Meningitis: Symptome, Ursachen, Diagnose und Behandlung

Bei einer Meningitis, auch Hirnhautentzündung genannt, entzünden sich die Hirnhäute, die sich zwischen den Schädelknochen und dem Gehirn befinden. Anders als häufig angenommen, können nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene an Meningitis erkranken. Bleibt die Erkrankung unerkannt und unbehandelt, kann sie lebensgefährliche Folgen haben und im schlimmsten Fall innerhalb weniger Stunden zum Tod führen. Das gilt insbesondere für Fälle, die durch Bakterien (meist Meningokokken oder Pneumokokken) ausgelöst werden. Umso wichtiger ist es, mögliche Warnzeichen frühzeitig zu erkennen und schnell zu handeln.

Was ist Meningitis?

Die Hirnhäute (Meningen) sind bindegewebige Hüllen, die Gehirn und Rückenmark umschließen. Es gibt drei Stück davon: die innere, mittlere und äußere Hirnhaut. Bei einer Meningitis sind diese Hirnhäute entzündet. Greift die Entzündung zusätzlich auf das Gehirn über, sprechen Mediziner von einer Meningoenzephalitis.

Ursachen von Meningitis

Die Ursachen einer Hirnhautentzündung (Meningitis) sind vielfältig. Die Entzündung dieser Strukturen kann durch Erreger unterschiedlicher Gruppen ausgelöst werden (Viren, Bakterien, Pilze, Parasiten). Am häufigsten wird sie durch Viren ausgelöst. Seltener, aber viel gefährlicher ist eine durch Bakterien verursachte Hirnhautentzündung. In seltenen Fällen kann eine Hirnhautentzündung auch durch Pilzinfektionen verursacht werden, vor allem bei Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem.

Die Erreger können auf verschiedenen Wegen in den Körper gelangen:

  • Tröpfcheninfektion: Viren werden meistens über eine Tröpfcheninfektion übertragen.
  • Direkt über eine offene Verbindung zwischen Gehirn und Außenwelt: Bei bestehenden Erkrankungen, z.B.
  • Als Komplikation einer Entzündung im benachbarten Gewebe („Durchwanderungsmeningitis“): zum Beispiel bei Ohr-, Stirn- oder Nasennebenhöhlenentzündung, einem Hirnabszess
  • Durch eine Streuung der Bakterien über das Blut (hämatogen): zum Beispiel bei Meningokokken oder als Streuung von einem andere Infektionsherd (Lungenentzündung, Herzklappenentzündung)
  • Nach einer Operation (am Kopf)
  • Selten nach ärztlichem Eingriff: zum Beispiel Injektionen entlang der Wirbelsäule

Eine nicht durch Bakterien verursachte Hirnhautentzündung wird auch als aseptische Meningitis (abakterielle Meningitis) bezeichnet. Zum anderen kann eine Hirnhautentzündung auch im Rahmen verschiedener Erkrankungen entstehen, beispielsweise bei Sarkoidose oder einer Krebserkrankung. In diesen Fällen ist die Meningitis nicht ansteckend.

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Häufige Erreger sind:

