Meningitis bei Neugeborenen: Ursachen, Symptome und Prävention

Bei einer Meningitis handelt es sich um eine Entzündung der Hirnhäute (Meningen), die wie Schutzhüllen unser Gehirn und unser Rückenmark umgeben. Deshalb wird die Krankheit auch Hirnhautentzündung genannt. Die Meningitis kann bei Menschen aller Altersgruppen auftreten. Ist neben Hirn- und Rückenmarkshäuten auch das Gehirn selbst - medizinisch als Enzephalon bezeichnet - betroffen, sprechen Fachleute von einer Meningoenzephalitis.

Häufigkeit und Betroffenheit

Ca. 70 % der Meningitis-Fälle treten bei Kindern unter 5 Jahren auf. Die Inzidenz ist in den ersten beiden Lebensjahren am höchsten, aber auch Jugendliche sowie Menschen mit einem geschwächten Immunsystem können an einer Hirnhautentzündung erkranken bzw. haben ein erhöhtes Risiko. In Deutschland ist die Verbreitung der Meningitis seit 2004 rückläufig, was vor allem durch neu verfügbare Impfstoffe gegen bakterielle Formen begründet wird. Die virale Meningitis kommt in den hiesigen Breitengraden mit jährlich etwa 30 Fällen pro 100.000 Menschen häufiger vor als die bakterielle Form, bei der es 0,5 bis vier Fälle pro 100.000 Personen im Jahr sind.

Ursachen einer Meningitis bei Neugeborenen

Eine Meningitis kann durch Viren oder Bakterien verursacht werden. Auch andere Erreger können eine Meningitis verursachen. In verschiedenen Altersgruppen können bestimmte Erreger/Auslöser überwiegen.

Virale Meningitis

Eine Meningitis wird meistens durch Viren hervorgerufen. Häufig sind Entero-, Herpes- oder Grippeviren die Verursacher. Aber auch Viren, die typische Kinderkrankheiten wie Masern, Mumps oder Windpocken (Varizella-Zoster-Virus) auslösen, können zu einer Hirnhautentzündung führen. Die Frühsommermeningoenzephalitis wird durch das FSME-Virus verursacht, das durch Zecken übertragen wird. Auslöser der viralen Meningitis können unterschiedliche Viren sein. Dazu zählen insbesondere durch Schmier- und Tröpfcheninfektion übertragene Enteroviren wie ECHO-Viren und Coxsackie-Viren. Auch Herpesviren sind ein möglicher Auslöser der viralen Meningitis. Auch bei einer Grippe, die durch Influenzaviren verursacht wird, lässt sich häufig eine leichte Begleitmeningitis feststellen.

Im Neugeborenenalter sind Herpes-Viren häufige Auslöser einer viralen Meningitis, während im Kleinkindalter u.a. Masern-, Mumps- oder Echovirus oft die Ursache für eine Erkrankung sind.

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Bakterielle Meningitis

Eine bakterielle Hirnhautentzündung tritt zwar seltener auf, verläuft aber meistens deutlich schwerwiegender als eine virale Meningitis. Selten sind Bakterien wie etwa Pneumokokken, Hämophilus influenzae oder Meningokokken die Auslöser für eine bakterielle Meningitis - unter Umständen hat diese Form der Erkrankung aber lebensbedrohliche Folgen. Besonders gefährlich sind Meningokokken, da sie nicht nur die sogenannte Meningokokken-Meningitis auslösen, sondern auch zu einer Blutstrominfektion (Sepsis) führen können. Diese geht mit einer hohen Sterblichkeit einher.

Eine bakterielle Meningitis beruht im Säuglingsalter meist auf einer Infektion mit Streptokokken der Gruppe B, mit Escherichia coli oder mit Listerien. Im Säuglings- und Kleinkindalter werden Hämophilus, Meningokokken und Pneumokokken u.a. als Auslöser identifiziert.

Häufigster bakterieller Erreger einer Meningitis in den ersten Lebensmonaten ist nach wie vor ein Bakterium, das bei Mensch und Tier zur normalen Darm- und Genitalflora gehört: Streptococcus agalactiae.

Weitere Ursachen

Weitere mögliche Erreger einer Hirnhautentzündung sind - insbesondere bei immungeschwächten Menschen - Pilze und Parasiten. Darüber hinaus kann manchmal auch kein ursächlicher Erreger festgestellt werden. Eine solche nicht infektiöse Meningitis kann unter anderem durch eine Reaktion auf verschiedene Medikamente, durch Giftstoffe, Autoimmunerkrankungen oder Tumorerkrankungen bedingt sein.

Wie gelangen die Erreger in den Körper?

