Listerien-Enzephalitis: Behandlung, Ursachen, Symptome und Prävention

Eine Listerien-Enzephalitis ist eine seltene, aber potenziell lebensbedrohliche bakterielle Infektionskrankheit, die durch Listeria monocytogenes verursacht wird. Diese Bakterien werden häufig über kontaminierte Lebensmittel übertragen. Die Erkrankung kann insbesondere bei Schwangeren, Neugeborenen und Menschen mit einem geschwächten Immunsystem einen schweren Verlauf nehmen.

Was ist eine Listeriose und Listerien-Enzephalitis?

Eine Listeriose ist eine Infektion, die durch Bakterien der Art Listeria monocytogenes verursacht wird. Diese Bakterien sind weltweit verbreitet und kommen in der Umwelt vor, beispielsweise im Abwasser, in der Erde und im Tierfutter. Listerien sind äußerst widerstandsfähig und können sich sogar bei Kühlschranktemperaturen vermehren.

Die Listerien-Enzephalitis ist eine seltene Komplikation einer Listeriose, bei der sich das Gehirn entzündet. Eine Enzephalitis ist eine Entzündung des Gehirns, die in den meisten Fällen durch Viren verursacht wird. Die Entzündung kann auf das Gehirn beschränkt bleiben oder sich auf Meningen und Rückenmark ausdehnen.

Häufigkeit von Listeriose und Enzephalitis

In Deutschland treten jährlich etwa 400 bis 600 Fälle von Listeriose auf, wobei eine deutlich höhere Dunkelziffer vermutet wird. Die Häufigkeit schwankt von Jahr zu Jahr, und es kann auch zu kleineren, regionalen Ausbrüchen kommen.

Die epidemiologischen Angaben bei Enzephalitis variieren sehr. In Studien reicht die Spanne von 0,7 bis 13,8 Fälle pro 100.000 Personen pro Jahr. Nach Literaturrecherche in der Medline-Datenbank liegt die jährliche Inzidenz einer infektiösen Enzephalitis weltweit bei 1,5 bis 7 Fälle pro 100.000 Einwohner (ausgenommen Epidemien).

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Ursachen und Übertragung von Listerien

Die Hauptursache für eine Listeriose ist der Verzehr von mit Listeria monocytogenes kontaminierten Lebensmitteln. Auch der Kontakt mit infiziertem Tierkot kann ursächlich sein.

Eine Kontamination von Lebensmitteln kann auf verschiedenen Stufen der Gewinnung und Bearbeitung erfolgen, z. B. beim Melken, beim Schlachten oder durch Kontamination über die Umwelt. Auch die Verarbeitung und Behandlung der kontaminierten Rohstoffe führt nicht immer zu einer vollständigen Abtötung der Bakterien.

Risikolebensmittel sind:

  • Rohmilch und Rohmilchprodukte (selten auch bei pasteurisierter Milch)
  • Rohfleischerzeugnisse (z.B. Hackepeter) und Rohwurst (z.B. Mettwurst)
  • Fisch und Fischerzeugnisse (hauptsächlich Räucherfisch)
  • Vorgeschnittene, verpackte Salate
  • Käserinde (insbesondere bei Rotschmierkäsearten wie Romadur oder Brie)

Bei einer Listeriose während der Schwangerschaft können die Erreger über die Plazenta und die Nabelschnur auf den Fötus übergehen. Zudem kann sich das Baby auch während der Geburt oder anschließend durch den Kontakt mit der Mutter anstecken.

Risikogruppen für Listeriose

Ein besonders hohes Risiko für einen schweren Verlauf einer Listeriose haben Menschen mit einem schwachen Immunsystem, wie z.B.:

  • Neugeborene
  • Ältere Menschen (ab 50 Jahre)
  • Schwangere
  • Personen mit chronischen Erkrankungen (z.B. Tumoren, AIDS)
  • Personen unter immunsuppressiver Therapie (z.B. Cortison)
  • Transplantierte

Symptome einer Listeriose und Listerien-Enzephalitis

Bei gesunden Menschen verläuft eine Listeriose oft ohne Symptome oder mit nur leichten, grippeähnlichen Beschwerden wie Muskelschmerzen, leichtem Fieber, Erbrechen oder Durchfall.

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Bei immungeschwächten Menschen und Schwangeren können die Symptome jedoch stark ausgeprägt sein und zu einem schweren Verlauf führen.

Mögliche Symptome einer Listeriose sind:

  • Fieber
  • Muskelschmerzen
  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Sepsis (Blutvergiftung)
  • Meningitis (Hirnhautentzündung)
  • Enzephalitis (Gehirnentzündung)

Symptome einer Listerien-Enzephalitis können sein:

  • Allgemeines Krankheitsgefühl mit Schwäche und Abgeschlagenheit
  • Fieber
  • Kopfschmerzen
  • Bewusstseinseinschränkungen
  • Krampfanfälle
  • Neurologische Defizite (z.B. Sprachstörungen, Lähmungen)

Bei Neugeborenen kann eine Listeriose zu einem schlechten Allgemeinzustand, Hautausschlag, Atemnot und schlimmstenfalls einer Blutvergiftung (Sepsis) führen. Erfolgt die Ansteckung nach der Geburt, kann sich eine Hirnhautentzündung (Meningitis) entwickeln.