  • Bakterien:
    • Streptococcus pneumoniae (Pneumokokken) - ist der häufigste Erreger der bakteriellen Meningitis in Europa. Vorausgehen kann eine Entzündung im Hals-Nasen-Ohren-Bereich, wie eine Mittelohr- oder Nasennebenhöhlenentzündung.
    • Neisseria meningitidis (Meningokokken) - Meningokokken werden durch Tröpfcheninfektion übertragen und sind sehr ansteckend. Menschen mit einer Meningokokken-Meningitis müssen deshalb schnell isoliert werden.
    • Haemophilus influenzae
    • Listerien, Staphlykokken, Enterobakterien, Pseudomonas
    • b-Streptokokken (insbesondere bei Neugeborenen)
  • Viren:
    • Enteroviren - Sie sind die häufigste Ursache für virale Hirnhautentzündungen. Ein häufiger Durchfallerreger, die Enteroviren, sind die häufigste virale Ursache einer akuten Meningitis.
    • Herpesviren - Insbesondere das Herpes-simplex-Virus (HSV) und das Varizella-Zoster-Virus (der Erreger von Windpocken und Gürtelrose) können eine schwere Meningoenzephalitis (Entzündung des Gehirns) verursachen.
    • FSME-Virus - Das Frühsommer-Meningoenzephalitis-Virus wird durch Zeckenstiche übertragen.
    • Mumps-Virus, Masern-Virus, Röteln-Virus
    • Coxsackie-Viren (unter anderem auch Erreger der Hand-Fuß-Mund-Krankheit)
    • Epstein-Barr-Virus (kann zu Pfeifferschem Drüsenfieber führen)
  • Pilze: (z.B. Candida albicans)
  • Parasiten

Symptome einer Meningitis

Die Anzeichen einer Meningitis können sich schnell entwickeln. Die Symptome können sich je nach Alter und Art des Erregers unterscheiden. Zu Beginn der Erkrankung können grippeähnliche Beschwerden auftreten wie Schwächegefühl und Fieber. Kurz darauf kommen hohes Fieber und starke Kopfschmerzen hinzu. Im fortgeschrittenen Stadium entwickelt sich eine ausgeprägte Nackensteifigkeit.

Allgemeine Symptome können sein:

  • Starke, anhaltende Kopfschmerzen. Diese setzen meist plötzlich ein und können sich bei Bewegung verschlimmern.
  • Hohes Fieber von bis zu 40 Grad Celsius, das in Schüben auftritt. Die hohe Körpertemperatur ist eine Reaktion des Immunsystems auf die Infektion.
  • Nackensteifigkeit (Meningismus). Betroffene können ihren Kopf dabei kaum und nur unter Schmerzen nach vorne beugen. Dazu kommt es, weil die Hirnhäute im Nacken Schmerzrezeptoren besitzen, die auf die Entzündung reagieren. Bei Vorliegen einer Nackensteife kann der Kopf nur eingeschränkt nach vorne gebeugt werden. Die Ursache kann harmlos sein, aber auch ein Warnsymptom für eine akut lebensbedrohliche Erkrankung.
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Lichtempfindlichkeit (Photophobie). Entzündete Hirnhäute können zu einer erhöhten Empfindlichkeit gegenüber hellem Licht führen. Betroffene Personen empfinden dieses als unangenehm oder sogar schmerzhaft.
  • Schwindel. Eine Hirnhautentzündung kann das Gleichgewichtssystem beeinträchtigen, was unter Umständen zu Schwindel führt. Dieser kann sich auf unterschiedliche Weise äußern.
  • Unruhe und Verwirrtheit. Menschen mit Meningitis fühlen sich mitunter innerlich unruhig und verwirrt. Das kann sich zum Beispiel in Konzentrationsstörungen, Desorientierung oder Rastlosigkeit äußern.
  • Schläfrigkeit und Apathie. Bei einigen Erkrankten kommt es im Rahmen einer Meningitis zu extremer Schläfrigkeit. Die betroffene Person fühlt sich dann ungewöhnlich müde und schläft deutlich mehr als sonst. Auch ein apathisches Verhalten ist möglich.
  • Hautausschlag. Insbesondere bei bakterieller Meningitis kann ein charakteristischer Hautausschlag auftreten. Typischerweise bilden sich kleine rot-bräunliche Flecken, die Petechien ähneln. Im Verlauf vergrößern sie sich. Bei einer durch Meningokokken verursachten Meningitis ist ein Warnsignal ein typischer Hautausschlag, der als kleine, rote oder violette Flecken (Petechien) beginnt. Sie können sich zu größeren Einblutungen entwickeln (Purpura fulminans) und deuten darauf hin, dass die Blutgerinnung durch die Infektion gestört ist. Das kann Zeichen einer schweren Blutvergiftung (Sepsis) sein.
  • Bewusstseinsstörungen (von leichter Verwirrtheit bis zum Koma)
  • Epileptische Anfälle (in 15-30 Prozent der Fälle)
  • Lähmungen, insbesondere im Gesicht (Fazialisparesen) - gelten ebenfalls als Warnzeichen einer durch Bakterien verursachten Hirnhautentzündung.