Die Erreger einer Hirnhautentzündung werden hauptsächlich durch eine Tröpfcheninfektion (z.B. durch Küssen, Niesen oder Husten) übertragen. Erreger können über die Schleimhäute der Atemwege, aber auch von einem angrenzenden Entzündungsherd (z.B. bei einer Mittelohrentzündung) oder einer Verletzungsstelle (z. B. offener Schädelbruch) aus einwandern. Im Frühjahr und Sommer besteht die Gefahr, dass durch einen Zeckenbiss die von Viren verursachte, so genannte Frühsommer-Meningo-Enzephalitis oder eine bakterielle Meningitis durch Borrelien übertragen werden. Bei einer bakteriellen Meningitis handelt es sich oft nicht um eine Neu- beziehungsweise Erstinfektion: Die ursächlichen Bakterien siedeln manchmal schon länger symptomlos im Nasen-Rachen-Raum oder stammen aus einem Infektionsherd in anderen Bereichen des Körpers. Unter anderem über den Blutweg können die Keime in die Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit (Liquor cerebrospinalis) gelangen und die begrenzenden Hirnhäute befallen. Neben dem Blutweg ist auch eine direkte Wanderung der Erreger von anatomisch nahen Infektionsherden, etwa aus den Nasennebenhöhlen oder dem Mittelohr, in den Liquorraum und die Hirnhäute möglich. Außerdem können Verletzungen, die einen Zugang zum normalerweise geschlossenen Liquorsystem schaffen, etwa ein Schädelbasisbruch oder ein hirnchirurgischer Eingriff, zur Wanderung von Bakterien führen.

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Symptome einer Meningitis bei Neugeborenen

Zu Beginn ist es für Eltern und Ärzt*innen oft schwer, eine Meningitis zu erkennen. Denn die Symptome ähneln sehr denen einer Grippe. Erste Anzeichen für eine Meningitis sind grippeähnliche Symptome wie hohes Fieber, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit und ein steifer Nacken. Die Symptome einer Meningitis ähneln denen einer Grippe und sind meist recht unspezifisch:

  • Hohes Fieber
  • Starke Kopf- und Gliederschmerzen
  • Schüttelfrost und Schwindel
  • Extreme Abgeschlagenheit
  • Teilweise Übelkeit und Erbrechen
  • Meist kommt es zu einer plötzlichen und sehr schmerzhaften Nackensteifigkeit.

Bei Säuglingen und Kleinkinder sind die Symptome noch unspezifischer - besonders in den frühen Phasen der Erkrankung. Meistens leiden die Kleinen unter:

  • Fieber
  • Einer starken Müdigkeit
  • Sie wirken oftmals teilnahmslos und auffällig reizbar
  • Aber auch lautes Schreien, Bauchschmerzen und Krampfanfälle können auftreten
  • Die Fontanelle kann sich nach außen wölben

Was dagegen meistens fehlt, ist die für eine Meningitis typische Nackensteifigkeit. Bei Babys und Kleinkindern können sich die Anzeichen einer Meningitis ganz plötzlich entwickeln und sehr schnell lebensbedrohlich werden. Aus diesem Grund solltest du beim ersten Verdacht eine Arztpraxis aufsuchen und dein Kind behandeln lassen!

Weitere hinweisgebende Symptome sind:

  • vorgewölbte Fontanelle
  • kalte Extremitäten und blasse Hautfarbe
  • Berührungsempfindlichkeit
  • Schlaffheit oder Opisthotonus
  • Atembeschwerden (Dyspnoe, Tachypnoe)
  • Hyperexzitabilität
  • Ödeme
  • aufgeblähtes Abdomen
  • Hypothermie
  • Ikterus
  • Hauterscheinungen wie Petechien und papulöse oder konfluierende Hautinfiltrate

Diagnose einer Meningitis

Da eine bakterielle Meningitis durch einen raschen und schweren Verlauf gekennzeichnet ist, ist eine schnelle Diagnostik besonders wichtig. Um die richtige Behandlung einleiten und geeignete Maßnahmen ergreifen zu können, ist neben der Differenzialdiagnose auch die Bestimmung der auslösenden Erreger notwendig. Bei Verdacht auf Meningitis ist ein ausführliches Anamnesegespräch wichtig, um etwaige Ursachen der Erkrankung zu erkennen.

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Die Erreger einer Hirnhautentzündung gelangen über das Blut in die Hirnhäute, daher können entsprechende Erreger auch in einer Blutprobe nachgewiesen werden. Bei einer Lumbalpunktion entnimmt eine Ärztin / ein Arzt mit einer speziellen Nadel Flüssigkeit (Liquor) aus dem Rückenmarkskanal. Der Liquor wird anschließend im Labor auf Entzündungszeichen und Krankheitserreger untersucht. Insbesondere bei Bewusstseinsstörungen ist eine Untersuchung des Gehirns über MRT (Magnetresonanztomografie) oder CT (Computertomografie) erforderlich.

