Kopfschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden, von dem laut aktuellen Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) rund 70 Prozent aller Deutschen mindestens einmal im Jahr betroffen sind. Neben medikamentösen Behandlungen gibt es auch verschiedene natürliche Mittel, die zur Linderung von Kopfschmerzen eingesetzt werden können. Eine traditionelle naturheilkundliche Behandlung, die die Heilwirkung des Senfs nutzt, ist die Senfmehl-Anwendung, insbesondere in Form von Fußbädern.
Grundlagen der Senfmehl-Anwendung
Die Senfmehl-Auflage nutzt die Heilwirkung des Senfs, um Schmerzen und Entzündungen zu lindern und die Durchblutung zu fördern. Senf ist seit Langem als Heilmittel bekannt und wirkt durch seine Senfölglykoside, die hautreizend und wärmend sind. Diese Stoffe aktivieren die Durchblutung und wirken antibakteriell, antiviral und entzündungshemmend. Die Senfölglykoside im Senfmehl reizen die Haut ähnlich wie Capsaicin (der Wirkstoff in Chilischoten) und fördern dadurch die lokale Durchblutung. Diese erhöhte Blutzirkulation hilft, Schmerzen und Entzündungen zu lindern und regt das Immunsystem an. Die Wärme, die durch die Anwendung entsteht, unterstützt die Entspannung der Muskulatur und fördert die Heilung.
Senfmehl-Fußbad bei Migräne
Ein warmes Fußbad mit Senfmehl kann bei Kopfschmerzen und Migräne Linderung verschaffen. Der Trick der Krankenschwestern aus meiner Klinikzeit war das Senfmehlfußbad. Vielen Patienten hat es geholfen, wenn sich ein Migräneanfall aufgebaut hat. Der Senf enthält durchblutungsfördernde Stoffe. Mit einem Fußbad bekommt man im Medizinsystem der Chinesischen Medizin wieder Energie in den Nieren-Blasen Meridian und in das Leber- Gallenblasensystem. Probieren Sie diesen Tipp einfach einmal aus. Das Fußbad sollte gleich zu Beginn eines sich aufbauenden Migräneanfalls durchgeführt werden.
Zubereitung und Anwendung
- Vorbereitung: Lösen Sie etwa 2 bis 3 Esslöffel Senfmehl aus der Apotheke in rund fünf Litern warmem Wasser auf. Die Wassertemperatur sollte angenehm warm sein (ca. 38°C oder 100.4°F).
- Durchführung: Baden Sie beide Füße bis zu den Unterschenkeln für 10 bis 15 Minuten darin. Stellen Sie die Füße in eine Fußbadewanne mit 38 Grad warmem Wasser und zwar so hoch, dass es später bis auf halbe Höhe der Waden (bis maximal unters Knie) reicht. Nun 10 bis 30 Gramm schwarzes Senfmehl (Senfpulver) gut im Wasser verteilen.
- Nachbereitung: Nach dem Fußbad die Füße mit klarem, lauwarmem Wasser abspülen, gründlich abtrocknen und idealerweise mit etwas Öl (z.B. Olivenöl) einreiben. Gönnen Sie sich anschließend 30 bis 60 Minuten Ruhe, idealerweise im Bett mit warmen Wollsocken.
Wirkung
Das Senfmehl-Fußbad wirkt durchblutungsfördernd und kann dazu beitragen, den Kopfbereich zu entlasten. Es bringt eine Entzündung auf die Haut der Füße und Waden. Senfmehl, das in Wasser gelöst ist, setzt Senfölglykoside frei. Diese wirken in der Tiefe durch die Haut, wodurch der Stoffwechsel im Fußbereich stark angeregt und so der überlastete Kopfpol entlastet wird. Im Medizinsystem der Chinesischen Medizin bekommt man durch ein Fußbad wieder Energie in den Nieren-Blasen Meridian und in das Leber- Gallenblasensystem.
Fallbeispiele
- Sinusitis: Eine ca. 60-jährige Patientin mit Sinusitis frontalis, stark beeinträchtigter Atmung und Stirnkopfschmerzen erfuhr durch ein Senfmehl-Fußbad eine deutliche Erleichterung. Bereits nach wenigen Minuten konnte sie freier atmen und die Kopfschmerzen ließen nach.
- Migräne: Eine 45-jährige Frau, die unter häufigen Migräneanfällen litt, konnte durch regelmäßige Senfmehl-Fußbäder die Häufigkeit der Anfälle reduzieren und die Schmerzmedikation verringern. Sie empfand die Fußbäder als wirksamer als andere Behandlungen.
Weitere Anwendungsformen von Senfmehl
Neben dem Fußbad gibt es weitere Möglichkeiten, Senfmehl zur Behandlung von Beschwerden einzusetzen:
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- Senfmehl-Kompresse: Eine Senfmehlkompresse kann bei Atemwegserkrankungen wie Bronchitis oder Lungenentzündung auf den Brustkorb aufgelegt werden. Auch bei Weichteilrheuma oder Gelenkerkrankungen kann sie wohltuend sein.