Allerdings treten nicht immer alle Symptome gemeinsam auf. Außerdem entwickeln sich eindeutige Symptome wie die Nackensteifigkeit häufig erst im Verlauf der Erkrankung.

Symptome bei Säuglingen und Kleinkindern:

Bei Säuglingen und Kleinkindern sind die Symptome oft untypisch und schwerer zu deuten. Achten Sie auf diese Warnzeichen:

  • Fieber, manchmal sind kalte Hände und Füße zu bemerken
  • Appetitlosigkeit
  • Durchfall und Erbrechen
  • Hochtoniges, schrilles Weinen oder Jammern
  • Unwillen gegenüber Berührungen
  • Die Fontanelle (Knochenlücke am kindlichen Schädel, die von weichem Bindegewebe überdeckt ist) kann sich bei einer Meningitis leicht nach außen wölben oder hart werden, während sie bei gesunden Kindern eher nach innen gewölbt ist.
  • Nackensteifigkeit ist bei Babys oft nur sehr schwer festzustellen.

Wichtig: Bei Verdacht auf eine Meningitis sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.

Diagnostik

Bei Verdacht auf Meningitis dürfen Sie keine Zeit verlieren. Sie müssen ohne Verzögerung einen Arzt aufsuchen! Wenden Sie sich an den Hausarzt, einen Kinderarzt (bei kleinen Patienten), einen Neurologen oder an die Notaufnahme eines Krankenhauses. Eine Hirnhautentzündung rasch zu diagnostizieren und zu behandeln, kann unter Umständen lebensrettend sein!

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Um die Ursache für die Nackensteife festzustellen, sollten Sie die behandelnden Ärzt*innen über den Beginn und den Verlauf Ihrer Schmerzen informieren.

Mögliche Fragen des Arztes dabei sind:

  • Gab es eine ruckartige, ungewohnte Bewegung der Halswirbelsäule?
  • Haben Sie Kopfschmerzen?
  • Bestehen Husten oder Schnupfen?
  • Sind andere Personen in Ihrem Umfeld ebenfalls erkrankt?
  • Welche Medikamente haben Sie eingenommen?
  • Besteht aktuell eine Erkältung (Halsschmerzen, Husten, chronischer Schnupfen)?
  • Treten Kopfschmerzen, Fieber und/oder eine schmerzhafte Nackensteifigkeit auf?
  • Sind irgendwelche Grund- oder Vorerkrankungen bekannt (HIV, Sarkoidose, Borreliose etc.)?
  • Nehmen Sie bzw. nimmt Ihr Kind regelmäßig Medikamente?
  • Haben Sie bzw. hat Ihr Kind eine Allergie gegen Medikamente (zum Beispiel gegen Antibiotika)?
  • Hatten Sie bzw. hatte Ihr Kind Kontakt zu anderen Personen mit Kopfschmerzen, Fieber und Nackensteifigkeit?
  • Waren Sie bzw. war Ihr Kind kürzlich im Ausland (zum Beispiel in einem afrikanischen Land)?

Ein erfahrener Arzt kann die Meningitis-Diagnose bereits anhand der Beschwerden und der körperlichen Untersuchung stellen. Es muss aber unbedingt geklärt werden, ob es sich um eine bakterielle oder virale Meningitis handelt. Davon hängt nämlich die Behandlung ab.

