Das Nasenpiercing erfreut sich in Deutschland großer Beliebtheit, besonders bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Es dient als Ausdruck von Individualität und wird oft als modisches Accessoire betrachtet. Doch bevor man sich für ein Nasenpiercing entscheidet, sollte man sich der potenziellen Risiken und Komplikationen bewusst sein. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte des Nasenpiercings, von den unterschiedlichen Arten und Techniken bis hin zu den möglichen Gefahren und der richtigen Pflege.
Vielfalt der Nasenpiercings: Ein Überblick
Das Nasenpiercing hat eine lange Tradition und ist in verschiedenen Kulturen der Welt verbreitet. Es gibt unterschiedliche Arten von Nasenpiercings, die sich in ihrer Platzierung und dem verwendeten Schmuck unterscheiden:
- Nostril-Piercing: Das am weitesten verbreitete Nasenpiercing, bei dem ein Ring oder Stecker durch den Nasenflügel gestochen wird. Es verbindet man sofort mit Indien. Tatsächlich wurde diese Art Nasenpiercing aber schon vor ungefähr 4000 Jahren im mittleren Osten gestochen und gelangte erst von dort zum indischen Subkontinent.
- Septum-Piercing: Hierbei wird die Nasenscheidewand unterhalb des Knorpelgewebes durchstochen. Meist wird ein Nasenring gewählt. Wer zum Beispiel jobbedingt keine sichtbaren Piercings tragen darf, für den sind vielleicht hufeisenförmige Circular Barbells geeignet.
- Nasallang-Piercing: Eine aufwendigere Variante, bei der beide Nasenflügel und die Nasenscheidewand durchstochen werden. Es handelt sich sozusagen um ein doppeltes Nostril-Piercing plus Septum-Piercing.
- Bridge-Piercing: Dieses Piercing wird an der Nasenwurzel zwischen den Augen platziert. Gerade dieses Piercing braucht einen erfahrenen Piercer, da weder Knorpel noch Knochen verletzt werden dürfen.
- Austin Bar: Bei dieser seltenen Form handelt es sich um ein Piercing durch die Nasenspitze.
Der Ablauf des Stechens: Was Sie erwartet
Wenn Sie sich für ein Nasenpiercing entschieden haben, ist die Wahl eines vertrauenswürdigen und erfahrenen Piercers entscheidend. Gelegentlich bieten Juweliere ebenfalls Piercings an, jedoch sollten Sie sich keinesfalls ein Nasenpiercing mit einer Ohrlochpistole machen lassen, da diese sich nicht steril reinigen lassen und die Infektionsgefahr somit erhöht ist. Im Folgenden wird der typische Ablauf des Stechens eines Nasenpiercings beschrieben:
- Desinfektion: Der Piercer desinfiziert die entsprechende Nasenstelle gründlich.
- Markierung: Der Einstichpunkt wird mit einem Stift markiert.
- Durchstechen: Bei einem Nostril-Piercing sticht der Piercer mit einer Einmalnadel, die mit Plastik oder Teflon überzogen ist, durch den Nasenflügel. Um die Nasenscheidewand zu schützen, kann er außerdem eine Schutzröhre in die Nase legen. Die anderen Nasenpiercings sind etwas aufwendiger: Beim Nasallang-Piercing muss die Nasenscheidewand, beim Bridge-Piercing die Nasenwurzel durchstochen werden.
- Einsetzen des Schmucks: Um das Verschließen zu vermeiden, muss nun gleich ein Schmuckstück eingesetzt werden. Das kann ein Labret-Stecker oder ein Ball Closure Ring sein. Das Material darf aber keines Falls allergische Reaktionen auslösen. Deshalb sollte es aus Chirurgenstahl oder Edelmetall sein.
Schmerzempfinden und mögliche Betäubung
Das Knorpelgewebe der Nasenflügel (das bei der Nostril-Methode durchstochen wird) gilt als relativ schmerzempfindlich, weil die Nasenflügel von feinen Nerven durchzogen sind. Besonders schmerzhaft ist jedoch das Nasallang-Piercing, weil drei Stichkanäle (an den beiden Nasenflügeln und an der Nasenscheidewand) gemacht werden müssen. Wie schlimm das Durchstechen bei einem Nasenpiercing ist, hängt letztendlich jedoch vom individuellen Schmerzempfinden ab. Theoretisch besteht auch die Möglichkeit einer lokalen Betäubung, wobei darauf meist verzichtet wird, weil die Schmerzen nicht wesentlich schlimmer sind, als die, die eine Spritze im Bereich der Nase verursachen würde.
