Ein Lymphstau kann zu Muskelkrämpfen führen und ist oft die Folge von Verletzungen oder Operationen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Lymphstau und Muskelkrämpfen, sowie die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten.
Entzündung als Reparaturmechanismus
Verletzungen wie Verstauchungen, Bänderrisse oder offene Wunden lösen im Körper eine Entzündungsreaktion aus. Diese Entzündung ist ein natürlicher Reparaturmechanismus, der eine Kaskade von Heilungsprozessen in Gang setzt. Typische Symptome einer Entzündung sind:
- Rötung (Rubor)
- Erwärmung (Calor)
- Schwellung (Tumor)
- Schmerz (Dolor)
- Funktionseinschränkung (Functio laesa)
Diese Symptome, auch als Kardinalsymptome einer Entzündung bekannt, sind zunächst hilfreich, können den Heilungsprozess aber auch behindern, wenn sie zu lange anhalten.
Die Rolle des Lymphsystems bei Verletzungen
Bei einer Verletzung kommt es zu einem verstärkten Austritt von Reparaturstoffen aus den Blutgefäßen, was zu einem Ödem (Schwellung) führen kann. Das Lymphsystem ist hauptsächlich für den Abtransport dieser Flüssigkeit und von Zelltrümmern verantwortlich. Ist das Lymphsystem überlastet, bleibt das Ödem länger bestehen, was Schmerzen verursacht und die Heilung verzögert, da die Versorgung der umliegenden Zellen erschwert wird.
Erste-Hilfe-Maßnahmen: Die PECH-Regel
Um die körpereigenen Heilungsmechanismen zu unterstützen und die Ödembildung zu minimieren, hat sich die PECH-Regel bewährt:
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- Pause: Die sportliche oder sonstige Aktivität sofort einstellen, um weitere Belastungen zu vermeiden.
- (Eis-) Kühlung: Kälte lindert Schmerzen und reduziert die Durchblutung, wodurch die Ödembildung vermindert wird. Moderate Kühlung mit kaltem Leitungswasser oder Kühlpackungen ist empfehlenswert. Eis-Spray sollte vermieden werden, da es das Gewebe schädigen kann.
- Kompression: Ein Kompressionsverband oder medizinische Kompressionsstrümpfe helfen, die Flüssigkeit auf eine größere Fläche zu verteilen und den Lymphabtransport zu fördern. Bei zunehmenden Schmerzen oder starken Ödemen sollte der Verband sofort entfernt werden.
- Hochlagern: Das Hochlagern der betroffenen Extremität unterstützt den Abfluss der Flüssigkeit.
Massagen, Wärmeanwendungen und durchblutungsfördernde Salben sollten in den ersten 48 Stunden nach der Verletzung vermieden werden, da sie die Entzündung verstärken und den Heilungsprozess verlangsamen können.
Manuelle Lymphdrainage
Die Manuelle Lymphdrainage (MLD) ist eine spezielle Therapieform, die den Lymphabfluss verbessert und die körpereigene Lymphdrainage unterstützt. Sie wird von speziell ausgebildeten Therapeuten durchgeführt und hat sich bei Verstauchungen und postoperativen Ödemen bewährt.
Häufige Verletzungen und ihre Behandlung
80 % aller Sportverletzungen sind Prellungen, Verstauchungen und Zerrungen. Am häufigsten betroffen sind Knöchel und Sprunggelenk.
- Verstauchung (Distorsion): Entsteht durch Überdrehen oder Überstrecken der Bänder. Sofortmaßnahme: PECH-Regel, Manuelle Lymphdrainage.
- Prellung (Kontusion): Entsteht durch stumpfe Gewalteinwirkung und geht mit einem Bluterguss einher. Sofortmaßnahmen: PECH-Regel, Belastungspause, keine Wärme oder Massagen.
- Zerrung: Entsteht durch Überdehnung der Muskulatur. Sofortmaßnahmen: PECH-Regel, Ruhe, später leichte Dehnübungen.
- Muskelfaserriss: Charakterisiert durch akuten, stechenden Schmerz und eine Delle im Muskel. Sofortmaßnahmen: PECH-Regel, Manuelle Lymphdrainage, frühestens nach 5 Tagen langsame Belastung.
- Muskelkater: Entsteht durch Mikroverletzungen infolge von Überlastung. Sofortmaßnahmen: Leichte Bewegung, Entspannungsbäder, Lymphdrainage.