Untersuchungen:

  • Körperliche Untersuchung: Bei der körperlichen Untersuchung wird Ihr Allgemeinzustand beurteilt und der Bewegungsumfang Ihrer Halswirbelsäule untersucht. Das ärztliche Personal achtet auch auf Anzeichen für ein Trauma, wie Prellmarken am Kopf. Bei Verdacht auf eine bakterielle Hirnhautentzündung wird Ihre Haut untersucht, da kleine Einblutungen (Petechien) Zeichen eines schweren Verlaufes sein können (sog. Waterhouse-Friderrichsen-Syndrom).
  • Funktionstests: Möglicherweise werden spezifische Funktionstests durchgeführt, bei der die Hirnhäute gedehnt werden. Patient*innen mit gereizten Hirnhäuten nehmen bei diesen Tests spezifische Schonhaltungen ein.
    • Lasègue-Test: Beim Lasègue-Test liegen Sie auf dem Rücken, während Ihr Bein in gestreckter Position angehoben wird. Der Test gilt als positiv, wenn Sie dabei ins Bein ausstrahlende Rückenschmerzen erleben.
    • Brudzinski-Test: Beim Brudzinski-Test liegen Sie auf dem Rücken, während das ärztliche Personal Ihren Kopf anhebt. Bei gereizten Hirnhäuten beugen Betroffene reflektorisch ihre Hüfte und Kniegelenke. Das Brudzinski-Zeichen ist ein guter Hinweis auf eine Hirnhautentzündung).
    • Kernig-Test: Beim Kernig-Test liegen Sie auf dem Rücken und die untersuchende Person hebt Ihre gestreckten Beine an. Wenn Sie bei der Durchführung Ihre Kniegelenke reflektorisch beugen, gilt der Test als positiv. Auch das sogenannte Lasègue-Zeichen kann bei der Hirnhautentzündung auffällig sein: Der Arzt bewegt beim liegenden Patienten jeweils ein gestrecktes Bein langsam nach oben - er führt also eine Hüftgelenksbeugung bei durchgestrecktem Knie durch. Wenn der Patient dabei vom Rücken in das Bein einschießende Schmerzen verspürt (positives Lasègue-Zeichen), deutet dies auf eine Reizung der Gehirnhäute hin.
  • Blutuntersuchungen: Im Blut lassen sich regelhaft deutlich erhöhte Entzündungszeichen nachweisen (Anstieg von C-reaktivem Protein und Leukozyten). Bei Verdacht auf infektiöse Meningitis werden Blutkulturen abgenommen (in 60-70 Prozent fallen diese positiv für Bakterien aus). Durch sogenannte Blutkulturen kann man versuchen, einen Erreger nachzuweisen und zu identifizieren - vor allem Bakterien. Der Arzt kann dann für die bakterielle-Meningitis-Therapie ein geeignetes Antibiotikum auswählen, das gegen den betreffenden Bakterientyp wirksam ist.
  • Lumbalpunktion (Entnahme von Nervenwasser): Bei der Liquorpunktion wird mit einer feinen Hohlnadel etwas Nervenwasser (Liquor) aus dem Rückenmarkskanal auf Höhe der Lendenwirbel entnommen. Das Ganze dauert nur wenige Minuten und wird meist als nicht besonders schmerzhaft empfunden. Die entnommene Liquorprobe wird im Labor auf mögliche Erreger der Hirnhautentzündung untersucht. Im Nervenwasser findet sich eine typische Konstellation für eine bakterielle Entzündung: sehr viele Entzündungszellen (vornehmlich Granulozyten über 1000 Zellen/µl), ein deutlich erhöhter Eiweißgehalt (>120mg/dl) und Laktatgehalt (>4,5mmol/µl) sowie ein deutlich abgesenkter Zuckerspiegel (<5mg/dl). Mikroskopisch können durch eine Gramfärbung einer Liquorprobe Bakterien direkt nachgewiesen werden. Zudem stehen Antigennachweismethoden gegen die Bakterien zur Verfügung. Meningokokken können auch in vorliegenden Hautveränderungen mikroskopisch nachgewiesen werden. Gegebenenfalls wird vor der Liquorpunktion noch eine Computertomografie (CT) durchgeführt, um einen erhöhten Hirndruck auszuschließen. Bei erhöhtem Hirndruck sollte nämlich keine Liquorpunktion durchgeführt werden.
  • Bildgebende Verfahren (CT oder MRT): Diese bildgebenden Verfahren liefern weitere Informationen über den Zustand des Gehirns. Sie können manchmal auch Hinweise darauf geben, woher der Erreger ursprünglich kam (beispielsweise aus vereiterten Nasennebenhöhlen).

