zu klären. Auch Schmerzmittel haben einen wichtigen Stellenwert in der Behandlung von Kopfschmerzanfällen. Ganz besonders bedeutsam ist eine spezifische Vorbeugung von Kopfschmerzen.

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In der modernen Schmerztherapie wird alles für den Patienten zur Verfügung gestellt, was sich in wissenschaftlichen Studien als wirksam erwiesen hat. Ernährung, Sporttherapie, Entspannung, Wissen, Information und andere nichtmedikamentöse Verfahren sind essenzielle Bestandteile einer modernen und wirksamen Schmerztherapie.

Der Einfluss von Sport auf die Migränesymptomatik

Erste Studien weisen auf einen positiven Effekt von Training auf die Migränesymptomatik hin, im Sinne einer Reduktion der Attackenhäufigkeit, -dauer und -intensität. Moderat-intensives Ausdauertraining verbessert die Leistungsfähigkeit, zerebrale und kognitive Funktion und die Schmerzwahrnehmung.

Eine Studie zur Untersuchung verschiedener Trainingsformen

Eine dreiarmige randomisiert-kontrollierte Interventionsstudie untersucht, inwiefern unterschiedliche Trainingsformen (moderat-kontinuierlich vs. hoch-intensiv) die Migränesymptomatik beeinflussen. Patienten werden in die kontinuierliche aerobe Trainingsgruppe (CAT), die hoch-intensive Intervallgruppe (HIT) oder in die Kontrollgruppe (KG) zugeteilt. Die Intervention findet zwei Mal wöchentlich über 12 Wochen statt.

  • Hoch-intensives Intervalltraining (HIT): Lauftraining 2x/Woche über 12 Wochen, jeweils 4x4 Minuten bei 90% der maximalen Herzfrequenz mit aktiven Pausen von jeweils 3 Minuten bei 70% der maximalen Herzfrequenz.
  • Kontinuierliches Ausdauertraining (CAT): Lauftraining 2x/Woche über 12 Wochen, jeweils 45 Minuten bei 70% der maximalen Herzfrequenz.
  • Kontrollgruppe (KG): Keine spezifische Intervention.

Die Anzahl Kopfschmerztage wird mittels Kopfschmerztagebuch in der Run-In-, Interventions- und Follow-Up-Phase erhoben.

Migräne und kognitive Fähigkeiten

Eine prospektive Beobachtungsstudie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2012; 345: e5027) kommt zu dem Ergebnis, dass eine Migräne mit oder ohne Aura langfristig nicht zu Einschränkungen der kognitiven Fähigkeiten oder gar zu einer Demenz führt.

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Frühere Studien und ihre Ergebnisse

Frühere Studien hatten gezeigt, dass die Migräne, vor allem wenn sie mit einer Aura einhergeht, das Schlaganfallrisiko erhöht. Einige Untersuchungen hatten auch eine Assoziation zu „stummen“ Hirninfarkten gefunden, die als Risikofaktor für kognitive Einschränkungen gelten.

Die Women's Health Study

Das Team um Tobias Kurth von der Universität Bordeaux hat die Daten der Women’s Health Study ausgewertet, an der fast 40.000 Frauen im Alter über 65 teilgenommen haben. Die Forscher konnten die Daten von 6349 Teilnehmerinnen verknüpfen und fanden keine Hinweise für Einschränkungen der kognitiven Leistungen. In vielen Tests erzielten Frauen mit Migräne sogar etwas bessere Ergebnisse als Frauen ohne Migräne, die Unterschiede waren jedoch nicht signifikant.

Die Leistungsfähigkeit des Migräne-Gehirns

Menschen mit Migräne haben oft ein sehr aktives, kreatives Gehirn und sind in der Lage, innovative Gedanken umzusetzen, Probleme schnell wahrzunehmen und Lösungen zu finden. Die genetische Ausstattung führt dazu, dass sie besonders leistungsstark sind. Migränepatienten erleiden häufig nach einer aktiven Phase ihre Attacken, typischerweise am Wochenende.

Die besondere Reizverarbeitung des Migräne-Gehirns

Das Gehirn von Menschen mit Migräne zeichnet sich durch eine besondere Reizverarbeitung aus. Die Kopfschmerzforschung geht davon aus, dass das Gehirn eines Migränebetroffenen Reize früher und schneller verarbeitet, als es bei einem Menschen ohne Migräneveranlagung der Fall ist. In der jüngeren Zeit konnte nachgewiesen werden, dass spezifische Veränderungen im menschlichen Erbgut für diese besondere kognitive Veranlagung sorgen.

Kognitive Beeinträchtigungen während Migräneattacken

Obwohl Menschen mit Migräne grundsätzlich über eine besondere Leistungsfähigkeit des Gehirns verfügen, können während der Migräneattacken Beeinträchtigungen der kognitiven Funktionen auftreten. Eine umfangreiche Überblicksstudie aus dem Jahr 2019 wertet unterschiedliche Arbeiten aus, die auf mögliche kognitive Einschränkungen während der verschiedenen Phasen einer Migräneattacke eingehen. Demnach scheinen kognitive Symptome die herannahende Attacke anzukündigen. In der akuten Phase der Attacke lassen sich Sprachstörungen und Konzentrationsschwäche ausmachen.

Kognitive Funktionen zwischen den Attacken

Bei der episodischen Migräne normalisiert sich in der Zeit zwischen den Attacken die Kognition der Betroffenen meist wieder. Im Fall der chronischen Migräne verkürzen sich oft die Erholungsphasen zwischen den Attacken. Eine Studie von 2017 stellt fest, dass die durch Chronizität erhöhte Häufigkeit der Attacken negative Auswirkungen auf die Kognition der Betroffenen mit sich bringt.

Langfristige Auswirkungen auf die Kognition

Die meisten einschlägigen Studien der letzten zehn Jahre sehen keine Anhaltspunkte für einen Zusammenhang zwischen lebenslanger Migräne und kognitiven Defiziten, die sich bei Betroffenen gegenüber nicht Betroffenen im Alter bemerkbar machten.

Wichtige Aspekte der Behandlung

  • Regelmäßiger aerober Ausdauersport: Hilft, Anfallshäufigkeit und -stärke günstig zu beeinflussen.
  • Ernährung: Das Nervensystem benötigt zur gesunden Tätigkeit komplexe Kohlenhydrate. Es sollte ein regelmäßiger Essrhythmus aufrechterhalten werden. Omega-3-Fettsäuren haben sich in wissenschaftlichen Studien ebenfalls als vorbeugend wirksam erwiesen.
  • Verhaltensmaßnahmen: Entspannungsverfahren, Biofeedback und Sporttherapie haben sich zur Vorbeugung bewährt.
  • Vermeidung von Medikamentenübergebrauch: Nimmt man an zehn oder mehr Tagen im Monat Akutmittel gegen Migräne ein, kann ein Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch bewirkt werden.

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