- Muskelkrämpfe: Oft die Folge von muskulärer Ermüdung oder Mineralienmangel. Maßnahmen: Flüssigkeits-, Kohlenhydrat- und Elektrolytversorgung überprüfen, Lockerungsmassagen, Labordiagnostik, evtl. Magnesium-Präparate.
- Bänderdehnung, Bänderriss: Betrifft meist das Sprunggelenk oder Kniegelenk. Sofortmaßnahmen: PECH-Regel, Ruhigstellung. Vorbeugung: Gelenkstabilisierende Muskulatur trainieren, Koordinationstraining.
- Verrenkungen (Luxation): Charakterisiert durch Schmerzen und sichtbare Fehlstellung von Gelenken. Sofortmaßnahmen: Gelenk in schmerzfreier Stellung lagern, nicht selbst einrenken, Arzt aufsuchen.
- Knochenbruch (Fraktur): Charakterisiert durch Bruchgeräusch, starke Schmerzen, Bewegungseinschränkung. Sofortmaßnahmen: Wenig bewegen, entlasten, hochlagern, keine Kompression, Arzt aufsuchen.
- Achillessehnen-Reizung (Tendopathie): Entsteht durch Prellung, Druck oder Überbelastung. Sofortmaßnahmen: PECH-Regel, Abklärung auf Achillessehnenriss.
- Schleimbeutelentzündung (Bursitis): Entsteht durch Dauerreize, Druck oder Überbeanspruchung. Maßnahmen: Ruhigstellung, Salbenverbände, Quarkpackungen.
- Sehnenscheidenentzündung (Tendovaginitis): Entsteht infolge Überlastung. Maßnahmen: Salbenverband, Quarkpackungen, Belastung vermeiden.
- Tennisarm bzw. Golfarm (Epicondylitis): Entsteht durch Überlastung. Maßnahmen: Salbenverband, Quarkpackungen, Belastung vermeiden.
Offene Wunden sollten gereinigt, desinfiziert und mit einem Verband abgedeckt werden. Bei stark blutenden Wunden einen Druckverband anlegen und ärztliche Hilfe suchen.
Beinschwellungen (Beinödeme)
Beinschwellungen können verschiedene Ursachen haben, von harmlosen Flüssigkeitseinlagerungen bis hin zu ernsthaften Erkrankungen.
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Ursachen von Beinschwellungen
Einseitige Beinschwellungen können folgende Ursachen haben:
- Beinvenenthrombose: Bildung eines Blutgerinnsels in den Beinvenen, das den Blutabtransport behindert.
- Venenschwäche: Angeborene oder erworbene Schwäche der Venenklappen, die zu einer Druckerhöhung in den Venen führt.
- Orthopädische Erkrankungen: Synovialzysten im Kniegelenk, die bei Ruptur zu einer Schwellung des Unterschenkels führen können.
- Infektionen: Erysipel (Wundrose), eine bakterielle Entzündung der Haut.
- Gelenkentzündungen: Schmerzhafte Gelenkentzündungen oder Gichtanfälle.
- Operationen: Postoperative Schwellungen nach Hüftgelenksersatz.
- Durchblutungsstörungen: Akute Durchblutungsstörungen, die zu einem Kompartmentsyndrom führen können.
Beidseitige Beinschwellungen können folgende Ursachen haben:
- Herzinsuffizienz: Schwäche des Herzens, die zu einem Rückstau des Blutes führt.
- Niereninsuffizienz: Eingeschränkte Nierenfunktion, die zu einer Überwässerung des Körpers führt.
- Leberinsuffizienz: Eingeschränkte Leberfunktion, die zu Flüssigkeitsansammlungen im Bauchraum und in den Beinen führt.
- Onkologische Ursachen: Tumore im Bauchraum, die Lymphbahnen beeinträchtigen können.
- Hormonelle Störungen: Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion), die zu Myxödemen führen kann.
- Adipositas: Übergewicht, das mit Lymphödemen in Verbindung steht.
- Medikamente: Einige Blutdruckmedikamente, Antidiabetika, Hormone und Entzündungshemmer können Beinschwellungen verursachen.
- Lipödem: Schmerzhafte Fettverteilungsstörung, die vorwiegend bei Frauen vorkommt.
- Zyklische Ödeme: Prämenstruelle Ödeme, die in der zweiten Zyklushälfte auftreten.
- Immobilisationsödeme: Schwellungen nach langem unbeweglichen Sitzen.
Diagnose und Behandlung von Beinschwellungen
Die Behandlung von Beinschwellungen richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Eine ausführliche Anamnese, körperliche Untersuchung und gegebenenfalls weitere diagnostische Maßnahmen sind notwendig, um die Ursache zu ermitteln.