Behandlung von Meningitis

Die Therapie hängt entscheidend vom Erreger ab.

Bakterielle Meningitis:

Die notfallmäßige Gabe einer Kombination von Antibiotika ist entscheidend. Patienten und Patientinnen mit Verdacht auf eine bakterielle Meningitis werden sofort im Krankenhaus, meist auf einer Intensivstation, aufgenommen. Bei der Auswahl der Antibiotika ist es wichtig Substanzen zu wählen, die die sogenannte Blut-Hirn-Schranke überwinden können, d.h. in den Nervenwasserraum eindringen, den Erreger erreichen und abtöten. Vor der Ära der Antibiotika lag die Sterblichkeit bei Befall von Pneumokokken bei 100 Prozent. Hochdosiert wird bei bestimmten Formen der Hirnhautentzündung notfallmäßig über die Vene Kortison gegeben. Es kann bei Pneumokokken-Meningitis die Sterblichkeit und bei einer Meningokokken-Meningitis das Risiko für Folgeschäden wie einen Hörverlust senken. Ist die Infektquelle bekannt, ist es wichtig diesen Herd chirurgisch zu sanieren. Weiter stehen Medikamente für die symptomatische Therapie zur Verfügung. Es erfolgt eine engmaschige Überwachung, in der Regel auf der Intensivstation, um weitere Komplikationen erkennen und behandeln zu können.

Virale Meningitis:

Die meisten viralen Hirnhautentzündungen werden symptomatisch mit fiebersenkenden und schmerzlindernden Medikamenten behandelt. Eine wichtige Ausnahme ist die durch Herpesviren (Herpes-simplex-Virus, Varizella-Zoster-Virus) verursachte Enzephalitis. Hier ist eine sofortige intravenöse Therapie mit dem antiviralen Medikament Aciclovir lebensrettend und muss bereits bei Verdacht begonnen werden. Trotzdem wird immer aufgrund der Gefährlichkeit und relativen Häufigkeit einer HSV- oder VZV-Meningitis mindestens bis zum Nachweis des Erregers mit Aciclovir, einem Virostatikum, intravenös behandelt.

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Weitere Behandlungen:

Wurden Pilze oder Parasiten als Ursache der Meningitis verifiziert, wird die Behandlung auf diese ausgerichtet.

Komplikationen und Langzeitfolgen

Meningitis ist eine schwere Erkrankung, die sowohl akute Komplikationen als auch bleibende Schäden verursachen kann.

Akute Komplikationen:

Mögliche Komplikationen sind zum Beispiel:

  • Hirnödem: Eine Schwellung des Gehirns, die zu einem lebensbedrohlichen Anstieg des Hirndrucks führen kann.
  • Epileptische Anfälle
  • Schlaganfälle durch Entzündungen der Blutgefäße im Gehirn.
  • Systemische Komplikationen: zum Beispiel eine Blutvergiftung oder Gerinnungsstörungen.
  • Waterhouse-Friderichsen-Syndrom
  • ARDS (akutes Lungenversagen)
  • Sepsis

Langzeitfolgen:

Auch nach überstandener Krankheit können dauerhafte Beeinträchtigungen zurückbleiben.