Risiken und Komplikationen: Was kann passieren?
Wie bei jedem Piercing gibt es auch beim Nasenpiercing potenzielle Risiken und Komplikationen, die im Vorfeld bedacht werden sollten:
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- Infektionen: Das Risiko einer Infektion ist eines der größten. Wie bei jedem Eingriff besteht beim Stechen eines Nasenpiercings das Risiko einer Infektion. Die häufigsten Erreger bakterieller Infektionen sind Staphylococcus aureus und S. epidermidis, Streptokokken vom Typ A und B, Pseudomonas-Spezies und Mykobakterien.
- Fehlstiche: Diese können auftreten, wenn das Piercing nicht korrekt platziert wurde. Wird beim Stechen ein Nostril-Piercing zu weit oben platziert, besteht die Gefahr, dass es bei einer Entzündung zu einer Schädigung des knorpeligen Nasenskelettes kommt.
- Keloidbildung: Wenn du dir dein Piercing selbst stichst, kann es zur Bildung von Keloiden führen.
- Nervenverletzungen: Beim Bridge-Piercing besteht die Gefahr, dass der Trigeminusnerv beim Nasen Piercing Stechen erwischt wird. Dieser Nerv verzweigt sich in den Stirnast, Oberkieferast und Unterkieferast. Diese Bereiche werden vom Trigeminusnerv mit Informationen versorgt, wird er geschädigt, kann eine Teil-Lähmung der Gesichtsmuskulatur die Folge sein. Am männlichen Genitale (Penis, Skrotum) kann es zu Verletzungen von Nerven und größeren Blutgefäßen kommen, ebenso zu aufsteigenden Infektionen, die - wie bei Piercings am weiblichen Genitale - infertil machen können. Urethra-rupturen sind bei Penispiercings beobachtet worden
- Allergische Reaktionen: Einige Menschen reagieren allergisch auf bestimmte Metalle, die in Piercingschmuck verwendet werden. Gemäss der EU-Verordnung 94 / 27 / EG (der so genannten "Nickeldirektive") darf der Nickelgehalt in Schmuckstücken eine Freisetzungsrate von maximal 0,5 µg Nickel pro Quadratzentimeter zwar nicht mehr überschreiten; dafür allerdings darf Schmuck auch dann als "nickelfrei" beworben werden, wenn sich lediglich in der oberen Schicht eines Schmucks kein Nickel befindet.
- Behinderte Nasenatmung oder ungewollte Atemgeräusche: Harmlosere Nasen Piercing Risiken sind die Empfindung einer behinderten Nasenatmung oder ungewollte Atemgeräusche.
- Erfrierungen oder Verbrennungen: Im Winter ab unter zehn Grad Minus besteht das Risiko einer Erfrierung, falls du Metallschmuck trägst, denn Metall nimmt die kalten Temperaturen an, Gleiches gilt für Hitze in der Sauna.
Die richtige Pflege: So vermeiden Sie Komplikationen
Damit sich das Nasenpiercing nicht entzündet, ist die richtige Pflege von entscheidender Bedeutung. In den ersten vier bis fünf Wochen sollten Sie die Haut um die Einstichstelle zweimal täglich desinfizieren und mit einer Wundheilungssalbe eincremen. Mithilfe einer Kochsalzlösung können Sie Rückstände und Verkrustungen vorsichtig lösen und entfernen. Die Dauer des Heilungsprozesses unterscheidet sich je nach Art des Piercings. Schützen Sie das Nasenpiercing vor Schmutz.
Zusätzlich sollten Sie folgende Punkte beachten:
- Berühren Sie Ihr frisch gestochenes Piercing nicht mit ungewaschenen Händen.
- Fremde Körperflüssigkeiten wie Speichel oder Schweiß sollten ebenfalls nicht mit dem Piercing in Berührung kommen.
- Versuchen Sie weder Druck noch Reibung auf das Piercing auszuüben, zum Beispiel durch Kleidung.
- Für die Reinigung Ihres Piercings sollten Sie nur ph-neutrale Pflegeprodukte benutzten.
- Verzichten Sie weitgehend auf Alkohol.