Mögliche Behandlungen sind:
- Behandlung der Grunderkrankung
- Eingeschränkte Salzzufuhr
- Diuretikatherapie (Entwässerungsmittel)
- Kompressionstherapie (Kompressionsstrümpfe oder Bandagen)
- Komplexe physikalische Entstauungstherapie (Lymphdrainage)
Lymphödem
Ein Lymphödem entsteht durch eine Störung des Lymphsystems, wodurch sich Lymphflüssigkeit im Gewebe staut. Es kann angeboren (primär) oder erworben (sekundär) sein. Häufige Ursachen sind Verletzungen, Operationen (insbesondere nach Krebsbehandlungen) und Krebserkrankungen selbst.
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Symptome eines Lymphödems
- Schwellungen
- Spannungsgefühl
- Schweregefühl in den Gliedmaßen
- Schmerzen
- Eingeschränkte Beweglichkeit
- Veränderungen der Haut
Diagnose eines Lymphödems
Ein zuverlässiges Zeichen für ein Lymphödem ist das Stemmer-Zeichen:
- Positives Stemmer-Zeichen: Eine Hautfalte an der Zehe lässt sich nur schwer oder gar nicht anheben.
- Negatives Stemmer-Zeichen: Eine Hautfalte lässt sich gut anheben (schließt ein Lymphödem aber nicht grundsätzlich aus).
Behandlung eines Lymphödems
Ein Lymphödem ist eine chronische Erkrankung und nicht heilbar, aber mit der richtigen Therapie lassen sich gute Ergebnisse erzielen. Die Behandlung umfasst:
- Manuelle Lymphdrainage: Anregung des Lymphabflusses durch spezielle Massagetechniken.
- Lymphologische Kompressionsverbände: Anpassung an die sich täglich verändernden Umfänge der betroffenen Gliedmaßen.
- Medizinische Kompressionsstrümpfe: Flachgestrickte Strümpfe, die täglich getragen werden, um ein erneutes Auftreten eines Ödems zu verhindern.
- Hautpflege: Tägliche und gründliche Hautpflege mit speziellen Produkten, da die Haut besonders empfindlich ist.
- Bewegung: Kontinuierliche Bewegung, am besten direkt nach der manuellen Lymphdrainage und mit Kompressionsversorgung.
Rhabdomyolyse (Muskelzerfall)
Ein Zerfall von Muskelfasern (Rhabdomyolyse) kann verschiedene Ursachen haben, darunter Muskelquetschungen, extreme körperliche Aktivität, Medikamente, Infektionen und Alkohol- oder Drogenkonsum.
Symptome einer Rhabdomyolyse
- Muskelschmerzen (besonders in Schultern, Oberschenkeln und im Kreuz)
- Muskelkrämpfe
- Allgemeines Krankheitsgefühl
- Fieber
- Schneller Pulsschlag
- Bauchschmerzen
- Übelkeit und Erbrechen
- Verfärbter Urin (durch Myoglobin)
Komplikationen einer Rhabdomyolyse
- Akutes Nierenversagen
- Elektrolytstörungen (Kaliummangel oder -überschuss, Kalziummangel)
- Blutgerinnungsstörungen
Diagnose und Behandlung einer Rhabdomyolyse
Die Diagnose wird durch Labortests bestätigt, insbesondere durch eine stark erhöhte Kreatinkinase-Konzentration im Blut.
Die Behandlung umfasst:
- Beseitigung der Ursache (z.B. Absetzen von Medikamenten)
- Körperliche Schonung und reichliche Flüssigkeitszufuhr
- Krankenhausaufenthalt bei Risiko für Komplikationen
- Flüssigkeitszufuhr über einen Venenkatheter
- Nierenersatztherapie (Dialyse) bei schwerem Verlauf
Weitere Maßnahmen zur Unterstützung des Lymphsystems
- Ausreichend trinken: Mindestens 2 Liter stilles Wasser oder Tee pro Tag, um die Lymphflüssigkeit zu verdünnen.
- Basische Ernährung: Vorzugsweise basische Lebensmittel zur Entschlackung und Entgiftung.
- Bewegung: Regelmäßige Bewegung, um den Lymphfluss anzuregen.
- Lymphreinigung: Spezielle Kuren zur Reinigung des Lymphsystems.
- Heilpflanzen: Birkenblätter, Ackerschachtelhalm, Katzenbart, Löwenzahn, Brennnessel, Steinklee, Rosskastanie und Mäusedorn können bei Wassereinlagerungen helfen.
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