Demenz-Tests: Methoden, Früherkennung und Diagnose

Demenz ist ein Oberbegriff für mehr als 50 verschiedene Krankheitsbilder, die mit einem fortschreitenden Verlust der geistigen Fähigkeiten einhergehen. Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Form, gefolgt von der vaskulären Demenz. Eine frühzeitige Diagnose ist entscheidend, um Betroffenen und ihren Angehörigen zu helfen, sich auf die Veränderungen einzustellen, eine effektive Therapie zu ermöglichen und den Krankheitsverlauf zu verlangsamen. Es gibt verschiedene Methoden, um Demenz zu testen und zu diagnostizieren.

Der Hausarzt als erste Anlaufstelle

Im Allgemeinen ist der Hausarzt der erste Ansprechpartner bei Verdacht auf Demenz. Ein Hausarzt, der für das Thema sensibilisiert ist, kann erste Untersuchungen durchführen. Bei leichten Symptomen, die im Alltag kaum auffallen, sind jedoch ausführlichere Tests erforderlich.

Screening-Tests in der Hausarztpraxis

Bei Verdacht auf Demenz stehen dem Hausarzt verschiedene Screening-Tests zur Verfügung, die zwischen fünf und fünfzehn Minuten dauern und einfach in der Praxis durchzuführen sind.

BrainCheck und Uhrentest

Besonders geeignet ist der BrainCheck in Kombination mit dem Uhrentest. Der BrainCheck beginnt mit drei geschlossenen Fragen an den Patienten:

  1. Haben Sie selbst kognitive Einschränkungen bemerkt?
  2. Wurden Sie von Angehörigen deswegen kritisiert?
  3. Fühlen Sie sich durch kognitive Einbußen im Alltag eingeschränkt?

Beim Uhrentest soll der Patient ein Ziffernblatt mit Zeigern zu einer vorgegebenen Tageszeit zeichnen. Dieses Verfahren ermittelt exekutive Funktionsstörungen und wird nur wenig durch sozioökonomische Faktoren beeinflusst. Es eignet sich als Früh- und Verlaufsindikator zur Dokumentation des visuell-räumlichen Denkens. Wichtige Hinweise auf das Vorliegen einer Demenz liefern auch die Einschätzungen von Angehörigen und Freunden, die Auskunft zur aktuellen kognitiven Leistungsfähigkeit des Betroffenen im Vergleich zum Zustand vor zwei Jahren geben können.

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Eine Validierungsstudie ergab für den BrainCheck eine Sensitivität von 97,4 % und eine Spezifität von 81,6 %.

Mini-Mental-Status-Test (MMST)

Ein weiteres Screeninginstrument ist der Mini-Mental-Status-Test (MMST). Er erfasst neben der zeitlichen und örtlichen Orientierungsfähigkeit auch die Bereiche Gedächtnis und Arbeitsgedächtnis, Visuokonstruktion und Sprache. Der MMST ist jedoch recht störungsanfällig und nicht zur Demenzfrüherkennung geeignet. Er kann auch nicht zwischen verschiedenen Demenztypen unterscheiden. Bei einem Schwellenwert von 24 Punkten liegt die Sensitivität des Verfahrens bei 85 %, die Spezifität bei 90 %.

Es ist wichtig zu beachten, dass die Sensitivität der Testverfahren angibt, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Demenzkranker korrekt als dement eingestuft wird. Ein Wert von 85 % bedeutet, dass 85 % der Patienten mit Demenz tatsächlich als solche erkannt werden, während 15 % fälschlich als gesund beurteilt werden. Die Spezifität liefert eine Aussage darüber, mit welcher Wahrscheinlichkeit sich ein gesunder Patient als nicht dement erkennen lässt.

Neuropsychologische Testung

Wenn die Screening-Tests Hinweise auf eine mögliche Demenz liefern, ist eine ausführlichere neuropsychologische Testung erforderlich. Dabei werden Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Sprache und andere höhere Hirnfunktionen untersucht. Diese Tests werden in der Regel mit Stift und Papier oder am Computer durchgeführt.