Wann zum Arzt? Anzeichen einer Entzündung erkennen
Wenn du dir ein Piercing selbst gestochen hast und dieses sich entzündet, ist der wichtigste Schritt, einen Arzt oder einen erfahrenen Piercer zu konsultieren. Sowohl ein medizinischer Fachmann, als auch ein qualifizierter Piercer können beurteilen, ob das Piercing korrekt platziert wurde und ob es Anzeichen einer Infektion gibt. Sie können ebenfalls feststellen, ob das verwendete Material für deinen Körper geeignet ist und ob die Größe und Form des Schmucks angemessen sind. Darüber hinaus kann ein Experte wichtige Ratschläge zur Pflege und zum Umgang mit dem frisch gestochenen Piercing geben. In jedem Fall ist es wichtig, nicht zu zögern und professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Bei einem entzündeten Piercing kann vorsichtiges Betupfen mit frisch gekochtem, aber abgekühltem Kamillentee oder einer Salzwasserlösung helfen - mehrmals täglich. Vor der Anwendung sowohl Hände als auch Piercing desinfizieren. Verbessert sich der Zustand nicht, kontaktieren Sie Ihren Piercer oder Arzt.
Rechtliche Aspekte: Was Sie wissen müssen
Wenn du darüber nachdenkst, ein Piercing selbst zu stechen, solltest du dir auch über die rechtlichen Konsequenzen im Klaren sein. Die Durchführung ohne eine entsprechende Lizenz oder Zertifizierung kann rechtliche Probleme nach sich ziehen. Das Piercing selbst zu stechen birgt auch Risiken für andere, vor allem wenn du diese Dienstleistung für Freunde oder Bekannte anbietest. Das Piercen bei Minderjährigen ist besonders heikel. In vielen Ländern ist die Zustimmung der Eltern oder Erziehungsberechtigten notwendig, und in einigen Fällen gibt es Altersbeschränkungen für bestimmte Arten von Piercings. Der Rat und die Dienstleistungen eines erfahrenen Piercing-Experten sind in diesem Fall unerlässlich. Genau deswegen raten wir auch davon ab, ein Piercing selbst zu stechen.
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Die Wahl des richtigen Schmucks: Materialien und Designs
So unterschiedlich man sich die Nase piercen lassen kann, so vielfältig ist auch der Piersingschmuck und die verwendeten Materialien. Für ein Nostril-Piercing eignen sich besonders kleine Nasenringe oder Nasenstecker. Die gibt es aus verschiedenen Metallen und Kunststoffen in allen erdenklichen Farben mit und ohne Schmucksteine, Kristalle, Glitzer und anderen Schmuckornamenten. Gebogene Nasenpiercings mit Blumen, Schmetterlingen oder Herzen sind speziell für Frauen gedacht. Männer bevorzugen sicher andere Motive für ihr Nasenpiercing. Gängige Materialien sind Gold, Silber, Chirurgenstahl, Titan, aber auch Bioplast. Nasenringe für ein Septum-Piercing gibt es von 0,8 bis 1,6 Ringstärke. Nasenstecker sind mit Swarovski-Kristallen, Zirkonia oder auch Diamanten verziert. Kurz, jeder kann einen Nasenschmuck nach seinem Geschmack finden. Am besten Du informierst Dich ausgiebig unserem Piercing Shop und läßt Dich inspirieren.
Piercing als Ursache für gesundheitliche Probleme? Was die Traditionelle Chinesische Medizin sagt
Gemäss der Traditionellen Chinesischen Medizin durchlaufen energetische Bahnen, die so genannten Meridiane, unseren Körper. Wird gepierct, können dadurch genau diese Bahnen getroffen und ihr Energiefluss gestört werden - die Folge sind ausgeprägte gesundheitliche Probleme, die sich in vielen Fällen erst durch einen Zufall oder nach einem langen Irrweg durch die Praxen verschiedener Ärzte und Heilpraktiker auf ein bestimmtes Piercing zurückführen lassen (1). Insbesondere Schmuckstücke, die in den knorpeligen Teil der Ohren gestochen werden sowie in der Körpermitte, beispielsweise im Bauchnabel, gelten als problematisch. Folglich wundert es nicht, wenn sich Bauchnabelpiercings immer wieder als Ursache für unklare Störungen des Magen-Darm-Traktes sowie des Unterleibs und der Blase herauskristallisieren. Ein Loch im Ohrläppchen ist meist problemlos, da die meisten Ohrmeridiane durch die knorpeligen Teile verlaufen. Dort angebrachte Piercings verursachen jedoch Probleme im ganzen Körper, da sich im Ohr Akupunkturpunkte für fast jedes Organ befinden. Des Weiteren können auch gepiercte Augenbrauen, Nasenflügel und Lippen sowie eine gepiercte Zunge Probleme bereiten.
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