Warum Männer meinen, Frauen könnten nicht Autofahren: Eine Analyse

Die Aussage, dass Frauen nicht Auto fahren können, ist ein weit verbreitetes Klischee. Doch woher kommt diese Annahme, und was steckt wirklich dahinter? Dieser Artikel untersucht die Ursprünge dieses Stereotyps, beleuchtet wissenschaftliche Erkenntnisse über Unterschiede im Sehvermögen und Fahrverhalten von Männern und Frauen und hinterfragt gesellschaftliche Rollenbilder, die zu dieser Wahrnehmung beitragen.

Die Wurzeln des Klischees

Früher besaßen mehr Männer einen Führerschein als Frauen. Frauen durften sonntags mit dem Auto des Mannes zur Kirche fahren. Den Frauen fehlte damals die Routine. Dieses Ungleichgewicht in der Fahrpraxis trug sicherlich dazu bei, dass Frauen als weniger kompetente Autofahrerinnen wahrgenommen wurden. Hinzu kam, dass das Autofahren in der Vergangenheit stark mit Männlichkeit assoziiert wurde. Ein Mann, der nicht einparken konnte, hatte in den Augen vieler "verloren".

Stereotypen und Vorurteile

Das Klischee der unfähigen Autofahrerin wird oft durch stereotype Darstellungen in den Medien verstärkt. So zeigte die Fernsehserie "Der Siebte Sinn" in Großaufnahme Stöckelschuhe, die sich in der Pedalerie verhakten, und hilflos am Lenkrad kurbelnde Frauen. Auch die Vorstellung, dass sich Frauen bei einer Reifenpanne hilflos neben ihr Auto drapieren sollten, trug zur Verfestigung des Bildes der inkompetenten Autofahrerin bei.

Es gibt viele Vorurteile und Klischees rund ums Autofahren. Männer lieben schnelle Autos und Frauen können nicht einparken. Das Auto ist seit jeher Statussymbol des Mannes. Je gewaltiger der fahrbare Untersatz, desto mehr Macht scheint er seinem Besitzer zu verleihen. Man munkelt sogar, dass kleine Männer ihr Ego mit einem großen Auto aufzubessern versuchen.

Wissenschaftliche Erkenntnisse und Wahrnehmung

Interessanterweise gibt es wissenschaftliche Erkenntnisse, die Unterschiede im Sehvermögen von Männern und Frauen belegen. Frauen schätzen ihr Sehvermögen bei Nacht deutlich schlechter ein als Männer. Nur 42 Prozent der befragten Frauen haben angegeben, dass sie nachts beim Autofahren gut sehen. Bei Männern waren es immerhin 65 Prozent. Tatsächlich nehmen Männer dieselben Farbtöne etwas bläulicher wahr als Frauen. Das bedeutet: Beim Sehen gibt es bewiesene geschlechtsspezifische Unterschiede. Die Forschenden vermuten, dass das Geschlechtshormon Testosteron dafür verantwortlich sein könnte. Bei Männern kommt es in höherer Konzentration vor. Über Testosteron ist bekannt, dass es beim Ungeborenen die Bildung der Gehirnzellen im Sehzentrum und der Nervenverbindungen fördert. Am Tag konnten kaum Unterschiede im Sehvermögen zwischen Männern und Frauen beim Autofahren festgestellt werden. Hier schnitten Frauen sogar ein bisschen besser ab. Insgesamt kam bei den Experimenten auch heraus, dass Frauen etwas besser darin sind, Farbdetails zu sehen.

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Fahrverhalten und Risikobereitschaft

Es gibt Hinweise darauf, dass Männer und Frauen unterschiedliche Fahrstile haben. Männer neigen dazu, risikobereiter und schneller zu fahren, während Frauen eher vorsichtiger und vorausschauender unterwegs sind. Frauen fahren meist vorsichtiger als Männer, weil ihnen die Übung fehlt. Sie behindern dann den fließenden Verkehr. Selten sieht man bei Frauen gefährliches Fahrverhalten. Frauen rasen auch nicht, wie manche Männer, so durch eine Kurve.

Psychiater begründeten das gegenüber der Zeitschrift Brigitte so: Frauen fahren vorsichtiger und vorausschauender. Das liegt wohl in der Evolution begründet. Denn die Hauptaufgabe der Frau bestand früher darin, ihre Kinder zu beschützen und Gefahren rechtzeitig zu erkennen. Männer geben gerne Gas. Frauen gehen es dagegen gemütlich an.

Die Rolle der Fahrpraxis

Ein wichtiger Faktor, der oft übersehen wird, ist die Fahrpraxis. Frauen haben eine wesentlich geringere Fahrpraxis. Die Lebensumstände vieler weiblicher Artgenossen räumen eben dem Punkt "sicher und zügig durch den Asphaltjungle" eine niedrigere Priorität zu. Weniger Praxis und Vorsicht malen eben das Bild der "Frau am Steuer", welches nichts von seiner Aktualität verloren hat.

Männer als Beifahrer

Die Aussage, dass Männer die schlechteren Beifahrer sind, weil sie immer alles besser wissen, ist nicht ganz unbegründet. Das Autofahren ist in unserer Kultur viel mit Männlichkeit verbunden. Jeder Mann muss Auto fahren können. Wenn man als Mann nicht einparken kann, hat man verloren. Dadurch mischen sich Männer als Beifahrer eventuell eher ein und sagen: Mach' das doch so und so. Und umgekehrt fühlen Männer sich schneller angegriffen, wenn jemand ihren Fahrstil kritisiert. Wenn die Frau zum Beispiel sagt: «Schatz, fahr nicht so schnell» oder «Fahr nicht so dicht auf», kommt beim Mann an: «Ich hab's nicht im Griff.» Es wird dann gleich als persönlicher Angriff gewertet.

Streit im Auto vermeiden

Um Streit im Auto zu vermeiden, ist ein Fahrerwechsel ratsam. Vielleicht sind Männer zu selten Beifahrer, da fehlt dann der Perspektivenwechsel. Als Beifahrer sollte man außerdem Ich-Botschaften verwenden. Also nicht sagen: «Du bist ein schlechter Fahrer.» Sondern: «Ich fühle mich nicht wohl, wenn Du so schnell fährst.» Das lässt sich eventuell ergänzen durch einen Satz wie «Wir haben es ja nicht eilig, oder?».

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