Kurztests

Einfachere Untersuchungen sind Kurztests, bei denen beispielsweise drei Wörter vorgegeben werden ("Auto, Blume, Kerze"). Anschließend wird eine kleine Rechenaufgabe gestellt, bei der von 100 sieben abgezogen werden muss, bis man bei 65 angelangt ist. Dies dient dazu, die Aufmerksamkeit, die Konzentration und die Fähigkeit, den Faden zu halten, zu prüfen. Nachdem die Patienten gerechnet haben, werden sie gefragt, wie die drei Wörter hießen, die sie zuvor wiederholt haben. Patienten mit einer deutlichen Ausprägung der Demenz können sich diese drei Wörter oft nicht merken.

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Ausführlicher Gedächtnistest

Ein ausführlicher Gedächtnistest, wie er in Gedächtnisambulanzen durchgeführt wird, beinhaltet das Lernen von 15 Wörtern, die fünfmal hintereinander wiederholt werden müssen. Danach wird eine zweite Wortliste mit ebenfalls 15 Wörtern gelernt. Nach weiteren 20 Minuten wird erneut nach der ersten Wortliste gefragt.

Weitere Demenz-Tests

Es gibt verschiedene psychometrische Tests, mit denen das Denkvermögen einer Person beurteilt werden kann. Diese Tests können Hinweise auf eine Demenz oder Alzheimer liefern, ersetzen jedoch keine ärztliche Untersuchung. Sie sollten idealerweise von Experten wie Neurologen, Psychiatern, Psychologen oder entsprechend ausgebildetem Personal durchgeführt werden.

Demenz-Detektions-Test (DemTect)

Der DemTect ist ein einfaches Verfahren, das wenig Zeit in Anspruch nimmt und kaum Vorwissen erfordert. Bei der Auswertung wird auch das Alter des Patienten berücksichtigt.

Mini-Mental-Status-Test (MMST)

Der MMST ist etwas anspruchsvoller und aufwändiger, aber auch aussagekräftiger. Er wird häufig von geschultem Personal in Arztpraxen und Krankenhäusern verwendet.

Montreal Cognitive Assessment-Test (MoCa-Test)

Der MoCa-Test sollte von geschultem Personal durchgeführt werden.

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Uhrentest

Der Uhrentest ist ein bekannter Demenz-Test, der einfach mit einem Blatt Papier und einem Stift durchgeführt werden kann.

Test zur Früherkennung von Demenzen mit Depressionsabgrenzung (TFDD)

Beim TFDD geht es vor allem darum, eine Depression als mögliche Ursache auszuschließen, da Depressionen ähnliche Symptome wie Demenz haben können und in Tests zu ähnlichen Ergebnissen führen können.

Syndrom-Kurztest (SKT)

Der SKT erfasst vor allem Beeinträchtigungen des Gedächtnisses, der Aufmerksamkeit und der Informationsverarbeitung.

ADL-Skalen

ADL-Skalen (ADL: "Activities of Daily Living") messen die Auswirkungen der Demenz auf die Alltagsfähigkeiten. Der Test, der in verschiedenen Varianten existiert, misst, zu welchen Tätigkeiten des alltäglichen Lebens der Patient noch fähig ist.

Bildgebende Verfahren

Bei der Erstdiagnose der Demenz sollte zusätzlich entweder eine Computertomografie (CT) oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) durchgeführt werden. CT und MRT erstellen Schichtaufnahmen des Gehirns und erlauben einen Einblick in den Aufbau des Gehirns. Diese bildgebenden Verfahren ermöglichen allein zwar nicht die Diagnose einer Demenz, können aber helfen, zwischen den einzelnen Formen zu unterscheiden. So können z.B. Durchblutungsstörungen des Gehirns (vaskuläre Demenz) erkannt werden. Der Hauptgrund für die Erstellung von CT- und MRT-Bildern liegt jedoch in der frühzeitigen Erkennung von behandelbaren Ursachen einer Demenz. Dies kann ein Hirntumor oder eine krankhafte Erweiterung der Hohlräume im Gehirn sein. Neuere Verfahren wie Single Photon Emission Computed Tomography (SPECT) und Positronen-Emissionstomographie (PET) können in unklaren Fällen und in Frühstadien zur Sicherung der Diagnose beitragen. So kann eine PET-Untersuchung z.B. einen verminderten Zuckerstoffwechsel im Gehirn nachweisen, obwohl im MRT noch keine Hirnschrumpfung darstellbar ist. Auch ist es neuerdings möglich, die für die Alzheimer-Erkrankung typischen Amyloid-Ablagerungen darzustellen.

