Epilepsie und Hirnnarben: Ursachen und Zusammenhänge

Epilepsie ist eine weit verbreitende neurologische Erkrankung, von der etwa jeder zehnte Mensch im Laufe seines Lebens betroffen ist. Dank moderner Diagnosemethoden und medikamentöser Behandlungen kann die Krankheit heute sicher diagnostiziert und gut behandelt werden. Allerdings ist Epilepsie als solche nicht heilbar, sondern lediglich behandelbar.

Was ist Epilepsie?

Epilepsie ist keine einzelne Krankheit, sondern ein Sammelbegriff für verschiedene Hirnerkrankungen mit einer erhöhten Neigung zu Anfällen. Diese Anfälle entstehen durch eine übermäßige, synchronisierte Entladung von Nervenzellen im Gehirn. Die Symptome können vielfältig sein und reichen von Wahrnehmungsstörungen bis hin zu Bewusstlosigkeit und Krämpfen.

Ursachen von Epilepsie

Die Ursachen für Epilepsie sind vielfältig. Grundsätzlich kann jedes Ereignis, das einen Schaden im Gehirn verursacht, ein potenzieller Auslöser für ein epileptisches Anfallsleiden sein. Die Medizin unterscheidet hier strukturelle, infektiöse, metabolische, genetische und immunologische Ursachen.

Strukturelle Ursachen

Strukturelle Veränderungen am Gehirn können durch Schlaganfälle, Tumore oder Hirnverletzungen entstehen. Wenn Verletzungen des Gehirns entstehen - bei Erwachsenen etwa Schlaganfälle oder Tumore bzw. bei Kindern ein Schädelhirntrauma oder eine stärkere Gehirnerschütterung, kann diese Veränderung im Gehirn eine kleine Narbe hinterlassen, welche eine Instabilität in den Gehirnzellverbänden entstehen lässt. In solchen Fällen bildet sich Narbengewebe im Gehirn, von dem vermehrt Krampfanfälle ausgehen.

Genetische Ursachen

Genetisch bedingt haben manche Menschen eine stärkere Veranlagung zu epileptischen Anfällen als andere. Die Forschung geht heute davon aus, dass bei diesen Patienten ein oder mehrere Gene defekt sind, die als Ursache der Epilepsie anzusehen sind. Allerdings ist die Epilepsie an sich nicht vererbbar, sondern lediglich die Neigung, eine Epilepsie zu entwickeln.

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Weitere Ursachen

Infektionen des Gehirns, Stoffwechselstörungen oder Autoimmunerkrankungen können ebenfalls Epilepsie auslösen. In einigen Fällen bleibt die Ursache jedoch unklar.

Epileptische Anfälle

Ein epileptischer Anfall entsteht durch eine plötzliche, unkontrollierte Entladung von Nervenzellen im Gehirn. Diese Entladung kann sich wellenförmig über einzelne Hirnareale, Hirnabschnitte oder im schlimmsten Fall über das ganze Gehirn ausbreiten. Grundsätzlich können alle Areale des Gehirns epileptische Anfälle auslösen.

Die Art des Anfalls hängt davon ab, welche Hirnregion betroffen ist und wie sich die Entladung ausbreitet. Es gibt fokale Anfälle, die von einer bestimmten Hirnregion ausgehen, und generalisierte Anfälle, die das gesamte Gehirn betreffen.

Symptome von Anfällen

Die Symptome eines epileptischen Anfalls können sehr unterschiedlich sein. Einige Anfälle kündigen sich mit einer Aura an, einem Vorgefühl oder einer bestimmten Empfindung. Andere Anfälle treten plötzlich und ohne Vorwarnung auf.

Mögliche Symptome sind:

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  • Geruchs- oder Geschmacksstörungen
  • Halluzinationen
  • Zuckungen
  • Krämpfe
  • Bewusstseinsverlust
  • Verhaltensänderungen

Was tun bei einem Anfall?