- Senfmehl-Wickel: Ein Senfmehlwickel kann um schmerzende Körperstellen gewickelt werden, beispielsweise um ein schmerzendes Knie.
Ursachen von Kopfschmerzen und Migräne
Es ist wichtig, die Ursachen von Kopfschmerzen und Migräne zu verstehen, um die richtige Behandlungsmethode zu wählen.
- Spannungskopfschmerzen: Eine häufige Ursache für Kopfschmerzen sind Verspannungen im Kopf-, Schulter- und Nackenbereich. Diese können durch Bewegungsmangel, Stress, eine ungeeignete Schlafmatratze oder Zugluft entstehen.
- Migräne: Ursachen der zweithäufigsten Kopfschmerzart Migräne sind eine genetische Veranlagung und bestimmte Auslösefaktoren (Trigger). Migräne und Spannungskopfschmerzen können auch zusammen auftreten.
- Sekundärkopfschmerzen: Kopfschmerzen können auch in einem engen Zusammenhang zu anderen äußeren Faktoren auftreten und ein Symptom einer anderen Erkrankung sein (Sekundärkopfschmerz). Häufige Ursachen sind beispielsweise Erkältungen oder ein Kater.
Weitere Hausmittel und Verhaltensänderungen bei Kopfschmerzen
Neben Senfmehl gibt es noch weitere Hausmittel und Verhaltensänderungen, die bei Kopfschmerzen und Migräne helfen können:
- Kühlende Kompressen: Bei pochenden Migränekopfschmerzen können kühlende Kompressen auf Stirn und Schläfen die Schmerzwahrnehmung verringern.
- Wärme: Bei Spannungskopfschmerzen empfinden Betroffene Wärme im Nacken als wohltuend. Ein erwärmtes Kirschkernkissen oder eine Wärmflasche können Verspannungen lösen.
- Massagen: Sanfte Massagen von Schläfen, Kopfhaut, Kiefer und Nacken können die verspannte Muskulatur lockern.
- Akupunktur/Akupressur: Die Stimulation bestimmter Akupunktur- bzw. Akupressur-Punkte kann bei Kopfschmerzen und Migräne hilfreich sein.
- Pfefferminzöl: Pfefferminzöl hat eine kühlende und schmerzlindernde Wirkung bei Kopfschmerzen.
- Kaffee mit Zitrone: Eine Tasse Kaffee oder Espresso mit Zitronensaft kann als natürliche Akuthilfe bei Kopfschmerzen wirken.
- Ausreichend trinken: Achten Sie auf eine gleichmäßige Flüssigkeitszufuhr von ca. 1,5 Litern pro Tag.
- Bewegung: Bewegung in Form von Ausdauersport und Alltagssport kann akute Spannungskopfschmerzen lindern und Migräneattacken vorbeugen.
- Stressabbau: Stress gilt als häufiger Auslöser für Kopfschmerzen und Migräne. Entspannungsübungen und Stressmanagement können helfen.
- Regelmäßiger Schlaf: Achten Sie auf ausreichend Schlaf und einen regelmäßigen Schlafrhythmus.
- Ernährung: Vermeiden Sie Trigger-Lebensmittel, die bei Ihnen Kopfschmerzen oder Migräne auslösen können.
- Schmerzmittel: Bei Bedarf können Schmerzmittel eingenommen werden, idealerweise Kombinationspräparate mit Coffein.
Anthroposophische Sichtweise auf Migräne
Die anthroposophische Medizin erweitert den schulmedizinischen Ansatz um die Dimension des Seelisch-Geistigen. Aus dieser Sichtweise ist Migräne eine Erkrankung, bei der man besonders auf das Intervall zwischen den Anfällen blicken sollte. Es gilt, ein Gleichgewicht zwischen Innen- und Außenaktivität zu finden und auf die eigenen Bedürfnisse zu achten. Die anthroposophische Therapie umfasst neben Medikamenten auch Heileurythmie, Kunsttherapie und Rhythmische Massage.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Kopfschmerzen können in den allermeisten Fällen gut selbst behandelt werden. In seltenen Fällen können sie aber auch ein Hinweis auf ernsthafte Erkrankungen sein. Bei Kopfverletzungen oder zusätzlichen neurologischen Ausfällen wie Sprachstörungen, Orientierungslosigkeit oder Schwindel sollte ein Arzt aufgesucht werden.
Wichtige Hinweise zur Anwendung von Senfmehl
- Vorsicht bei empfindlicher Haut: Bei empfindlicher Haut kann es zu Hautreizungen kommen. In diesem Fall sollte die Anwendungsdauer verkürzt oder auf Senfmehl verzichtet werden.
- Augenkontakt vermeiden: Beim Hantieren mit Senfmehl sollte Augenkontakt vermieden werden, da dies zu Reizungen führen kann.
- Nicht bei bestimmten Erkrankungen: Bei Hauterkrankungen, offenen Hautstellen, Krampfadern, hohem Fieber, neurologischen Erkrankungen, Nierenerkrankungen, Herzerkrankungen, Schwangerschaft und Stillzeit sollte vor der Anwendung von Senfmehl ein Arzt oder eine Hebamme konsultiert werden.
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