Blutuntersuchungen und Nervenwasseruntersuchung

Der Arzt wird bei allen Patienten mit Verdacht auf Demenz auch Blut abnehmen, um einige behandelbare Ursachen einer Demenz rechtzeitig zu erkennen (z.B. Mangel an Vitamin B12 oder an Schilddrüsenhormonen). Eine sehr empfindliche Methode zur Feststellung einer Alzheimer-Erkrankung ist die Untersuchung des Nervenwassers (Liquor).

Bedeutung der Früherkennung

Die Früherkennung von Demenz ist aus mehreren Gründen wichtig:

  • Erklärung für unerklärliches Verhalten: Die Diagnose Demenz bietet eine Erklärung für bislang unerklärliches Verhalten und andere Auffälligkeiten.
  • Effektive Therapie: Die Früherkennung macht eine effektive Demenztherapie möglich und verzögert den weiteren Verlauf der Krankheit. Es stehen Medikamente zur Verfügung, die den Krankheitsverlauf verlangsamen können. Offensichtlich wirken sie umso effektiver, je eher sie eingenommen werden.
  • Lebensstiländerungen: Körperliche Aktivität und Gedächtnistraining können die Alzheimer-Erkrankung verlangsamen, allerdings nur in Frühstadien.
  • Bessere Lebensqualität: Um den Patienten durch Lebensstiländerungen, geistiges Training und Medikamente lange eine gute Lebensqualität zu sichern, muss man die Krankheit möglichst früh diagnostizieren.

Neue Diagnosemöglichkeiten

Die Forschung arbeitet kontinuierlich an neuen und verbesserten Diagnosemethoden für Demenz. Ein deutsch-amerikanisches Forschungsteam hat beispielsweise eine neue Diagnosemöglichkeit für Alzheimer entdeckt, bei der sogenannte MicroRNAs im Blut gemessen werden. Dieses Verfahren ist noch nicht bereit für die klinische Routine, könnte aber den Weg für eine bessere Früherkennung ebnen.

Forscher des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Kompetenznetzes Demenzen haben einen neuen Bluttest für die Alzheimer-Erkrankung entwickelt. Mit ihm weisen sie spezielle Proteine nach - die ß-Amyloidpeptide (AßPeptide). Aß-Peptide spielen eine Schlüsselrolle für die Entstehung des Morbus Alzheimer. Typischerweise treten sie bei betroffenen Personen massenhaft in krankhaften Ablagerungen im Gehirn auf. Es gibt mehrere Unterformen der Aß-Peptide, die unterschiedlich giftig für die Nervenzellen sind.

Ein anderes Forscherteam hat die Kernspintomographie so weiterentwickelt, dass sie bereits kleinste, für die Alzheimer-Erkrankung typische Veränderungen des Gehirns entdecken können. Die von ihnen angewendete Untersuchungstechnik, das so genannte Diffusion Tensor Imaging (DTI), macht auf Schnittbildern des Gehirns den Untergang von Nervenfasern sichtbar.

Einschränkungen von Demenz-Tests

Es ist wichtig zu beachten, dass einfache Testverfahren für Demenz keine absolut zuverlässigen Ergebnisse liefern können. In Demenz-Tests können nur Symptome erkannt werden, die auch Anzeichen für andere Erkrankungen sein können. Es kann also sein, dass ein Demenz-Test Hinweise auf eine Demenz liefert, obwohl die Testperson an einer ganz anderen Krankheit leidet.

Außerdem kann es vorkommen, dass Menschen ohne Anzeichen einer Demenz grundlos Demenz-Tests als Prophylaxe machen. Gesunde und geistig fitte ältere Menschen müssen dies jedoch nicht tun.

Umgang mit einer drohenden Demenz-Erkrankung

Eine drohende Demenz-Erkrankung belastet Betroffene, Angehörige und Freunde schon im Vorfeld. Unterstützung von außen und Aufklärung sind die wichtigsten Mittel, um sich dem Thema Demenz konstruktiv zu nähern. Es gibt viele regionale Anlaufstellen für das Thema Demenz, die Sie mit Ihren Fragen und Sorgen kontaktieren können.

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