  • Hörschäden: Hörverlust bis hin zur Taubheit ist eine der häufigsten Folgen, besonders nach einer Pneumokokken-Meningitis. Eine frühzeitige audiologische Untersuchung nach der Erkrankung ist daher sehr wichtig.
  • Neurologische Defizite: Dazu zählen Lähmungen, Gleichgewichtsstörungen (Ataxie) und epileptische Anfälle.
  • Kognitive Beeinträchtigungen: Viele Betroffene klagen über Probleme mit der Konzentration und der Merkfähigkeit.
  • Lernschwierigkeiten
  • Gedächtnisprobleme
  • Psychische Probleme
  • Nierenversagen
  • Tod

Vorbeugung

Wenn man einer Meningitis vorbeugen möchte, sollte man sich nach Möglichkeit vor allem vor Infektionen mit den häufigsten Erregern (Viren und Bakterien) schützen.

Bakterielle Meningitis: Vorbeugen durch Impfung

Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt verschiedene Impfungen für alle Kinder. Dazu zählen auch drei Impfungen gegen häufige Erreger einer bakteriellen Meningitis: Meningokokken-Impfung, Pneumokokken-Impfung und Haemophilus influenzae Typ B-Impfung. Das Immunsystem von kleinen Kindern ist noch nicht ausgereift und kann deshalb Erreger nicht so gut abwehren. Darum lässt sich mit diesen drei Impfungen das Risiko einer bakteriellen Hirnhautentzündung deutlich senken:

  • Meningokokken-Impfung: Es gibt verschiedene Untergruppen (Serogruppen) von Meningokokken. In Europa wird eine Meningokokken-Meningitis meist durch die Serogruppen B und C ausgelöst. Eine Hirnhautentzündung durch Meningokokken C ist seltener, verläuft aber oft schwer und mit Komplikationen (wie das Waterhouse-Friderichsen-Syndrom). Für alle Kinder im Alter von zwölf Monaten ist daher eine Impfung gegen Meningokokken C empfohlen. Wird dieser Impftermin verpasst, sollte die Impfung bis zum 18. Lebensjahr nachgeholt werden. Zudem stehen für Säuglinge, Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit einem erhöhten Infektionsrisiko (siehe unten) Vierfach-Impfstoffe gegen Meningokokken der Serogruppen A, C, W und Y zur Verfügung. Diese sind je nach Impfstoff ab dem Alter von sechs Wochen, zwölf Monaten und ab zwei Jahren zugelassen. Gegen die viel häufigere Meningokokken-B-Meningitis gibt es seit Ende 2013 bzw. 2017 eigene Impfstoffe. Bei Kleinkindern werden sie je nach Impfschema in drei oder zweiverabreicht. Bei älteren Kindern genügen zwei Impfdosen. Bislang liegen der STIKO noch nicht ausreichend Daten vor, um diese Impfung für alle Kinder zu empfehlen. Aktuell wird die Meningokokken-B-Impfung deshalb nur Menschen mit erhöhtem Infektionsrisiko geraten - meist zusätzlich zur kombinierten Impfung gegen Meningokokken A, C, W und Y. Dazu zählen zum Beispiel Menschen mit einer angeborenen oder erworbenen Immunschwäche (etwa bei fehlender Milz), Reisende in Risikogebiete und gefährdetes Laborpersonal. Das Gleiche gilt für Ungeimpfte, die im gleichen Haushalt wie Patienten leben, die eine schwere Infektion mit einer der betreffenden Meningokokken-Serogruppen (A, B, C, W oder Y) durchleben.
  • Pneumokokken-Impfung: Die Pneumokokken-Impfung wird allen Kindern ab dem Alter von zwei Monaten empfohlen. Vorgesehen sind drei Impfdosen: Die erste Dosis sollte im Alter von zwei Monaten gegeben werden, die zweite Dosis im Alter von vier Monaten. Die dritte Impfdosis ist im Alter von elf Monaten empfohlen. Säuglinge (mit Ausnahme der Frühgeborenen) können den Pneumokokken-Impfstoff parallel zum 6-fach-Impfstoff bis zum Alter von 23 Monaten bekommen. Die drei Impfdosen werden üblicherweise im Alter von zwei, vier und elf Monaten verabreicht. 70 Prozent aller Todesfälle bei Hirnhautentzündung lassen sich auf eine Infektion mit Pneumokokken zurückführen. Für Kinder ab dem dritten Lebensmonat und Jugendliche mit Grunderkrankungen oder erhöhtem Gesundheitsrisiko rät die Ständige Impfkommission deshalb zur Impfung gegen diese Krankheitserreger.
  • Haemophilus influenzae Typ B-Impfung: Die Hib-Impfung wird ebenfalls für alle Kinder empfohlen. Sie wird in drei Impfdosen verabreicht - jeweils eine Dosis im Alter von zwei, vier und elf Lebensmonaten.