Wenn man Zeuge eines epileptischen Anfalls wird, sollte man Ruhe bewahren und den Betroffenen vor Verletzungen schützen. Wichtig ist es, den Betroffenen in eine stabile Seitenlage zu bringen und alles wegzuräumen, wodurch er sich verletzen könnte. Früher wurde in der Krankenpflegeausbildung gelehrt, bei einem großen Anfall einen Keil zwischen die Zähne zu geben - das wird heute nicht mehr gemacht, da dadurch der Biss in die Zunge nicht verhindert wird und man sich als Helfer selbst verletzen kann. Man kann jedoch darauf achten, den Patienten in eine stabile Seitenlage bringen zu können und Gläser oder andere Gegenstände aus dem Weg zu räumen, um die Umgebung zu schützen.

Diagnose von Epilepsie

Ein erster epileptischer Anfall sollte immer ärztlich abgeklärt werden. In diesem Fall sollte ein Arzt, ein Neurologe oder ein Kinderarzt bzw. ein Neuropädiater aufgesucht werden, um eine Abklärung durchzuführen. Das Zentrale ist dabei das EEG, die Elektroenzephalographie; umso früher das EEG durchgeführt werden kann, desto aussagekräftiger ist es.

Zur Diagnose von Epilepsie werden verschiedene Untersuchungen eingesetzt:

  • Anamnese: Der Arzt erfragt die Krankengeschichte des Patienten und seiner Familie.
  • Klinische Untersuchung: Der Arzt untersucht die Reflexe und neurologischen Funktionen des Patienten.
  • EEG (Elektroenzephalogramm): Das EEG misst die Hirnströme und kann epileptische Aktivitäten aufzeichnen.
  • MRT (Magnetresonanztomographie): Das MRT erstellt Bilder des Gehirns und kann strukturelle Veränderungen wie Narben oder Tumore sichtbar machen.
  • Laboruntersuchungen: Blutuntersuchungen können Stoffwechselstörungen oder andere Ursachen für Anfälle aufdecken.

Behandlung von Epilepsie

Epileptische Anfälle sind medikamentös meist gut behandelbar. Hierzu stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, die individuell eingesetzt werden. Dabei wird auf eine optimale Verträglichkeit geachtet, da die Medikamente über lange Zeit, in manchen Fällen sogar lebenslang, eingenommen werden müssen. Die Therapie wird individuell abgestimmt und richtet sich unter anderem nach der Art der Anfälle sowie den diagnostischen Befunden. Bei etwa zwei Drittel der Patientinnen und Patienten können die Anfälle durch eine optimale medikamentöse Therapie dauerhaft unterdrückt oder zumindest befriedigend kontrolliert werden.

Neben der medikamentösen Behandlung gibt es weitere Therapiemöglichkeiten:

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  • Chirurgische Eingriffe: Bei fokalen Epilepsien kann die Entfernung des Anfallsherdes im Gehirn in Betracht gezogen werden.
  • Vagusnervstimulation: Ein Schrittmacher stimuliert den Vagusnerv und kann die Anfallshäufigkeit reduzieren.
  • Ketogene Diät: Eine spezielle Diät kann bei manchen Patienten die Anfallskontrolle verbessern.

Leben mit Epilepsie

Menschen mit Epilepsie können in der Regel ein normales Leben führen. Wichtig ist eine gute Anfallskontrolle durch Medikamente und die Vermeidung von Auslösern wie Schlafmangel oder Alkoholkonsum.

Es gibt viele Auslöser, welche die Neigung zu epileptischen Anfällen verstärken. Ein Auslöser kann Schlafentzug oder ein unregelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus sein; außerdem übermäßiger Alkoholkonsum, wobei da nicht der Alkohol an sich Auslöser ist, sondern der Abfall vom Alkoholspiege…

Epilepsie bei Kindern

Frühkindliche Epilepsie kann sich auf verschiedene Arten zeigen. Eine der häufigsten Arten ist die Absence-Epilepsie. Bis zu 100 Mal am Tag kommt es zu den kurzen Anfällen - meistens beginnt es im Schulalter. Etwa 50 von 100.000 Kindern sind jedes Jahr von der Diagnose betroffen. Krampfanfälle mit Zucken des Körpers - sogenannte Grand-Mal-Anfälle - wie sie allgemein mit Epilepsie in Verbindung gebracht werden, sind dagegen selten.

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