Omega-3-Fettsäuren und Epilepsie: Ein umfassender Überblick

Epilepsie ist eine der häufigsten chronisch-neurologischen Erkrankungen des Gehirns. Allein in Deutschland sind rund eine halbe Million Menschen betroffen. Auch bei Hunden ist Epilepsie verbreitet; etwa einer von 111 Hunden ist davon betroffen. Die Erkrankung ist durch unregelmäßige und abnormale Impulse von Nervenzellen gekennzeichnet, die sich in epileptiformen Krampfanfällen äußern. Diese Anfälle können mit Bewusstseinsverlust, Muskelkrämpfen, unkontrollierten Bewegungen, Urin- und Kotabsatz sowie vermehrtem Speicheln einhergehen.

Die Behandlung von Epilepsie ist komplex und umfasst in der Regel eine medikamentöse Therapie. Ergänzend dazu spielen Ernährungsfaktoren eine immer größere Rolle. Insbesondere die Bedeutung von Omega-3-Fettsäuren für die Gehirnfunktion und ihre mögliche Wirkung auf die Anfallshäufigkeit rücken zunehmend in den Fokus.

Was sind Omega-3-Fettsäuren?

Mehrfach ungesättigte Fettsäuren (PUFA) sind für die normale Entwicklung und Funktion des zentralen Nervensystems (ZNS) essenziell. Omega-3-Fettsäuren sind eine Gruppe von PUFAs, die eine wichtige Rolle für die Gesundheit spielen. Die wichtigsten Omega-3-Fettsäuren sind:

  • Alpha-Linolensäure (ALA): Eine pflanzliche Omega-3-Fettsäure, die in Leinöl, Hanföl und Walnüssen vorkommt. Der Körper kann ALA in geringem Umfang in EPA und DHA umwandeln.
  • Eicosapentaensäure (EPA): Eine Omega-3-Fettsäure, die hauptsächlich in fettem Fisch wie Lachs, Hering und Makrele vorkommt. EPA hat entzündungshemmende Eigenschaften.
  • Docosahexaensäure (DHA): Ebenfalls eine Omega-3-Fettsäure, die in fettem Fisch vorkommt. DHA ist ein wichtiger Bestandteil der Zellmembranen im Gehirn und spielt eine entscheidende Rolle für die Gehirnfunktion.

Die Rolle von Omega-3-Fettsäuren bei Epilepsie

Das Gehirn besteht zu großen Teilen aus Fett. Die Omega-3-Fettsäure DHA unterstützt die Bildung von Neurotransmittern wie Serotonin und Dopamin - zentral für Stimmung, Konzentration und emotionale Balance. Ein Mangel kann zu Reizbarkeit, Ängstlichkeit oder Lernproblemen führen.

Einige Studien deuten darauf hin, dass Omega-3-Fettsäuren eine positive Wirkung auf die Anfallshäufigkeit und -schwere bei Epilepsie haben könnten. Wissenschaftler aus Israel untersuchten die Wirkung einer PUFA-Nahrungsergänzung auf die Schwere und Häufigkeit epileptischer Anfälle bei 21 antikonvulsiv behandelten Patienten. Sechs Monate lang wurde zum Frühstück ein Brotaufstrich (etwa 5 g) mit 65% Omega-3-Fettsäuren (46% DHA, 18% EPA, 1% alpha-Linolensäure) plus 100 IE Vit. E eingenommen. 16 Patienten lehnten den Verzehr ab und wurden aus der Studie ausgeschlossen. Bei den fünf verbleibenden Patienten war eine markante Verminderung sowohl der Häufigkeit als auch der Schwere der Krämpfe zu beobachten.

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Diese Ergebnisse sind vielversprechend, jedoch ist die Studienlage noch begrenzt. Es bedarf weiterer, größerer Studien, um die Wirksamkeit von Omega-3-Fettsäuren bei Epilepsie eindeutig zu belegen.

Wie könnten Omega-3-Fettsäuren bei Epilepsie wirken?