Virale Meningitis: Vorbeugen durch Impfung

Einigen Formen viraler Meningitis kann man ebenfalls mit einer Impfung vorbeugen. Standardmäßig für alle Kinder empfohlen werden die Mumps-Impfung, Masern-Impfung und Röteln-Impfung (meist kombiniert als MMR-Impfung verabreicht). Es gibt auch einen Impfstoff gegen Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Das ist eine von Zecken übertragene virale Entzündung von Hirnhäuten und Gehirn. Die STIKO empfiehlt die FSME-Impfung allen Menschen, die in FSME-Risikogebieten leben oder sich dort aufhalten (etwa im Urlaub) und von Zecken gestochen werden könnten (durch häufige bzw. lange Aufenthalte in der Natur). Für einen längeren Impfschutz wird eine Grundimmunisierung mit drei Impfdosen empfohlen. Nach drei Jahren kann die FSME-Impfung mit einer weiteren Dosis aufgefrischt werden. Danach werden Auffrischimpfungen im Fünf-Jahres-Abstand für Personen unter 60 Jahren empfohlen, ab dem 60. Lebensjahr alle drei Jahre. So kann man einer kombinierten Meningitis und Enzephalitis durch FSME-Viren vorbeugen.

Prophylaxe von Kontaktpersonen:

Das Erkrankungsrisiko von engen Kontaktpersonen bei Infektion mit Haemophilus influenzae oder Meningokokken ist um 200 bis 1000fach erhöht. Daher ist dringend die Einnahme von Antibiotika als Chemoprophylaxe angeraten. Ideal ist eine Einnahme innerhalb der ersten 24 Stunden. Die Chemoprophylaxe ist aber bis zu 10 Tagen nach Kontakt mit dem Patienten sinnvoll.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Die Nackensteife ist ein Warnsymptom, das bei unterschiedlichen lebensbedrohlichen Erkrankungen vorliegen kann. Wird eine schwerere Erkrankung vermutet, erfolgt eine schnellstmögliche Abklärung im Krankenhaus.

Bei folgenden Warnzeichen sollte umgehend ärztliche Hilfe geholt werden:

  • Starke Kopfschmerzen in Kombination mit Fieber und Nackensteifigkeit
  • Bewusstseinsstörungen
  • Hautausschlag (insbesondere bei kleinen, punktförmigen Flecken)
  • Neu auftretende Lähmungen

Eine rasche Diagnose und Behandlung - meist durch Antibiotika - sind entscheidend, um Komplikationen und das Risiko schwerwiegender Folgen zu reduzieren.

Fallbeispiel

Die 46-jährige Cornelia T. hat über Nacht ungewohnt heftige Kopfschmerzen mit Fieber von 39°C bekommen. Dann hat sie eine schwere Übelkeit verspürt, die bereits zu zweimaligem Erbrechen geführt hat. Sie klagt zudem über das Gefühl eines extrem steifen Nackens. Sie vertrage helles Licht nicht und bei Eintreffen in der Notaufnahme wird die Patientin zunehmend schläfrig. Sie reagiert nur noch apathisch auf einfache Aufforderungen. In diesem Fall ist eine sofortige Abklärung auf Meningitis erforderlich.

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