Diagnose von Listeriose und Listerien-Enzephalitis

Bei Verdacht auf eine Listeriose können verschiedene Untersuchungen und Tests durchgeführt werden.

Diagnostische Maßnahmen:

  • Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte, Impfstatus, Risikofaktoren
  • Körperliche Untersuchung: Untersuchung auf Meningismus (Nackensteife)
  • Laboruntersuchungen:
    • Blutuntersuchung: Entzündungswerte, Erregernachweis
    • Liquoruntersuchung (Lumbalpunktion): Entzündungszeichen, Erregernachweis, Zellzahl, Eiweiß, Glukose
  • Bildgebende Verfahren:
    • Cerebrale Computertomographie (CCT) oder Magnetresonanztomographie (MRT): Bei Bewusstseinsstörungen, Nachweis von Hirnödem, fokalen Ursachen

Der Erregernachweis erfolgt aus entsprechendem Material (z. B. Liquor, Blut, Fruchtwasser, Eiter) durch Kultur und/oder PCR. Die Feintypisierung von Listerien ist für epidemiologische Fragestellungen wichtig und dient der Aufklärung von Infektketten und von Zusammenhängen zu verdächtigen Lebensmitteln.

Therapie der Listerien-Enzephalitis

Jeder Verdacht auf eine Listerien-Infektion mit Beteiligung des zentralen Nervensystems (ZNS) erfordert eine sofortige Behandlung im Krankenhaus. Nur eine schnelle Therapie mit Antibiotika kann Komplikationen und Folgeschäden vorbeugen.

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Therapeutische Maßnahmen:

  • Antibiotikatherapie: In der Regel müssen Patient*innen zwischen drei und sechs Wochen lang Antibiotika einnehmen. Mittel der Wahl sind Ampicillin oder Amoxicillin hochdosiert, kombiniert mit einem Aminoglykosid (sofern nicht z.B. wegen Schwangerschaft kontraindiziert). In zweiter Linie ist Cotrimoxazol zu empfehlen.
  • Symptomatische Therapie: Behandlung von Symptomen wie Fieber, Kopfschmerzen, Krampfanfällen
  • Intensivmedizinische Betreuung: Bei schweren Verläufen mit Bewusstseinsstörungen, Krampfanfällen oder neurologischen Ausfällen

Verlauf und Prognose

Verlauf und Prognose hängen bei einer Listeriose maßgeblich von einer frühzeitigen Diagnose und Behandlung ab. Ohne antibiotische Therapie kann es zu Folgeschäden kommen, schlimmstenfalls droht ein tödlicher Verlauf. Die Sterblichkeit liegt bei rund 7 Prozent. Bei Entwicklung einer Sepsis erhöht sich die Sterblichkeit auf 21 Prozent.

Mögliche Komplikationen und Folgen einer Listeriose sind:

  • Bindehautentzündung (Konjunktivitis)
  • Entzündungen der Gelenke (Arthritis)
  • Herzinnenhautentzündung (Endokarditis)
  • Blutvergiftung (Sepsis)
  • Hirnhautentzündung (Meningitis)
  • Gehirnentzündung (Enzephalitis)
  • Apallisches Syndrom (Syndrom reaktionsloser Wachheit)
  • Retrograde Amnesie

Prävention von Listeriose

Es gibt einige Maßnahmen und Tipps, mit denen sich der Erkrankung vorbeugen lässt. Da es keine Impfung gibt, besteht die Vorbeugung einer Listeriose in bestimmten Verhaltensregeln bei der Zubereitung und dem Verzehr der Nahrung. Insbesondere für Risikopersonen (Schwangere, Menschen mit geschwächtem Immunsystem) sind diese wichtig:

  • Essen Sie kein rohes Fleisch wie z.B. Hackfleisch. Braten Sie dieses vor dem Verzehr gut durch.
  • Fisch und Fleisch sollten immer vollständig gegart werden.
  • Waschen Sie Gemüse vor dem Essen gründlich.
  • Reinigen Sie Ihre Hände, Geschirr und Küchengeräte immer gründlich.
  • Verarbeiten Sie vor allem vakuumverpackte und schnell verderbliche Lebensmittel zügig nach dem Kauf.
  • Bereiten Sie Blattsalate frisch zu und verzichten Sie auf vorgeschnittene Salate.
  • Entfernen Sie vor dem Verzehr von Rotschmierkäsearten (z.B. Romadur, Limburger, Brie) die Rinde.
  • Lebensmittel, insbesondere vakuumverpackte Lebensmittel, sollten möglichst zügig nach Einkauf und weit vor Ablauf der angegebenen Mindesthaltbarkeit verbraucht werden. Vakuumverpackung und Kühlschranklagerung schützen nicht, wie bei anderen Lebensmittelinfektionserregern, vor einer Vermehrung der Listerien.

Meldepflicht

Eine durch Listerien ausgelöste Hirnhautentzündung ist meldepflichtig nach dem Infektionsschutzgesetz. In diesem Fall dürfen Kinder und Erwachsene Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen oder Kindergärten vorübergehend nicht besuchen. Das gilt auch, wenn nur der Verdacht auf eine Erkrankung besteht.

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