Es gibt verschiedene Mechanismen, durch die Omega-3-Fettsäuren möglicherweise bei Epilepsie helfen könnten:

  • Entzündungshemmende Wirkung: Omega-3-Fettsäuren, insbesondere EPA, haben entzündungshemmende Eigenschaften. Versteckte Entzündungen triggern gegebenenfalls irreguläre Nervenimpulse. So provozieren diese eine Erhöhung der Gefäßspannung und damit epileptische Anfälle. Entzündungen im Gehirn können die Erregbarkeit der Nervenzellen erhöhen und somit Anfälle begünstigen. Durch die Reduktion von Entzündungen könnten Omega-3-Fettsäuren die Anfallshäufigkeit verringern.
  • Verbesserung der neuronalen Funktion: DHA ist ein wichtiger Bestandteil der Zellmembranen im Gehirn und spielt eine Rolle für die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen. Eine ausreichende Versorgung mit DHA könnte die Funktion der Nervenzellen verbessern und die Krampfschwelle erhöhen.
  • Einfluss auf Neurotransmitter: Omega-3-Fettsäuren können die Produktion und Funktion von Neurotransmittern beeinflussen. Sie unterstützen die Bildung von Neurotransmittern wie Serotonin und Dopamin - zentral für Stimmung, Konzentration und emotionale Balance. Ein Mangel kann zu Reizbarkeit, Ängstlichkeit oder Lernproblemen führen. Ein ausgeglichener Neurotransmitterhaushalt ist wichtig für die Stabilität der neuronalen Aktivität und könnte somit Anfälle verhindern.

Ernährungsempfehlungen für Menschen mit Epilepsie

Eine ausgewogene Ernährung ist ein wichtiger Bestandteil des Epilepsie-Managements. Neben Omega-3-Fettsäuren sollten auch andere Nährstoffe ausreichend zugeführt werden.

Allgemeine Ernährungsempfehlungen

  • Ausgewogene Ernährung: Achten Sie auf eine abwechslungsreiche Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und gesunden Fetten.
  • Regelmäßige Mahlzeiten: Essen Sie regelmäßig, um den Blutzuckerspiegel stabil zu halten. Ein ausgeglichener Blutzuckerspiegel kann helfen, Anfälle zu reduzieren. Vermeiden Sie zuckerhaltige Getränke, Kaffee und grünen oder schwarzen Tee.
  • Vermeidung von Triggerfaktoren: Identifizieren Sie mögliche Triggerfaktoren für Anfälle, wie z.B. Alkohol, Schlafmangel oder Stress, und vermeiden Sie diese.
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Trinken Sie ausreichend Wasser über den Tag verteilt.

Spezielle Ernährungsempfehlungen

  • Omega-3-Fettsäuren: Integrieren SieOmega-3-reiche Lebensmittel in Ihre Ernährung, wie z.B. fetten Fisch (Lachs, Hering, Makrele), Leinöl, Chiasamen oder Walnüsse. Bei vegetarischer oder veganer Fütterung ist die Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren besonders wichtig. Da Hunde pflanzliches ALA (aus Lein- oder Hanföl) nur begrenzt in DHA/EPA umwandeln können, sollte auf hochwertige Pflanzenöle mit günstigem Verhältnis geachtet werden. Canina® Leinöl (Omega-3-lastig, ca.
  • Antioxidantien: Essen Sie Obst und Gemüse. In ihnen sind Antioxidantien enthalten. Diese natürlichen Radikalfänger reduzieren den oxidativen Stress.
  • Hochwertige Lebensmittel: Achten Sie bei Ihren Nahrungsmitteln auf eine hohe Qualität. Entscheiden Sie sich für Bio-Fleisch-Produkte. Wenn Fleisch mit Hormonen belastet ist, verstärkt dies das Risiko versteckter Entzündungen im Körper.
  • Kohlenhydratarme Ernährung: Die Nervenzellen im Gehirn werden durch ein Überangebot an Glukose ganz besonders für Überreizungen empfänglich. Reduzieren Sie die Zufuhr von kurzkettigen Kohlehydraten, die vor allem in Weißmehlprodukten wie Pasta, Brötchen und Kuchen stecken. Greifen Sie zu Produkten aus Vollkornmehl.

Die ketogene Diät

Vor der Entwicklung der Arzneistoffe wurde Epilepsie durch eine komplette Umstellung der Ernährung behandelt. Diese sogenannte ketogene Ernährung wird auch heute noch in ganz besonderen Fällen für ein bis zwei Jahre durchgeführt, bei der nahezu sämtliche Kohlenhydrate aus der Nahrung gestrichen werden. Gerade bei Kindern hat sich diese Diät bewährt. Bei Hunden mit neurologischen Erkrankungen - wie Epilepsie oder kognitivem Abbau - kann eine ketogen orientierte Ernährung helfen. Mittelkettige Fettsäuren (MCTs) liefern dem Gehirn alternative Energie in Form von Ketonkörpern.