Behandlung einer Meningitis bei Neugeborenen

Für die richtige Behandlung ist entscheidend, welcher Erreger die Hirnhautentzündung ausgelöst hat. Denn eine virale Meningitis muss anders behandelt werden als eine bakterielle Meningitis.

Virale Meningitis Behandlung

Hier hängt es maßgeblich davon ab, wie sich dein Kind fühlt. Manche Kinder sind bei einer viralen Meningitis nur erschöpft und brauchen Ruhe. Achte darauf, dass dein Kind ausreichend Flüssigkeit zu sich nimmt. Schmerzmittel können helfen, Fieber zu senken und Kopfschmerzen zu lindern. In schweren, aber sehr seltenen Fällen kann es sein, dass ein Krankenhausaufenthalt nötig ist. Dort bekommt dein Kind z. B. regelmäßig intravenös Flüssigkeit. Generell gilt aber: Bei einer viralen Meningitis benötigen die meisten Kinder nur ausreichend Bettruhe, und die Krankheit heilt nach einigen Tagen bis 3 Wochen von selbst aus.

Bakterielle Meningitis Behandlung

Sind Bakterien der Auslöser für die Hirnhautentzündung, ist die Lage ernst. Dein Kind braucht sofort ärztliche Hilfe. Eine schnelle Behandlung ist entscheidend. Im Krankenhaus bekommt dein Kind eine Antibiotika-Therapie, um die Infektion zu bekämpfen. Ein stationärer Aufenthalt ist auch deshalb notwendig, weil Komplikationen auftreten können, etwa eine Schwellung des Gehirns. Zur Linderung der Hirnschwellung werden dann Kortikosteroide, Hormone aus der Nebennierenrinde, verabreicht. Manchmal werden Betroffene mit einer bakteriellen Meningitis isoliert.

Genesung und Folgen

Der Krankheitsverlauf und die vollständige Genesung einer Hirnhautentzündung hängen von einer schnellen und gezielten Behandlung, vom Erregertyp und vom Gesundheitszustand der erkrankten Person ab. Eine virale Meningitis heilt meistens innerhalb von mehreren Wochen vollständig aus, insofern schnell gehandelt wird. Folgeschäden sind hierbei eher selten. Wenn eine bakterielle Meningitis rechtzeitig behandelt wird, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die betroffene Person wieder vollständig gesund wird. In manchen Fällen kann es zu bleibenden neurologischen Schäden, wie Gehörschäden, Lähmungserscheinungen oder psychische Beeinträchtigungen kommen. Bei Säuglingen, älteren Menschen und Menschen mit einem geschwächten Immunsystem oder Vorerkrankungen ist das Risiko höher, dass es zu Folgenschäden kommt. Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, sofort zu reagieren, wenn Verdacht auf Meningitis besteht!

Vorbeugende Maßnahmen

Die gute Nachricht ist: Gegen die wichtigsten Meningitis-Erreger gibt es heute eine sichere und wirksame Impfung. Wer sein Kind vor einer Hirnhautentzündung schützen möchte, der sollte es gegen die häufigsten Erreger (sowohl Viren als auch Bakterien) impfen lassen. Gegen die drei häufigsten Bakterien (Meningokokken, Pneumokokken und Haemophilus influenzae Typ B), die eine Meningitis auslösen können, empfiehlt das RKI Impfungen für Babys und Kleinkinder. Auch gegen einige Viren, die für eine virale Meningitis verantwortlich sind, gibt es schützende Impfungen. Für alle Kinder werden die Mumps-Impfung, Masern-Impfung und Röteln-Impfung (meist kombiniert als MMR-Impfung) empfohlen. Da FSME-Viren über Zecken übertragen werden, sollten sich alle Menschen, die in FSME-Risikogebieten leben oder dort häufig Urlaub machen, dagegen impfen lassen.

Meningokokken-Infektionen können durch verschiedene Bakterienunterarten entstehen. In Deutschland kommen Meningokokken B und C am häufigsten vor. Ab einem Alter von 2 Monaten empfiehlt die STIKO den Eltern, ihre Säuglinge gegen Meningokokken der Serogruppe B impfen zu lassen. Solltest du diesen Zeitpunkt mit deinem Kind verpasst haben, kannst du eine versäumte Impfung bis zum 5. Geburtstag nachholen. Die Impfung gegen Meningokokken der Serogruppe C empfiehlt die STIKO allen Kindern zu Beginn des 2. Lebensjahres. Aber auch hier kannst du die Impfung nachholen. Dies sollte bis zum 18. Geburtstag geschehen.

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