Die ketogene Diät ist eine sehr spezielle Form der Ernährung, bei der der Körper hauptsächlich Fette zur Energiegewinnung nutzt. Durch den Verzicht auf Kohlenhydrate produziert der Körper Ketonkörper, die als alternative Energiequelle für das Gehirn dienen können. Die ketogene Diät kann bei einigen Formen von Epilepsie, insbesondere bei Kindern, die auf Medikamente nicht ansprechen, wirksam sein.

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Wichtig: Die ketogene Diät ist sehr restriktiv und sollte nur unter strenger ärztlicher Aufsicht und mit der Unterstützung einer qualifizierten Ernährungsfachkraft durchgeführt werden. Nicht anwenden bei: Genetischen Störungen der Fettverwertung bzw.

Folsäure und Epilepsie

Eine Klientin, Anfang 30, mit Epilepsie (mit Medikamenten anfallsfrei), hat gelesen, dass Omega 3 Fettsäuren und Folsäure für sie ungünstig sind. Einige Antiepileptika sind Folsäureantagonisten. Daher braucht sie auf jeden Fall Folsäure. Wenn sie Patientin bei mir wäre, würde ich das Homocystein messen. Daran könnte ich erkennen, dass ein funktioneller Folsäuremangel vorliegt und würde die richtige Dosis herausfinden.

Omega-3-Fettsäuren bei Epilepsie bei Hunden

Auch bei Hunden mit Epilepsie kann die Ernährung eine wichtige Rolle spielen. Der Einsatz mittelkettiger Fettsäuren (MCT-Öle) hat vielversprechende Ergebnisse gebracht (Law et al., 2015; Berk et al., 2019, 2020). Allerdings sollte gerade bei Epileptikern die Gabe von Nahrungsergänzungen mit dem Tierarzt besprochen werden, um Wechselwirkungen mit Medikamenten und unerwünschte Nebenwirkungen unbedingt zu vermeiden.

Futtermedicus hat basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen ein spezielles Rezept für epileptische Hunde entwickelt, das du ganz einfach selbst zubereiten kannst. Möchtest du es bei deiner Fellnase ausprobieren, achte bitte darauf, das Futter genau nach den angegebenen Mengen und Zutaten zuzubereiten. Parallel sollten keine zusätzlichen Leckerli, Kauartikel oder andere Extras gefüttert werden. Bitte beachte jedoch, dass dieses Rezept keine tierärztliche Behandlung ersetzen kann und auch nicht dafür gedacht ist. Eine regelmäßige Betreuung durch deinen Tierarzt oder Neurologen bleibt unbedingt notwendig. Informiere bitte deinen Tierarzt, wenn du die Ernährung deines Hundes auf unser Rezept umstellen willst.

Weitere unterstützende Maßnahmen bei Epilepsie

Neben der Ernährung gibt es weitere Maßnahmen, die Menschen mit Epilepsie unterstützen können:

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  • Medikamentöse Therapie: Die medikamentöse Einstellung ist der erste Schritt der Therapie. Je nach Ursache, Anfallsstärke und -häufigkeit, Vorerkrankungen und anderen Komponenten werden die passenden antikonvulsiven Medikamente ausgewählt. Dabei spielen die jeweilige Dosis, Verabreichung und Kombination der Medikamente eine wichtige Rolle.
  • Stressmanagement: Vermeiden Sie Stress und sorgen Sie für ausreichend Entspannung.
  • Regelmäßiger Schlaf: Achten Sie auf einen regelmäßigen Schlafrhythmus und ausreichend Schlaf.
  • Sport und Bewegung: Ausdauertraining (Cardiotraining: z. B. Sportarten ohne signifikantes Risiko (z. B. Mannschaftssportarten, Golf)Hinweis: Patienten mit Epilepsien sollten zum Sport treiben ermutigt werden. Sport bzw. körperliche Aktivität reduziert Komorbiditäten (Begleiterkrankungen) und wirkt sich ggf.
  • Vagusnervstimulation: Platzierung einer Elektrode im Halsbereich in der Nähe des Vagusnervs bei medikamentös nicht beherrschbaren Anfällen.
  • Biofeedback-Training: Besondere Form der Verhaltenstherapie bei medikamentös nicht-beherrschbaren Anfällen. Detaillierte Informationen zur Psychosomatik (inkl.

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